Kategorie: Institutionen & Bildung

Institutionen & Bildung – Immobiliennews zu Verbänden, Standortförderung, Institutionen & Wissenstransfer in der Schweizer Immobilienbranche.

  • Forschungsprojekt fördert Kreislaufwirtschaft im Bauwesen

    Forschungsprojekt fördert Kreislaufwirtschaft im Bauwesen

    Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) arbeiten laut einer Mitteilung an der Wiederverwendung von altem Baumaterial. In einer von Prof. Dr. Catherine De Wolf entwickelten projektbasierten interdisziplinären Lehrveranstaltung suchen angehende Ingenieurwissenschaftler etwa aus Architektur oder Informatik nach Wegen für sinnvolles Recycling im Bauwesen, um Ressourcen zu sparen und Materialien länger zu nutzen.

    Ihre Kenntnisse wenden sie bei Baustellenbesuchen, Workshops oder in der Werkstatt an. Rund 70 Prozent ihrer Zeit verbringen die ETH-Forschenden in der Praxis. „Sie lernen, wie man Materialien aus bestehenden Gebäuden sorgfältig ausbaut, digital dokumentiert, in neue Entwürfe integriert und schliesslich umsetzt“, heisst es. Die Erfahrung, ein Gebäude zu demontieren und dieses Abbruchmaterial, das sonst auf der Deponie landen würde, für neue Bauprozesse wiederzuverwenden, führe vor Augen, „wie sich nachhaltige Bauweisen praktisch umsetzen lassen“. Im Kurs Digital Creativity for Circular Construction wird in Teams an umsetzbaren Projekten für externe Auftraggebende und Nutzende gearbeitet. Zum Erfassen der Gebäudesubstanz kommen Laserscanning, Künstliche Intelligenz und Erweiterte Realität zum Einsatz.

    Die Arbeiten der Studierenden waren in der Kunsthalle Zürich, auf der Kunstmesse Art Genève und auf der Architekturbiennale in Venedig zu sehen und wurden von externen Auftraggebenden und Nutzenden weiterverwendet. 

  • Junge Erwachsene gestalten Zukunft eines zentralen Areals mit

    Junge Erwachsene gestalten Zukunft eines zentralen Areals mit

    In der Gemeinde Adelboden können junge Erwachsene an der künftigen Nutzung des Parkhausareals mitwirken. Zur Ideenfindung veranstaltet die Gemeinde in Kooperation mit der Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg, der Parkhaus AG und der Hotel Adler AG in der Freizeit- und Sportarena Adelboden ein Kreativatelier. Am 19. Juni 2026 sind 80 junge Erwachsene bis 35 Jahre eingeladen, konkrete Vorschläge für eine bauliche Umgestaltung zu entwickeln. Interessierte können sich bis zum 5. Juni anmelden.

    Gefragt sind Ansätze, die über die „klassischen Planungslogiken“ hinausführen, heisst es in einer Medienmitteilung. Der Gemeinde geht es darum, die Meinung junger Menschen zur Zukunft ihres Wohnumfeldes sichtbar zu machen. Denn „sie leisten einen wertvollen Beitrag zur langfristigen Entwicklung des Dorfes als lebenswerter Wohn- und attraktiver Tourismusort“. Bevor Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden, sei ein „breiter Ideenfächer“ gefragt.

    Zwei Varianten werden in dem „transparenten, demokratisch abgestützten“ Prozess aktiv mit einbezogen und diskutiert: ein Panoramaplatz als Platz mit Ausblick auf die Bergwelt und ein Erlebnisbad mit bereits bestehender Überbauungsordnung. Daneben bleibe Raum für weitere und neue Konzepte. Die besten Projektideen werden professionell visualisiert, öffentlich ausgestellt und in Abstimmung mit der Bevölkerung und touristischen Akteuren im Anschluss geprüft.

  • Bundesrat will Wohnbau beschleunigen

    Bundesrat will Wohnbau beschleunigen

    Der Bundesrat prüft laut seiner Mitteilung Massnahmen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus. Mit seinem Bericht vom 22. April 2026 reagiert er auf fünf Postulate aus dem National- und Ständerat. Er ist Teil des Aktionsplans Wohnungsknappheit des Bundes. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation damit beauftragt, ihm bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage zu unterbreiten.

    Eine dieser Massnahmen soll die rechtliche Grundlage für ein nationales Interesse im Wohnungsbau schaffen. Eine solche Rechtsgrundlage hätten dann etwa Vorrang gegenüber dem Ortsbild- oder Denkmalschutz. Zudem lässt der Bundesrat die Einschränkung der Beschwerdelegitimation für Privatpersonen und der zulässigen Rügen prüfen. Zudem könnten die Verfahrenskosten für nachweislich rechtsmissbräuchliche Einsprachen den Einsprechenden auferlegt werden, nämlich dann, wenn die Einsprache erkennbar einzig zum Ziel hat, ein Projekt zu verhindern oder zu verzögern.

    Jedoch liegt die Hoheit für Planungs- und Baubewilligungsverfahren bei den Kantonen. Deshalb kann ihnen der Bundesrat nur nahelegen, zum Zwecke der Verfahrensbeschleunigung ein digitales Bewilligungsverfahren einzuführen und verbindliche Fristen festzulegen. Zudem empfiehlt der Bundesrat, Baugesuche erst dann zu veröffentlichen, wenn sie vollständig sind. Darüber hinaus weist er auch darauf hin, dass viele Bewilligungsbehörden für die Bearbeitung anspruchsvoller Dossiers personell und fachlich nicht gut genug aufgestellt sind.

  • Luzern stösst Zug vom Steuerthron

    Luzern stösst Zug vom Steuerthron

    Luzern senkt den effektiven Unternehmenssteuersatz 2026 von 11,91 auf 11,66 Prozent und überholt damit Zug, das neu bei 11,71 Prozent liegt. Damit ist Luzern laut PwC erstmals der Kanton mit den tiefsten Unternehmenssteuern der Schweiz.

    Die Differenz ist klein, die Botschaft umso grösser. Im Steuerwettbewerb zählt nicht nur die absolute Höhe, sondern auch die symbolische Wirkung. Wer an der Spitze steht, sendet ein klares Signal an mobile Unternehmen und Investoren.

    Die Schweiz bleibt in Bewegung
    Acht Kantone senken ihre Unternehmenssteuern leicht, vier erhöhen sie minimal. Insgesamt zeigt der Steuervergleich 2026 damit ein Land, das im internationalen Wettbewerb weiterhin aktiv bleibt und seine Attraktivität nicht einfach verwaltet.

    Auffällig ist dabei, dass die 2024 eingeführte OECD-Mindeststeuer die kantonalen Steuersätze bisher kaum verändert hat. PwC spricht von einer eher abwartenden Haltung gegenüber den neuen globalen Rahmenbedingungen. Gerade deshalb gewinnt der inner-schweizerische Wettbewerb weiter an Gewicht.

    Zürich und Bern geraten unter Druck
    Am anderen Ende der Skala stehen Bern und Zürich. Bern weist laut PwC einen effektiven Satz von 20,54 Prozent auf, Zürich liegt trotz leichter Senkung noch bei 19,47 Prozent. Beide Kantone zählen damit weiterhin zu den steuerlich teuersten Standorten für Unternehmen in der Schweiz.

    Das ist aus Standortsicht heikel. Denn hohe wirtschaftliche Qualität, gute Erreichbarkeit und starke Arbeitsmärkte reichen nicht immer aus, wenn die fiskalische Differenz fast doppelt so hoch ausfällt wie in Luzern. Der Steuerfaktor bleibt ein harter Hebel im Wettbewerb um Neuansiedlungen und Expansionen.

    Mehr als ein Steuerranking
    Die Zentralschweiz behauptet laut PwC ihre Rolle als besonders attraktiver Unternehmensraum. Luzern und Zug rangieren im internationalen Vergleich am unteren Ende der Steuerbelastung, in der EU besteuert nur Ungarn Unternehmen noch tiefer als Luzern.

    Damit wird klar, worum es wirklich geht. Nicht um einen reinen Zahlendreher zwischen zwei Kantonen, sondern um die strategische Positionierung ganzer Wirtschaftsräume. Luzern hat sich mit einem kleinen Schritt an die Spitze gesetzt. Im Standortwettbewerb kann genau das den Unterschied machen.

  • Zürich schärft sein Innovationsprofil

    Zürich schärft sein Innovationsprofil

    Der Kanton Zürich gehört zu den stärksten Wirtschaftsregionen Europas. Doch auch ein Spitzenstandort gerät unter Druck, wenn Fachkräfte fehlen, Entwicklungskosten steigen und der globale Wettbewerb härter wird.

    Genau hier setzt der Regierungsrat an. Er will den Innovationsstandort nicht mit Einzelaktionen aufladen, sondern mit verlässlichen Rahmenbedingungen stärken. Dieser Zürcher Weg soll Forschung, Unternehmertum und Anwendung enger verzahnen.

    Fünf Felder mit Hebelwirkung
    Für die Jahre 2027 bis 2030 definiert der Regierungsrat fünf Schwerpunkte. Halbleiter, Raumfahrt, Umwelttechnologien, Gesundheit und Risikokapital. Die Auswahl ist kein Zufall. Alle fünf Bereiche verbinden technologische Dynamik mit realen Wachstumschancen.

    Zugleich zeigen sie, wohin Zürich denkt. Nicht in kurzfristigen Trends, sondern in Feldern, in denen sich industrielle Stärke, Forschungskompetenz und neue Märkte überlagern. Das macht die Strategie wirtschaftspolitisch relevant.

    Vom Labor in den Markt
    Besonders interessant ist der Fokus auf Umsetzung. Innovation soll schneller in die Anwendung kommen. Genau hier verlieren viele starke Forschungsstandorte an Tempo.

