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Personen – Immobiliennews zu führenden Persönlichkeiten, Karrierewegen & Akteuren der Schweizer Immobilienbranche.

  • Uni St. Gallen, neuer Campus von Pascal Flammer

    Uni St. Gallen, neuer Campus von Pascal Flammer

    Der Universität St. Gallen wird der Platz knapp. Auf dem Areal Platztor am Unteren Graben entsteht deshalb ein zweiter Campus, um ihre Kernaufgaben in Lehre und Forschung weiterhin qualitativ hochstehend zu erfüllen. Es wird aber nicht nur Raum für Forschung und Lehre geschaffen, vielmehr soll auch ein neues Stück Stadt hinzugefügt werden. Der Architekturwettbewerb um die Gestaltung des neuen Stadtbausteins ist entschieden.

    Der neue Campus soll dereinst genügend Platz für die Ausbildung von 3000 Studierenden bieten. In den zwei Untergeschossen ist eine grosse Aula mit einem Platzangebot für 400 Personen geplant. Um das Gebäude wird ein grosszügiger Park angelegt, der wie das Gebäude öffentlich zugänglich sein wird.

    Am offenen Wettbewerb wurden 59 Projekte eingereicht. Nachdem keines vorbehaltlos überzeugt hatte, entschied sich die Jury für eine anonyme Bereinigungsstufe. Dabei konnte sich schliesslich das Projekt «Haus im Park» von Pascal Flammer durchsetzen. Flammers Vorschlag sieht ein achtzig Meter langes und vierzig Meter breites Gebäude vor, das inmitten eines öffentlichen Parks stehen soll. Dafür wird der Baukörper von der Strasse zurückversetzt. Das sechsstöckige Gebäude aus Holz, Beton und Glas wirkt auf den Visualisierungen leicht und transparent.

    Die publikumsorientierten Nutzungen wie die Caféteria sind zu St. Gallens schöner Altstadt hin ausgerichtet. Bei der Erschliessung des Campus legte Flammer sein Augenmerk auf den öffentlichen Verkehr. Vom bestehenden Campus gelangt man zu Fuss ober- und unterirdisch zum Neubau.

    Nach dem Baubeginn 2025 kann das Gebäude voraussichtlich im Jahr 2029 in Betrieb genommen werden. Für die Stadtentwicklung von St. Gallen bedeutet das Projekt einen grossen Schritt in die Zukunft.

  • «Die St. Galler Quartiere der Zukunft sollen lebendig, vielfältig und durchmischt sein»

    «Die St. Galler Quartiere der Zukunft sollen lebendig, vielfältig und durchmischt sein»

    Zur Person
    Maria Pappa wurde 1971 in St. Gallen geboren und ist in der Stadt aufgewachsen. 2016 wurde die Tochter süditalienischer Einwanderer als Stadträtin gewählt, und seit diesem Jahr ist die Sozialdemokratin Stadtpräsidentin der Stadt St. Gallen und leitet die Direktion Inneres und Finanzen. Zuvor führte sie als Stadträtin die Direktion Planung und Bau. Maria Pappa studierte Sozialpädagogik an der Höheren Fachschule für soziale Arbeit in Rorschach. Vor ihrer Wahl leitete sie die geschlossene Abteilung des Jugendheims Platanenhof in Oberuzwil und später die städtische Tagesbetreuung für Schulkinder. Bevor sie in die Soziale Arbeit wechselte, arbeitete die Absolventin der Handelsmittelschule in der Buchhaltungsabteilung einer Versicherung.

    Frau Pappa, Sie sind seit Beginn dieses Jahres Stadtpräsidentin und stehen der Direktion Inneres und Finanzen vor. Zuvor leiteten Sie als Stadträtin die Direktion Planung und Bau. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?
    Nach der Wahl zur Stadtpräsidentin und der anschliessenden konstituierenden Sitzung des Stadtrats ging es sehr rasch; für den eigentlichen Wechsel blieben nur vier Wochen. Die Einarbeitung als Stadtpräsidentin und in der neuen Direktion waren geprägt von der Pandemie: Die meisten Kontakte mit Mitarbeitenden und Externen waren virtuell. Repräsentative Aufgaben gabs nur wenige – und sie beschränkten sich auf Videobotschaften für Online-Anlässe. Diese Verschiebung des persönlichen Austauschs in den digitalen Raum erschwerte insgesamt die sozialen Kontakte und den echten Beziehungsaufbau. Gleichzeitig war ich aber auch weniger durch repräsentative Aufgaben gebunden und konnte mich so in die Projekte und Eigenheiten der neuen Direktion vertiefen.

    Weshalb haben Sie sich nach vier Jahren Planung und Bau zum Wechsel der Direktion entschieden?
    Die Verteilung der Direktionen ist Sache des Gesamtstadtrats. Gemeinsam haben wir sämtliche Optionen angeschaut und uns für die idealste entschieden. Persönlich war ich gerne Vorsteherin der Direktion Planung. Dort zu bleiben hätte mir gefallen. Nach vier Jahren ist man richtig eingearbeitet, kennt die Projekte und hat viele davon von Anfang an begleitet. Die neue Funktion als Stadtpräsidentin ist jedoch mit vielen Repräsentativaufgaben sowie mit Sitzen in Gremien verbunden. Ein enger Draht zur Stadtkanzlei ist sehr wichtig. Die Erfüllung dieser zusätzlichen Aufgaben mit der gleichzeitigen Leitung der so breit aufgestellten Direktion Planung und Bau ist zeitlich nicht machbar.

    Welche Projekte waren für Sie als Vorsteherin Planung und Bau Meilensteine, die Sie begleiten durften?
    Als ich die Abstimmungsresultate zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl entgegennehmen durfte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ein konsensfähiges Marktplatzprojekt im dritten Anlauf endlich durchzubringen, war intensive Arbeit. Auch die Neugestaltung der Zürcher Strasse wurde lange Zeit blockiert. Im Jahr 2018 hat das Stadtparlament dem vorgeschlagenen Projekt dann zugestimmt. Nächstes Jahr soll mit der Neugestaltung begonnen werden. Einen Schwerpunkt bildeten die zahlreichen Schul- und Betreuungsprojekte. Hervorzuheben ist hier das grösste Projekt: der Neubau des Schulhauses Riethüsli. Dieser wird im Quartier schon lange erwartet – im November 2020 hat ihn die Stimmbevölkerung genehmigt. Im Hintergrund wurde in diesen vier Jahren auch an vielen wichtigen Strategie-Papieren gearbeitet, darunter Wohnraum-, Freiraum-, Baum- und Innenentwicklungsstrategie. Einige sind relevant für die Revision der Bau und Zonenordnung. Sie alle werden die bauliche Entwicklung der Stadt prägen.

    Welche Vorhaben stehen für Sie als Vorsteherin der Direktion Inneres und Finanzen ganz oben auf Ihrer Agenda?
    Drei Themen sind momentan aktuell: Ich will St. Gallen als attraktive Stadt bekannter machen und damit das leicht angestaubte, «brötige» Image, das wir selbst von unserer Stadt haben, korrigieren und verbessern. Bei den Finanzen hat St. Gallen zwar eine solide finanzielle Basis. Doch sie weist seit Jahren ein latentes strukturelles Defizit aus, das sich vor allem in der Budgetierung zeigt. Der Aufwand steigt mehr als die Erträge. Ein Ziel wird es deshalb auch sein, dieses strukturelle Ungleichgewicht ins Lot zu bringen. Und schliesslich liegt mir das kulturelle Leben der Stadt am Herzen. Es ist mir ein Anliegen, das im Jahr 2020 verabschiedete Kulturkonzept umzusetzen.

    Auf dem Burgweiher-Areal konnte 2020 in einem dicht besiedelten Quartier ein grosses Naherholungsgebiet eröffnet werden. Gibt es ähnliche Landprojekte/Landreserven, die in den nächsten Jahren umgesetzt/entwickelt werden könnten?
    Dass wir eine solch grosse Grünfläche mitten in der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich machen konnten, ist ein Glücksfall und in dieser Form sicher einzigartig. In den nächsten Jahren geht es denn auch vielmehr um Wohn- und Gewerberaum. Die grossen Entwicklungsgebiete, die die Stadt in den nächsten Jahren beschäftigen werden, liegen einerseits in der Ruckhalde. Hier ist durch die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen ein Areal freigeworden, das die Stadt insbesondere für die Wohnnutzung entwickeln will. In St. Fiden soll andererseits ein attraktiver neuer Stadtteil entstehen. Das Areal rund um den Bahnhof bietet viel Potenzial für eine innere Verdichtung und eine attraktive Neugestaltung.

    In seiner Vision 2030 geht der Stadtrat davon aus, dass die Stadt St. Gallen wächst und sich die Bevölkerung zu einer multikulturellen urbanen Gesellschaft entwickelt. Wie unterstützen Sie als Stadtpräsidentin diese Vision?
    St. Gallen hat mit der Wohnraum-, der Innenentwicklungs- und der Freiraumstrategie aufgezeigt, wie sie als starke, innovative und attraktive Stadt in die Zukunft gehen will. In Kürze wird noch die Liegenschaftenstrategie dazukommen. Dieses zukunftsweisende Bild versuchen wir mit der «Sankt»-Kampagne aktiv nach aussen zu tragen. Bereits als Direktorin Planung und Bau waren mir Zusammenarbeit und Partizipation wichtig. Mit der Revision des Partizipationsreglements hat sich die Stadt seit diesem Jahr schliesslich eine Kultur der Partizipation auf die Fahne geschrieben. Dass wir diejenigen, die in dieser Stadt leben, auch künftig miteinbeziehen, wenn es um die Gestaltung dieser Stadt geht, scheint mir selbstverständlich. Zur Partizipation gehört auch, dass wir die Zusammenarbeit und den Austausch mit unserem eigenen Kanton und angrenzenden Kantonen, den Gemeinden und anderen Städten suchen und Synergien pflegen.

    Wie sieht die Wohnraumstrategie der Stadt St. Gallen genau aus?
    Bei der Wohnraumstrategie geht es vor allem darum, sowohl neuen attraktiven Wohnraum zu schaffen als auch bestehenden Wohnraum zu erneuern. Die Wohnraumstrategie definiert zu diesem Zweck in sechs Handlungsfeldern insgesamt 14 Ziele und 27 Massnahmen. Das Wohnungsangebot soll dabei vielfältig und auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten und die Wohnbauentwicklung sozialverträglich umgesetzt werden. Innovative Wohnprojekte wie etwa Mehrgenerationenwohnen und nachfamiliäres Wohnen sind Teil der Strategie. Ein wesentlicher Aspekt der Wohnraumstrategie sind zudem die Quartiere. Die St. Galler Quartiere der Zukunft sollen lebendig, vielfältig und durchmischt sein sowie ein attraktives Wohnumfeld fördern. Die Stadt wählt zur Erreichung dieser Ziele auch hier die Zusammenarbeit und will den Dialog mit Wohnbauakteurinnen und -akteuren fördern.

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    Die künftigen St. Galler Quartiere sollen lebendig und durchmischt sein
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    Welche Herausforderungen bringt der Weg zur «Wohnstadt 2030» mit sich?
    Es stellt sich die Frage, wie eine qualitativ gute innere Verdichtung mit attraktiven Freiräumen in Einklang gebracht werden kann. Dass künftig mehr Leute auf dem gleichen Raum leben, soll die Wohn- und Aufenthaltsqualität nicht beeinträchtigen. Erschwerend kommt der Klimawandel hinzu, dessen Auswirkungen vor allem städtische Räume vor grössere Herausforderungen stellen. Es wird darum gehen, mit baulichen Massnahmen insbesondere Hitzeinseln zu vermeiden und die Vernetzung sowie die Biodiversität zu fördern. Bei all diesen Herausforderungen geht es letztlich um die Bewohnerinnen und Bewohner selbst. Ich bin der Überzeugung, dass wir zu besseren Lösungen gelangen, wenn wir das Potenzial der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner in partizipativen Prozessen ausschöpfen können.

    Mit welchen Massnahmen kann die Strategie umgesetzt werden?
    Der Massnahmenkatalog der Wohnraumstrategie umfasst 27 konkrete Massnahmen. Das können Analysen von spezifischen Situationen, die Schaffung neuer finanzieller und rechtlicher Instrumente oder konkrete Bauprojekte sein. Letztlich geht es darum, die Grundlagen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich die Stadt in die durch die Wohnraumstrategie aufgezeigte Richtung entwickeln kann.

    Welche Vorzüge hat die Stadt für ansiedlungswillige Firmen und für Neuzuzüger?
    St. Gallen verfügt über ein vielfältiges Angebot, das sich sehen lassen kann. Die Stadt steht für Bildung, Kultur und Innovation. Gleichzeitig ist die Lebensqualität dank der Lage in prächtiger Natur zwischen Säntis und Bodensee und mit einer Fülle an kulturellen und gastronomischen Angeboten einzigartig. St. Gallen ist eine Stadt der kurzen Wege, die die Vernetzung und das sich Organisieren einfacher macht als in grösseren Städten. Für Unternehmen und besonders auch Privatpersonen überzeugt St. Gallen durch ihre Kompaktheit sowie ihre ideale Mischung zwischen Urbanität und Naturnähe. Als Bildungsstandort mit der weltweit renommierten Universität St. Gallen (HSG) und OST Ostschweizer Fachhochschule verfügt St. Gallen über viele kluge und gut ausgebildete Köpfe. Die Stadt ist zudem damit beschäftigt, diverse Areale vornehmlich im Westen zu entwickeln und neuen Nutzungen von Gewerbe, Industrie und Forschung zuzuführen.

    Wo muss sich die Stadt noch verbessern, wenn sie noch attraktiver werden will?
    Auch wenn die Stadt sich naturgemäss in vielen Bereichen verbessern kann, wie beispielsweise bei spannenden Wohnangeboten, so braucht sich St. Gallen, wie ich finde, keineswegs zu verstecken. Viele Vorzüge und attraktive Angebote der Stadt sind aber schlicht zu wenig bekannt. Es ist dies mit einer der Gründe, weshalb wir die Vermarktungskampagne gestartet haben.

    Das St. Galler Energiegesetz enthält neue, bauliche Massnahmen, die sich auf den Energieverbrauch in Neubauten und in bestehenden Häusern auswirken. Seit dem 1. Juli 2021 gelten die neuen Bestimmungen. Welches sind die wichtigsten Änderungen für Eigentümer von Wohn- und Geschäftsliegenschaften?
    Der Nachtrag zum Energiegesetz orientiert sich an den Klimazielen des Bundes, den CO2-Ausstoss bis 2030 zu halbieren. Neubauten sollen deshalb künftig auf erneuerbare Energien setzen und einen Teil ihres Strombedarfs durch Eigenproduktion abdecken. Für bestehende Liegenschaften gelten neue Vorgaben beim Ersatz einer bestehenden Heizung. Entweder soll auf Heizsysteme mit erneuerbarer Energie umgestellt oder aber durch bessere Dämmung Energie eingespart werden. Das Amt für Baubewilligungen berät Eigentümerinnen und Eigentümer gerne.

    Wie haben sich die Grundstückgewinnsteuern in jüngerer Zeit entwickelt? Wie wird es in der näheren Zukunft weitergehen?
    Die Grundstückgewinnsteuern haben sich fast verdreifacht. Das hängt vor allem mit den gestiegenen Immobilienpreisen zusammen. Wir haben in den letzten Jahren einen sehr aktiven Immobilienmarkt erlebt. Immobilien haben sich mangels Alternativen als gute Investitionsmöglichkeit erwiesen. In der Zukunft wird die Entwicklung abhängig sein vom Anlagemarkt und den Zinsen. Ich gehe davon aus, dass der jetzige Trend noch ein wenig anhalten wird.

  • «Der Switzerland Innovation Park Ost hat eine Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinweg»

    «Der Switzerland Innovation Park Ost hat eine Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinweg»

    Zur Person
    Beat Tinner ist seit 2020 Mitglied der St. Galler Kantonsregierung und steht dem Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen vor. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung beim Schweizerischen Bankverein (heute UBS) und danach einen Sprachaufenthalt in der Westschweiz. Er wurde 1997 im Alter von 26 Jahren Gemeindepräsident von Wartau und bekleidete das Amt bis 2020. Von 2000 bis 2020 war er Mitglied des Kantonsrats und davon die letzten vier Jahre Fraktionschef der FDP.

    Herr Regierungsrat Tinner, wie kann man die St. Galler Wirtschaft am treffendsten porträtieren?
    Wir sind primär ein Industriestandort, der sich ausgehend von der Textil- und Maschinenindustrie inzwischen erfolgreich im Hochtechnologiebereich etabliert hat. Dies verdanken wir besonders der Innovations- und Tatkraft vieler Unternehmer, die sich wie Bühler Group, Leica Geosystems oder SFS Group vom KMU zum Konzern entwickelt haben. Wir haben eine starke Bildungstradition: vom dualen Bildungsweg ausgehend über die regional verankerte, interkantonale Fachhochschule Ost bis zur internationalen Spitzenuniversität HSG. Die Wirtschaftsstruktur ist regional zwar recht heterogen, dafür sind wir breit diversifiziert und somit krisenresistenter. Dies alles, kombiniert mit einem technologie- und wirtschaftsfreundlichen Umfeld, bildet unseren einzigartigen Charakter.

    Wie meistert die St. Galler Wirtschaft die gegenwärtige Pandemie?
    Dank der wirtschaftlich bedeutenden, wiedererstarkenden Exportwirtschaft, der stabilen Bauwirtschaft und erneuter Konsumfreude ist wieder Optimismus zu spüren. Die nicht direkt betroffenen Branchen sind stabil durch die Krise gekommen. Dabei hat sicher auch das Instrument der Kurzarbeit mitgeholfen. Es wird jetzt wieder investiert und gebaut. Ausserdem konnten wir die schwerwiegenden Härtefälle mit Bundes- und Kantonsmitteln überbrücken.

    Ein von Ihnen erklärtes Ziel in der Pandemiezeit ist die Wiederbelebung und Stärkung der St. Galler Unternehmen. Welche Massnahmen haben Sie getroffen?
    Die aktuellen kantonalen Massnahmen umfassen die Unterstützung in Härtefällen, einen Schutzschirm für Sportanlässe sowie eine Unterstützung der Seilbahnunternehmen und Tourismusdestinationen. Die ersten beiden Instrumente werden vom Bund mitfinanziert, das dritte vom Kanton. Die Unterstützungsvorlage ist am 26. September vom St. Galler Stimmvolk gutgeheissen worden. Letztes Jahr wurden bereits Covid-Kredite bereitgestellt. Uns ist es gelungen, die direkt betroffenen Unternehmen wo nötig zu stützen, auch dank engem Dialog zwischen Kanton, Bund und Wirtschaft. Eine allgemeine Strukturbereinigung können und wollen wir mit den Massnahmen jedoch nicht aufhalten.

    Welche Vorzüge hat der Kanton St. Gallen als Standort für Unternehmen?
    Der Kanton liegt anteilsmässig beim Maschinenbau, der Präzisionstechnik, Elektronik und den optischen Technologien sowie bei unternehmensbezogenen IT-Dienstleistungen signifikant über dem Schweizer Mittelwert. In diesen Technologieschwerpunkten gibt es viele, gut ausgebildete Fachkräfte und bestens funktionierende Netzwerke. Im Vergleich zu anderen Landesregionen ist hier Bauland zu erschwinglichen Preisen erhältlich, und die Mieten sind moderat. Generell sind die Rahmenbedingungen sehr unternehmerfreundlich, beispielsweise durch schlanke Bewilligungsprozesse und kurze Wege. Einfach gesagt: Wer in St. Gallen etwas umsetzen will, ist willkommen und kommt mit seinen Projekten schneller und meist günstiger ans Ziel als anderswo.