    Bei Halbleitern geht es um Zugang zu Chip-Design, Reinräumen und Technologietransfer. In der Raumfahrt will Zürich Entwicklung und Skalierung neuer Anwendungen erleichtern. Im Gesundheitsbereich sollen digitale Lösungen rascher getestet, validiert und in Einrichtungen überführt werden. Der Anspruch ist klar. Nicht nur erfinden, sondern auch anwenden.

    Nachhaltigkeit wird zum Standortfaktor
    Spannend ist auch der Blick auf Umwelttechnologien. Nachhaltige Mobilität und kreislauffähiges Bauen werden nicht nur als ökologische Aufgabe verstanden, sondern als wirtschaftliche Chance.

    Das ist ein wichtiges Signal. Wer Versorgungssicherheit, Klimaziele und Standortqualität zusammen denkt, verschiebt Nachhaltigkeit aus der Nische ins Zentrum der Standortpolitik. Gerade für Zürich kann daraus ein neues Profil mit internationaler Strahlkraft entstehen.

    Kapital entscheidet mit
    Innovative Unternehmen brauchen mehr als gute Ideen. In der Wachstumsphase brauchen sie Kapital, das Skalierung ermöglicht. Darum setzt die Strategie auch beim Risikokapital an.

    Für die erste Etappe beantragt der Regierungsrat einen Rahmenkredit von 23 Millionen Franken. Das ist kein riesiger Betrag. Aber er markiert einen politischen Richtungsentscheid. Zürich will seine Innovationskraft nicht nur verwalten, sondern gezielt in Wertschöpfung und Arbeitsplätze übersetzen.

  • 2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    Wettingen ist ins Zentrum einer wirtschaftspolitischen Weichenstellung gerückt. Der Aargauer Regierungsrat will den Richtplan im Gebiet Tägerhardächer anpassen und so die planerischen Voraussetzungen für einen möglichen Campus von Hitachi Energy schaffen.

    Der Schritt ist gross. Denn es geht nicht nur um ein einzelnes Bauvorhaben. Es geht um die Frage, ob der Aargau seine industrielle Substanz halten und zugleich ausbauen kann. Im besten Fall bleiben rund 1000 bestehende Arbeitsplätze im Kanton, zusätzlich könnten bis zu 2000 neue Stellen entstehen.

    Warum gerade Tägerhardächer
    Der Standort ist kein Zufall. Hitachi Energy prüft mehrere Optionen für den Ausbau seiner Kapazitäten und den Zusammenzug heutiger Arbeitsplätze. Das Gebiet Tägerhardächer gilt dabei als eine bevorzugte Variante.

    Aus Sicht der Standortförderung spricht viel für Wettingen. Das Areal liegt im Raum Zürich, Limmattal und Baden, ist verkehrlich stark angebunden und ermöglicht eine zusammenhängende, ausbaufähige Campuslösung. Hinzu kommt die Nähe zu einem bestehenden Cluster von Unternehmen aus dem Energiesektor. Das erhöht die Strahlkraft des Standorts weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

    Der Preis des Fortschritts
    Wo Entwicklung möglich wird, entstehen Konflikte. Für das Vorhaben müssten 10,7 Hektaren Siedlungsgebiet festgesetzt werden. Das Gebiet liegt heute im Landwirtschaftsraum und wird teilweise von einem Siedlungstrenngürtel überlagert.

    Genau hier entzündet sich die Kritik. Im Mitwirkungsverfahren wurden vor allem der Verlust von Kulturland, die Reduktion von Fruchtfolgeflächen, Eingriffe in den Siedlungstrenngürtel sowie Verkehrsfragen kritisch beurteilt. Der Regierungsrat hält dennoch fest, das Vorhaben sei aus kantonaler Sicht zweckmässig und räumlich abgestimmt. Parallel soll versucht werden, Landwirtschaftsflächen andernorts aufzuwerten, damit der Verlust begrenzt bleibt.

    Die Region denkt weiter als bis zur Werkhalle
    Entscheidend ist nun, ob Wachstum und Lebensqualität zusammenfinden. Denn ein Campus dieser Grössenordnung wirkt nicht nur auf den Arbeitsmarkt. Er verändert Verkehrsströme, Siedlungsräume und die Erwartungen an die Infrastruktur.

    Darum soll die Erschliessung nicht nur für das Auto funktionieren. Der öffentliche Verkehr sowie Fuss- und Veloverbindungen sollen so gestaltet werden, dass die Belastung für Nachbargemeinden möglichst tief bleibt. Das ist mehr als Begleitmusik. Es ist die Bedingung dafür, dass wirtschaftliche Dynamik regional akzeptiert wird.

    Noch ist nichts entschieden
    Der politische Wille ist sichtbar. Auch Wettingen und Baden Regio unterstützen die Richtplananpassung. Doch der definitive Standortentscheid des Unternehmens steht aus. Fällt er gegen Wettingen, werden die entsprechenden Beschlüsse hinfällig.

    Gerade darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Dossiers. Zukunft fällt nicht einfach vom Himmel. Sie muss planerisch vorbereitet, politisch getragen und regional austariert werden. Wettingen hat nun die Chance, genau das zu beweisen.

  • Der stille Aufstieg südlich des Gotthards

    Der stille Aufstieg südlich des Gotthards

    Das Regional Innovation Scoreboard 2025 der EU bestätigt dem Tessin den Status «Innovation Leader». Nur Zürich schneidet in der Schweiz besser ab. Hinter dem Rang stecken messbare Treiber. Die Hochschulen USI und SUPSI bilden das akademische Rückgrat, ergänzt durch Institute wie das IDSIA für künstliche Intelligenz und das nationale Hochleistungsrechenzentrum. Gleichzeitig investieren KMU im Kanton überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung.

    Drei Kompetenzzentren, ein Park
    Der Switzerland Innovation Park Ticino bündelt die Kräfte an drei Standorten. Das Swiss Drone Base Camp am Flughafen Riviera testet Drohnentechnologie im realen Luftraum. In Lugano treibt das Lifestyle Tech Competence Center die Digitalisierung von Mode, Food und Wellness voran. In Bellinzona forscht das Life Sciences Competence Center an Biomedizin und Onkologie. Ab 2032 zieht der Park in das Nuovo Quartiere Officine, ein 120’000 Quadratmeter grosses Stadtentwicklungsgebiet im Herzen der Kantonshauptstadt.

    Lugano setzt auf digitale Infrastruktur
    Die Stadt Lugano hat einen eigenen Weg eingeschlagen im Bereich Krypto. Über 400 Betriebe akzeptieren bereits digitale Zahlungsmittel, mehr als 100 Fintech- und Blockchain-Unternehmen haben sich angesiedelt. Im März 2026 startete Phase II in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Tether. Fünf Millionen Franken fliessen bis 2030 in digitale Resilienz, KI-Ökosysteme und dezentrale Stadtinfrastruktur. Lugano positioniert sich damit als drittgrösster Finanzplatz der Schweiz mit technologischem Ehrgeiz.

    60 Millionen Franken und ein klares Signal
    Der Grosse Rat hat Ende 2023 ein deutliches Zeichen gesetzt. Eine Kreditlinie von 60 Millionen Franken sichert die Innovationsförderung, die Forschungskooperation und die regionale Wirtschaftspolitik bis 2027. 25 Millionen fliessen direkt in Innovation und Forschungssynergien. Die Fondazione Agire, seit über 10 Jahren Innovationsagentur des Kantons, begleitet jährlich 20 Startup-Ideen über ihren Boldbrain-Accelerator und coacht KMU bei der Digitalisierung.

    Was die Immobilienbranche daraus lesen muss
    Standortförderung entfaltet ihren vollen Wert erst, wenn sie über Strategiepapiere hinauswächst. Das Tessin steht vor der Aufgabe, Flächenverfügbarkeit, Verfahrenssicherheit und urbane Qualität im gleichen Tempo zu entwickeln wie seine Innovationsprojekte. Für Investoren bedeutet das eine Region im Aufbruch mit hohem Potenzial und gleichzeitigem Bedarf an Geduld. Wer den Süden der Schweiz heute auf dem Radar hat, findet einen Standort, der liefern will und die Mittel dafür bereitstellt.

  • Forschungsprojekt fördert Wiederverwendung von Beton im Bauwesen

    Forschungsprojekt fördert Wiederverwendung von Beton im Bauwesen

    Der Gruppe Materialien und Strukturen des Institut du patrimoine construit, d’architecture, de la construction et du territoire (inPACT) der Haute école du paysage, d’ingénierie et d’architecture de Genève (HEPIA) leitet das Forschungsprojekt Concrete Upcycling Techniques (CUT). Das von Professorin Maléna Bastien Masse geleitete Projekt zielt darauf ab, die Wiederverwendung von Betonplatten in die Baupraxis zu integrieren, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Damit soll der CO2-Fussabdruck der Branche verringert werden. Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt und in Zusammenarbeit mit dem Structural Xploration Lab der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) von Professor Corentin Fivet durchgeführt.

    Das Projekt will Betonplatten beim Abriss von Gebäuden aufbewahren. Die Platten werden vor Ort zersägt und anschliessend von den Forschern der HEPIA untersucht. Ziel ist es, herauszufinden, ob diese Platten wiederverwendet werden können. Die für die Wiederverwendung freigegebenen Platten werden anschliessend in Neubauten eingesetzt. Das Projekt untersucht auch, wie sie bei der Wiederverwendung miteinander verbunden werden können. Dabei werden fortgeschrittene Techniken und Materialien wie der hochleistungsfähige faserverstärkte Zementverbundwerkstoff (CFUP) verwendet.

    „Die Baubranche liebt Beton. Er ist ein unverzichtbarer, vielseitiger, anpassungsfähiger und kostengünstiger Werkstoff, aber auch extrem umweltschädlich. Eine Lösung drängt sich auf: die Wiederverwendung“, heisst es in der Mitteilung. „Durch die Rückgewinnung und Verwendung von Bauteilen aus bestehenden Bauwerken für neue Bauprojekte sinkt der Betonverbrauch, was zu einer geringeren CO2-Belastung führt.“

    Die HEPIA ist eine Hochschule mit Sitz in Genf, die in den Bereichen Ingenieurwesen, Architektur und Umwelt in der Ausbildung und Forschung tätig ist, insbesondere in den Bereichen Werkstoffe und nachhaltiges Bauen. Die Hochschule ist Teil der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO).