    Wo muss sich der Kanton noch verbessern, wenn er für ansiedlungswillige Unternehmen attraktiver werden will?
    Bei der Unternehmensbesteuerung gibt es sicher noch ein paar Punkte zu verbessern. Bei der Infrastruktur haben wir im öffentlichen Verkehr einen Quantensprung mit der schnellen Bahnverbindung nach München gemacht, bezüglich Strasse fehlt bislang noch eine internationale Hochleistungsverbindung im Osten. Die Umsetzung der neuen Bau- und Planungsgesetzgebung ergab einen Moment lang eine gewisse Planungsunsicherheit, was mit einer weiteren Revision des Gesetzes abgefedert werden kann. Der Vollzug spielt sich jedoch inzwischen ein und bietet erneut verlässliche Rahmenbedingungen.

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    Der Park Ost soll
    international wahrgenommen werden
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    Welches sind die Schwerpunkte der Standortförderung im Kanton St. Gallen?
    Innovation und Start-ups sind ein wesentlicher Schwerpunkt, was sich beispielsweise mit der erfolgreichen Bewerbung bei Switzerland Innovation zeigt. Bezüglich Promotion sind wir mit unseren Nachbarkantonen Thurgau, Appenzell und mit der St. Gallen-Bodensee-Area unterwegs. Momentan sind wir durch Corona etwas eingeschränkt – wir hoffen aber, dass die stark auf persönlichen Kontakten beruhende Promotion bald wieder in Schwung kommt. Punkto Bereitstellung von Immobilien und der Arealentwicklung nehmen wir eine aktive Rolle ein; wir initiieren und begleiten als Kanton selber Entwicklungen, das heisst: Wir unterstützen Gemeinden bei überkommunalen Arealentwicklungen und vermitteln Immobilienangebote an Interessenten.

    Welche Vorhaben in Sachen Verkehr und Mobilität stehen ganz oben auf Ihrer Agenda?
    Ein Doppelspurausbau im Rheintal, der ab 2024 einen Halbstundentakt zwischen Chur und St. Gallen erlaubt, der laufende Doppelspurausbau für die S-Bahn nach Rapperswil sowie Kapazitätssteigerungen Richtung Zürich durch den Ausbau am Bahnknoten Wil. Zudem arbeiten wir bereits an den Ausbauschritten für kommende Generationen. Eine Trambahn in St. Gallen soll vertiefter geprüft werden, ebenso eine Anbindung zu Cargo sous Terrain.
    Welche gelungenen Mobilitäts-Projekte würden Sie als Ihre bisherigen «ÖV-Meilensteine» bezeichnen?
    Im Juni konnte ich den Doppelspurausbau mit dem neuen Bahnhof Rorschach einweihen. Dies ist ein Teil der laufend verbesserten Eurocity-Verbindung zwischen Zürich, St. Gallen und München. Der Spatenstich zum vorher erwähnten Doppelspurausbau nach Rapperswil ist im September erfolgt. Allein diese Beispiele zeigen, dass bezüglich Infrastruktur einiges läuft.

    Das Vorantreiben von Innovationen ist Ihnen ein grosses Anliegen. Wie wichtig ist die kürzlich erfolgte Gründung des Innovationsparks Ost?
    Die Gründung der «Switzerland Innovation Park Ost AG», wie es jetzt offiziell heisst, ist der Schlüssel. Damit können wir einerseits die Ostschweizer Innovationsnetzwerke nachhaltig festigen und uns gleichzeitig mit dem Thema auf der internationalen Landkarte positionieren. Wir sind überaus glücklich, dass die Ostschweiz nun auch Teil dieses Schweizer Netzwerks ist. Bereits bei der Erarbeitung des Bewerbungsdossiers sind die Akteure von Forschung, Wirtschaft und der öffentlichen Hand in eine sehr konstruktive Zusammenarbeit getreten. Jetzt ist es entscheidend, dass die konkrete Manifestation der Infrastruktur gelingt. Ich bin zuversichtlich, dass wir dies schaffen, weil wir auf einem lebendigen Innovations- und Unternehmensstandort bei der Empa St. Gallen aufbauen können.

    Was ist der aktuelle Stand des Campus-Projekts Buchs?
    Buchs ist als Standort der Ostschweizer Fachhochschule, der Berufsschule und des Forschungs- und Innovationszentrums Rheintal RhySearch bereits gut aufgestellt. Aus diesem Grund, und da auch Baulandreserven vorhanden sind, ist der Campus Buchs zum Aussenstandort des Park Ost deklariert worden. Aktuell sind mehrere Projekte für die Aufwertung des Campus in Arbeit, unter anderem ein Motel für Studenten, Dozenten und Arbeitskräfte. In Kürze wird für die Brusa Elektronik AG ein Neubau eröffnet. Dieser Neubau ist als privatwirtschaftlich finanziertes Projekt gelungen, das dennoch zum Campus Buchs gerechnet wird. Der Brusa Neubau stellt ein Element im Konzept des «Zentrums Präzisionsindustrie» dar, wofür weitere baureife Flächen beim Campus verfügbar sind.

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    Co-Working-Spaces haben von der Pandemie profitiert
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    Welche Bedeutung haben die beiden Projekte für die Region und den Kanton St. Gallen?
    Der Park Ost hat eine Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinweg und soll schliesslich auch international wahrgenommen werden. Die in der Ostschweiz und Liechtenstein bereits gelebte Innovationskultur wird damit klar sichtbar. Der Campus Buchs ist für das industriell geprägte Alpenrheintal ein Nukleus für Innovation, Bildung und Technologie.

    Welche weiteren wichtigen Projekte in Sachen Innovation und Forschung stehen in naher Zukunft an?
    Priorität hat momentan sicher die Umsetzung des Park Ost. Aus den Netzwerken der Empa, HSG, Kantonsspital sowie der Industrie gilt es konkrete Angebote und Innovationsprojekte zu kreieren. Besonders innovative Kooperationsformen werden angeregt und bei Bedarf unterstützt. Im Erstkontakt mit den KMU spielt dabei das Innovations-Netzwerk Ostschweiz INOS mit seinen regionalen Kontaktstellen eine wichtige Rolle.

    Das Thema Co-Working-Spaces ist auch im Kanton St. Gallen von grosser Bedeutung. Wie sind die neu gegründeten Co-Working-Spaces durch die Krisenzeit gekommen?
    Nach den mir vorliegenden Informationen gab es zwar im Lockdown einige Leerstände und Einbussen. Die Büros, auch die neu gegründeten, haben jedoch insgesamt von der Situation profitiert: Einige sind vom Homeoffice in das Co-Working ausgewichen und haben jetzt Gefallen an der neuartigen Arbeitsform gefunden.

    Welche Entwicklung erwarten Sie in diesem Bereich?
    Aufgrund der Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt entspricht diese Arbeitsform zunehmend einem Bedürfnis. Zukunftsfähig erscheint mir besonders das Modell, wenn beispielsweise in Inkubatoren wie dem Startfeld eine innovative Atmosphäre durch ähnlich interessierte Arbeitskräfte, Start-ups und Freiberufliche entsteht.

    Mit dem «Energiekonzept 2021–2030» stehen bis 2030 rund 150 Millionen Franken für energetische Investitionen zur Verfügung. Welche Punkte sind für Eigentümer von Wohn- und Geschäftsliegenschaften die wichtigsten?
    Zusätzlich zur bisherigen Förderung von energetischen Sanierungen werden die Beratungsangebote ausgeweitet, beispielsweise die finanzielle Unterstützung für die Betriebsoptimierung von Mehrfamilienhäusern und Dienstleistungsbauten. Weitere Zusätze sind die Produktion und Nutzung erneuerbarer Energien, etwa durch eigene Solarmodule sowie der sommerliche Wärmeschutz.

  • «Zürich soll als Innovationsstandort noch stärker werden»

    «Zürich soll als Innovationsstandort noch stärker werden»

    Sie haben zu Beginn dieses Jahres die Leitung der Standortförderung übernommen. Welche Massnahmen haben Sie getroffen, um sich gut und schnell einzuleben?
    Fabian Streiff: Ein wichtiger Punkt war für mich die Vernetzung mit kantonalen Akteuren, Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft und der Wissenschaft. Den Umständen geschuldet, musste dies zunächst virtuell geschehen. Aber noch relevanter war für mich die Frage, wie wir die Unternehmen unterstützen können – gerade während der Pandemie. Der Informationsbedarf der Unternehmen war enorm. Vor allem in Zeiten, in denen Instrumente wie beispielsweise die Kurzarbeit und Härtefallhilfe zur Anwendung kamen.

    Was haben Sie konkret unternommen, um die Unternehmen zu unterstützen?
    Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat schon früh den intensiven Austausch mit den Unternehmern gesucht, um zu eruieren, welche Themen wir auf nationaler Ebene adressieren müssen und welche wir innerhalb des Kantons lösen können. Zudem haben wir eine Hotline für die Unternehmen eingerichtet und verschiedene Websites stetig aktualisiert. Nun richten wir unseren Blick auf die Zukunft und widmen uns der Fragestellung, wie wir die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Zürich positiv beeinflussen können.

    Wie sieht dieser Plan aus?
    In Gesprächen mit Zürcher Unternehmen hat sich bestätigt, dass wir den Fokus noch stärker auf einen attraktiven Innovationsstandort legen sollten. Innovationen entstehen vermehrt in Netzwerken, weshalb starke Innovationsökosysteme einen bedeutenden Beitrag zum zukünftigen Erfolg der Zürcher Wirtschaft leisten. Diese gilt es zu stärken. Ein zentrales Thema sind neue hybride Arbeitsformen wie Home-Office oder das Arbeiten von Co-Working-Spaces aus. Wir müssen uns fragen, was dies für den Standort und seine Entwicklung bedeutet. Spannend ist auch, wie der Wirtschaftsstandort Zürich für Unternehmen attraktiv bleiben kann. Gibt es Möglichkeiten, den Zugang zu Talenten und Fachkräften zu verbessern, gerade im Kontext des mobilen Arbeitens? Welche Rolle kann der Staat einnehmen, um hier einen Beitrag zu leisten? Das alles sind offene Fragen – wir sehen bereits Tendenzen, aber natürlich auch Folgen daraus, wie zum Beispiel die Diskussion über eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts.

    Verliert der Wirtschaftsstandort Zürich jetzt wirklich an Attraktivität?
    Viele Unternehmen beantworten diese Frage mit einem klaren Nein. Es zeichnen sich aber Verschiebungen ab. So prognostizieren grosse Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Konzentration auf einzelne Standorte. Das heisst, gewisse Immobilien könnten frei werden. Andererseits könnten diese schnell wieder für neue Arbeitsformen wie beispielsweise Co-Working-Spaces genutzt werden. Ländliche Zentren dürften dank Home-Office-Möglichkeiten wieder belebter werden. Der Wirtschaftsstandort Zürich wird auch durch die Hochschulen gestärkt, die mit ihren erfolgreichen Spin-offs und Forschungsarbeiten einen super Job machen und in den Rankings ganz vorne dabei sind. Die Unternehmen im Kanton Zürich konnten letztes Jahr zudem in grossem Umfang Risikokapital anziehen, was sehr erfreulich ist.

    Wie kam es zu dieser positiven Entwicklung trotz der Pandemie?
    Zürich hat sich in den vergangenen Jahren gut positioniert, insbesondere mit Blick auf die digitale Transformation. Hier werden Spitzenkräfte benötigt und am Standort Zürich auch gefunden. Dies dank den Hochschulen und des Talentpools, der sich in den letzten Jahren stark weiterentwickeln konnte. Zuerst hatten die Banken Magnetwirkung, nun sind es die grossen Unternehmen aus der Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie. Das Zusammenspiel der verschiedenen Branchen ist für die Zukunft vielversprechend. Auch im Bereich der Forschung registrieren wir eine positive Entwicklung. Die genannten Punkte werden im Standortwettbewerb immer relevanter. Aber andere Standorte schlafen nicht und haben sich national und international sehr gut positioniert, weshalb die führende Position des Kantons Zürich keine Selbstverständlichkeit ist. Sie muss weiterhin im Bereich der Innovation gestärkt werden.

    Der Kanton Zürich ist der führende Wirtschaftsstandort der Schweiz. Weshalb?
    Die Attraktivität von Zürich basiert auf verschiedenen Faktoren. Angefangen bei der Bildung, über hochqualifizierte Arbeitskräfte, bis hin zu starken Branchen aus der Finanzwirtschaft und immer mehr aus den Bereichen Life-Science-Technologie, Cleantech sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie. Diese Vielfalt an Kompetenzen ermöglicht starke Ökosysteme, wodurch branchenübergreifendes Lernen und Innovieren gestärkt werden. Die Lebensqualität per se spricht ebenfalls für den Standort Zürich.

    Was unternehmen Sie, um diesen Status auch in Zukunft zu sichern?
    Unsere neue Strategie weist drei Schwerpunkte auf: Der erste ist die starke Fokussierung auf Innovationsthemen in den Bereichen Finanztechnologie, Digital Health, Biotech, Cleantech sowie im Bereich neue Mobilität. Hier wollen wir mehr Vernetzung und Möglichkeiten für Kooperationen schaffen. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit den regionalen Standortförderungen, um die Branchenvielfalt zu stärken. Die Grösse des Kantons Zürich verlangt ein vernetztes Arbeiten, um der Vielseitigkeit der einzelnen Regionen gerecht zu werden. So können wir auch spannende regionale Projekte unterstützen, wie es beispielsweise beim Bio-Technopark in Schlieren der Fall war. Aktuell sehen wir dies auch beim Digital Health Center in Bülach. Den dritten Schwerpunkt setzen wir bei der Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen, insbesondere im Bereich der Innovation. Hier können wir darauf hinwirken, dass es bei den Regulierungen auf Bundesebene nötige Anpassungen für spezifische Innovationsthemen gibt.

    Welche Regulierungen weisen dringenden Anpassungsbedarf auf?
    Mit Blick auf einen starken Innovationsstandort Zürich stehen aktuell die Folgen sowie Lösungen nach dem gescheiterten Rahmenabkommen mit der EU im Fokus. Der Ausschluss aus Horizon Europe wiegt schwer. Weiter sind Anpassungen im Arbeitsrecht aufgrund der veränderten Bedürfnisse zu prüfen – wie zum Beispiel beim mobilen Arbeiten.

    Welche Areale suchen Unternehmen derzeit am meisten?
    Wir sehen von der Kundenseite her einen Bedarf nach Flächen an gut erschlossenen Lagen, die in ein Ökosystem eingebunden sind. Es wird vermehrt die Verbindung zu den Hochschulen gesucht. Biotech-Labors werden auch immer wichtiger. Schlieren konnte sich in diesem Bereich enorm entwickeln. Dennoch verzeichnen wir hier eine Nachfrage, die überregional noch nicht gesättigt werden kann.

    Was ist das Problem?
    Im Biotechbereich sind die auf den Markt kommenden Flächen jeweils sehr schnell wieder besetzt. Es braucht vermehrt Investoren, die bereit sind, in Labors zu investieren. Die Entwicklung eines solchen Projekts dauert in der Regel zwei Jahre oder länger. Eine entsprechend vorausschauende Planung ist zwingend.

    Wie sehen Sie die Zukunft für die Bürogebäude im Kanton Zürich mit dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitsmodelle?
    Mit dieser Frage setzen wir uns aktuell stark auseinander. Die Arbeitgeber wollen allgemein noch attraktiver werden. Die Anforderungen an einen Büro-Arbeitsplatz werden also steigen. Doch ob das nun bedeutet, dass man pro Arbeitnehmenden mehr Fläche benötigt, oder ob es zu Zusammenlegungen kommt, werden wir erst in ein bis zwei Jahren sehen. Wir glauben aber, dass das Thema Co-Working noch wichtiger wird. Allerdings in einer umfassenderen Form als heute – im Sinne eines Begegnungsortes, wo ein vertiefter Austausch mit der Wissenschaft, den Behörden und weiteren Akteuren im Ökosystem stattfinden kann. Quasi ein Co-Working-Plus.

    Welche Standorte sind am begehrtesten?
    Die Stadt Zürich und die Flughafenregion bleiben weiterhin sehr attraktiv. Am Flughafen verzeichnen wir beim neu gebauten The Circle eine hohe Nachfrage. Und das Limmattal ist mit der Limmattalbahn und dem Bio-Technopark noch attraktiver geworden. Die Stadt Winterthur und die Region Zimmerberg sind dank der ZHAW ebenfalls beliebte Standorte.

    Welche Unternehmen interessieren sich für The Circle?
    The Circle zieht nicht nur Unternehmen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie wie etwa Microsoft oder Oracle an, sondern auch aus dem Bereich Life Sciences. Digital Health ist hier ein wichtiges Thema. Nach einer Corona-bedingten schwierigen Startphase zieht das Geschäft am Circle nun an, und es sind bereits 85 Prozent der Flächen vermietet.

    Welches sind die wichtigsten Quellenmärkte für den Kanton Zürich?
    Die USA ist nach wie vor mit Abstand der stärkste Markt. Wichtig sind auch Europa, insbesondere Deutschland, sowie China und Japan. Neu konzentrieren wir uns auf Korea und Israel. Die Unternehmen denken immer mehr in Forschungs- und Entwicklungs-Hubs. Zürich ist für viele Unternehmen nicht nur eine internationale Business-Location, sondern eben auch ein solcher Hub. Die Vermarktung im Ausland übernimmt die Standortmarketing-Organisation Greater Zurich Area für uns.

    Wie soll sich der Wirtschaftsstandort Zürich in den nächsten 10 Jahren entwickeln?
    Er soll als Innovationsstandort noch stärker werden. Zürich hat eine lange Geschichte und als Finanzplatz eine grosse Bekanntheit. Das ist wichtig – auch mit Blick auf zukünftige Ansiedlungen im Bereich Finanztechnologie. Zürich soll sich zudem in den Bereichen künstliche Intelligenz und neue Mobilität profilieren, wie beispielsweise bei der Entwicklung von autonomen Systemen. Wir glauben an eine Bewegung weg vom klassischen Finanzplatz Zürich hin zu einem Wirtschaftsstandort, der in den genannten neuen Themen und in der Digitalisierung sehr stark sein wird. Die Zürcher Wirtschaft ist bereits jetzt gut aufgestellt und zeigt sich krisenresistent – doch zukünftig soll Zürich noch innovativer, attraktiver und somit noch stärker werden.

    Fabian Streiff mit seinem Team.