  • Brennstoffzellen sollen Stromnetze unterstützen

    Brennstoffzellen sollen Stromnetze unterstützen

    Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben in Zusammenarbeit mit der Hälg Group aus St.Gallen, der ebenfalls in St.Gallen ansässigen Osterwalder Gruppe und der Zürcher H2 Energy AG ein gemeinsames Projekt zur Wirkung von Wasserstoff-Brennstoffzellen durchgeführt. Das Experiment im Empa-Zentrum in Dübendorf zeigte, dass die aus den Brennstoffzellen gewonnene Elektroenergie in Quartiezentren die lokalen Stromnetze entlasten könnte, heisst es in einer Mitteilung.

    Im Kern des Projektes ging es darum, den Stromverbrauch von Wärmepumpen zu entlasten, in dem aus lokalen Quartier-Energiezellen mittels Wasserstoff-Brennstoffzellen Elektroenergie produziert wird. Diese wird zum Betrieb der Wärmepumpen eingespeist und entlastet somit das Netz. Zugleich wurde im Experiment getestet, über spezielle Wärmeaustauscher mittlere Temperaturen von etwa 35 Grad Celsius an das Wärmenetz des NEST-Innovationsgebäude und den Empa-Campus in Dübendorf abzugeben. Der Test, der von Oktober 2023 bis September 2025 lief, zeigte, dass die Quartier-Energiezellen die Spitzen des Stromverbrauchs glätten und die Gesamtkosten der Spitzenlast um 10 Prozent senken konnten.

    „Unsere Versuche zeigten, dass Brennstoffzellen elektrische und thermische Spitzenlasten in Gebäuden wirksam ausgleichen können. Damit wurde klar: Die wasserstoffbasierte Spitzenlastabdeckung ist technisch machbar und liefert wertvolle Erkenntnisse für die Steuerung komplexer Energiesysteme“, wird Binod Prasad Koirala, stellvertretender Leiter der Empa-Forschungsabteilung Urban Energy Systems, in der Mitteilung zitiert. Beim Verwenden von grünem Wasserstoff leisten die Brennstoffzellen zusätzlich einen Beitrag zur CO2-Reduzierung.

  • Bellinzona wagt den grossen Umbau

    Bellinzona wagt den grossen Umbau

    Innerstädtische Transformationsflächen dieser Grösse gibt es in der Schweiz kaum. Das FFS-Areal im Herzen von Bellinzona bietet eine Chance, die Städte wie Zürich oder Basel längst nicht mehr haben. Der neue Stadtteil soll nicht auf der grünen Wiese entstehen, sondern die historische Stadt mit dem Bahnhofsumfeld und neuen Entwicklungszonen verweben. Nutzungsdurchmischung, Biodiversität und grosszügige Freiräume stehen im Zentrum des Masterplans.

    Den internationalen Wettbewerb gewann das Team sa_partners, TAMassociati und Franco Giorgetta. Ihr Entwurf bricht das bisher geschlossene Industriegelände auf und organisiert es um die «Almenda». Einen 6,4 Hektaren grossen zentralen Grünraum, der als ökologisches und soziales Rückgrat das gesamte Quartier strukturiert. Die denkmalgeschützte «Cattedrale», seit 1919 Revisionsstandort für Lokomotiven, bleibt als identitätsstiftender Fixpunkt erhalten und wird zum Ankerbau des neuen Stadtteils.

    Innovation als Herzstück
    Das Quartier wird künftig auch Heimat des Switzerland Innovation Park Ticino sein. Der Park wurde im November 2024 offiziell als Standort des Switzerland Innovation Park Zurich anerkannt und wird von USI, SUPSI, BancaStato, der Tessiner Handelskammer sowie dem Arbeitgeberverband AITI mitgetragen. Ab 2032 zieht der Park mit seiner Zentrale auf eine 25 000 Quadratmeter grosse Fläche innerhalb des neuen Quartiers.

    Drei Kompetenzzentren sind bereits aktiv, Swiss Drone Base in Lodrino für Drohnentechnologie, ein Hub in Bellinzona für Life Sciences und ein Standort in Lugano für Lifestyle Tech. Zusammen mit postgradualen Ausbildungsangeboten von USI und SUPSI entsteht ein Innovationscluster mit überregionaler Strahlkraft. Bellinzona positioniert sich damit als Standort zwischen Verwaltung, Technologie und urbaner Lebensqualität und als ernstzunehmende Alternative zu den grossen Schweizer Technologiepolen.

    Rückschlag im Herbst 2025
    Der Weg ist nicht frei. Im Oktober 2025 annullierte das kantonale Verwaltungsgericht den Detailbebauungsplan des Gemeinderats von April 2023. Die finanziellen Aspekte waren unzureichend dargelegt, insbesondere die Kosten für den Erwerb der öffentlichen Flächen und die Altlastensanierung, die auf 30 bis 50 Millionen Franken geschätzt wird. Der Planungsprozess muss teilweise von vorne beginnen.

    Parallel laufen bereits die Bauarbeiten für die neue FFS-Werkstätte in Arbedo-Castione, ein Grossprojekt von 755 Millionen Franken mit geplanter Inbetriebnahme 2028. Erst mit dem Umzug der Officine wird das Areal frei. Die erste Realisierungsphase startet voraussichtlich frühestens zwischen 2030 und 2035. Die Gesamttransformation dürfte sich über 20 bis 40 Jahre erstrecken. Der Zeitdruck ist real, die Komplexität hoch.

    Modell für die mittlere Schweiz
    Porta del Ticino zeigt, wie mittelgrosse Zentren jenseits der Metropolräume mit grossen Industriearealen umgehen können. Nicht monofunktional überbauen, sondern als urbanen Transformationsraum mit langfristiger regionaler Wirkung entwickeln. Was in Bellinzona entsteht, kann Massstab sein für andere Städte im gleichen Grössenbereich. Von Aarau bis Chur, von Schaffhausen bis Sion.

    Ob die planerische Qualität über Jahre gesichert, Investitionen gebündelt und die Vision in eine belastbare Realisierungsperspektive umgesetzt werden kann, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Der eigentliche Prüfstein hat gerade erst begonnen.

  • Schweizer Holz soll Pflicht werden

    Schweizer Holz soll Pflicht werden

    Die Schweizer Wälder produzieren jährlich 10,4 Millionen Kubikmeter Holz, verbraucht werden davon gerade einmal 5 Millionen. Insgesamt landen aber 10 Millionen Kubikmeter Holz auf Schweizer Baustellen. Der Rest kommt aus dem Ausland, weil er deutlich günstiger ist. Ein Ressourcenpotenzial, das brach liegt, obwohl die Nachfrage vorhanden wäre.

    Was der Nationalrat fordert
    Nationalrat Daniel Ruch (FDP/VD), von Beruf Waadtländer Forstunternehmer, hat eine Motion eingereicht, die das Waldgesetz ändern soll. Bei Bauten, die mit Bundesgeldern subventioniert werden, soll künftig Schweizer Holz eingesetzt werden, ohne dass den Bauherrschaften dadurch Mehrkosten entstehen. Der Nationalrat hat die Motion angenommen, jetzt liegt der Ball beim Ständerat.

    Der Bundesrat bremst
    Bundesrat Martin Pfister, der den rekonvaleszenten Umweltminister Albert Rösti an der Debatte vertrat, stellte sich gegen eine direkte Subventionierung. Der Bund fördere nachhaltiges Holz bereits bei eigenen Bauten und Anlagen. Eine gesetzliche Grundlage dafür besteht seit der Waldgesetz-Revision von 2017. Für neue Subventionen fehle angesichts der angespannten Bundesfinanzen der Spielraum, und Wettbewerbsverzerrungen seien zu vermeiden.

    Kein neues Thema, aber neuer Druck
    Bereits 2021 nahm der Nationalrat eine ähnliche Motion zur vollständigen Wertschöpfungskette der Holzwirtschaft mit 151 zu 29 Stimmen an, ebenfalls gegen den Willen des Bundesrats. Einzelne Kantone wie Thurgau und Zug haben auf kantonaler Ebene schon Holzförderung in ihre Gesetzgebung integriert. Der Handlungsdruck wächst.

    Was auf dem Spiel steht
    Holz ist der einzige vollständig erneuerbare Baustoff der Schweiz. Wer ihn konsequent einsetzt, stärkt die regionale Wertschöpfung, reduziert Transportemissionen und schützt den Wald vor Überalterung. Ob der Ständerat die Motion stützt oder abbremst, entscheidet, ob diese Logik endlich auch rechtlich verankert wird.

  • Die Stadt formt den Verkehr und der Verkehr formt die Stadt

    Die Stadt formt den Verkehr und der Verkehr formt die Stadt

    Forschende der ETH Zürich und der University of Wisconsin-Madison haben Geoinformationsdaten von 30 Grossstädten weltweit mit Staudaten in Beziehung gesetzt. Erstmals gelang es ihnen, nicht nur Korrelationen, sondern echte Ursache-Wirkung-Beziehungen zwischen Stadtveränderungen und Verkehrsfluss nachzuweisen. Die Studie ist im April 2026 in der Fachzeitschrift «Nature Communications» erschienen.

    Drei Faktoren, ein Stau
    Das Forscherteam um Erstautor Yatao Zhang unterschied drei Dimensionen. Die Struktur des Strassennetzes, die räumliche Form der Stadt und die Funktion einzelner Flächen, also ob dort gewohnt, eingekauft oder gearbeitet wird. Überraschenderweise entscheidet nicht allein das Strassennetz über den Verkehrsfluss. Eine zersiedelte Stadt erzeugt strukturell mehr Verkehr. Die Konzentration von Freizeitangeboten in einem Quartier treibt den Wochenendverkehr hoch. Mischnutzungen hingegen , Wohnen und Arbeiten nah beieinander, verkürzen Pendlerstrecken und reduzieren das Verkehrsaufkommen. «Verkehr entsteht durch das, was Menschen tun, nicht allein durch die Existenz von Strassen», bringt es Zhang auf den Punkt.

    Singapur versus Zürich
    Der internationale Vergleich zeigt starke Unterschiede. In Singapur sind Wohngebiete klar vom Dienstleistungszentrum getrennt und bauliche Veränderungen schlagen direkt auf die Pendlerströme durch. In Zürich ist diese Kopplung deutlich schwächer, weil Wohnungen über die gesamte Stadt verteilt sind und Arbeitswege kürzer und diverser verlaufen. Solche Unterschiede lassen sich jetzt erstmals systematisch messen und vergleichen.

    Was das für die Planung bedeutet
    ETH-Professor Martin Raubal, der die Studie betreut hat, sieht grosses Potenzial für die Stadt- und Verkehrsplanung. Die neue Methode erlaubt Prognosen darüber, wie sich ein Eingriff, etwa der Bau eines grossen Einkaufszentrums, mittelfristig auf den Verkehr auswirkt. Städte könnten damit Massnahmen besser simulieren, bevor sie umgesetzt werden. Für konkrete Empfehlungen in Zürich oder anderen Städten braucht es allerdings noch vertiefende Detailanalysen.

    Daten aus offenen Quellen
    Als Datenbasis diente hauptsächlich Open Street Map, ergänzt durch Verkehrsstaudaten von Here Technologies, die weltweit alle fünf Minuten aktualisiert werden. Allein für Los Angeles flossen die Stauwerte von über 18’000 Strassenabschnitten in die Auswertung ein. Dass eine solche Studie auf öffentlich zugänglichen Geodaten basiert, macht den Ansatz reproduzierbar und skalierbar.

  • Zürich bündelt Wirtschaftsförderung in einem Gesetz

    Zürich bündelt Wirtschaftsförderung in einem Gesetz

    Der Weg war lang. Die Volkswirtschaftsdirektion entwickelte die Gesetzesgrundlage seit 2020, die Vernehmlassung lief 2022, im Herbst 2025 stimmte der Kantonsrat mit 114 zu 59 Stimmen zu. Am 30. April 2026 setzt der Regierungsrat das Standortförderungs- und Unternehmensentlastungsgesetz per 1. Juli 2026 in Kraft. Was vorher Stückwerk war, hat jetzt eine klare gesetzliche Heimat.

    Was das Gesetz bündelt
    Das Gesetz fasst sechs zentrale Aufgabenbereiche unter einem Dach zusammen, die Standortentwicklung, Stärkung der Innovationsfähigkeit, Pflege ansässiger Unternehmen, Ansiedlung neuer Betriebe, Standortpromotion und wirtschaftliche Aussenbeziehungen. Zugleich wird das bisherige Gesetz zur administrativen Entlastung aufgehoben und vollständig integriert. Damit endet ein Doppelspurrennen zwischen zwei separaten Regelwerken.

    Der Druck dahinter
    Energieknappheit, Fachkräftemangel, die OECD-Mindeststeuer und das ungeklärte Verhältnis zur EU setzen den Wirtschaftsstandort Zürich unter Druck. Eine gesetzlich verankerte Standortförderung soll die Reaktionsfähigkeit des Kantons erhöhen und sicherstellen, dass Massnahmen schnell und zielgerichtet umgesetzt werden können. Das Gesetz enthält auch eine Grundlage, damit sich der Kanton rasch an Bundesprogrammen zur Krisenunterstützung beteiligen kann.

    Unternehmensentlastung als Kernstück
    Die bisherige Koordinationsstelle wird zur Fachstelle Unternehmensentlastung aufgewertet. Sie prüft künftig systematisch alle neuen und geänderten kantonalen Gesetze und Verordnungen auf ihre Auswirkungen auf Unternehmen. Die sogenannte Regulierungsfolgenabschätzung hat ein klares Ziel, unternehmensfreundliche Regulierungen und ein digital abgewickelter Vollzug, der Zeit und Aufwand spart.

    Zürich als Vorbild
    Damit positioniert sich Zürich als Kanton, der wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nicht dem Zufall überlässt. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh hat das Gesetz massgeblich geprägt, es ist eines der letzten grossen Projekte ihrer zwölf Amtsjahre. Der Startschuss fällt am 1. Juli 2026, in dem Moment, in dem Walker Späh ihr Regierungspräsidialjahr bereits läuft.

  • Forschungsprojekt entwickelt globalen Korrosionsindex für Bauanwendungen

    Forschungsprojekt entwickelt globalen Korrosionsindex für Bauanwendungen

    Sky-Frame aus Frauenfeld und das WITG untersuchen gemeinsam, ob auf Basis verfügbarer Wetter- und Klimadaten ein globaler Korrosionsindex entwickelt werden kann. Dieses Projekt wird mit einem Innovationsscheck von Innosuisse unterstützt. Die Fördersumme von maximal 15’000 Franken der Schweizerischen Innovationsagentur ist eine Gutschrift für eine Vorstudie. Sie ermöglicht es, Ideen, Ideenstudien und Analysen zum Innovations- und Marktpotenzial bei einem Schweizer Forschungspartner zu beauftragen und die Zusammenarbeit mit diesem zu testen.

    In das Projekt mit Sky-Frame bringt das WITG seine Expertise bezüglich Korrosion und Bewertung von Werkstoffeigenschaften ein. In einem ersten Schritt werden laut einer Mitteilung reale Projektstandorte mit verfügbaren Klimadatenbanken verknüpft und bestehende Erfahrungswerte aus der Anwendung systematisch ausgewertet. Daraus entsteht unter Berücksichtigung von Faktoren wie Meeresnähe, Windrichtung und projektspezifischen Mikroklimabedingungen ein erster, wissenschaftlich fundierter Ansatz zur Risikoklassifizierung. 

    „Dieses Projekt zeigt exemplarisch, dass sich Innovationsideen nicht im Bereich von ,Rocketscience‘ bewegen müssen, um gefördert zu werden“, so das WITG. Stattdessen sollen sie dem Unternehmen einen nachhaltigen Nutzen und zukünftigen Mehrwert bieten und dabei eine Risikokomponente bei der Umsetzung und damit die Möglichkeit des Scheiterns beinhalten. 

  • Tessin im Überblick – Chancen, Druck und Dynamik

    Tessin im Überblick – Chancen, Druck und Dynamik

    Der Kanton, rund 360 000 Einwohner, 100 Gemeinden, 2812 km² Fläche, hat sich als forschungs- und innovationsnahe Region positioniert. Im Regional Innovation Scoreboard 2025 der EU belegt das Tessin Rang 6 unter 241 europäischen Regionen, schweizweit direkt hinter Zürich. Das kantonale BIP wuchs gemäss BAK Economics 2024 um 0,6 Prozent. Für 2025 wird ein Plus von rund 1,1 Prozent erwartet. Die Arbeitslosenquote lag per Januar 2026 bei 3,3 Prozent, leicht über dem Schweizer Schnitt von 3,2 Prozent.

    Für die Immobilienwirtschaft ist diese Entwicklung wichtig, weil Innovation allein noch keine Standortattraktivität garantiert. Entscheidend ist, ob Forschung, Unternehmertum und urbane Qualität räumlich zusammenfinden. Der Kanton verfügt mit USI, SUPSI, dem Switzerland Innovation Park Ticino und dem Accelerator Boldbrain, über eine solide Innovationsinfrastruktur. Gleichzeitig stehen Bauwirtschaft und Marktentwicklung unter Druck. Die Bauproduktion sank schweizweit im Dezember 2025 um 0,2 Prozent, im Tessin überdurchschnittlich. Steigende Baukosten, politische Unsicherheiten und komplexe Bewilligungsverfahren verschärfen mittelfristig den Druck auf Angebot und Projektkalkulationen.

    Der Immobilienmarkt zeigt ein differenziertes Bild. Die Leerwohnungsziffer sank im Tessin von 2,08 Prozent  im 2024, auf 1,92 Prozent im Juni 2025. Der stärkste Rückgang aller Grossregionen, aber weiterhin fast doppelt so hoch wie der Schweizer Schnitt von 1,0 Prozent. Gleichzeitig sanken die Angebotsmieten laut ReMPA 2024/2025 um 5,6 Prozent. Als einzige Region der Schweiz rückläufig, während der nationale Schnitt um 2,4 Prozent stieg.

    Die räumliche Struktur bleibt eine Herausforderung. Lugano mit 63’600 Einwohner, Bellinzona mit 45’300, Locarno mit 16’400 und Mendrisio mit 15’100 bilden unterschiedliche Teilräume mit eigenen Profilen. Hinzu kommen Topografie, knappe Flächen und demografischer Druck. Das BFS prognostiziert bis 2050 einen Rückgang der Erwerbsfähigen um 45’000 Personen. Die rund 78’800 Grenzgänger stützen den Arbeitsmarkt, doch ihre Zahl sank erstmals leicht. Gegen den nationalen Trend von 411’000 Grenzgängern gesamtschweizerisch. Wer im Tessin investieren will, kommt mit reiner Fernanalyse aus Zürich oder Basel nicht weit. Man braucht lokale Partner, Marktkenntnisse und ein Verständnis für die spezifischen Teilräume.

    Gleichzeitig bietet diese Gemengelage Potenzial. Die Nähe zu Norditalien, der Gotthard-Basistunnel, die Rolle als Südportal des Gotthardkorridors und die hohe Lebensqualität. Mit 85,2 Jahren weist das Tessin die europaweit zweithöchste Lebenserwartung auf und schaffen Voraussetzungen, die anderswo kaum zusammenkommen. Wenn es gelingt, Innovationsstrategie, Flächenpolitik, Mobilität und Projektentwicklung enger abzustimmen, kann das Tessin seine Stellung als Wirtschafts- und Immobilienraum deutlich stärken. Nicht ob das Potenzial vorhanden ist, sondern wie konsequent es in die Realität übersetzt wird.