  • «Bellinzona: eine Stadt mit vielen Projekten»

    «Bellinzona: eine Stadt mit vielen Projekten»

    Wer ist Mario Branda?
    Seit April 2012 im Amt, ist Mario Branda (PS) der erste sozialistische Bürgermeister einer Tessiner Stadt. Da es sich in diesem Fall um die Kantonshauptstadt handelt, verdoppelt sich der Rekord. Eine Leistung, die Herrn Branda, der keine große Fanfare mag, sicherlich stolz macht. 2011 legte er sein Amt als Staatsanwalt nieder, um für den Staatsrat zu kandidieren, wurde jedoch nicht gewählt. Er ließ sich nicht unterkriegen und kandidierte im folgenden Jahr für das Amt des Bürgermeisters in Bellinzona und sammelte eine Lawine an Stimmen. Geboren 1960, Rechtsanwalt von Beruf, arbeitet Mario Branda bei der Anwalts- und Notariatskanzlei MLaw in Bellinzona.

    Sie sind das Oberhaupt der Stadt Bellinzona, die in den letzten Jahren mit der Zusammenlegung mehrere Veränderungen erfahren hat. Sie haben kürzlich das PAC, das Kommunale Aktionsprogramm, entwickelt. Worum geht es?
    Um zu verstehen, warum die Notwendigkeit des Erwerbs des PAC entstanden ist, müssen wir zwei wichtige Aspekte berücksichtigen, die Entwicklung von Bellinzona war geboren.

    Mit der Aggregation 2017 vereinte das neue Bellinzona 13 Gemeinden und wuchs von 18.000 auf knapp 45.000 Einwohner und eine Fläche, die mit 164 km2 die grösste der Schweiz für eine Gemeinde mit gleicher Einwohnerzahl ist.

    Die wirtschaftliche, kulturelle und ökosoziale Entwicklung zu managen und die Erhaltung und Sicherheit eines so großen Territoriums zu gewährleisten, ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Mit der Aggregation musste die Verwaltung aller Gemeinden vereinheitlicht werden, ein mühsamer Vorgang, da wir über ausgedehnte landwirtschaftliche und halblandwirtschaftliche Flächen verfügen – 1/3 des Magadino-Plans gehört nun zum neuen Zuständigkeitsbereich – die im Vergleich unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen haben zu urbanen Zentren.

    Der zweite wichtige Aspekt ist AlpTransit: Die Eröffnung der Basistunnel Gotthard und Monte Ceneri stellt einen grundlegenden und strategischen Aspekt dar, der dem ganzen Kanton Tessin zugute kommt und vor allem die Stadt Bellinzona wird im Laufe der Zeit wichtige Veränderungen im Stadtgefüge erfahren . . Transformationen, die in 10-15 Jahren ausgewertet werden können, auch wenn wir schon jetzt Bewegungen beobachten können, die es bis vor einiger Zeit nicht gab.

    Es entstand daher die Notwendigkeit, ein Dokument zu erstellen, das der jetzigen Gemeinde und denjenigen, die sich weiterhin orientieren und die Entwicklungspolitik in dieser neuen Realität ausrichten werden, helfen würde. Es wurde ein Wettbewerb veröffentlicht, an dem verschiedene Gruppen teilnahmen, mit dem Ziel, zukünftige Entscheidungen in Bezug auf die Planung und Entwicklung der Stadt in den nächsten 15-20 Jahren zu unterstützen und die aktuellen Regulierungspläne in einem einzigen Dokument zusammenfassen zu können.

    Was enthält das PAC?
    Das PAC ist ein Programmierwerkzeug, das aus einem beschreibenden Dokument und anschaulichen Karten und Plänen besteht. Es enthält einige kodifizierte Grundsätze, an denen wir uns in Zukunft orientieren werden und berücksichtigt die folgenden zwei wichtigen Aspekte:

    – Polyzentrische Identität. Das neue Bellinzona hat andere Realitäten und es ist wichtig, die Identität der einzelnen Gemeinden, ihr soziales Leben und ihre Entwicklung zu bewahren. Die ehemaligen Gemeinden haben den neuen Status des Bezirks Bellinzona akzeptiert, solange Dienstleistungen, Kapillarverbindungen und Sicherheit im gesamten Gebiet gewährleistet sind.

    -Der Fluss Tessin. Landschaftlich prägt der Fluss, der das Gebiet von Moleno bis Gudo durchquert, das neue Gebiet und bildet das Rückgrat der neuen Gemeinde.

    Sind diese beiden Grundprinzipien festgelegt, folgen Entwicklungsprojekte, die auf eine zentripetale Qualitätsentwicklung ausgerichtet sind und sich auf den Aufbau und die Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten in bereits dicht besiedelten Zentren konzentrieren, um den Druck einer weiteren Ausbeutung des Territoriums zu verringern.

    Es wurden zwei Bereiche identifiziert, die sich für die Bautätigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung besonders eignen: der Sektor des ehemaligen Ferriere Cattaneo und der Raum der ehemaligen Werkstätten in Bellinzona, im zentralen Bereich.

    Können Sie mir etwas über das ehrgeizige Projekt des Ex-Officine-Raums erzählen? Es wäre interessant, auch ein paar Details zum Zeitpunkt zu haben.
    Das Projekt für den Ex-Officine-Bereich umfasst tatsächlich verschiedene Projekte. Die erste grosse Aufgabe besteht darin, alles, was sich auf dem Gelände der SBB Werkstätten befindet, nach Castione zu bringen. Hier wurde eine Fläche von über 150’000 Quadratmetern identifiziert, die für den Bau des neuen SBB-Produktionsstandortes geeignet erscheint, in einem gut erreichbaren Gebiet für eine Gesamtinvestition von rund 400 Millionen Franken. Ein Teil der Kosten wird vom Kanton (80 Millionen Franken) und der Stadt Bellinzona (20 Millionen Franken) getragen. Die Prämissen sind gut, um zu denken, dass das Projekt beginnen kann, sobald die administrativen und wiederkehrenden Praktiken geklärt sind.

    Sollte diese Operation wie zu hoffen durchgehen, wird das bisherige Areal der SBB Werkstätten, eine Fläche von rund 120’000 Quadratmetern im Herzen der Stadt, geräumt. Um zu verstehen, was damit zu tun ist, wurde ein Masterplan mit einem internationalen Wettbewerb ins Leben gerufen. Die Daten sind bereits veröffentlicht und sehen den Bau eines neuen teilweise Wohnquartiers vor, die jetzige Lokomotiv-Reparatur-Kathedrale könnte in ein kulturelles und soziales Zentrum umgewandelt werden; schliesslich ein Teil für die Ausbildung bei einem Swiss Innovation Park, einer Unterseite der Swiss Innovation Parks.

    Es wird eine Variante des Masterplans sein, die ebenfalls auf dem neuen Masterplan basiert, um die Etappen und Prozesse dieses neuen Stadtteils zu definieren. Es ist ein Projekt mit einer Vision und einem Horizont von 30-40 Jahren, es wird einem definierten Weg folgen und es wird gehofft, dass es in Lose und Sektoren unterteilt werden kann und erst eröffnet wird, wenn das vorherige bereits abgeschlossen ist und besetzt. Teile-
    30.000 Quadratmetern ist für öffentliches Grün gedacht, ein echter Park, um den sich die verschiedenen Gebäude entwickeln werden.

    Das Grundstück, auf dem heute dieses neue Quartier entsteht, befindet sich zu 100 % im Eigentum der SBB und wurde im Dezember 2017 unterzeichnet und zur Hälfte an den Kanton Tessin und die Stadt Bellinzona verkauft, um eine gemeinsame Projekt.

    Welche anderen Baustellen haben Sie in Arbeit oder planen Sie, in naher Zukunft zu aktivieren?
    Der neue Hauptsitz des IRB wird in Kürze im November eingeweiht. Der derzeitige Hauptsitz könnte von der Stadt erworben werden, um nach einigen Renovierungsarbeiten neue biomedizinische Forschungsaktivitäten aufzunehmen. Die Idee ist, die Stadt Bellinzona als Zentrum für biomedizinische Forschung zu festigen.

    Im Jahr 2030 soll mit einem weiteren wichtigen Projekt begonnen werden: dem Bau des neuen Krankenhauses, das im Raum Saleggina entstehen wird. Der erste Schritt – die Vergabe des Kredits von 16 Millionen Franken durch die Kommission für die Verwaltung des Grossen Rates, für den Erwerb der Grundstücke im Besitz der Armasuisse – ist gemacht.

    Ein weiteres großes Projekt, das in den nächsten vier Jahren entwickelt werden soll, ist die Verbesserung des kulturellen Angebots der Stadt und der Attraktivität der drei Burgen: im Wesentlichen die Förderung der Festung Bellinzona, ein UNESCO-Weltkulturerbe.

    Schließlich bin ich neugierig, was der Traum von Bürgermeister Mario Branda ist?
    Tatsächlich gibt es zwei: die Konsolidierung der biomedizinischen Forschungspole des IRB und dasjenige, das in das vom IRB leer gelassene Gebäude zurückkehrt und sich gleichzeitig um das Projekt kümmert, das Unesco-Erbe der Burgen zu verbessern, die einen kulturellen und touristischen Wendepunkt in Bellinzona geben.

    Und ein Slogan: für ein Bellinzona, ein Forschungspol, aber mit Kunst!

  • "Das Tessin, ein attraktiver Wirtschaftsstandort"

    "Das Tessin, ein attraktiver Wirtschaftsstandort"

    Wer ist Stefano Rizzi?
    Stefano Rizzi ist seit 1. Januar 2012 Direktor der Abteilung Wirtschaft des Departements für Finanzen und Wirtschaft des Kantons Tessin. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, mit Spezialisierung auf kleine und mittlere Unternehmen, war er in der Privatwirtschaft und seit 2005 in der kantonalen Verwaltung tätig. Zu seinen Verantwortungsbereichen gehören wirtschaftliche Entwicklung, Landwirtschaft, Arbeitsmarktüberwachung sowie Arbeitslosigkeit und Landbesitz.

    Bleibt das Tessin trotz verschiedener Wirtschafts- und Gesundheitskrisen ein interessanter Wirtschaftsstandort?
    Natürlich! Im Tessin herrschen ideale Geschäftsbedingungen, insbesondere dank der starken Innovationsbereitschaft in unserem Kanton. Tatsächlich gibt es zahlreiche international gelistete Forschungsinstitute, von denen einige zu echten Flaggschiffen unseres Territoriums geworden sind. Ich denke dabei unter anderem an das Le Molle Institute for Artificial Intelligence Studies (IDSIA), das Research Institute in Biomedicine (IRB) oder das Swiss Center for Scientific Computing (CSCS). Letzteres beherbergt zum Beispiel den leistungsstärksten Supercomputer Europas, den «Piz Daint».

    In unserem Territorium gibt es auch viele Spitzenunternehmen, die in verschiedenen Wirtschaftsbereichen erfolgreich tätig sind: von Life Sciences über Mechanik und Elektronik, über Informations- und Kommunikationstechnologien bis hin zu aufstrebenden Sektoren wie Lifestyletech, das die technologischen Aspekte einschließt, z B. auf Lebensmittel, Mode, Design, Tourismus und Gesundheit. Bei uns gibt es viele innovative Unternehmen, die durch den Einsatz moderner Technologien wissen, in der Welt geschätzt zu werden.

    All diese Exzellenzen haben das Tessin zu einem stark der Innovation verschriebenen Kanton gemacht, so dass es in einer aktuellen Studie der Europäischen Kommission zu den Innovationsführern gehört: Es rangiert unter den Top Ten der Innovationssysteme auf europäischer Ebene und auf Platz 2 nach Zürich auf nationaler Ebene.

    Dieses schmeichelhafte Ergebnis zeigt die Güte der vom Kanton umgesetzten Wirtschaftsentwicklungsstrategie sowie die Qualität des Ökosystems zugunsten von Innovationen, das sich in den letzten Jahren verwirklicht hat. Eine Strategie, die von der Wirtschaftsförderung des Departements Wirtschaft perfektioniert wurde und auf Unternehmertum, Innovation und Vernetzung der oben genannten Kompetenzen basiert, die in unserem Kanton auf akademischer, wirtschaftlicher und institutioneller Ebene vorhanden sind. Diese drei Säulen ermöglichen es den unterschiedlichen Unternehmertypen, dank differenzierter Fördermaßnahmen in unserem Territorium die idealen Bedingungen vorzufinden, um Projekte mit innovativen Inhalten zu entwickeln.

    Ein wichtiges Instrument, das im Laufe der Jahre eine zentrale Rolle eingenommen hat, ist in diesem Zusammenhang das Gesetz zur wirtschaftlichen Innovation: Es unterstützt mit seinen vielfältigen Maßnahmen Forschung und Innovation in Unternehmen für angewandte Forschungsprojekte – durchgeführt in Zusammenarbeit mit Hochschulen – oder für Investitionsprojekte mit dem Ziel, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die international vermarktet werden sollen.

    Da wir jedoch nicht der einzige Kanton sind, der auf Innovation setzt, müssen wir die Herausforderungen der Zukunft proaktiv und mit Weitblick angehen. Um das Wachstum im breiteren Schweizer Kontext zu festigen und neue Ansiedlungen anzuziehen, wurden wichtige Projekte lanciert, die sowohl mit dem Alpennord als auch mit dem Süden, insbesondere mit dem Wirtschaftsraum Lombardei, Synergien entwickeln. Das Tessin tritt 2019 der Greater Zurich Area bei – einer Organisation, die sich der Anwerbung von Unternehmen widmet – und dem jüngsten Bau des Tessiner Hauptsitzes des Switzerland Innovation Park. Dieses Projekt, das im Frühjahr 2021 begann, wird von der Agire Foundation verwaltet. Mit Blick nach Süden wurde kürzlich eine Absichtserklärung mit dem MIND Milano Innovation District unterzeichnet, dem Innovationsviertel, das auf dem Gelände der Expo Milano 2015 entstanden ist.

    Auf diese Weise wird die Vision eines Tessins, fest verbunden mit der Innovationsachse von Mailand bis Zürich, verwirklicht, was es uns ermöglicht, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und ein idealer Geschäftsstandort zu sein.

    Er hat uns vom Switzerland Innovation Park erzählt. Welche Rolle wird der Kanton Tessin in diesem Zusammenhang spielen und welchen Nutzen zieht die Wirtschaft daraus?
    Die Mitgliedschaft des Tessins im Switzerland Innovation Park steht im Einklang mit der kantonalen Wirtschaftsförderungsstrategie, die, wie oben erwähnt, auf Innovation, Unternehmertum und die Vernetzung der in unserem Gebiet vorhandenen Kompetenzen ausgerichtet ist.

    Dank dieses wichtigen Projekts kann der Kanton Tessin insbesondere in strategischen und zukunftsorientierten Bereichen Innovationen weiter vorantreiben und damit seine bereits konsolidierte Position auf internationaler Ebene stärken.

    Die gesamte Wirtschaft wird stark profitieren: Die Ansiedlung von Spitzenunternehmen, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen internationaler Unternehmen sowie Start-ups werden erleichtert. Die Tessiner Filiale des Switzerland Innovation Park kann als Katalysator für die Entstehung und Entwicklung innovativer Projekte wirken, die wiederum andere Aktivitäten anziehen und zur Schaffung interessanter Arbeitsplätze beitragen. Zudem ermöglicht es die Aktivierung von Kooperationen mit den wirtschaftlichen Realitäten der Grossregion Zürich, ein Ziel, das sich der Kanton bereits mit dem Beitritt zur Greater Zurich Area gesetzt hatte.

    Welche Kompetenzzentren werden derzeit im Tessin geprüft?
    Das Rückgrat des Switzerland Innovation Parks bilden Kompetenzzentren. Life Sciences, Drohnen und ICT befinden sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, während andere Initiativen mit Zukunftspotenzial evaluiert werden. Diese Kompetenzzentren werden dazu beitragen, die Austauschmöglichkeiten zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in hochtechnologischen Sektoren zu vervielfachen und neue innovative Projekte zu beleben.

    Ein sehr aktuelles Thema ist die soziale Verantwortung von Unternehmen, für die sich die DFE viel eingesetzt hat. Wo stehen wir heute?
    Kürzlich hat der Ständerat in Fortführung der bereits laufenden Arbeiten beschlossen, für den Zeitraum 2021-2023 450’000 Franken für Massnahmen im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) zur Verfügung zu stellen. Insbesondere ist die Einführung einer Direktförderung für Unternehmen vorgesehen, die in die Ausbildung eines eigenen CSR-Managers investieren. Dies ist eine Maßnahme, die die Möglichkeit bietet, direkt in den Unternehmen und verstärkt über professionelle Persönlichkeiten mit den notwendigen Fähigkeiten zur Umsetzung von Good Practices zu verfügen, die leichter in einen Nachhaltigkeitsbericht einfließen können. Darüber hinaus ist zur Fortsetzung der Sensibilisierungsaktivitäten zu diesem Thema und zu den Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Übernahme bewährter Verfahren im Bereich der sozialen Verantwortung von Unternehmen die Organisation von Aktivitäten und Veranstaltungen geplant, wie sie beispielsweise bereits im Februar 2020 erfolgt sind. mit dem Tag der Wirtschaft ganz dem Thema gewidmet. Auf diese Weise wird es möglich sein, die Weiterentwicklung einer gemeinsamen Kultur der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen zu fördern.

    Ich möchte betonen, dass es während der Notlage in unserem Kanton nicht an Beispielen für Initiativen in diesem Bereich gefehlt hat, die zeigen, dass das Tessin seit einiger Zeit auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung ist: Sozial verantwortliche Unternehmen waren die ersten, die auf dem Feld lagen , versuchen, zur Lösung von Gemeinde- und Gebietsproblemen beizutragen. Es besteht die Hoffnung, dass Unternehmen auch in Zukunft dieser Richtung folgen und immer mehr Unternehmenspraktiken anwenden, die auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungen achten.

    Wie stark hat sich die Coronavirus-Pandemie auf die kantonale Wirtschaft ausgewirkt?
    Die Pandemie hat unseren Kanton völlig unerwartet getroffen. Von einem Tag auf den anderen spürten wir deutliche Anzeichen dafür, dass etwas ganz Großes vor sich ging, mit erheblichen Folgen sicherlich in erster Linie in gesundheitlicher Hinsicht, aber auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Insbesondere in den Monaten März und April 2020 wurden schwere Massnahmen ergriffen, die sowohl von den Bürgern als auch von den Tessiner Unternehmen Opfer und Anstrengungen erforderten.

    Die Behörde ließ jedoch Bürger und Unternehmen in Schwierigkeiten nicht allein und griff sofort ein, indem sie komplementär zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden eine Reihe von Instrumenten einführte, um die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Gesellschaft abzumildern . Beispiele hierfür sind unter anderem Minderungsleistungen, Verdienstausfallentschädigungen, Covid-19-Gutschriften, Covid-Überbrückungsleistungen, Hilfen für bestimmte Sektoren wie Kultur, Sport und Medien, Überbrückungsleistungen. „Härtefälle“ genannt.

    Die Pandemie hat uns natürlich vor große Herausforderungen und Schwierigkeiten gestellt, aber gerade in den Krisen müssen neue Chancen erkannt werden. Entwicklungs- und Wachstumschancen, die sich hier, wie auch aus den Aktivitäten der strategischen Gruppe für den Relaunch des Landes ergeben haben, ergeben sich vor allem in den Bereichen Innovation, nachhaltige Entwicklung und Corporate Social Responsibility: Dies sind die Bereiche, in denen den wirtschaftlichen Aufschwung anstreben, wo zudem der Kanton Tessin bereits viele Karten zu spielen hat.