  • Bauen neu denken, Freiburg sucht Pioniere

    Bauen neu denken, Freiburg sucht Pioniere

    Ab 2029 gelten in der Schweiz neue Grenzwerte für Treibhausgasemissionen und Vorgaben zur grauen Energie im Bauwesen. Festgelegt durch die Revision der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich. Der Druck auf die Baubranche wächst. Wer heute nicht in neue Prozesse und Materialien investiert, riskiert morgen teure Anpassungen unter Zeitdruck. Der Kanton Freiburg hat dies erkannt und handelt vorausschauend. Bereits 2023 hat er eine Roadmap zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet, die strukturelle Veränderungen im Bauwesen als Priorität setzt.

    Innovation entlang der ganzen Wertschöpfungskette
    Das Thema des diesjährigen Aufrufs lautet «Bauen neu denken, hin zu kreislauforientierten und umweltgerecht konzipierten Systemen». Gesucht sind Projekte, die den ökologischen Fussabdruck von Gebäuden bereits in der Planungsphase reduzieren, durch lokale biobasierte Materialien, rückbaubare Konstruktionssysteme oder digitale Werkzeuge zur Materialnachverfolgung. Die Schweizer Charta Kreislauforientiertes Bauen, die von zwölf führenden Organisationen aus der Bau- und Immobilienbranche getragen wird, formuliert das Ziel klar: «Bis 2030 soll der Anteil nicht erneuerbarer Primärrohstoffe auf 50 Prozent der Gesamtmasse sinken.»

    Kollaboration als Bedingung
    Einzelkämpfer haben hier keine Chance. Jedes eingereichte Projekt muss mindestens drei Unternehmen umfassen, wobei die Mehrheit ihren Sitz im Kanton Freiburg haben muss. Akademische Partner wie die Hochschule für Technik und Architektur HTA-FR können beigezogen werden, um Wissenstransfer und Reproduzierbarkeit der Lösungen sicherzustellen. Nicolas Huet von INNOSQUARE betont, dass die Herausforderungen die Zirkularität zu bewältigen, die Innovation gemeinsam erfolgen muss.

    Finanzierung mit Eigenverantwortung
    Die NRP-Förderung deckt maximal 65 Prozent des Gesamtbudgets, der Rest liegt bei den beteiligten Unternehmen, 10 Prozent in bar, 25 Prozent als Eigenleistung. Diese Struktur ist kein Hindernis, sie ist Programm. Sie stellt sicher, dass nur Projekte eingereicht werden, hinter denen die Unternehmen wirklich stehen. Alain Lunghi, stellvertretender Direktor der WIF, sieht Vorausschau als entscheidenden Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit der Freiburger Unternehmen.

    Jetzt einreichen
    Projekte können einzeln oder im Konsortium über www.promfr.ch/de/nrp  eingereicht werden. Der Aufruf wird getragen von der Wirtschaftsförderung WIF, der Handels- und Industriekammer Freiburg, der HTA-FR sowie der Innovationsplattform INNOSQUARE. Die Frist läuft am 9. September 2026 ab. Wer die Bauwende als Chance begreift, hat noch Zeit zum Handeln.

  • Wer blockiert, zahlt

    Wer blockiert, zahlt

    Die Mehrheit der Baubewilligungsverfahren in der Schweiz läuft innerhalb angemessener Fristen ab. Doch es gibt Ausreisser und die wirken sich gravierend aus. Einsprachen und Rekurse können Projekte jahrelang blockieren oder ganz verhindern. Heute kann sogar Einsprache erheben, wer von einem Projekt gar nicht direkt betroffen ist, etwa weil die geplante Fassadenfarbe des Nachbarn missfällt. Das ist einer der strukturellen Schwachpunkte, den der Bundesrat nun adressiert.

    Wohnungsbau wird zum Staatsziel
    Der stärkste Hebel des Reformpakets liegt im Raumplanungsgesetz. Wohnungsbau im Rahmen der Siedlungsentwicklung nach innen soll dort als nationales Interesse verankert werden. Das klingt technisch, hat aber konkrete Wirkung. Bei der Interessenabwägung erhielte der Wohnungsbau mehr Gewicht gegenüber dem Ortsbildschutz oder dem Denkmalschutz. Projekte, die heute an lokalen Schutzinteressen scheitern, hätten damit bessere Realisierungschancen.

    Einsprachen mit Konsequenzen
    Wer missbräuchlich Einsprache erhebt, also mit dem einzigen Ziel, ein Projekt zu verzögern, soll künftig die Verfahrenskosten tragen. Der Bundesrat prüft, die Kantone gesetzlich zu verpflichten, solche Kosten den Einsprechenden aufzuerlegen. Gleichzeitig soll die Beschwerdelegitimation für Privatpersonen vor Bundesgericht eingeschränkt werden. Pauschale Gebühren für abgewiesene Einsprachen lehnt der Bundesrat hingegen ab. Der Zugang zum Rechtsschutz soll nicht vom Portemonnaie abhängen.

    Die Grenzen des Bundes
    Trotz des politischen Willens sind die Eingriffsmöglichkeiten des Bundes begrenzt. Baubewilligungsverfahren liegen in der Hoheit der Kantone. Verbindliche Fristen für kantonale Verfahren oder die Pflicht zur Einführung digitaler Bewilligungsprozesse kann der Bund nicht verordnen. Er empfiehlt den Kantonen, solche Massnahmen eigenverantwortlich einzuführen, da sie langfristig nachweislich beschleunigend wirken. Der Branchenverband Bauenschweiz unterstützt diese Stossrichtung und fordert schlankere Prozesse bei gleichzeitig hoher Planungsqualität.

    Vernehmlassung
    Der Reformbericht erfüllt fünf Postulate aus National- und Ständerat und ist Teil des Aktionsplans Wohnungsknappheit des Bundes. Das UVEK erhält nun den Auftrag, bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten. Bis konkrete Gesetzesänderungen in Kraft treten, dürften noch Jahre vergehen.

  • Zürich erfindet sich neu

    Zürich erfindet sich neu

    Regierungsrätin Carmen Walker Späh sprach es offen aus, viele gute Ideen schaffen es nie in den Markt. Es fehlt nicht an Kreativität, sondern an der richtigen Unterstützung zur richtigen Zeit. Der Kanton Zürich hat deshalb dieses Jahr den Schritt gemacht und sich dem internationalen Programm «MIT REAP» angeschlossen. Ziel ist es, Finanzierung gezielter zu lenken, Akteure enger zu vernetzen und Skalierung systematisch zu fördern. Denn Zürich hat sich in den Bereichen KI, Robotik, Life Sciences und New Space Economy bereits als Hotspot etabliert. Nun geht es darum, diesen Vorsprung zu sichern.

    Ohne Leute geht gar nichts
    Markus Müller, Co-Leiter der Standortförderung, brachte es auf den Punkt mit einem Zitat des Medtech-Unternehmers Andy Rihs: «Ohni Lüt gaht nüt.» Kapital allein baut keine Zukunft. Was Zürich stark macht, ist die Fähigkeit, neue Ideen mit dem richtigen Know-how und den passenden Kapazitäten zusammenzubringen. Zürich soll eine führende Rolle in der New Space Economy übernehmen. Denn Innovation ist laut Müller das, was aus «gut» langfristig «führend» macht.

    Zukunft denkt man nicht allein
    Zukunftsforscherin Martina Kühne gab den Gästen drei Impulse mit auf den Weg. Weiter denken als bis morgen, Zukunftsbilder in der Mehrzahl entwickeln und Zukunft gemeinsam gestalten. Jedes Zukunftsbild sei wie ein Turngerät, an dem man sich gedanklich austoben kann. Wer das tut, kann Ideen für eine mögliche und wünschbare Zukunft entwickeln. Denn Zukunft, so Kühne, passiert nicht einfach.

    Kollaboration als Katalysator
    Was diese Theorie in die Praxis übersetzt, zeigt das ETH-Spin-off Sevensense. 2021 überzeugte das junge Start-up ABB mit seiner 3D-Vision-Technologie für autonome Roboter. Heute stammen rund 80 Prozent der von ABB verkauften autonomen Roboter von Sevensense. Ein Beweis dafür, wie wirkungsvoll das Zusammenspiel von etabliertem Kapital und frischem Erfindergeist ist.

    Organe im All, Muskeln im Labor
    Noch wagemutiger denkt «Prometheus Life Technologies». Das Start-up nutzt Schwerelosigkeit im All, um Organe dreidimensional wachsen zu lassen. Ermöglicht hat das ein Parabelflugprogramm im Innovationspark, in enger Zusammenarbeit mit dem Center for Space and Aviation der Universität Zürich. Nicht weniger ambitioniert ist Muvon, das gemeinsam mit der ZHAW an einer automatisierten Methode zur Muskelregeneration mit körpereigenen Zellen arbeitet. Gelingt die Skalierung, könnte damit Belastungsinkontinenz behandelt werden, von der ein bedeutender Anteil der Frauen über 40 in Europa betroffen ist.

    Eine Plattform, die selbst innoviert
    Samuel Mösle, Co-Leiter der Standortförderung, zog im Abschlussgespräch eine klare Linie. Die drei vorgestellten Start-ups bewegen sich an den Grenzen der vorstellbaren Zukunft. Die Innovations-Plattform wird künftig mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz interaktiver und vernetzender. Nach fünf Jahren ist die Initiative am Ende ihrer eigenen Start-up-Phase angelangt. Samuel Mösles Fazit trifft es präzise: «Es steht nicht nur Innovation drauf, es steckt auch Innovation drin.»