  • Verena Rohrer wird Aargau Services leiten

    Verena Rohrer wird Aargau Services leiten

    Der Aargauer Regierungsrat hat Verena Rohrer zur neuen Leiterin der kantonalen Standortförderung Aargau Services ernannt. Sie ist die Nachfolgerin von Annelise Alig Anderhalden, die im Frühling eine neue Herausforderung angenommen hat. Rohrer wird ihre neue Stelle am 1. Januar 2022 antreten.

    Laut einer Mitteilung des Regierungsrats ist Rohrer sehr gut im Kanton Aargau verankert. Sie hat von 2011 bis 2017 bereits die regionale Standortförderung Brugg Regio geleitet. Daneben verfüge die 40-Jährige aber auch über mehrere Jahre Erfahrung in der Privatwirtschaft. So ist sie etwa Geschäftsleitungsmitglied beim Grosshändler Bio Partner Schweiz mit Sitz in Seon AG. Seit 2019 arbeitet Rohrer als Leiterin Zentrale Dienste bei Caritas Aargau.

    „Aufgrund ihrer Kenntnisse der Standortförderung, ihrer Vernetzung im Kanton und ihrer Berufserfahrung verfügt Verena Rohrer über beste Voraussetzungen, um zusammen mit den erfahrenen Mitarbeitenden von Aargau Services die Standortförderung des Kantons Aargau entscheidend weiterzuentwickeln“, wird Regierungsrat Dieter Egli (SP), Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres, in der Mitteilung zitiert.

    Die Standortförderung Aargau Services trägt zur kontinuierlichen Verbesserung der unternehmerischen Rahmenbedingungen im Aargau bei. Sie unterstützt auch ausländische Unternehmen, die sich im Kanton ansiedeln wollen. Im Rahmen der Umsetzung des neuen kantonalen Entwicklungsleitbilds werde Aargau Services eigenen Angaben zufolge ebenfalls wichtige Aufgaben übernehmen. Das Entwicklungsleitbild sieht vor, den Wirtschaftsstandort weiter zu stärken sowie Wohnen und Arbeiten im Kanton stärker zu verknüpfen.

  • Der Kantonsbaumeister als Brückenbauer

    Der Kantonsbaumeister als Brückenbauer

    Sie sind seit 1. August 2019 Kantonsbaumeister und damit Chef des Hochbauamts. Was waren Ihre Beweggründe, diesen Posten zu übernehmen?
    Ich war zuvor bereits mehrere Jahre als Stellvertreter des früheren Kantonsbaumeisters tätig. So erhielt ich einen guten Einblick in das Aufgabengebiet. Mir gefällt die Interaktion zwischen den verschiedenen Playern aus Politik, Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Dabei nehme ich gerne die Rolle des «Dolmetschers» zwischen den Parteien wahr und versuche, Lösungen im Konsens zu finden. Die zu bearbeitenden Planungen und Projekte sind spannend und oft auch aussergewöhnlich. Wir kümmern uns hauptsächlich um Bauwerke mit speziellen beziehungsweise spezifischen Nutzungen.

    Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
    Eine Eigenschaft, die alle unsere Mitarbeitenden mitbringen müssen, ist die Fähigkeit zum Multitasking (lacht). Ich beschäftige mich mit Personalfragen, Budgetplanungen und versuche mit meinem Team, möglichst vorausschauend zu denken: Welche Anforderungen müssen Gebäude in Zukunft erfüllen? Ebenso befasse ich mich mit innovativen Technologien wie neuen digitalen Planungslandschaften, den zunehmenden Automationen in der Bauindustrie oder dem Einsatz von Robotik und 3D-Druckern.

    Sie waren bis 2004 in der Privatwirtschaft tätig. Wie erleben Sie den Seitenwechsel?
    Die Umstellung war vor allem zu Beginn gross. Der Kanton hat rund 2650 Mitarbeitende, davon sind 630 im Bau- und Justizdepartement. Hier bündelt sich ein enormes Knowhow. Ich musste mir zuerst bewusst werden, dass ich auf diese Kompetenzen zurückgreifen kann. Die Komplexität der Bauten – zum Beispiel eines Museum, einer Strafanstalt oder eines Spitals – sind in jeder Projektphase äusserst anspruchsvoll. Die Arbeit als Kantonsbaumeister ist thematisch auf jeden Fall vielfältig. Im Gegensatz zu früher bin ich heute in jeder Phase des Planungs- und Bauablaufs präsent.

    Regierungsrat Roland Fürst hat den geplanten Verwaltungsneubau angesprochen. Wie sieht der Zeitplan aus?
    Wir möchten bis Ende 2022 eine Entscheidungsgrundlage für den Regierungsrat schaffen und Möglichkeiten aufzeigen, wo im Kanton Solothurn geeignete Grundstücke oder Gebäude zur Verfügung stehen, um das Projekt umzusetzen. Die Coronapandemie wird sicherlich Auswirkungen auf die Raumbedürfnisse und Arbeitsweise haben. Wir sind derzeit daran, diese zu analysieren. Unsere Erkenntnisse werden bei einer möglichen Umsetzung des Projekts mit einfliessen.

    Wie sieht das von Ihnen zu verwaltende Immobilien-Portfolio aus?
    Es setzt sich aus Finanz-, Verwaltungs- und Stiftungsvermögen zusammen. Das Verwaltungsvermögen hat mit den betriebsnotwendigen Gebäuden den grössten Anteil. Aber auch im Finanzvermögen haben wir interessante Nutzungen und Gebäude: Zum Beispiel ein Hotel und verschiedene Restaurationsbetriebe wie auch Grundstücke, die für die Ansiedlung interessanter Unternehmen oder für den allfälligen Eigenbedarf zur Verfügung stehen. Wir verzeichnen 320 kantonseigene Gebäude, 60 davon befinden sich in der Stadt Solothurn. Der Zweck unserer Immobilienstrategie ist die Sicherstellung eines nutzungsgerechten und nachhaltigen Immobilienbestandes für die Erfüllung der kantonalen Aufgaben.

    Welches sind wertmässig die grössten Posten im Portfolio?
    Der Gebäudeversicherungswert beläuft sich auf 1,628 Milliarden Franken. Davon fällt bis zur geplanten Übertragung an die Solothurner Spitäler AG je eine halbe Milliarde auf die Spital- und Bildungsbauten. Die übrigen Liegenschaften wie Verwaltungsgebäude oder Strafvollzugsanlagen machen die restlichen knapp 600 Millionen Franken aus. Auf jeden Fall hatte ich noch nie zuvor mit einem so heterogenen Portfolio zu tun: Es reicht von unterirdischen historischen militärischen Anlagen über Ruinen, Schlösser, Kirchen bis hin zu Landwirtschaftsland und hochmodernen Labor- und Spitalgebäuden.

    «Den Einsatz von BIM prüfen wir von Fall zu Fall»

    Welche Werte vertritt das Hochbauamt bei den zu bearbeitenden Projekten?
    Der Regierungsrat hat eine Strategie formuliert, die zum einen Eigentum vor Miete vorsieht. Wir hatten und haben auch heute noch viele Mietobjekte. Nun möchte man wieder vermehrt auf Eigentum setzen. Deshalb beschäftigen wir uns zurzeit auch mit einem möglichen zentralen Verwaltungsneubau. Zudem steht das Gesamtkonzept vor Einzelmassnahmen. Im Weiteren liegen uns raumplanerische-, städtebauliche- und architektonische Aspekte sehr am Herzen. Genauso wie ökologische und energetische Themen. Letztendlich bauen wir für uns Menschen.

    Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich in Zukunft konfrontiert?
    Covid-19 hat viel verändert. Dies könnte Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf die Baubranche haben. Durch vermehrtes Homeoffice und Desk- sowie Roomsharing werden möglicherweise Nutzflächen an sehr attraktiven Lagen frei. Diese könnten anders genutzt werden und die Wohnungsknappheit in zahlreichen Klein- und Grossstädten der Schweiz beeinflussen. Auch die Klimaveränderungen in den Städten sind aktuelle Themen. Spannend ist die mögliche Verwendung von Recyclingmaterialien. Ebenso dürften mich Umnutzungen, neue Arbeitsweisen und veränderte Ansprüche von Arbeitgebern und Arbeitnehmern weiterhin beschäftigen. Ein zusätzlicher Punkt ist die sich abzeichnende Veränderung beim Abschluss von Dienstleistungs- und Werkverträgen, insbesondere auch beim Abschluss von Baurechtsverträgen.

    Welche Energiestrategie verfolgt das Hochbauamt?
    Die Installation von Photovoltaikanlagen ist für uns selbstverständlich. Wir haben das gesamte Portfolio auf die Tauglichkeit solcher Anlagen analysiert und diverse bereits realisiert. Bei uns ist Minergie bzw. Minergie-Eco Standard. Dieser hat in der Schweiz 1998 Fuss gefasst. Wir haben kürzlich den Energieverbrauch unserer Gebäude vor und nach 1998 verglichen: Die Gebäude vor der Einführung benötigen ca. dreimal so viel Heizenergie. Dafür verzeichnen wir bei den Gebäuden nach 1998 einen ca. zweimal höheren Stromverbrauch. Der Anteil an stromabhängigen Installationen generell und Betriebseinrichtungen im Speziellen haben in Neubauten stark zugenommen.

    Wie sieht die Digitalisierungsstrategie bei neuen Bauvorhaben aus?
    Bei aktuellen Bauprojekten – wie gerade jetzt beim geplanten Neubau des Zentralgefängnisses – beabsichtigen wir, Building Information Modeling (BIM) bei der gesamten Planungsphase einzusetzen. Vorerst prüfen wir den Nutzen von BIM von Fall zu Fall.

    Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft mit Virtual Reality zu arbeiten?
    Virtual Reality bringt grosse Vorteile – gerade für Menschen, die sich Modelle oder Visualisierungen nicht so plastisch vorstellen können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den kommenden Jahren solche Lösungen einsetzen werden.

    Welche Zukunftspläne haben Sie für das Hochbauamt?
    Wir möchten weiterhin qualitativ hochstehende Bauten mit Weitsicht und Sorgfalt analysieren, planen und realisieren. Mit einem guten Team im Rücken wird dies auch in Zukunft möglich sein.

  • «Die elektronische Eingabe von Baugesuchen lancieren wir noch dieses Jahr»

    «Die elektronische Eingabe von Baugesuchen lancieren wir noch dieses Jahr»

    Sie sind Vorsteher des Bau- und Justizdepartements. Was ist der Reiz dieses Amtes?
    Ich bin schon seit über 40 Jahren für das Gemeindewohl unterwegs. Davon war ich 14 Jahre lang Gemeindepräsident der Einwohnergemeinde Gunzgen, danach 8 Jahre lang Kantonsrat und seitdem nochmals so lange Regierungsrat. Mich reizen die aktive Mitarbeit und Mitgestaltung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen wie auch das Suchen und Finden von Lösungen. Ich möchte den Kanton nicht nur verwalten, sondern auch weiterbringen. An meinem Departement gefällt mir ganz allgemein die thematische Breite sowie die Vielfältigkeit der Mitarbeitenden in Sachen Knowhow und Charakter.

    Wo sehen Sie die spezifischen Herausforderungen, die das Amt mit sich bringt?
    Wichtige Themen sind und bleiben die Raumplanung und die Mobilität. Aber auch beim Klima, der Digitalisierung und der Gesellschaft kommt es zu Veränderungen, denen Rechnung getragen werden muss.

    Wie weit ist Ihr Departement konkret beim Thema Digitalisierung?
    Wir stehen im Departement wie auch allgemein in der Verwaltung noch relativ am Anfang. Mich überrascht es, dass man in der öffentlichen Hand im Jahr 2021 noch nicht massgeblich weitergekommen ist. Wir versuchen seit längerem die Digitalisierung im Departement voranzutreiben – begleitende Workshops sollen dies unterstützen. Ich sehe die Digitalisierung als Schlüsselthema, das unbedingt und rasch umgesetzt werden muss. Nach wie vor gibt es aber noch Hindernisse, angefangen bei datenschutzrechtlichen Aspekten bis hin zu fehlenden Ressourcen finanzieller oder personeller Natur.

    Der Kanton Aargau zum Beispiel hat mit eBau das digitale Einreichen von Baugesuchen eingeführt. Ist das im Kanton Solothurn auch ein Thema?
    Es ist nicht nur ein Thema. Das Projekt ist sogar schon weit fortgeschritten: Wir arbeiten verwaltungsintern bereits mit einem Pilotprojekt. Dieses funktioniert gut; wir sind bald soweit, diese Dienstleistung im ganzen Kanton anbieten zu können. Ziel ist, dass noch dieses Jahr alle interessierten Gemeinden das digitale Einreichen von Baugesuchen realisieren können. Zudem arbeiten wir gerade an der Einführung einer Dokumenten-Management-Software (DMS). Im Hochbauamt läuft derzeit ein Pilotprojekt, das ein digitales Archiv vorsieht.

    Der Kanton Solothurn befindet sich gefühlt in einem regelrechten Bauboom. Trügt diese Wahrnehmung?
    Nein, das ist wirklich so. Zu den grössten Projekten gehören mit 450 Millionen Franken Investitionsvolumen die neue Anlage der Kebag Enova, beim neuen Bürgerspital werden 340 Millionen verbaut, und für die Gesamtsanierung der Kantonsschule Olten sind 86 Millionen Franken budgetiert. Aber auch auf den Arealen Attisholz Nord und Süd ist Grosses im Gange. Ein wichtiges Projekt ist die biopharmazeutische Produktionsanlage in Luterbach von Biogen: Die erste Etappe war 1,6 Milliarden Franken teuer. Weitere Etappen folgen hoffentlich. Aber wir haben in und um die Stadt Solothurn auch rund 2000 Wohneinheiten, die projektiert oder bereits im Bau sind.

    Wie steht es um die eigenen Projekte?
    Wir prüfen derzeit den Bau eines neuen Bildungscampus wie auch denjenigen eines neuen Verwaltungsgebäudes, wo verschiedene Standorte konzentriert werden könnten. Auch die Optimierung der Sportinfrastrukturen in der Stadt Solothurn ist ein Thema.

    Gibt es kantonal gesehen noch ausreichend Baulandreserven, um all diese Projekte umzusetzen?
    Wir sind aktuell mit der raumplanerischen Entwicklung beschäftigt. Hierbei stellen wir fest, dass die Baulandreserven für die nächsten 15 Jahre reichen sollten. Das bedeutet aber auch, dass in diesem Zeitraum kein neues Land eingezont wird. Im Gegenzug muss keins ausgezont werden. Wir haben zudem viele Industriebrachen oder anderweitig brachliegendes Land, welches wir umnutzen können.

    «Das Hochbauamt steht für Lösungen – nicht für das Bewirtschaften von Problemen»

    Was macht den Kanton Solothurn für neue Bauvorhaben so attraktiv?
    Auf der einen Seite liegen wir sehr zentral und bieten zudem viel Wohnqualität und Ruhe. Die Solothurner und Solothurnerinnen schätzen insbesondere die Juralandschaft sowie das vielfältige kulturelle Angebot. Solothurn gilt ja auch als die schönste Schweizer Barockstadt. Wir sind ausserdem gut an die öffentlichen Verkehrsmittel und an den motorisierten Individualverkehr angebunden. Und unsere Bodenpreise sind noch bezahlbar. Wirtschaftlich gesehen haben wir viele innovative Unternehmungen und Nischenplayer, die weltweit auf sich aufmerksam machen, wie zu Ypsomed (Insulinpumpensystem) oder Jura Elekt-roapparate (Premium Kaffeemaschinen).

    Welche Bauprojekte haben Sie während Ihrer bisherigen Amtszeit mitgeprägt?
    Als Regierungsrat arbeite ich natürlich nicht selbst an Projekten mit – aber ich ebne den politischen Weg und ermögliche so den Start. Am aktivsten habe ich die Arealentwicklung Attisholz Süd begleitet: Als ehemaliger Direktor der Handelskammer Solothurn war ich schon bei der Testplanung involviert. Ein Highlight ist die Transformation des ehemaligen Gefängnisses Schöngrün zur Wohnüberbauung. Aber auch die Sanierung des Museums Altes Zeughaus oder des Hallenbads der Kantonsschule Olten, wo ich übrigens selbst zur Schule gegangen bin, bleiben mir in guter Erinnerung. Intensiv begleitet habe ich zudem das Projekt für die Sanierung und den Umbau der Liegenschaft Rosengarten – mit diesem Projekt mussten wir bis vors Bundesgericht.

    Das Kapuzinerkloster Solothurn, die psychiatrische Klinik Fridau und die Höhenklinik Allerheiligenberg gelten als Sorgenkinder. Wo genau liegen die Probleme bei diesen Objekten?
    Diese drei Projekte sind wohl einfach keine Selbstläufer. Sie liegen in Zonen, die nicht jede Nutzung zulassen. Der Allerheiligenberg beispielsweise befindet sich in der Landwirtschaftszone. Hier gibt es zusätzlich Nutzungseinschränkungen: Die umliegenden Spitäler dürfen nicht konkurrenziert werden. Hinzu kommt der finanzielle Aufwand, der für solche grossen Projekte immens ist. Das Kapuzinerkloster zum Beispiel steht unter Denkmalschutz. Die Klinik Fridau liegt gemeinsam mit dem Allerheiligenberg in der Juraschutzzone. Die genannten Schwierigkeiten erfordern von den Investoren und Eigentümern einen langen Atem.

    Kantonal findet derzeit eine Inventaraufnahme in Sachen Raumplanung statt. Wie sieht der detaillierte Plan aus?
    Bei der Raumplanung ist die ganze Schweiz gefordert. Die Revision des Raumplanungsgesetzes aus dem Jahr 2014 erfordert von allen Kantonen die Überarbeitung der Richtpläne. Dies haben wir bereits gemacht. Nun müssen sämtliche Gemeinden ihre Ortsplanungen revidieren. Wir zählen im Kanton Solothurn 107 Gemeinden – da dauert es seine Zeit, bis sich alle Gedanken zur Weiterentwicklung im Rahmen der kantonalen Vorgaben gemacht haben. Die Siedlungsentwicklung nach innen stellt die Gemeinde vor grosse Herausforderungen. Die Solothurner Gemeinden werden diesen Prozess in den nächsten fünf Jahren abgeschlossen haben.

    Wie steht es um die Zersiedelung im Kanton Solothurn?
    Man hat in der Vergangenheit sicher zu wenig darauf geachtet – aber das dürfte für die ganze Schweiz gelten. Die Gemeinden haben das neue Raumplanungsgesetz im Vorfeld der Abstimmung mehrheitlich unterstützt. Was ein Gesetz wirklich bedeutet, sieht man oft erst bei der Umsetzung. So auch hier – da kommt doch einmal der Vorwurf auf, dass der Kanton oder der Bund eine Gemeinde an der Entwicklung hindern würde. Im Kanton Solothurn sind wir aber auf einem guten Weg. Die Notwendigkeit der Verdichtung nach innen ist heute fest in den Köpfen der Gemeindeverantwortlichen verankert. Die Mehrheit setzt sich sehr gut mit den neuen Herausforderungen und Rahmenbedingungen auseinander.