  • Digitale Plattform erleichtert Analyse und Entwicklung von Baukonstruktionen

    Digitale Plattform erleichtert Analyse und Entwicklung von Baukonstruktionen

    Die ZHAW hat ihre Plattform dkon.ch online gestellt. Damit können Studierende, Fachpersonen und Interessierte Baukonstruktionen analysieren, vergleichen und selbst entwickeln. Dieses digitale Werkzeug gibt ihnen laut einer Mitteilung der Hochschule Informationen darüber, welche Auswirkungen einzelne Konstruktionsentscheidungen auf Umwelt, Kosten und Bauweise haben. Nutzende können Bauteile im virtuellen Raum zerlegen, drehen und neu zusammensetzen.

    Dabei wird sichtbar, aus welchen Materialien eine Konstruktion besteht und wie diese zusammenwirken. Durch die Verknüpfung mit ökologischen Bewertungsdaten lassen sich Varianten gezielt miteinander vergleichen. Das, so die ZHAW, eröffne neue Möglichkeiten in der Planung: „Wer etwa den Einsatz von Beton reduzieren oder alternative Materialien prüfen möchte, kann unterschiedliche Lösungen direkt vergleichen. Veränderungen in der Konstruktion werden unmittelbar sichtbar und in ihren Auswirkungen verständlich.“

    Eine Besonderheit dieser Plattform liegt den Angaben zufolge in der Integration realer Referenzbauten. Deren Konstruktionen, Materialien und Bauabläufe können detailliert analysiert werden. „Durch dkon.ch entsteht ein direkter Bezug zwischen Lehre und Anwendung“, wird Andri Gerber, Projektleiter und Co-Leiter des ZHAW-Instituts für konstruktives Entwerfen, zitiert. „Wissen wird nicht isoliert vermittelt, sondern im Kontext realer und konkreter Bauprojekte erfahrbar gemacht.“

    Die Plattform sei auch für Fachpersonen hilfreich, die komplexe Anforderungen integrieren und nachhaltige Lösungen entwickeln müssen, so Gerber weiter. Deshalb sei dkon.ch „ein Werkzeug, das sowohl in der Ausbildung als auch in der beruflichen Praxis eingesetzt werden kann“. 

  • Neuer Amtsleiter soll Wirtschaft und Arbeit strategisch weiterentwickeln

    Neuer Amtsleiter soll Wirtschaft und Arbeit strategisch weiterentwickeln

    Die Regierung des Kantons St.Gallen hat laut einer Mitteilung Daniel Müller auf den 1. Mai zum neuen Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit gewählt. Er folgt auf Karin Jung, die das Amt seit 2018 geleitet und Anfang Jahr ihren Rücktritt bekanntgegeben hat. Müller übt ihre Aufgaben derzeit interimistisch aus.

    Der 50-Jährige ist seit 2018 für den Kanton tätig. Bisher war er Leiter der Standortförderung. Der Audio- und Videoelektroniker und Informationstechniker hat Betriebswirtschaft an der OST – Ostschweizer Fachhochschule absolviert. Vor seiner Zeit beim Volkswirtschaftsdepartement war er unter anderem für die Universität St.Gallen tätig.

  • Das Material, das denkt – ohne Gehirn

    Das Material, das denkt – ohne Gehirn

    Das Material besteht aus einer Kette identischer Gelenke, verbunden durch ein elastisches Gerüst. Ein integrierter Mikrocontroller misst die aktuelle Position, speichert vergangene Zustände und tauscht Informationen mit benachbarten Elementen aus. Das Gesamtverhalten entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einfacher Einheiten. Genauso wie bei einfachen Organismen, die ohne komplexes Gehirn auf ihre Umgebung reagieren.

    Lernen durch Wiederholung
    Einzelne Gelenke werden in definierte Positionen gebracht, die übrigen Elemente schrittweise in eine Zielstruktur bewegt. In mehreren Durchläufen, im Experiment «Epochen» genannt, passen die Mikrocontroller Drehmomente an. Steifigkeit und Wechselwirkungen innerhalb der Struktur verändern sich. Die «Information» ist nicht in Software ausgelagert, sondern direkt in der physikalischen Struktur gespeichert. Erstautor Yao Du bringt es auf den Punkt: «Sobald das System zu lernen beginnt, scheinen die Möglichkeiten, wohin es sich entwickeln kann, nahezu grenzenlos zu sein.»

    Drei Fähigkeiten in einem
    Das System beherrscht drei Eigenschaften, die bisher biologischen Systemen vorbehalten waren. Es lernt neue Reaktionsmuster auf definierte Eingaben. Es speichert mehrere Zustände gleichzeitig und wechselt zwischen diesen Zuständen je nach Input. Frühere Arbeiten des Labors hatten bereits gezeigt, dass sich solche Strukturen ohne zentrale Steuerung fortbewegen können. Neu ist die Anpassungsfähigkeit, denn das Material wählt seine Bewegungsform je nach Umweltreiz.

    Einsatzfelder und nächste Schritte
    Das Forschungsteam sieht das grösste Potenzial in adaptiven Bauteilen, die sich an wechselnde Lasten anpassen, in der Softrobotik ohne zentrale Steuerung, sowie in Systemen für unstrukturierte Umgebungen wie der Exploration. Ab August 2026 wird die Forschung in Amsterdam in Zusammenarbeit mit der Gruppe «Learning Machines» ausgebaut. Die niederländische Forschungsagenda NWA widmet lernfähigen Materialien 2026 einen eigenen Schwerpunkt. Neben technischen Fragen wird dann auch der Fokus auf Kontrolle und sicheren Einsatz gestellt.

    Grenze zwischen Material und Maschine verschwimmt
    Statt passiver Werkstoffe entstehen adaptive Systeme, deren Eigenschaften sich aktiv verändern. Künftig sollen zeitabhängiges Verhalten und der Umgang mit unsicheren Bedingungen integriert werden, sogenannte stochastische Szenarien. Das erhöht die Robustheit und macht die Technologie für reale Einsatzumgebungen tauglich. Intelligenz entsteht nicht durch zentrale Steuerung, sondern aus dem Zusammenspiel vieler einfacher Elemente.

  • Früh prüfen, günstig scheitern

    Früh prüfen, günstig scheitern

    SSbD ist ein ganzheitlicher Innovationsrahmen der Europäischen Union. Neue Chemikalien, Materialien, Produkte und Technologien sollen von Beginn an so entwickelt werden, dass sie sicher für Mensch und Umwelt sind – und das über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dahinter steckt ein klares Prinzip: Risiken früh erkennen und günstig korrigieren, statt spät und teuer reagieren. Die EU nennt es treffend «fail early and fail cheap».

    64 Prozent Übereinstimmung mit EU-Recht
    Die Empa untersuchte im Rahmen des EU-Projekts IRISS 15 zentrale EU-Verordnungen, die für die europäische Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette relevant sind. Darunter die Chemikalien-, Batterie- und Verpackungsverordnung sowie die Abfallrahmenrichtlinie. 64 Prozent dieser regulatorischen Anforderungen sind bereits im SSbD-Rahmen abgedeckt. «SSbD verlangt in vielen Fällen genau jene Daten und Bewertungen, die Unternehmen später ohnehin für die regulatorische Konformität brauchen», erklärt Studienautor Akshat Sudheshwar von der Empa.

    PFAS als mahnendes Beispiel
    Die Risiken der sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS wurden bei ihrer Einführung mehrheitlich erkannt, jedoch über Jahrzehnte ignoriert. Heute reichern sie sich in Organismen an, sind in der Umwelt nicht abbaubar und verursachen enorme Kosten. Mit einem SSbD-Ansatz hätten diese Risiken früh adressiert werden können. Das Beispiel zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn Unternehmen Sicherheit und Nachhaltigkeit erst nachträglich einplanen.

    Mehraufwand, der sich rechnet
    SSbD erhöht den Aufwand in der frühen Entwicklungsphase, das räumt auch Sudheshwar ein. Wer früh investiert, vermeidet spätere Kosten durch Produktverbote, Sanierungspflichten oder Marktanpassungen. Zentrales Erfolgskriterium für Unternehmen ist die Fähigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit früh zusammenzudenken und die nötige Expertise in beiden Bereichen aufzubauen.

    Grenzen und politischer Handlungsbedarf
    Verlässliche Daten, toxikologische Informationen und robuste Methoden fehlen bislang. Der SSbD-Rahmen anerkennt diese Lücke ausdrücklich und ist anpassungsfähig. Auf politischer Ebene empfiehlt die Studie Anreize für Unternehmen und regulatorische Erleichterungen sowie Patentverlängerungen oder wirtschaftliche Vorteile könnten den Einstieg erleichtern. Langfristig soll SSbD häufiger Eingang in EU-Verordnungen finden, nicht zwingend als Pflicht, sondern als strategische Orientierung.

  • Zürich testet KI im Baubewilligungsverfahren

    Zürich testet KI im Baubewilligungsverfahren

    Der Kanton Zürich verpflichtet ab April 2027 sämtliche Gemeinden zur Nutzung der Plattform eBaugesucheZH. Damit ist die Basis für die Digitalisierung gelegt, aber eben erst die Basis. Die inhaltliche Bearbeitung der Gesuche läuft weiterhin in unterschiedlichen Systemen ab, je nach Gemeinde oder Kanton. Diese historisch gewachsene Systemlandschaft führt zu Medienbrüchen, manuellen Abstimmungsrunden und Dateninkonsistenzen.

    Was die FHNW-Studie zeigt
    Die Baudirektion beauftragte das Institut Digitales Bauen der FHNW mit einer Potenzialstudie entlang der gesamten Prozesskette. 15 Handlungsfelder wurden identifiziert, von der digitalen Erstinformation bis zur Bauabnahme. Das grösste kurzfristige Potenzial liegt ganz am Anfang.  Chatbots für die Erstberatung, strukturierte Eingabebegleitung und automatisierte Vorabprüfungen könnten die Qualität der eingereichten Gesuche sofort steigern und Rückfragen deutlich reduzieren. Viele Verbesserungen lassen sich bereits mit regelbasierten Systemen erzielen, ohne generative KI.