    Die Gemeinden geniessen im Kanton Solothurn eine grosse Autonomie. Empfinden Sie diese bei der Ausübung Ihres Amtes als Vor- oder Nachteil?
    Ich kenne beide Seiten. Als Gemeindepräsident ist es ein Vorteil – als Regierungsrat ein Nachteil (lacht). Nein, im Ernst: Die Autonomie ist das eine, das andere ist die hohe Anzahl der Gemeinden: Wir haben 107. Wir pflegen aber einen guten Austausch mit dem Einwohnergemeindeverband, so finden wir immer Lösungen.
    Sie treten im Sommer aus gesundheitlichen Gründen zurück. Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?
    Ich werde bestimmt weiterhin aktiv sein. Ich habe bereits für verschiedene Veraltungsratsmandate zugesagt und habe noch weitere offene Anfragen. Zuerst kümmere ich mich jetzt aber um meine alten Sportverletzungen und schaue dann, wie es weitergeht.

    Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Hochbauamts?
    Das Hochbauamt steht für Termintreue, das Einhalten von Budgets, speditives Arbeiten und für hohe Qualität. Das soll auch nach meinem Rückzug so bleiben. Natürlich möchte ich nicht nur die Projekte in die neuen Hände übergeben, sondern auch, dass das Herzblut weiterhin mit einfliesst. Unser Credo lautet: Das Hochbauamt steht für Lösungen und nicht für das Bewirtschaften von Problemen.

  • «Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen»

    «Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen»

    Zur Person
    Stephan Attiger (FDP) leitet seit 2013 das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Auf nationaler Ebene vertritt der 54-Jährige als Präsident der Bau- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK) und als Vorstandsmitglied der Energiedirektorenkonferenz (ENDK) die Anliegen des Kantons. Der gebürtige Badener arbeitete lange Zeit in den Führungsetagen verschiedener Schweizer Unternehmen, bevor er in die Politik wechselte. Er war unter anderem von 2006 bis 2013 Stadtpräsident der Stadt Baden und von 2009 bis 2013 Grossrat des Kantons Aargau.

    Sie leiten das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
    In den letzten Monaten waren meine Arbeitstage covidbedingt eher untypisch: Ich war häufig im Homeoffice, physische Treffen waren selten, und offizielle Anlässe fanden fast gar nicht statt. Aber auch sonst ist nicht jeder Tag gleich, und der Ablauf hängt stark vom Terminkalender ab. Grundsätzlich bespreche ich am frühen Morgen mit meinen engsten Mitarbeitenden die kurzfristig anstehenden Themen und was mittel- und langfristig ansteht. Danach folgen Meetings auf verschiedenen Stufen: Regierungsrat, Departement, Abteilungen, bilaterale Gespräche und Sitzungen mit Externen. Zwischendurch studiere ich Akten.

    Welche Meilensteine haben Sie in Sachen Bau bislang erreicht?
    Da gibt es einerseits zahlreiche grössere und kleinere Bauten, die ich einweihen durfte – nicht nur im Strassenbau, sondern auch im Umweltbereich wie etwa Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte. Auch Letztere wirken sich direkt und positiv auf die Wohn- und Standortattraktivität aus. Daneben haben wir wichtige Grundlagen für die Planung und spätere Umsetzung von Mobilitätsvorhaben geschaffen. Mit der letzten Revision des Richtplans und der neuen kantonalen Mobilitätsstrategie mobilitätAARGAU wollen wir die Siedlungs- und die Verkehrsentwicklung aufeinander abstimmen. Sie setzt deshalb gezielt räumliche Akzente und differenzierte Ziele pro Raumtyp für die einzelnen Verkehrsmittel. Das wiederum wirkt sich auf den Tief- und den Hochbau aus. Als Kanton nehmen wir auch eine Vorbildfunktion ein.

    Inwiefern?
    Wir fördern zum Beispiel in den Aussenräumen unserer Liegenschaften vermehrt Biodiversität und Aufenthaltsqualität. Wir suchen nach guten Lösungen, wie Biodiversitätsthemen bei Neubauten und bei der Pflege bestehender Liegenschaften berücksichtigt werden können. Klimaanpassungs-Massnahmen an Gebäuden und in deren Umfeld leisten einen Beitrag, unsere klimapolitischen Ziele zu erreichen. Ein gutes Beispiel ist zudem der Neubau des Amtes für Verbraucherschutz, bei dem wir als nachhaltigen Baustoff Holz aus den Aargauer Wäldern einsetzen wollen.

    Welches sind aktuell die bedeutendsten Bauprojekte im Hochbau?
    Ein zurzeit laufendes grosses Projekt im Bereich der kantonalen Immobilien ist der Neubau des Polizeigebäudes im Telliquartier in Aarau. Hier sollen die auf zahlreiche Standorte verteilten Einheiten der Kantonspolizei zusammengeführt werden. Die Baubewilligung ist bereits vorhanden. Auch startete der Kanton Ende März das Anhörungsverfahren für den neuen Standort einer Kantonsschule im Fricktal. Die Anhörungen zum erwähnten Neubau für das Amt für Verbraucherschutz und das Projekt zum Zusammenzug der Informatik Aargau in einem Gebäude in Unterentfelden konnten abgeschlossen werden. Alle Baumassnahmen werden nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit umgesetzt. Bei der Planung liegt jeweils ein besonderes Augenmerk auf die im Gebäude gebundene graue Energie, und der Zeitpunkt für neue Nutzeranforderungen wird auf den Instandsetzungszeitpunkt abgestimmt.

    Der Aargau hat eine grosse Anzahl Entwicklungsareale, die Platz für zusätzliche Einwohner bieten könnten. Wie sehen hier die Pläne aus?
    Der kantonale Richtplan bezeichnet 21 Wohnschwerpunkte mit Arealen, die für eine hochwertige Siedlungsentwicklung prädestiniert sind. Diese sollen einen namhaften Beitrag dazu leisten, das erwartete Bevölkerungswachstum der nächsten 10 bis 20 Jahre an geeigneten, gut erreichbaren Orten aufzufangen. Die Areale sollen nicht nur mit einer angemessenen Dichte den haushälterischen Umgang mit dem Boden unterstützen, sondern auch im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung zu qualitativ hochstehenden und attraktiven Wohnstandorten werden. Dies ist die Aufgabe der Gemeinden, die in der Nutzungsplanung die geeigneten Rahmenbedingungen und Anforderungen bestimmen. Der Kanton unterstützt sie dabei.

    Arealentwicklungen stolpern häufig über die Verkehrsproblematik. Helfen Sie hier aktiv bei der Lösungssuche?
    Es ist effektiv so, dass gerade bei Arealentwicklungen hohe Anforderungen an die Verkehrsplanung gestellt werden. Dies, weil viele Unbekannte bestehen bezüglich zukünftiger Ansprüche. Hier muss die Verkehrsplanung ein flexibles Gerüst bereitstellen, um auf die verschiedenen Anforderungen der Investoren reagieren zu können. Soweit der Kanton betroffen ist, übernimmt er einen aktiven Part oder setzt an den Schnittstellen die Rahmenbedingungen.

    Das Projekt zur Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen-Spreitenbach bis Baden schlägt derzeit hohe Wellen. Mit welchen Argumenten versuchen Sie, die Gegner der Verlängerung umzustimmen?
    Die Berichterstattung in den Medien vermittelt leider ein verzerrtes Bild von der allgemein grossen Akzeptanz zu diesem Projekt. In der öffentlichen Anhörung haben die Regionalplanungsverbände und alle Gemeinden im Perimeter der neuen Tramstrecke sowie die meisten Verbände der Limmattalbahn zugestimmt. Eine breite Zustimmung hat auch die konkret vorgeschlagene Linienführung erhalten. Die Vorbehalte aus der Bevölkerung, die aus der Anhörung hervorgegangen sind, nehmen wir sehr ernst. Zum Beispiel haben wir zusätzliche Varianten für die Linienführung aufgenommen. Diese und weitere beanstandete Punkte werden wir bis zur Festsetzung im Richtplan genauer untersuchen und mit den übrigen kantonalen Interessen sowie mit den erwähnten Vorbehalten abwägen.

    Die Zersiedelung ist auch im Aargau ein Problem. Haben die Gemeinden bei der Raumentwicklung Fehler gemacht?
    Wichtig ist, dass der Blick in die Zukunft geht. Im heutigen Bestand sollen die Potenziale erkannt werden, die für eine nachhaltige Entwicklung besser genutzt werden können. Die Revision des Raumplanungsgesetzes von 2013 hat gezeigt, dass mit der Siedlungsentwicklung nach innen, also der Nutzung der bestehenden Reserven, die Entwicklungsbedürfnisse der nächsten 20 Jahre abgedeckt werden können. Die Eindämmung der Zersiedelung nehmen wir sehr ernst. Der Richtplan 2015 legt das Siedlungsgebiet abschliessend fest. Der Verbrauch von Fruchtfolgeflächen ist bereits stark zurückgegangen.

    Wie gut oder schlecht funktioniert die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der Raumentwicklung?
    Bei dieser Zusammenarbeit kommt vor allem den Regionalplanungsverbänden eine wichtige Rolle zu. Sie haben auch gemäss Baugesetz die kommunalen Nutzungsplanungen regional abzustimmen. Die Koordination entlang der Gemeindegrenzen funktioniert.

    Wie sieht für Sie eine optimale Bodenressourcennutzung aus?
    Der haushälterische Umgang mit dem Boden ist ein zentrales Anliegen. Das Bauen in die Höhe kann aber nicht schrankenlos erfolgen. Die Siedlungsqualität und das Ortsbild sind immer zu berücksichtigen. Und bei unterirdischen Bauten ist darauf zu achten, dass genügend Flächen bleiben, wo man grosse Bäume pflanzen und Wasser versickern kann. Das ist entscheidend zur Vermeidung von Wärme-Inseln im Siedlungsgebiet und für das Grundwasser. Der Klimawandel stellt uns vor grosse Herausforderungen. Eine optimale Nutzung der Ressource Boden, eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und hochwertige Wohn- und Arbeitsplatzgebiete sind keine Gegensätze.

    Der Kanton Aargau ist bereits heute in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt. Wie sehen hier die Zukunftspläne im Baubereich aus?
    Die Digitalisierung von Bauprojekten mit Building Information Modeling (BIM) ist bei uns ein grosses Thema. Momentan beschäftigen wir uns mit rund 20 BIM-Pilotprojekten. Anfang Jahr wurde so auch die erste Baumeistersubmission als Teil eines Pilotprojekts im Einladungsverfahren ausgeschrieben. Unser Ziel ist, dass BIM ab 2025 bei allen neu startenden Projekten der Abteilung Tiefbau standardmässig für die Projektabwicklung eingesetzt wird. Den gleichen «Fahrplan» haben Astra und SBB.

    Pandemien hatten schon früher Einfluss auf die Stadtplanung. Wird Corona die Stadtplaner in Zukunft vor neue Herausforderungen stellen?
    Unsere Dörfer und kleinen Städte sind als Orte der kurzen Wege bestens geeignet für den Fuss- und Veloverkehr. Das ist eine sehr gute Ausgangslage, auch in Pandemiezeiten. An immer mehr Orten gibt es die Möglichkeit, in Co-Working-Spaces zu arbeiten. So lassen sich lange Reisezeiten vermeiden, auch wenn der Platz für Homeoffice knapp ist. Wichtig sind attraktive öffentliche Räume und gut erreichbare Naherholungsmöglichkeiten. Diese sind nicht erst seit Corona sehr gesucht. Dass diese Pandemie die Stadtplanung völlig auf den Kopf stellt, glaube ich nicht.

    Laut einer Analyse von Wüest & Partner hat der Kanton Aargau neben Genf, Waadt und Zürich das höchste Potenzial an neuem Wohnraum und Entwicklungsarealen. Was wird sich im Aargau in 10 Jahren verändert haben?
    Gemäss unserer Prognose werden wir besonders an gut erreichbaren Lagen, in Bahnhofsnähe, in den Zentren unserer Dörfer und Städte mehr attraktiven Wohnraum erhalten. Bestehende Bauten werden umgenutzt, zum Teil wird neu gebaut. Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen, nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung. Mehr ältere Leute zieht es an zentrale Lagen, wo sie von Dienstleistungen, kurzen Distanzen und vom kulturellen Angebot profitieren können. Aber auch das Wohnen im Grünen wird attraktiv bleiben. Viele der rund 100’000 Einfamilienhäuser im Aargau werden saniert und energetisch auf den neusten Stand gebracht oder sogar durch Neubauten ersetzt werden.

  • Pirmin Jung gewinnt Schweizer Architekturpreis

    Pirmin Jung gewinnt Schweizer Architekturpreis

    Die Jury des renommierten Schweizer Architekturpreises Arc Award hat die durchgehend digitale Planung des neuen Firmensitzes von Pirmin Jungausgezeichnet. In einer Unternehmensmitteilung wird Jurypräsidentin Birgitta Schock zitiert: „Es ist eine wirklich gute Eingabe, auf den Punkt gebracht und unglaublich überzeugend.“ Sie bezeichnet die Projektplanung als „ein exzellentes Beispiel der Zusammenarbeit und der Prozessoptimierung“. 

    Die Firma Pirmin Jung ist normalerweise als Fachplaner für Holzbau in Bauprojekten involviert. Beim Bau des Haus des Holzes fungiert sie jedoch als Bauherr. Diese Möglichkeit habe die Firma genutzt, um die sogenannte Bauwerksdatenmodellierung (Building Information Modeling, BIM) in innovativer und zukunftsweisender Form einzusetzen, so Jurymitglied Martin A. Fischer, Professor für Bauingenieurswesen und Umwelttechnik an der kalifornischen Universität Stanford und Director des Center for Integrated Facility Engineering. Das Team habe statt der üblichen Projekthierarchie ein Projektsystem entworfen. „Das schafft ein Klima des Zusammenhalts im Projektteam.“ Das erschaffene Regelsystem müsse „zum Standard für alle Projektdokumentationen werden“. 

    „Die Freude ist riesig“, wird Geschäftsführer Pirmin Jung in der Mitteilung zitiert. „Das Projekt Haus des Holzes ist eine Teamleistung. Als nächster Schritt ist es spannend, das (digitale) Projekt auf die Baustelle zu bringen und gemeinsam mit den Unternehmern zusammen da weiterzubauen bis zum Bezug im Sommer 2022 – ohne Pläne, sondern wirklich nur mit dem BIM-Modell.“

    Ziel von Architekt Marc Syfrig und Bauherr Jung ist es, eine Vorbildfunktion zu übernehmen und aufzuzeigen, wie man in Zukunft bauen sollte, um Umwelt und Klima zu schonen. Insgesamt 80 Prozent des Gebäudes sind für Büro- und Gewerbenutzung vorgesehen, der Rest für Wohnungen. Rund 100 Arbeitsplätze sollen dort entstehen, die Hälfte davon für Pirmin Jung. Der Baustart erfolgte im Januar 2021. Im April 2022 will Jung vom aktuellen Firmensitz in Rain nach Sursee umziehen. mm

  • Fokus auf qualitative Entwicklung

    Fokus auf qualitative Entwicklung

    Zug ist einer der beliebtesten Wirtschafts- und Lebensräume. Das belegen zahlreiche Studien und Rankings. Der Erfolg basiert auf einer langfristigen Entwicklungsstrategie und attraktiven Rahmenbedingungen. Zug bietet eine einzigartige Kombination hervorragender Standortfaktoren wie der Verfügbarkeit von Fachkräften, Stabilität, attraktive Besteuerung, zentrale Lage, Lebensqualität, Bildungsniveau sowie Wirtschaftsfreundlichkeit.

    Der Wirtschaftsplatz Zug ist dynamisch, das zeigen auch die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt und in der Verkehrsinfrastruktur. Für die Qualität der Wirtschaftsentwicklung sind die starke Präsenz von wertschöpfungsintensiven Industrien und Dienstleistern sowie eine hohe Konzentration wachstumsstarker Branchen von Bedeutung. Dabei sind die breit diversifizierte Branchenstruktur und der einzigartige Mix aus kleinen, grossen, lokalen und internationalen Firmen ein wichtiger Treiber für die innovative Weiterentwicklung des Kantons. Im Fokus der Wirtschaftspflege durch die Volkswirtschaftsdirektion stehen die bestehenden und angesiedelten Firmen. Ihr Wachstum trägt am stärksten zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kantons bei.

    Testimonials

    Silvia Thalmann-Gut, Regierungsrätin, Volkswirtschaftsdirektorin und Statthalterin Kanton Zug

    Der Kanton Zug bietet hervorragende Standortbedingungen für alle. Dazu gehört der gelebte «Spirit of Zug». Die Wege sind kurz, die Behörden arbeiten rasch und effizient. Zugs Erfolg basiert auf einer langfristigen Strategie.

    Heini Schmid, Rechtsanwalt, alt Kantonsrat und langjähriger Präsident von Zug Tourismus

    Was die Schweiz in Europa ist, ist Zug in der Schweiz: Klein, umgeben von grossen Nachbarn und darum offen und anpassungsfähig. Veränderungen sind für uns auch immer eine Chance, es anders und besser zu machen. Zug ist eben die Schweiz hoch zwei; es ist das Gesamtpaket, das zählt.

    Matthias Rebellius, CEO Siemens Smart Infrastructure, Verwaltungsratspräsident Siemens Schweiz AG

    Von Zug aus treiben wir bei Siemens Smart Infrastructure die Digitalisierung voran. Für uns ist Zug ein idealer Standort für unser globales Headquarter, da wir hier die besten lokalen und internationalen Talente anziehen und fördern können.

    Johanna Friedl-Naderer, President Europe, Canada & Partner Markets, Biogen

    Zug ist Drehscheibe unseres internationalen Hauptsitzes. Von hier aus koordinieren wir weltweit unsere operationalen und administrativen Tätigkeiten. Die zentrale Lage und hohe Lebensqualität machen Zug zu einem attraktiven Standort für Top-Talente.

    Kontaktstelle Wirtschaft Kanton Zug
    Willkommen im Kanton Zug. Unsere Dienstleistungen richten sich direkt an Sie als Unternehmerin, als Unternehmer. Wir sind Ihr Partner und fördern den Wirtschaftsstandort Zug.

    Kontaktstelle Wirtschaft, Aabachstrasse 5, 6300 Zug, T +41 41 728 55 04, economy@zg.ch

    Alberto Diaz, stv. Leiter; Peter Müllhaupt, jur. Mitarbeiter; Yvonne Valentino, Assistentin/Backoffice Manager; Ursula Kottmann Müller, Marketing/Kommunikation; Beat Bachmann, Leiter (v.l.n.r). Fotograf: Peter Hofstetter
  • «Bestes Gesamtpaket dank dem Spirit of Zug»

    «Bestes Gesamtpaket dank dem Spirit of Zug»

    Zur Person
    Beat Bachmann ist lic.oec. HSG und verfügt über Führungserfahrung in den Bereichen Business Development, Verkauf, Finanzen und Projektmanagement in in- und ausländischen Märkten. Seine Branchenerfahrung umfasst Life Sciences/Medizintechnik, Grosshandel/Vertrieb Konsumgüter, Immobilien, Informations- und Kommunikationstechnologie.

    Sie sind Leiter der Kontaktstelle Wirtschaft des Kantons Zug. Wie darf man sich einen normalen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
    Beat Bachmann: Jeder Tag ist anders. Als «one-stop-shop» betreuen und beraten wir vor allem ansässige Firmen bei den unterschiedlichsten Anliegen. Dazu gehört auch die Unterstützung bei der Suche nach Büroflächen. Mit über 100 Firmenbesuchen pro Jahr und mit der Vernetzung der Firmen untereinander in den Branchenclustern tragen wir dazu bei, dass die Unternehmen an einem wirtschaftsfreundlichen Standort erfolgreich tätig sein können. Zudem begleiten wir jährlich viele Firmen bei der Ansiedlung im Kanton Zug.