    Prototyp mit der Stadt Kloten
    Die Innovation-Sandbox für KI des Amts für Wirtschaft testete gemeinsam mit Praxis- und Technologiepartnern, darunter die Stadt Kloten, einen KI-basierten Vorabcheck für das Meldeverfahren. Für einfache Vorhaben wie Solaranlagen oder Wärmepumpen klärt ein regelbasiertes System automatisch Zulässigkeit und Verfahrenswahl, eine KI überprüft anschliessend Vollständigkeit und Qualität der Eingaben. 3336 Tests wurden ausgewertet. Das Resultat stimmt zuversichtlich, auch wenn die zuverlässige Interpretation komplexer Plandarstellungen noch eine offene Herausforderung bleibt.

    Mensch bleibt verantwortlich
    Beide Studien sind sich einig, dass eine vollständige Automatisierung derzeit nicht realistisch ist. Wo Entscheidungslogiken klar definiert sind, sind regelbasierte Systeme der generativen KI vorzuziehen. Die behördliche Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen. Rechtliche Fragen rund um Datenschutz, Haftung, Transparenz und die urheberrechtlich geschützten Baupläne als KI-Trainingsmaterial müssen vor jeder Umsetzung vertieft geprüft werden.

    Die Ergebnisse fliessen nun in die Weiterentwicklung von eBaugesucheZH ein. Einzelne Anwendungen sollen in Pilotgemeinden getestet werden. Zürich zeigt damit, wie ein sorgfältiger, schrittweiser Einsatz von KI in einer komplexen Verwaltungsdomäne funktionieren kann.

  • Wie die Schweiz die PropTech Fachkräfte von morgen ausbildet

    Wie die Schweiz die PropTech Fachkräfte von morgen ausbildet

    Interdisziplinarität als Schlüssel
    PropTech ist kein klassisches Studienfach. Vielmehr entsteht Kompetenz durch die Kombination verschiedener Disziplinen. In der Schweiz verbinden Ausbildungsangebote Themen wie Immobilienökonomie, Bauwesen, Informatik, Datenanalyse, Nachhaltigkeit und Management.

    Diese Interdisziplinarität spiegelt die Realität der Branche wider. PropTech Fachkräfte müssen technische Lösungen verstehen, regulatorische Rahmenbedingungen einordnen und gleichzeitig wirtschaftlich denken. Schweizer Bildungsinstitutionen reagieren darauf mit modularen Programmen und praxisorientierten Formaten.

    Hochschulen als Innovationsmotor
    Die ETH Zürich und die EPFL Lausanne bilden das akademische Fundament vieler technologischer Entwicklungen. Studiengänge und Forschungsprogramme in Bauingenieurwesen, Architektur, Informatik und Data Science liefern Know how, das direkt in PropTech Lösungen einfliesst.

    Fachhochschulen wie die HSLU, ZHAW oder OST ergänzen dieses Angebot mit starkem Praxisbezug. Projekte in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Startups und öffentlichen Institutionen ermöglichen Studierenden, reale Problemstellungen zu bearbeiten. So entsteht ein direkter Transfer von Wissen in die Anwendung.

    Weiterbildung für die Immobilienpraxis
    Neben der akademischen Ausbildung gewinnt die berufsbegleitende Weiterbildung stark an Bedeutung. Viele Fachkräfte aus Verwaltung, Bewertung, Entwicklung oder Bewirtschaftung müssen digitale Kompetenzen nachholen oder vertiefen.

    In der Schweiz gibt es eine wachsende Zahl an CAS und MAS Programmen mit Fokus auf Digitalisierung, BIM, Data Analytics, Nachhaltigkeit und Immobilienmanagement. Diese Programme richten sich gezielt an Praktikerinnen und Praktiker und vermitteln anwendbares Wissen für den Berufsalltag.

    Zusammenarbeit mit der Branche
    Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit zwischen Bildungsinstitutionen und der Immobilienwirtschaft. Unternehmen treten als Praxispartner auf, stellen Use Cases zur Verfügung oder beteiligen sich an der inhaltlichen Ausgestaltung von Lehrgängen.

    Dadurch bleiben Ausbildungsinhalte aktuell und marktnah. Studierende und Weiterbildungsteilnehmende profitieren von realen Einblicken in laufende Transformationsprozesse und bauen früh relevante Netzwerke auf.

    Entrepreneurship und Startup Förderung
    Viele Bildungsangebote integrieren unternehmerische Elemente. Inkubatoren, Innovationsprogramme und studentische Initiativen fördern Gründungsgeist und Experimentierfreude. Studierende werden ermutigt, eigene Ideen zu entwickeln und als Startups weiterzuverfolgen.
    Diese Verbindung von Ausbildung und Unternehmertum ist ein wichtiger Treiber für die Schweizer PropTech Szene. Zahlreiche erfolgreiche Unternehmen sind aus Hochschulprojekten hervorgegangen und konnten sich dank gezielter Förderung am Markt etablieren.

    Herausforderungen und Ausblick
    Trotz der starken Bildungslandschaft bleibt der Fachkräftemangel eine Herausforderung. Die Nachfrage nach Spezialisten in den Bereichen Datenanalyse, Softwareentwicklung, BIM und ESG übersteigt das Angebot.

    Gleichzeitig steigt der Bedarf an hybriden Profilen, die Technik und Immobilienpraxis verbinden. Bildungseinrichtungen stehen daher vor der Aufgabe, ihre Programme laufend weiterzuentwickeln und neue Zielgruppen anzusprechen.

  • Neubau eines Polizeipräsidiums setzt neue Massstäbe für Arbeitswelten

    Neubau eines Polizeipräsidiums setzt neue Massstäbe für Arbeitswelten

    Der Baukonzern Implenia baut im Auftrag der Projektgesellschaft PPMS Immobilien GmbH & Co. KG in Deutschland das neue Polizeipräsidium in Münster für mehr als 1400 Mitarbeitende. In dem Gebäude entstehen laut einer Mitteilung dringend benötigte Erweiterungsflächen für die Polizei sowie ein modernes Präsidium mit kurzen Wegen und attraktiven New-Work-Konzepten. Das Volumen beläuft sich auf mehr als 200 Millionen Euro.

    Implenia übernehme als Generalunternehmer die Planung und den Bau eines Funktions- und Verwaltungsgebäudes, das nahezu alle bisherigen Dienststellen der Polizei Münster zusammenführen soll. Der schlüsselfertige Neubau wird moderne Büro- und Laborarbeitsplätze, Wache, Kantine, Ausbildungs-/Trainingsbereiche, Gewahrsam sowie eine Tiefgarage enthalten.

    Wie es in der Mitteilung heisst, entspricht das Projekt dem strategischen Fokus auf „grosse, komplexe und spezialisierte Immobilienprojekte“. Nach den Worten von Matthias Jacob, Head Division Buildings Deutschland, setzt Implenia dabei auf „partnerschaftliche Vertragsmodelle, die es uns erlauben, unsere Fähigkeiten optimal zum Nutzen unserer Kunden und von Implenia einzusetzen“.

    Die Bauarbeiten sollen nach der vorgezogenen Erstellung der Baugrube im Sommer 2026 beginnen und voraussichtlich bis Oktober 2029 dauern.

  • Standortmarketing bringt 264 Unternehmen in die Schweiz

    Standortmarketing bringt 264 Unternehmen in die Schweiz

    Die Organisationen des Standortmarketings haben laut einer Mitteilung der Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren 2025 schweizweit 264 Unternehmen neu angesiedelt. Diese haben bereits im ersten Betriebsjahr 919 Arbeitsplätze geschaffen. Diese Zahl soll in den nächsten drei Jahren auf insgesamt 2687 Arbeitsplätze ansteigen.

    Damit verzeichnen die kantonalen, regionalen und nationalen Organisationen des Standortmarketings einen deutlichen Zuwachs. Im Vorjahr hatten sie 231 Unternehmen angesiedelt, die im ersten Jahr 716 neue Stellen geschaffen haben. Diese Zahl soll bis 2027 auf 2135 Stellen steigen. 2023 waren 206 Firmen neu angesiedelt worden, die im ersten Jahr 640 Stellen geschaffen haben.

    Von den 2025 neu angesiedelten Firmen kommen 60 Prozent aus Deutschland, Frankreich, China und Grossbritannien. Rund 80 Prozent sind in den strategischen Schlüsseltechnologien tätig, auf die sich Bund, Kantone und Regionen für die Jahre von 2024 bis 2027 geeinigt haben. Dazu gehören die Zukunft der Gesundheit, Digitales, Automatisierung, Lebensmittel und Finanzbranche.

    Die Vermarktung des Standorts Schweiz ist eine Verbundaufgabe zwischen Bund und Kantonen. Diese haben Switzerland Global Enterprise mit der nationalen Standortvermarktung mandatiert.

  • Wirtschaftsraum Zürich zieht internationale Unternehmen in wachsender Zahl an

    Wirtschaftsraum Zürich zieht internationale Unternehmen in wachsender Zahl an

    Die Greater Zurich Area AG zieht in ihrem Jahresbericht 2025 ein positives Fazit. 98 ausländische Unternehmen sind dem Ruf der Standortmarketingagentur für den Wirtschaftsraum Zürich gefolgt und haben sich für einen neuen Standort in dem Verbund aus neun Kantonen sowie der Stadt Zürich und der Region Winterthur entschieden. 29 von ihnen betreiben Forschung und Entwicklung, 24 wollen ihren Hauptsitz in der Schweiz einrichten. Zusammen planen sie für die kommenden fünf Jahre 1295 neue Arbeitsplätze.

    Die GZA agiert im Auftrag der Stiftung Greater Zurich Area Standortmarketing, positioniert den Wirtschaftsraum Zürich international und unterstützt ansiedlungswillige Unternehmen. Dabei bearbeitet sie besonders intensiv die Fokusökosysteme Life Sciences, Künstliche Intelligenz und Robotik. „Innovation entscheidet, ob gute Arbeitsplätze, unternehmerisches Know-how und industrielle Kompetenz in unserer Region verankert bleiben“, so Verwaltungsratspräsident Dr. Balz Hösly in seinem Vorwort. „Für einen Hochkostenstandort wie die Greater Zurich Area ist das keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit.“

    Mit 20 Ansiedlungen war 2025 die Blockchain-Technologie die stärkste Fokusindustrie, gefolgt von Biotech und Pharma (15) und Künstlicher Intelligenz (8). Viele dieser Projekte liegen in den Sparten Robotik, Künstliche Intelligenz, autonome Systeme sowie Food & Agritech.