    Wie geht es den im Kanton ansässigen Unternehmen im Hinblick auf die Pandemie?
    Die Zuger Wirtschaft mit ihrer starken internationalen Verflechtung ist ebenso betroffen und kann sich den strukturellen Veränderungen nicht entziehen. Die Auswirkungen sollen dank der Massnahmen von Bund und Kanton gemildert werden. Aufgrund der starken Konstitution der Zuger Wirtschaft vor der Corona-Krise und der breiten Diversifizierung schätze ich, dass die negativen Auswirkungen im schweizweiten Vergleich etwas geringer ausfallen werden. Nichtsdestotrotz durfte unser Team im Jahr 2020 gleich viele Ansiedlungen betreuen wie in den Vorjahren.

    Im Standortranking der Credit Suisse belegt Zug praktisch immer den 1. Rang – dies nicht zuletzt wegen des tiefen Gewinnsteuersatzes von 12 Prozent. Was bieten Sie darüber hinaus mehr als andere Kantone?
    Wir bieten primär das beste Gesamtpaket der hervorragenden Standortbedingungen: Dazu gehören die langfristige finanzielle und politische Stabilität, die Steuer- und Finanzpolitik, die grosse Innovationsfähigkeit, die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften in wichtigen Branchenclustern sowie die leistungsfähige Infrastruktur. Sehr wichtig ist auch der faszinierende Lebensraum und damit die Lebensqualität. Nicht zuletzt hören wir oft, dass die gelebte Wirtschaftsfreundlichkeit – unser «Spirit of Zug» – sehr geschätzt wird.

    Welche Aufgabe übernimmt die Kontaktstelle Wirtschaft bei der Arealentwicklung?
    Wir tragen insbesondere dazu bei, dass Bedürfnisse und Anforderungen der Wirtschaft und der Unternehmen in die Arealentwicklungen einfliessen. Und bei Fertigstellung der Objekte bieten wir Unterstützung bei der Vermittlung der Flächen an neue Mieter oder Käufer.

    Zeichnet sich bei der Arealentwicklung eine Ausschöpfung des Potenzials ab?
    Wir sind sehr froh, dass die Grundeigentümer und Arealentwickler seit Jahrzehnten massgeblich dazu beitragen, dass sich der Kanton nachhaltig und qualitativ entwickelt. Es ist im Sinne der langfristigen Strategie des Regierungsrats, dass Zug ein attraktiver Wohn- und Lebensraum bleiben soll. Es gibt noch genügend bebaubare Flächen. Ich denke deshalb, dass sich der Kanton Zug noch über viele Generationen so weiterentwickeln kann.

    «Zug, Baar und Rotkreuz punkten bei den
    Unternehmen»

    Im Kanton Zug sind gleich mehrere Geschäftsgebäude im Bau. Im Zuge der Pandemie geht der Trend jedoch in Richtung Home-Office. Sind Sie dennoch zuversichtlich, dass all diese Projekte mit Leben gefüllt werden können?
    Ja, ich bin zuversichtlich, dass diese Flächen absorbiert werden. Die Schweiz und der Kanton Zug sind und bleiben ein international führender Wirtschaftsraum. Bei Neuansiedlungen ist die Verfügbarkeit bezugsbereiter Flächen ein wichtiger Standortfaktor. Es ist schwierig, die langfristige Auswirkung von Covid-19 auf die Nachfrage von Büroflächen abzuschätzen. Dem Trend nach mehr Home-Office steht ein Trend zu mehr Fläche pro Kopf, sowie Co-Working-Flächen/Business Centers entgegen.

    Welche Stadt ist neben Zug im Kanton der beliebteste Standort für Unternehmen?
    Einerseits weist die Lorzenebene (Talgemeinden) seit Jahrzehnten die meisten Firmen und Arbeitsplätze auf. Da der Kanton werktäglich rund 40 % Zugpendler verzeichnet, spielt die Nähe zu Bahnhöfen mit IC- und Schnellzug-Verbindungen eine immer wichtigere Rolle. Dementsprechend sind neben Zug in den letzten Jahren Baar und Rotkreuz die beliebtesten Standorte; dahinter folgt Cham.

    Was macht den Kanton Zug als Wohnort attraktiv?
    Zug bietet eine gute internationale Infrastruktur, hervorragende Schulen sowie politische Stabilität. Der Lebensstandard ist hoch und die Lebensräume sind intakt. Es gibt Seen, Berge und vielfältige Landschaften auf kleinstem Raum. Zug bietet also her­ausragende Lebensqualität und dazu die Nähe zur Zentralschweiz und zu Zürich.

    Wie beurteilen Sie die derzeitige Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt?
    Im Kanton Zug ist sie anhaltend hoch. Gleichzeitig steigt der Leerwohnungsbestand im Kanton Zug nur minim an.

    Wie schätzen Sie das Baupotenzial im Bereich des Wohnungsmarktes ein?
    Da wir uns bei der Kontaktstelle Wirtschaft vor allem um Firmen und dementsprechend um Büro- und Gewerbeflächen kümmern, bin ich kein Experte für den Wohnungsmarkt. Ich beobachte aber, dass seit Jahrzehnten unverändert viele Wohnungen gebaut werden und diese laufend Bewohner finden. Als flächenmässig kleinster Vollkanton der Schweiz und aufgrund unserer oben erwähnten nachhaltigen Wachstumsstrategie werden wir auch künftig einen hohen Anteil an Zupendler verzeichnen.

  • «Die Stadt Zug soll grüner werden»

    «Die Stadt Zug soll grüner werden»

    Zur Person
    Eliane Birchmeier (FDP) ist seit Januar 2019 Stadträtin und Vorsteherin des Baudepartements der Stadt Zug. Die 58-Jährige studierte Betriebswirtschaft, ist eidg. dipl. PR-Beraterin und hat 2005 die Birchmeier Communications AG mit Sitz in Zug gegründet. Sie war von 2004 bis 2017 Mitglied des Verwaltungsrats der Kursaal-Casino AG in und von 1992 bis 2004 Co-Inhaberin der C-Matrix Communications AG.

    Sie sind Vorsteherin des Baudepartements der Stadt Zug. Wo sehen Sie Ihre Kernaufgaben?
    Eliane Birchmeier: Meine Kernaufgaben umfassen die klassischen Aufgabenbereiche des Bauwesens: Einerseits sind das Baubewilligungen sowie Bauvorhaben für stadteigene Vorhaben im Tief- und Hochbau. Andererseits befassen wir uns mit planerischen, gestalterischen und gesetzlichen Aspekten im Städtebau und in der Stadtplanung. Hierbei geht es um die künftige Entwicklung der Stadt Zug in städtebaulicher sowie in raumplanerischer Hinsicht mit Siedlung, Landschaft und Verkehr.

    Bis zum Jahr 2040 ist für die Stadt Zug ein Wachstum bei der Einwohnerzahl um rund 10’000 Personen prognostiziert. Welche baulichen Massnahmen sind geplant, um dieser Entwicklung gerecht zu werden?
    Das prognostizierte Wachstum ist abhängig von der Projektentwicklung privater Eigentümer und Investoren. In vielen Bereichen haben wir unsere Hausaufgaben bereits gemacht. Beispielsweise was Infrastrukturprojekte in den Bereichen Entwässerung, Energie und Entsorgung anbelangt. In der Bildung haben wir – wie auch andere Gemeinden in der Schweiz – einen gewissen Aufholbedarf. Gegenwärtig laufen verschiedene Planungen für erweiterte und neue Schulanlagen. Doch wir wollen in den kommenden Jahren auch die Grün- und Freiräume aufwerten sowie das Netz an Fuss- und Velowegen verbessern.

    Die Wirtschaft soll ebenfalls weiterwachsen. Wo sehen Sie für neue Geschäftsbauten das grösste Baupotenzial?
    Nach wie vor bestehen in verschiedenen ehemaligen Industrie- und Verdichtungsgebieten grosse Erweiterungspotenziale für Gewerbe und Dienstleistungen. Dazu zählen der Technologiecluster mit dem V-Zug-Areal, Verdichtungsgebiete östlich und westlich des Bahnhofs wie die Metalli, die Baarerstrasse West und das LG-Areal. Dazu kommen das Areal an der Aa II, das von den Zuger Verkehrsbetrieben entwickelt wird, das Hertizentrum und die äussere Lorzenallmend. In Zukunft werden diese Gebiete gemischte, urbane Nutzungen von Wohnen, Freizeit und Arbeiten bieten.

    Wo im Kanton finden sich noch grössere Landreserven?
    Das Wachstum in der Stadt Zug wird wie andernorts im Kanton schwergewichtig im Innern durch Verdichtung erfolgen. Dazu kommen wenige noch unverbaute Baugebiete wie die äussere Lorzenallmend, Gebiete in der Herti und im Unterfeld, im Lüssi/Göbli und in südlicher Richtung im Salesianum sowie in Oberwil. Eigentliche Einzonungen stehen im Rahmen der laufenden Ortsplanung nicht im Fokus.

    «Für das Gebiet Lüssi/Göbli und das Areal des Landhauses Salesianum rechnen wir demnächst mit Baugesuchen»

    Welche Projekte sind dort geplant?
    In der äusseren Lorzenallmend wird ein Bebauungsplan für ein Wohn- und Arbeitsgebiet erarbeitet und im Herti Süd einer für eine Wohnüberbauung. Im Herti Nord, im Unterfeld und im Spielhof sind aktuell keine Planungen im Gange. Im Lüssi/Göbli und im Salesianum bestehen rechtskräftige Bebauungspläne für Wohnüberbauungen. Hier rechnen wir in naher Zukunft mit Baugesuchen.

    Welches sind aktuell die wichtigsten Bauprojekte, die Sie begleiten?
    Stadteigene Vorhaben sind der Neubau des Recyclingcenters und des Ökihofs im Norden der Stadt. In Planung und Projektierung sind Schulanlagen auf dem ganzen Stadtgebiet. Für die Erweiterung des Strandbads startet in diesem Jahr der Projektwettbewerb, und im Sommer wird die Zuger Stimmbevölkerung über die neuen Notzimmer im Göbli-Quartier befinden können.

    Die Stadt Zug steht mitten im Ortsplanrevisionsprozess. Gibt es bereits eine erste Strategie zu Mobilität und Freiraum?
    Die räumliche Entwicklungsstrategie der Stadt wird in mehreren Etappen und Mitwirkungsschritten bis im Herbst 2021 erarbeitet. Erste Stossrichtungen aufgrund der fachlichen Grundlagen, der Bevölkerungsbefragung und der ersten Mitwirkungsphase zeichnen sich deutlich ab: Die Stadt soll grüner werden. Zudem soll ein vielfältiges sowie qualitativ hochstehendes Angebot an unterschiedlichen Freiräumen der Bevölkerung zur Verfügung stehen.

    Was wünscht sich die Bevölkerung?
    Sie wünscht sich, dass das Mobilitätswachstum mittels Ausbau und Förderung des Fuss- und Veloverkehrs sowie des öffentlichen Verkehrs aufgefangen wird. Die Verkehrsführung im Zentrum soll vereinfacht und siedlungsverträglich gestaltet werden. Ein besonderes Augenmerk liegt in der Optimierung des Pendlerverkehrs. Hier setzen wir in Zusammenarbeit mit dem Kanton und den Nachbargemeinden, aber auch mit Arbeitgebern, auf eine verstärkte Verlagerung hin zum bereits heute hervorragend ausgebauten ÖV und den nicht motorisierten Individualverkehr.

  • "Der Kanton investiert 360 Millionen in öffentliche Arbeiten"

    "Der Kanton investiert 360 Millionen in öffentliche Arbeiten"

    Was genau macht die Logistikabteilung des DFE?
    Die Logistikabteilung befasst sich hauptsächlich mit der Verwaltung des Immobilienvermögens des Kantons Tessin. Wir sprechen von einem Vermögen von rund 2 Milliarden Franken. Wir verwalten jeden Aspekt des Lebenszyklus des Immobilienportfolios, optimieren und entwickeln ihn. In der Praxis reicht unsere Arbeit von der logistischen Planung über die Machbarkeitsstudie, das Projektmanagement, die Realisierung bis hin zur Wartung des gebauten Vermögenswerts. Die Logistikabteilung kümmert sich auch um alle Einkäufe für die öffentliche Verwaltung, zum Beispiel – um auf dem Laufenden zu bleiben – von Desinfektionsmitteln über Masken bis hin zu Schulmaterial.

    Konzentrieren wir uns auf den Immobiliensektor: Können Sie uns einige Zahlen geben?
    Für das Immobilienvermögen des Kantons werden in den nächsten vier Jahren voraussichtlich rund 360 Millionen Franken in Gebäude investiert, darunter Neubauten und Renovierungen bestehender Immobilien. Im Jahr 2019 stimmte das kantonale Parlament mit einem Rahmenentwurfskredit von 60 Millionen Franken ab, der die Planung verschiedener Verwaltungs- und Schulgebäude durch Wettbewerbe ermöglichen wird. In diesem Jahr gewährte der Staatsrat dem Parlament ein zusätzliches Rahmendarlehen in Höhe von CHF 100 Mio. für die geplante Instandhaltung öffentlicher Gebäude für die nächsten 6 Jahre.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kanton in den nächsten Jahren viel Geld in Form von öffentlichen Arbeiten in die Tessiner Wirtschaft stecken wird. Auf jeden Fall ein Hauch frischer Luft in Zeiten der Coronavirus-Krise …
    Dies ist eine sehr wichtige Botschaft für die kantonale Wirtschaft. Was wir erleben, ist ein Moment, in dem der Wohnsektor tendenziell abnimmt und es die öffentliche Einrichtung ist, die mit verschiedenen Projekten und Investitionen den geplanten Verlust teilweise kompensieren kann. Die Krise war bereits vorhergesehen, aber mit der Covid-19-Pandemie verschlimmerte sie sich. Diese antizyklischen öffentlichen Investitionen dürften dazu beitragen, einen Teil des in den kommenden Jahren erwarteten Rückgangs der privaten Investitionen im Wohnsektor auszugleichen. Die Investitionen umfassen sowohl den Bau neuer Gebäude und die geplante Instandhaltung unserer Gebäude als auch vollständige Renovierungen und Teilrenovierungen. Dies sind Investitionen, die Unternehmen und Fachleuten in unserer Region Arbeit geben.

    Können Sie uns einige Beispiele für diese neuen Projekte geben?
    Unter den Hauptwerken haben wir derzeit offene Wettbewerbe für das technische Fachzentrum des Textilsektors in Chiasso, den Schießstand von Ceneri, den Schulsektor von Mendrisio, den Justizsektor von Lugano sowie ein paralleles Studienmandat für das neue Museum. der Naturgeschichte von Locarno. Hinzu kommt der Wettbewerb um die Renovierung des Locarno Pretorio und eines Dreifach-Gymnasiums in Bellinzona (erscheint Ende des Jahres).
    Parallel zu den Wettbewerben werden das neue Mendrisio-Notfallzentrum, das ICEC-Schulzentrum in Bellinzona und der Ausbau der Mittelschulen in Viganello fertiggestellt.

    Können Sie, wenn Sie zum neuen technischen Fachzentrum der Textilbranche in Chiasso zurückkehren, die Geschichte dieses lang erwarteten Projekts etwas detaillierter veranschaulichen?
    Dies alles beruht auf der Tatsache, dass das heutige Viganello-Hauptquartier der Hochschule für Bekleidung und Modedesign (STA) das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat und abgerissen werden muss.
    Alternative Standorte wurden durch Machbarkeitsstudien analysiert. Nach diesen Analysen fiel die Entscheidung auf Chiasso aufgrund seiner Nähe zum „Tal der Mode“ von Mendrisiotto, wo viele Bekleidungsunternehmen ansässig sind. Darüber hinaus begünstigt der Standort in der Nähe der Eisenbahn die Mobilität von Studenten im öffentlichen Verkehr. Eine Realität ist das Bauen in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten, die sich in der ganzen Schweiz entwickelt. Darüber hinaus könnte das Gebiet von Chiasso, in dem das Technical Professional Center des Textilsektors errichtet wird, um weitere Bildungsinhalte erweitert werden und sich zu einem echten Ausbildungszentrum entwickeln.

    Und was ist mit dem neuen Schießstand in Monte Ceneri, über den seit über einem Jahrzehnt gesprochen wird?
    Das neue multifunktionale Trainings- und Schießzentrum von Monte Ceneri ist ein bedeutendes, besonderes und einzigartiges Projekt mit einer erwarteten Investition von rund 55 Millionen Franken. Ein sehr wichtiges Projekt, das sich aus dem Wunsch ergibt, eine zentralisierte kantonale Struktur zu schaffen, in der die Polizei ihre Ausbildung durchführen kann und in der die obligatorischen Schüsse des Militärdienstes abgehalten werden können, wodurch die heutigen offenen Schießstände beseitigt werden, die Probleme bereiten Umwelt und Lärm. Tatsächlich wird der Schießstand vollständig überdacht sein und sich in einem Bereich befinden, in dem sich bereits einige militärische und polizeiliche Aktivitäten konzentriert haben. Der angekündigte Wettbewerb bietet detaillierte Spezifikationen für jeden Aspekt, von der Technik über die Landschaft bis hin zur Akustik. Dies ist ein einzigartiges und recht innovatives Projekt, da es in der Schweiz nur wenige kleinere unterirdische Schießstände gibt.

    Sind neben den genannten noch weitere Großprojekte in Sicht?
    Eine davon ist sicherlich die Umstrukturierung der Justizbüros in Lugano, die die Umstrukturierung des heutigen Gerichtsgebäudes und die Erweiterung der Flächen im derzeitigen Hauptsitz der EFG Bank, dem sogenannten „Palazzo Botta“, umfasst. Für dieses Projekt sieht der Kanton eine wichtige Investition vor, die für den Kauf des EFG-Bankgebäudes und dessen Umbau sowie für die Renovierung des derzeitigen Gerichtsgebäudes, das einige Jahre dauern wird, vorgesehen ist. Es ist ein sehr wichtiges Projekt sowohl für den Kanton, der ein repräsentatives und hochwertiges Gebäude mit einer wichtigen Oberfläche im Zentrum von Lugano und in der Nähe des derzeitigen Hauptsitzes nutzen kann, um seine Aktivitäten zu konzentrieren, als auch für die Stadt.

    Welche Art von Renovierung ist für dieses repräsentative Gebäude geplant?
    Es ist ein hochflexibles Gebäude in einem guten Erhaltungszustand, das eine Neuordnung der Räume ohne größere Eingriffe ermöglicht. Das Äußere wird höchstwahrscheinlich nicht berührt, während die Innenräume teilweise neu angeordnet werden. Die Hauptintervention wird im Erdgeschoss stattfinden, wo einige Gerichtssäle geschaffen werden.

    Sind auch Investitionen in Bellinzona geplant?
    Das vom Kanton, der Gemeinde Bellinzona und der Schweizerischen Bundesbahn gemeinsam geförderte Parallelstudienmandat zum SBB-Werkstattbereich ist nun beendet. Es geht darum, die Entwicklung dieses Sektors zu definieren, in dem dem Kanton Verwaltungs- und Schulräume sowie ein Innovationszentrum zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse des Parallelstudienmandats wurden in den letzten Wochen vorgestellt. Es handelt sich um ein modernes Viertel, das unter Berücksichtigung der Themen Nachhaltigkeit, Generationengeneration und langsame Mobilität mit dem Ziel entworfen wurde, Wohn- und Arbeitsräume anzubieten. Es ist auch beabsichtigt, den Hauptsitz des Tessin-Netzwerks des Schweizer Innovationsparks zu errichten. Dies ist ein ehrgeiziges Projekt, dessen Planungsarbeiten, die in Kürze beginnen werden, eine mehrjährige Realisierung beinhalten werden.

    Wie sind die Aussichten für das Immobilienvermögen des Kantons?
    Ich denke, dass wir als öffentliche Akteure eine nachhaltige Entwicklung gewährleisten müssen, d. H. Das Gleichgewicht zwischen architektonischen, ökologischen, sozialen und finanziellen Kriterien, um so die Gesamtqualität unserer Gebäude sicherzustellen. Wir müssen auch über die Umgestaltung der Arbeit und die Nutzung von Land nachdenken, insbesondere über die administrativen. Nach zwei Studien, die wir in Zusammenarbeit mit SUPSI durchgeführt haben, in Bezug auf die Nutzung von Räumen im schulischen und administrativen Umfeld, wird einerseits eine Zunahme des intelligenten Arbeitens von zu Hause aus erwartet und gleichzeitig eine Zunahme der verfügbaren Flächen des Personals, das mit agileren Arbeitsmethoden im Büro arbeiten wird, und folglich verschiedener Arbeits- und Aggregationsräume, die gemeinsam genutzt werden. Selbst nach der Coronavirus-Pandemie wird sich die Distanz zwischen einem Mitarbeiter und einem anderen sicherlich ändern. Das derzeitige Mindestflächenmaß pro Mitarbeiter wird wahrscheinlich nach oben korrigiert. Wahrscheinlich werden sich die in den letzten Jahren so beliebten Freiflächen in verschiedene Arbeitsplätze verwandeln, mit Besprechungs- und Austauschräumen, die einer Perspektive horizontaler Arbeitsorganisation folgen und nicht mehr nur pyramidenförmig sind. In der Praxis wird es weniger Arbeitsplätze vor Ort geben, aber mit mehr Platz für jeden einzelnen Mitarbeiter wird dies wahrscheinlich zu einer Verringerung des Bürobedarfs führen. Die mit dem Training verbundenen Oberflächen werden gemäß den neuen didaktischen Lösungen verändert, was zu flexibleren Räumen führen wird, die zu einem Umdenken in traditionellen Klassenzimmern führen werden. ■

  • Tessin Exzellenz

    Tessin Exzellenz

    Herr De Vecchi, können Sie uns kurz Ihre Firmengeschichte erzählen?
    Alles begann um die Wende der 50er und 60er Jahre, als mein Mentor und Lehrer Franco Dell’Oro die Gesellschaft seiner Eltern übernahm, die seit den 30er / 40er Jahren Geräte für Bars und Restaurants vermarkteten. Der Sprung kommt mit der Übernahme des exklusiven Gaggia, der renommierten Marke von Kaffeemaschinen, für die gesamte Schweiz. Dies hat uns die Türen jenseits des Gotthards geöffnet und uns die Möglichkeit gegeben, unsere anderen Produkte im gesamten Staatsgebiet anzubieten. Das heißt, Armaturen für öffentliche Plätze, industrielle Stahlküchen, maßgeschneiderte Tischlerei und vieles mehr.

    Und wann sind Sie zur Firma gekommen?
    Ich kam Anfang zwanzig in den Zwanzigern in die Firma. Ich bin nie gegangen und habe es Anfang der 2000er Jahre nach dem Tod von Mr. Dell’Oro übernommen. Seitdem habe ich nichts weiter getan, als der Linie des Gründers zu folgen: Die Genauigkeit des Schweizer Service kombiniert mit der Qualität italienischer Möbel und Designartikel, sicherlich die besten der Welt. Unter diesen kann ich renommierte Marken wie Carimati 1919 erwähnen, an denen wir beteiligt sind.

    Es wird gesagt, dass Architekten Sie schätzen, weil Sie in der Lage sind, jede Idee von ihnen zu verwirklichen, selbst die kreativsten. Was ist dein Geheimnis?
    Nichts als das Know-how, das sich in all den Jahrzehnten angesammelt hat, in denen sich in der Hotel- und Restaurantbranche Stile, Trends und Materialien geändert haben. Mit einer Struktur, die alles nach Maß bauen kann, können wir die Wünsche von Kunden und Architekten erfüllen. Unsere Handwerker können jedes Material bearbeiten, sei es Holz, Stein, Stahl oder Schmiedeeisen.

    Mit welchen berühmten Architekten haben Sie zusammengearbeitet?
    Es ist mir eine Ehre, unter den vielen hervorragenden Fachleuten, mit denen wir zusammengearbeitet haben, Mario Botta erwähnen zu können, mit dem wir das Restaurant Parco Saroli im Hauptquartier der damaligen Banca del Gottardo in Lugano und das des Nationalen Sportzentrums von Tenero und kürzlich auch die Räume gegründet haben Restaurant des Fiore di Pietra am Monte Generoso. Darüber hinaus werden wir in Kürze die Arbeiten für die Innenausstattung des neuen Stalvedro-Autobahn-Servicebereichs abschließen, ebenfalls ein Botta-Projekt. Eine weitere konsolidierte Zusammenarbeit besteht mit dem Architekten Bruno Huber, mit dem wir das Restaurant des Casinos von Lugano zusammen mit dem berühmten Innenarchitekten Italo Rota und später dem angrenzenden Restaurant Seven und seiner Disco Lounge gegründet haben. Auch mit dem Architekten Huber haben wir die Ausstattung mehrerer Novotel- und Ibis-Hotels der Accor-Kette in der ganzen Schweiz geschaffen.

    Franco Dell’Oro ist auch in der Schweiz mit prestigeträchtigen Aufgaben sehr präsent. Können Sie einen von ihnen nennen?
    Eine Anerkennung, die uns sehr gefreut hat, ist die, die wir von Migros erhalten haben, weil wir einige seiner Restaurants in Zürich gegründet haben, darunter das in der Genossenschaftszentrale. Kürzlich hat uns die berühmte amerikanische Kette Kentuky Fried Chicken (KFC) das Mandat eines Generalunternehmers für die Einrichtung ihrer Restaurants in Lausanne und Bern übertragen. Jenseits des Gotthards sind wir seit Jahrzehnten präsent, zum Beispiel haben wir mehrere Mövenpick- und Marché-Restaurants geschaffen. Um noch einmal große Gruppen zu erwähnen, haben wir auch Arbeiten für das Herrenhaus durchgeführt. Wir haben kürzlich das Restaurant des SBB-Bahnhofs Muralto gebaut, das brandneue Caffè Locarno. Ohne das LAC in Lugano zu vergessen, wo wir die Eingangsbereiche geschaffen haben, oder die Artisa Vip Lounge im Lugano-Hockeystadion.

    Arbeitest du auch im ausland
    Bestimmt. Zu den neuesten Kreationen zählen die Vanini-Schokoladen- und Eisdielen in Wien, London, Barcelona und Mallorca. Im Ausland arbeiten wir jedoch hauptsächlich über unsere Tochtergesellschaft Carimati, mit der wir verschiedene Restaurants und Hotels auf der ganzen Welt geschaffen haben. Zum Beispiel haben wir mit ihr und dem großen Innenarchitekten Italo Rota das Restaurant Just Cavalli in Miami, Florida, gegründet.

    Nicht schlecht für eine kleine Firma, die in Viganello geboren wurde …
    Eine enorme Zufriedenheit für ein kleines Unternehmen in Lugano mit etwa zehn Mitarbeitern. Heute können wir sagen, dass wir in der Lage sind, Arten von Arbeiten auszuführen, die von der typischen Tessiner Grotte bis zur großen internationalen Fast-Food-Kette reichen. Und ich erzähle Ihnen mehr: Es gibt viele Privatkunden, die sich mit uns in Verbindung setzen, nachdem sie unsere Installationen an öffentlichen Orten gesehen haben, und uns die Einrichtung ihrer Häuser anvertrauen, vom Wohnbereich über das Schlafzimmer bis zur Küche. ■

    Innenräume des Novotel in Paradiso, ein Projekt von Franco Dell’Oro mit dem Architekten Bruno Huber.
  • "Valascia ist die Kathedrale von Leventina"

    "Valascia ist die Kathedrale von Leventina"

    Als Ambrì-Fan muss es eine unglaubliche Befriedigung sein, die Geschichte dieses glorreichen Sportvereins prägen zu können.
    Bei der Bewältigung dieses Wiederaufbauprojekts wurde mir klar, dass Valascia heute als „Kathedrale“ von Leventina interpretiert werden kann, in dem Sinne, dass es eine Identität sammelt, die aus der Ferne kommt. Diese Identität ist noch nicht vollständig zum Ausdruck gebracht, aber als ich die Südkurve brüllen hörte, gibt es etwas Anthropologisches, in dem die Ursprünge des Menschen gefühlt werden, das Bedürfnis nach kollektiver Begegnung, das Bedürfnis, die eigene Identität zu beanspruchen. Daher gibt es objektiv nicht nur die sportliche Seite, sondern es ist etwas, das die Beziehung des Menschen zu seinem Land berührt. Aus diesem Grund musste der Wiederaufbau zunächst an dem Ort stattfinden, an dem das alte Valascia stand, denn hier ist dieser Geist. Wir müssen daher sicherstellen, dass es keine isolierte Struktur bleibt, mit der Gefahr, dass es nur am Wochenende lebt. Es verdient daher die Anstrengung, es zu einem Mehrzweckraum zu machen; dies zumindest in Absichten, dann wird es das Leben sein, seine Verwendung und Verwendung zu bestimmen. Es war eine Gelegenheit zu versuchen, eine Struktur hinzuzufügen, die das Tal zum Leben erwecken kann.

    Wird es als Botta-Projekt in dem Sinne erkennbar sein, dass es ein charakteristisches Zeichen Ihres architektonischen Stils trägt?
    Es ist nicht wichtig, dass es als mein Projekt erkennbar ist, auch wenn die Architektursprache immer dieselbe ist. Wichtig ist, dass es eine Bedeutung für das Wohlbefinden hat und dass es in der Lesung klar ist. Nun, es sollte nicht das sein, was es riskierte, das ist ein anonymer Schuppen, in dem Hockey gespielt wird, wie in den meisten Schweizer Stadien, die wie Supermärkte aussehen. Ich bemühte mich, das Artefakt einfacher zu lesen und gleichzeitig die einzelnen Teile hervorzuheben. Daher die Innenräume zu artikulieren, um sicherzustellen, dass auch diejenigen, die die Autobahn passieren, erkennen, dass hier eine Veranstaltung stattfindet und es sich weder um eine Nebenschau noch um einen Markt oder ein einfaches Lager handelt. Denn wenn Sie noch einen Vorortschuppen hinzufügen, leisten Sie der Landschaftskultur nicht viel Dienst.

    Laufen die Arbeiten nach Plan? Wird der neue Valascia für die nächste Meisterschaft 2021/22 bereit sein?
    Dies hängt von der Einhaltung unseres Programms ab, das jedoch an die saisonalen Wetterbedingungen gebunden ist. In der Praxis kommt es darauf an, wie viel Schnee fällt. Im ersten Jahr sind wir gut gelaufen, weil wir in den Wintermonaten lange arbeiten konnten und dann im Februar / März wieder anfangen konnten. Jetzt hängt alles vom Wetter und von diesem verdammten Covid ab, denn jetzt können wir uns nicht mehr nur auf die Planung verlassen. Dies ist auch ein Zeichen unserer Zerbrechlichkeit als Zivilisation. Bis vor ein paar Jahren schien es, dass Technologie alles kann, jetzt haben wir gesehen, dass dies nicht der Fall ist.

    Die neue Stalvedro-Tankstelle auf dem südlichen Gotthardportal trägt auch Ihre Unterschrift in Leventina. Was für ein Projekt haben Sie dort entwickelt?
    Es ist sicherlich eine bescheidenere Struktur als das neue Valascia. Grundsätzlich handelt es sich um eine Tankstelle zum Tanken mit einem kleinen Laden und einem Erfrischungsbereich. Kurz gesagt, es ist der typische Autobahnparkplatz mit zugehörigen Dienstleistungen.

    Auf architektonischer Ebene wollte ich denjenigen, die auf der Autobahn fahren, ein Signal geben, das sich von den üblichen Tankstellendächern abhebt. Deshalb dachte ich an ein Zick-Zack-Dach, das von der Form eines Blitzes inspiriert war. Vielleicht wird der Benutzer neugierig und hält für Benzin und einen Kaffee an. Andererseits haben diese Strukturen eine vorübergehende Konnotation, auch aufgrund der Tatsache, dass die staatliche Konzession eine Verwaltung von 25 Jahren vorsieht.

    Es ist unwahrscheinlich, dass es jemanden geben wird, der einen Botta zerstört, selbst in 25 Jahren …
    Warum nicht! Es wäre auch normal. Gebäude sind wie Männer, sie müssen geboren werden, aber sie müssen auch irgendwann sterben. Ich bin nicht für unbestimmte Lagerung. Wenn es richtig ist, dass eine Kirche 200 Jahre hält, ist es auch richtig, dass eine Tankstelle nur wenige Jahre hält.

    In der Praxis wird es eine Botta entlang der beiden Richtungen der Autobahn geben, sowohl beim Einfahren in das Tessin als auch beim Verlassen des Tessins. Ein gutes Zeichen für unseren Kanton …
    Es ist so, aber es wurde weder gedacht noch gesucht. Es ist ein reiner Fall des Lebens. Nicht alles kann programmiert werden und das Leben führt gelegentlich zu diesen Zufällen, die weder vorstellbar noch programmierbar waren.

    Haben Sie weitere Projekte im Tessin in der Pipeline?
    Im Tessin habe ich eine Baustelle, die seit 10 oder 12 Jahren in Betrieb ist. Dies ist die 4. Phase des Tenero-Sportzentrums, in der das große Fitnessstudio und die Räume für die Verwaltung des Komplexes fertiggestellt werden. Die Erweiterungsarbeiten wurden schrittweise durchgeführt, da Sie als guter Schweizer nicht den längsten Schritt machen. Aber jetzt gibt es eine sehr starke Nachfrage und daher entstand der Bedarf an diesem neuen Fitnessstudio und einer neuen Kantine für 400 Mahlzeiten. Die Arbeiten werden voraussichtlich 2023 abgeschlossen sein.

    Und haben Sie in der Zentralschweiz und im Rest der Welt größere Projekte auf dem Spiel?
    In der Schweiz arbeite ich am neuen badischen Spa, das nächstes Jahr eingeweiht wird. Dies ist ein sehr umfangreiches Projekt, das ein ganzes historisches Gebiet der Stadt am Ufer des Limatt betrifft, genau dort, wo vor 2000 Jahren die alten römischen Bäder standen. Wir beenden jetzt den Spaziergang entlang des Flusses. International gibt es in Seoul in Südkorea eine große Kirche, die inzwischen fast fertiggestellt ist. Ebenfalls in Asien habe ich das Projekt für ein weiteres Museum an der Tsinghua-Universität in Peking, das leider durch die Covid-Pandemie gebremst wurde.

    Spas, Museen, Theater, Banken, Kasinos, Bibliotheken, religiöse Gebäude, jetzt sogar eine Eisbahn … Sie haben alles erreicht. Haben Sie noch einen Traum in der Schublade, den Sie noch nicht zeichnen konnten?
    Ich bevorzuge Strukturen mit direkter und ständiger Beteiligung, daher Häuser, Schulen, Museen, Kultstätten. Orte, die das Bedürfnis nach Dauer befriedigen, die eine Konstante haben und nicht dem Moment ausgeliefert sind. Wenn ich daran denke, fehlt mir immer noch ein Krankenhaus, aber es ist eine sehr komplexe Maschine. Es ist ein sehr heikles Thema, aber auch faszinierend, denn es gibt nicht nur Beständigkeit und zyklische Krankenhauseinweisung, sondern es enthält auch die Idee des Schmerzes, der Konfrontation mit Krankheit. Aber ich müsste 500 Jahre leben, um alles erreichen zu können, was ich möchte!

    Können Sie uns abschließend kurz an Ihre Meister erinnern, die großen Architekten, die Sie inspiriert haben?
    Wenn ich im 17. Jahrhundert geboren worden wäre, wäre mein Lehrer sicherlich Borromini gewesen. Angesichts der Tatsache, dass ich an der Wende der beiden Kriege in der Post-Bauhaus-Kultur geboren wurde, sind meine Bezugspunkte die großen Architekten der Generation vor mir, daher Le Corbusier, Louis Kahn und Carlo Scarpa. Ich betrachte sie als Meister für das, was sie für die Architektur dargestellt haben, und weil ich auch das Privileg hatte, sie zu kennen und mit ihnen zu arbeiten.

    Und unter den jungen Architekten, wen mögen Sie?
    Es gibt viel Aufregung, aber in der Architektur müssen wir Altersunterschiede machen. Denken Sie, dass Louis Kahn im Alter von 50 Jahren mit der Arbeit begonnen hat? Bei unserer Arbeit ist es relativ spät. Mein Fall ist außergewöhnlich, weil ich das Glück hatte, zwischen 15 und 18 Jahren eine Lehre bei Tita Carloni in Lugano zu machen. Es muss berücksichtigt werden, dass ein Architekt normalerweise die Ausbildung im Alter zwischen 25 und 30 Jahren verlässt. Dann dauert es weitere zehn Jahre, bis er anfängt zu „verstehen“. Und das ist der Grund, warum Architekten im Allgemeinen lange leben (lacht)… Die Aussichten, ihre eigene fertige Realisierung zu sehen, sind immer sehr weit entfernt. Unter den sogenannten „jungen Leuten“ mag ich jedoch am meisten den Japaner Tadao Ando, der, obwohl nicht sehr jung, in seiner Ausdrucksform jung ist. Stattdessen gibt es eine ganze Generation zwischen meiner und der nächsten, die ein bisschen vom Wirbel der Globalisierung verschluckt wurde, und die Architektur hat ebenfalls sehr gelitten. Es gibt tatsächlich eine kontinuierliche Abflachung von Modellen und Sprachen. Es genügt zu beobachten, wie Glas und Stahl mittlerweile zur Routine geworden sind. Andererseits glaube ich, dass Architektur etwas anderes ist, das nicht die Form ist, sondern die Werte des Raums, die seine Qualität bestimmen. In diesem Punkt sind wir etwas verwaist, weil es nach den großen Meistern keine Bezugspunkte mehr gab. ■

  • Alle Akteure in der Branche müssen bereit für Veränderungen sein

    Alle Akteure in der Branche müssen bereit für Veränderungen sein

    Was genau ist Building Information Modeling?
    Wörtlich übersetzt bedeutet BIM die Modellierung von Konstruktionsinformationen, eine ziemlich genaue Definition. Durch BIM ist es neben der digitalen Planung und Ausführung von Projekten möglich, die für die Arbeit erforderlichen Daten zu ermitteln und wiederzuverwenden. Es geht darum, mit dreidimensionalen Modellen zu arbeiten, die nichts anderes als visuell dargestellte Datenbanken sind. Es klingt komplizierter als es ist, aber tatsächlich ist es nur eine neue Arbeitsweise. Wenn wir früher zweidimensionale Pläne hatten, haben wir jetzt
    mo dreidimensionale digitale Gebäudemodelle. Wichtig ist, dass alle Beteiligten Zugriff auf dieselben Daten haben oder auf andere Weise als Single Source of Truth (Hrsg.) Bezeichnet werden. Dies stellt sicher, dass die in den Datenbanken gespeicherten Daten immer aktuell, korrekt und für die weitere Verarbeitung relevant sind. Und das ist genau der größte Vorteil.