    So hat sich das israelische Food-Tech-Unternehmen Aleph Farms für Kemptthal ZH als Ausgangspunkt für seine europäischen Aktivitäten entschieden. Vor Ort trifft es auf Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Givaudan, Migros Industrie und Bühler. Tik Tok eröffnete ein Büro in Zürich und findet dort die Nähe zu Marken, Agenturen, Medien und Personen, die Inhalte für soziale Medien schaffen. Die kanadische Firma Blockstream baut ihre Bitcoin-Infrastruktur in Lugano mit der Einrichtung ihres dortigen Hauptsitzes und der Übernahme von Elysium Lab aus. Das Pekinger Unternehmen Baidu Apollo hat Zürich als seinen ersten europäischen Standort für seine Robotaxis gewählt.

    Internationale Sichtbarkeit ist auch das Ziel des Zurich AI Festivals, das von der GZA mitverantwortet und 2026 weitergeführt wird. Gleichzeitig werde die Integration des Kantons Aargau per 2027 vorbereitet, so GZA-Geschäftsführer Lukas Huber. Überhaupt stellt er die Rolle der assoziierten Kantone für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts heraus: Sie „schaffen mit ihren Rahmenbedingungen, ihren Clustern und ihrer Standortentwicklung die Grundlage dafür, dass dieses Marketing erfolgreich sein kann. Wir machen Promotion – die Kantone sind hervorragende Produktmanager.“

  • Neues Freiraumkonzept stärkt Lebensqualität und Biodiversität

    Neues Freiraumkonzept stärkt Lebensqualität und Biodiversität

    Der Gemeinderat Spreitenbach hat laut einer Mitteilung das Freiraumkonzept verabschiedet. Dieses schafft eine behördenverbindliche Grundlage für die zukünftige Entwicklung von Freiräumen im Siedlungsgebiet der Gemeinde. Die Qualität und die Nutzung der Frei- und Grünräume sollen gesichert und verbessert werden.

    Zu den Zielen des Konzepts gehören die Stärkung der Identität der Quartiere, die Förderung der Biodiversität und die Stärkung der Klimaresilienz nach dem Prinzip der Schwammstadt – abfliessendes Regenwasser soll möglichst lokal aufgesogen werden können.

    Das Konzept umfasst auch einen Katalog von 21 konkreten Massnahmen. Zu den ersten Massnahmen gehören die Planung und die Umsetzung des Neumattparkes, die Weiterentwicklung des Areals Ziegelei, aber auch die Schaffung temporärer Freiräume. Sofortmassnahmen sollen die Aufenthaltsqualität verbessern, bessere Signalisierungen die Wegverbindugnen aufzeigen. Bis Ende 2026 sollen Zuständigkeiten geklärt und Prioritäten gesetzt sowie erste Massnahmen vorbereitet werden.

    Die Einwohnergemeindeversammlung hat den Verpflichtungskredit für das Freiraumkonzept in Höhe von 170‘000 Franken am 28. November 2023 genehmigt. Ein interdisziplinäres Planungsteam hat das Konzept im Anschluss mit einer breit abgestützten Begleitgruppe erarbeitet.

  • Das Holz, das sich selbst schützt

    Das Holz, das sich selbst schützt

    Weltweit fallen jährlich Millionen Tonnen Sägemehl an. Der grösste Teil davon wird verbrannt, das im Holz gebundene CO2 gelangt zurück in die Atmosphäre. Genau hier setzt das Forschungsteam um Doktorand Ronny Kürsteiner an, unter der Leitung von Ingo Bungert, Professor für holzbasierte Materialien an der ETH Zürich. Ziel ist das Sägemehl länger im Materialkreislauf halten.

    Der Trick mit dem Wassermelonenkern
    Das Bindemittel ist Struvit, ein kristallines Ammoniummagnesiumphosphat mit bekannten Brandschutzeigenschaften. Das Problem bis anhin war, dass Struvit sich schlecht verbinden lies mit Sägemehl wegen seines Kristallisationsverhaltens. Die Lösung fanden die Forschenden in einem Enzym aus Wassermelonensamen. Es steuert die Kristallisation so, dass grosse Struvit-Kristalle entstehen, die die Hohlräume zwischen den Sägemehlpartikeln ausfüllen und diese fest miteinander verbinden. Das verpresste Material wird danach bei Raumtemperatur getrocknet.

    Dreimal länger als Fichtenholz
    Die Brandtests am Polytechnikum Turin sprechen für sich. In einem Kegelkalorimeter, einem standardisierten Prüfverfahren für Hitzeeinwirkung, fing unbehandeltes Fichtenholz nach rund 15 Sekunden Feuer. Das Struvit-Sägemehl-Komposit brauchte mehr als dreimal so lang. Einmal brennend, bildet das Material rasch eine Schutzschicht aus anorganischem Material und Kohlenstoff, die die weitere Ausbreitung bremst. Dazu setzt das Struvit unter Hitze Wasserdampf und Ammoniak frei, was kühlend wirkt und dem Feuer Sauerstoff entzieht.

    Leichter als Zement, besser für das Klima
    Herkömmliche zementgebundene Spanplatten, heute im Innenausbau weit verbreitet, bestehen zu 60 bis 70 Gewichtsprozent aus Zement. Sie sind schwer und klimaschädlich in der Herstellung. Die neuen Struvit-Sägemehl-Platten kommen mit 40 Prozent Bindemittelanteil aus. Sie sind leichter, haben eine deutlich bessere Klimabilanz und landen nach dem Abbruch nicht auf der Sondermülldeponie.

    Rezyklierbar und düngetauglich
    Das Komposit lässt sich in seine Bestandteile zerlegen. Mechanisch in der Mühle, dann auf etwas über 100 Grad erhitzt, worauf Ammoniak freigesetzt und das Sägemehl abgesiebt wird. Das mineralische Ausgangsmaterial Newberyit fällt als Feststoff aus und kann erneut zu Struvit verarbeitet werden. Wer das Material nicht wieder verbaut, kann es als Langzeitdünger nutzen. Struvit gibt Phosphor, Stickstoff und Magnesium langsam und kontrolliert an den Boden ab.

    Kläranlage als Rohstoffquelle
    Ein weiterer Kreislauf zeichnet sich ab. Struvit entsteht in grossen Mengen als unerwünschtes Nebenprodukt in Kläranlagen, wo es Rohre verstopft und teuer entsorgt werden muss. «Diese Ablagerungen könnten wir als Ausgangsmaterial für unseren Baustoff verwenden», sagt Kürsteiner. Ob sich das Material auf dem Markt durchsetzt, hängt primär von den Bindemittelkosten ab. Ein Problem, das sich mit dieser Quelle lösen liesse.

  • Die Baustelle will auch Flexibilität

    Die Baustelle will auch Flexibilität

    Adrian Dinkelmann, Geschäftsführer Infra Suisse, brachte es auf den Punkt. Vereinbarkeit gelingt nicht durch einzelne Massnahmen, sondern durch eine grundlegende Verankerung in der Unternehmenskultur. Zwei vom Bund geförderte Projekte zeigen konkrete Handlungsfelder auf. Der Rahmen muss so gestaltet sein, dass unterschiedliche Lebensrealitäten der Mitarbeitenden darin Platz finden.

    Nicht alle wollen dasselbe
    Jan Malmström, CEO der JMS-Gruppe, hat in seinem Unternehmen nachgefragt. Das Ergebnis überrascht. Der Wunsch nach Teilzeit ist im Büro stark ausgeprägt, auf der Baustelle deutlich weniger. Aber auch dort besteht ein klares Bedürfnis nach mehr Flexibilität im Alltag. Standardmodelle greifen zu kurz. Wer alle Mitarbeitenden gleich behandelt, verpasst den Kern.

    Co-CEO als Realitätscheck
    Sandra Werneyer und Lea Ott leben bei der werneyer ott architektur gmbh vor, was möglich ist, geteilte Führung im Co-CEO-Modell. Das funktioniert mit hohen organisatorischen und kommunikative Anforderungen. Ihr Auftritt machte deutlich, neue Arbeitsformen sind kein Selbstläufer. Sie verlangen Klarheit darüber, welche Verantwortung wirklich teilbar ist.

    Stereotype bremsen die Branche
    Dörte Resch, Professorin für Angewandte Psychologie an der FHNW, machte klar, Bilderkampagnen allein verändern nichts. Stereotype, die nicht mehr mit der Realität der Bauberufe übereinstimmen, müssen aktiv angegangen werden. Es braucht ein authentisches Berufsmarketing, das die attraktiven Aspekte der Branche für alle sichtbar macht. Caroline Farberger, schwedische Unternehmerin, ergänzte mit einer persönlichen Perspektive. Inklusion beginnt damit, bestehende Denkmuster zu hinterfragen.

    Kultur schlägt Konzept
    Im Podium wurde deutlich, was den Unterschied macht. Olivier Imboden, CEO Ulrich Imboden AG, beschreibt es so. Wenn Mitarbeitende die Werte eines Unternehmens mittragen, wirkt sich das direkt auf dessen Attraktivität als Arbeitgeber aus. Sven Stingelin von der Frutiger AG ergänzte die Baustellen-Perspektive und spricht die Rahmenbedingungen an, die anders sind als im Büro. Thomas Weber von Walo Bertschinger wies darauf hin, dass Projektabläufe den Handlungsspielraum wesentlich prägen. Cornel Müller, Gründer Work-ID AG, zeigte, wie gezieltes Berufsmarketing neue Zielgruppen erschliesst, auch durch frühzeitige Berufsorientierung.