    Warum hat sich die SBB für BIM für Bauprojekte entschieden?
    In BIM sehen wir ein wichtiges Potenzial für die Datenverarbeitung und den gesamten Wertschöpfungsprozess. Die SBB erwartet einen deutlichen Rückgang der Investitionen in Planung, Bau und Verwaltung von Immobilien. Dies gilt auch für die gesamte Eisenbahninfrastruktur, die sie besitzt.

    Wir können auch einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten, da wir anhand der von uns gesammelten Daten simulieren können, wie sich das Unternehmen in den nächsten 20, 25 Jahren und darüber hinaus entwickeln wird. Da Projekte verglichen werden können, können sie gelernt und Transparenz über den gesamten Lebenszyklus hinweg geschaffen werden.

    Wie wird BIM beim Bau des Letziturms eingesetzt?
    Der Letziturm war eines der ersten Gebäude der SBB Immobilien, die mit BIM-basierten Arbeitsmethoden und -praktiken errichtet wurden. Es ist auch ein Schulungsprojekt in Bezug auf die Managementphase. Die Planung und Durchführung eines Projekts dieser Größenordnung ist in zehn Jahren abgeschlossen, die Verwaltung des Gebäudes dauert jedoch mindestens viermal länger. Zum Beispiel werden wir die Erfahrung des Letziturms nutzen, um Materialien zu probieren. Wir arbeiten daran, Planungsgenehmigungen über die Kollaborationsplattformen zu erhalten. Wir haben viel gelernt und können damit Planung und Implementierung optimieren. Dies ist aus unserer Sicht ein wichtiger erster Schritt.

    „Allein als Besitzer kann man es nicht mehr ertragen.“

    Welche Schlussfolgerungen können Sie heute aus der Verwendung von BIM ziehen?
    Wir haben sehr früh das Potenzial von BIM für die SBB erkannt und ihre Entwicklung durch das zu diesem Zweck eingerichtete BIM @ FFS-Programm aktiv gefördert. Wir haben seitdem wichtige Fortschritte gemacht. Dieses Programm basiert auf vier miteinander verbundenen Säulen: Entwicklung, Experimentieren, Genehmigung und konkrete Einbeziehung des Sektors. Wir teilen unser gesamtes Wissen und unsere Erfahrungen bei Veranstaltungen mit unseren Partnern, sammeln Kommentare und Beobachtungen, die wir dann in den Entwicklungsprozess integrieren. Wir beziehen unsere Gemeinschaft auf diese Weise ein. Sie können nicht mehr alleine bauen, Sie brauchen eine enge Zusammenarbeit zwischen den Parteien. Dies spiegelt sich auch in der Befähigung der Mitarbeiter wider. Seitens der Mitarbeiter haben wir eindeutig einen großen Wunsch nach gegenseitigem Lernen festgestellt. Das Ergebnis ist für alle inspirierend und lehrreich.

    Was sind die Vorteile?
    Es versteht sich von selbst, dass das Entwerfen und Erstellen mit Datenunterstützung zu einer Änderung der Art und Weise führt, wie wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten und wie wir mit ihnen Projekte entwickeln, die jetzt schneller und sicherer abgeschlossen werden. Klar nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, das System zu übernehmen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, wie bereits erwähnt, „Eine Quelle der Wahrheit“. Unternehmensdaten werden strukturiert gespeichert, sind immer aktuell und schnell auffindbar. Dadurch entfällt das lästige und ständige Suchen und Überprüfen von Daten weitgehend. Im Vergleich zur Vergangenheit ist die Kommunikation auch zielgerichteter und leistungsorientierter. Projektgruppen können so schneller Lösungen finden, offene Probleme und Probleme direkt im dreidimensionalen Modell visualisieren und Varianten und Alternativen einfacher ausarbeiten. Dies hilft, sich zu verstehen.

    Gibt es auch Nachteile?
    BIM wird oft nur mit dem technologischen Aspekt assoziiert. Natürlich wäre es schön, mit einer Brille, die uns Augmented Reality zeigt, über die Baustelle zu fliegen. Wenn die zugrunde liegenden Daten jedoch nicht korrekt sind, ist die fortschrittlichste Technologie nutzlos. Die Daten müssen korrekt sein und wir brauchen daher eine neue Art, präzise zu arbeiten. Es gibt nur zwei Arten von Daten: die richtigen oder die falschen. Heute sind noch nicht alle bereit, neue Technologien und Methoden einzusetzen. Alle Betreiber in der Branche müssen jedoch bereit sein, sich zu ändern und ihren Beitrag zu leisten, damit die Dinge funktionieren.

    Was könnte der Grund sein, warum sich BIM noch nicht in der Schweiz etabliert hat?
    Viele verbinden BIM mit der Verwendung der neuesten Software oder der neuesten Datenbanktechnologie. Dies ist oft notwendig, allein reicht es jedoch nicht aus. Um BIM erfolgreich einsetzen zu können, müssen wir unsere Denkweise und Arbeitsweise ändern. In der BIM-Umgebung sprechen wir häufig über kollaborative Projektteams, die gemeinsam Lösungen entwickeln. Dieser Prozess braucht seine Zeit, aber der Trend gibt mir Hoffnung auf das Beste. Wir müssen auch unseren Beitrag als Auftraggeber des öffentlichen Sektors leisten, um diese Entwicklung weiter voranzutreiben und den Einsatz von BIM bei der Auftragsvergabe zu fordern, wie wir es beispielsweise für das Letziturm-Projekt getan haben.
    Welche Ziele verfolgt die SBB beim Einsatz von BIM?
    Derzeit haben wir ungefähr zwanzig Pilotprojekte, für die wir Hintergrundinformationen bereitstellen. Wir experimentieren auch mit einer Vielzahl von Methoden, Technologien und Techniken. Das aus diesen Projekten gewonnene Wissen fließt in den Entwicklungsprozess ein. Dank Vorschriften und Normungen können wir auch internationale Grundelemente berücksichtigen. Auf diese Weise sind wir sicher, mit der Zeit Schritt zu halten. Dieses Wissen wird speziell an die Industrie zurückgegeben. Für konföderierte Unternehmen wird die Verwendung von BIM für den Bau von Gebäuden gemäß der digitalen Strategie des Bundes ab 2021 und für die Infrastruktur ab 2025 obligatorisch sein, da in diesem Bereich noch viel ausgearbeitet werden muss. Dies ist unser erklärtes Ziel.

    SBB und das BIM Letziturm Projekt
    Dank der Renovierung der bestehenden Gewerbe- und Industriegebiete entsteht zwischen den Bahnhöfen Zürich-Altstetten und Hardbrücke ein neues Stadtgebiet entlang der Gleise. Der Letziturm, ein sechsstöckiges Gebäude östlich der Lagerhalle, das zum historischen Denkmal erklärt wurde, definiert einen ersten städtischen Horizont, der zusammen mit den beiden an die Höhe von Letzibach D angepassten Wohntürmen einen Kern aus drei hohen Gebäuden bildet.

    Die Bauarbeiten begannen in diesem Jahr. Die 178 Wohneinheiten, bestehend aus Wohnungen mit 1,5 bis 7,5 Zimmern, sollen ab Herbst 2022 fertig sein. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Haupteingänge und zwei Gewerbezimmer, von denen jedes einen Blick auf die Zukunft bietet. Platz und auf den SBB-Werkstätten. Dazwischen befinden sich die Erdgeschosse von vier größeren, zweistöckigen Wohneinheiten, die eine Kombination aus Arbeits- und Wohnräumen bieten und auf Wunsch direkt mit dem öffentlichen Raum verbunden sind.

    Sowohl die kleineren als auch die größeren Wohneinheiten sind im Basisgebäude untergebracht. Oberhalb der 7. Etage, in der sich ein Gemeinschaftsraum befindet, sind Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern geplant. ■

  • Oberfläche rechts: seine Bedeutung für den öffentlichen Wohnungsbau

    Oberfläche rechts: seine Bedeutung für den öffentlichen Wohnungsbau

    CASSI (die Sektion der italienischen Schweiz des Dachverbandes der Schweizer Wohnungsgenossenschaften) in Zusammenarbeit mit
    arbeitet mit der Regionalgruppe Tessin von Espace Suisse daran, mehr Wissen und Bewusstsein für das wichtige, in unserem Kanton noch wenig bekannte Thema des Oberflächenrechts in Bezug auf den öffentlichen Wohnungsbau zu verbreiten.

    Das Instrument des Oberflächenrechts könnte neue Impulse für die Entwicklung verschiedener und innovativer Projekte geben und auch die territoriale Entwicklung positiv beeinflussen.
    mit wichtigen wirtschaftlichen, aber auch sozialen Auswirkungen.

    Langfristig und unter bestimmten Bedingungen könnte die Vermietung einer Immobilie, eines zu bauenden oder bereits gebauten Grundstücks der gesamten Gesellschaft, auch künftigen Generationen, Vorteile bringen. Es könnte die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum fördern, um nicht nur Wohnräume zu schaffen, sondern auch Nachbarschafts- und Geschäftstätigkeiten anzuregen, wie dies bereits an vielen Orten in der Schweiz festgestellt wurde.

    Die Anwendung des Oberflächengesetzes, falls erforderlich, in Verbindung mit der Verwendung von Kapital aus dem „Fonds de Roulement“ (Fonds, der mit Krediten der Konföderation gespeist wird) zur Gewährung von Darlehen zu einem subventionierten Zinssatz, der für Betreiber des Sozialer Wohnungsbau) könnte die Entwicklung von Wohnprojekten fördern, insbesondere die Renovierung in dieser Zeit des Wandels. Wohnprojekte, die möglicherweise durch einen Generationenmix gekennzeichnet sind, könnten ein Gefühl der Solidarität und gegenseitigen Hilfe fördern und die Organisation des täglichen Lebens erleichtern, sodass sich die Bürger gegenseitig helfen, sich gegenseitig zu unterstützen.
    weniger auf die Hilfe des bereits überlasteten Staates angewiesen, um die Krise zu bewältigen.
    Die offenen Stellen haben Rekordwerte erreicht, der Wert von Grundstücken bleibt hoch und die Zahl der bezahlbaren Wohnungen in den Ballungsräumen bleibt unzureichend. Eine zunehmende Zahl von Familien, die sogar zum mittleren Bevölkerungskreis gehören, ist aufgrund der hohen Kosten nicht in der Lage, angemessene Wohnlösungen zu finden oder in ein Haus zu investieren. Eine größere Anzahl von Haushalten könnte erwägen, in Immobilien zu investieren, wenn sie öffentliche Versorgungsprojekte unter Verwendung der Baurechte entwickeln. Da das Kapital für den Kauf des Grundstücks nicht erforderlich ist, wäre das Anfangskapital für die Durchführung des Projekts – die Renovierung eines bestehenden Gebäudes oder einer Konstruktion – erheblich geringer, und daher könnten es sich mehr Familien leisten. Wenn Familien weniger für Miete ausgeben könnten, hätten sie mehr Geld, um in etwas anderes zu investieren, und würden daher mehr zur Führung der Wirtschaft beitragen, insbesondere der lokalen.

    In der Regel handelt es sich um öffentliche Einrichtungen oder parapub-
    die Patrizier oder Gemeinderäte, um ihre zu geben
    Eigentum. Auch erblich oder pro
    Eigentümer von historischen Gebäuden könnten dieses Tool in Betracht ziehen. Selbst Eigentümer, die aus emotionalen Gründen die Immobilie nicht verkaufen möchten, sind möglicherweise daran interessiert, eine Oberfläche zu finden, dh diejenigen, die die Immobilie über einen längeren Zeitraum vermieten und ihr Kapital in die Renovierung und / oder den Bau investieren.

    Es ist wichtig zu wissen, dass der Eigentümer des Fonds Einschränkungen festlegen kann, damit das durchzuführende Projekt bestimmte Merkmale aufweist. Wenn eine Gemeinde beispielsweise beschließt, ihr eigenes Eigentum nach dem Oberflächengesetz zu geben, könnte dies nicht nur verlangen, dass die Wohnungen von öffentlichem Nutzen sind, nicht gewinnorientiert, sondern dass auch ein Prozentsatz vorhanden sein muss.
    von Wohnungen für autarke ältere Menschen, große Familien oder wirtschaftlich schwache Bevölkerungsgruppen. Die Gemeinde könnte auch vorschreiben, dass das Gebäude mit hohen Energiestandards gebaut wird oder dass die Räume im Erdgeschoss öffentliche Funktionen oder mehr haben.

    Jede dieser Einschränkungen beeinflusst eindeutig den Kanon des Oberflächengesetzes, da sie die Freiheit für diejenigen einschränkt, die das Projekt durchführen. Einschränkungen sind daher entscheidende Elemente für die Ermittlung der Höhe der Miete; Je mehr es gibt, desto niedriger ist die fällige Gebühr. Die Gemeinde, die Beschränkungen auferlegt, sammelt weniger, aber es ist auch dem Fremdkapital zu verdanken, dass Lösungen für Probleme gefunden werden, die sie sonst mit dem Geld der Steuerzahler selbst lösen müsste. Dies wird eines der Themen des nächsten von CASSI mit der Tessiner Regionalgruppe Espace Suisse organisierten Treffens sein, das im kommenden Frühjahr stattfinden wird: Oberflächenrecht, Berechnung seines Wertes und finanzielle Unterstützung.

    Nicht nur die Höhe der Miete ist ein bestimmendes Element bei der Unterzeichnung eines Oberflächenrechtsvertrags, sondern auch die Dauer, die den Bedingungen der Umkehrbarkeit entsprechen muss, dh der Wert, der für das Gebäude und den Zustand, in dem er sein muss, anerkannt wird Finden Sie am Ende des Vertrages, dass der Eigentümer seine Nutzung wieder aufnehmen wird.

    Der große Vorteil für die Gemeinden oder für jeden anderen Eigentümer besteht darin, dass nach Ablauf des Vertrages die Verfügbarkeit des Eigentums an die öffentliche Einrichtung oder an die Erben und damit an zukünftige Generationen zurückgeht. Die Beibehaltung des Eigentums ist eine enorme Investition in die Zukunft und eine zukunftsweisende Entscheidung. Zukünftige Generationen
    Die Immobilien werden Immobilien haben, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, nicht nur Wohnraum, der sich im Laufe der Zeit verändert hat.

    In städtischen Zentren sind die Immobilienkosten sehr hoch und werden weiter steigen, da Land ein nicht reproduzierbarer Vermögenswert ist. Sicherlich ist und bleibt es für die mittelständische Bevölkerung in naher und mittlerer Zukunft schwierig, darauf zuzugreifen. Große Zentren wie Zürich und Genf investieren in den Kauf von Immobilien und geben diese dann an Baurechte an öffentliche Versorgungsunternehmen weiter, die dort zu erschwinglichen Kosten Wohnräume bauen. Sie tun dies, weil sie sich bewusst sind, dass es wichtig ist, einen Bevölkerungsmix in Städten aufrechtzuerhalten, da die Städte dank dessen am Leben bleiben. Und es ist wichtig, in der Lage zu sein, einen mittleren Bevölkerungskreis in ihren Städten zu halten, da dieser Steuern zahlt.

    Eine engere Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor, auch bei gemeinnützigen Wohnprojekten, könnte auch im Tessin zu interessanten Ergebnissen führen, sowohl in städtischen Gebieten als auch in den Tälern. Die Gemeinden der Randgebiete könnten integriert werden
    Sie möchten diese Art von Projekten fördern, die dazu beitragen könnten, Gebiete wiederzubeleben, die durch einen starken demografischen Rückgang gekennzeichnet sind, was zu einer Verringerung von Aktivität und Leben führt. In Kombination mit der Entwicklung von Dienstleistungen, auch im technologischen Bereich, könnten diese Projekte dazu beitragen, periphere Zentren wiederzubeleben und attraktiv zu machen.

    Ein Rekord zum Abschluss. Wenn die öffentliche Einrichtung ihr Eigentum im Oberflächenrecht zur Verfügung stellt, muss sie auch das Gesetz über öffentliche Aufträge berücksichtigen. Für weitere Informationen schreiben Sie an info@cassi.ch oder besuchen Sie die Website www.cassi.ch.

    Im Bereich Veranstaltungen werden die Interventionen der Sprecherinnen Federica De Rossa, Professorin am Institut für Recht, veröffentlicht
    der Universität der Italienischen Schweiz und Daniele Graber, Lic.Iur Dipl. Ing. HTL di
    VIALEX Rechtsanwälte AG.

    Es ist möglich: mehr zu tun – besser zu leben – indem man weniger ausgibt. ■

  • Interview mit Beat Bachmann, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft Kanton Zug

    Interview mit Beat Bachmann, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft Kanton Zug

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Beat Bachmann: Der Zuger Wirtschaftsraum bietet ein Gesamtpaket an herausragenden Standortfaktoren: Die ausgeprägte Wirtschaftsfreundlichkeit, politische und finanzielle Stabilität, attraktive Steuern für Firmen und Privatpersonen, Internationalität sowie der Pool an verfügbaren Fachkräften, der wiederum eine Magnetwirkung ausübt. Dazu kommen Investitionen in Bildung, die gute Erreichbarkeit, die hervorragende Lebensqualität sowie ein effektives Geschäftsumfeld. Der Kanton Zug ist Teil der Greater Zurich Area (GZA) und des Metropolitanraums Zürich, einer der weltweit attraktivsten Wirtschaftsräume.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Unternehmen aus breit diversifizierten Branchengruppen: Life Science (Pharma / Biotech / Medtech), Grosshandel, High Tech Industrie, Finanzwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie (inkl. Fintech und Blockchain) sowie internationale Headquarters.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Mit der Umsetzung der Steuerreform per 1. Januar 2020 bleibt der Wirtschaftsstandort Zug im internationalen Wettbewerb für Unternehmen und Privatpersonen langfristig weiterhin sehr attraktiv. Die führenden Branchen haben sich positiv entwickelt und sind noch stärker geworden, insbesondere Life Science mit Pharma und Medtech, Handel/Trading sowie Blockchain, Tech und IT. In diesen Bereichen sind auch viele Start-ups entstanden. Mit der Inbetriebnahme des Departements Informatik der HSLU in Rotkreuz und dem bevorstehenden Start der Höheren Fachschule für Informatik und Elektronik am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug investiert der Kanton in Talente und künftige Fachkräfte.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir hoffen, dass sich die – vor der Krise prosperierende – Wirtschaft gut erholt und erwarten, dass sich die Branchencluster erfolgreich weiterentwickeln und dass der Kanton weiterhin zu den attraktivsten Standorten zählt.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Der Zuger Wirtschaftsraum ist international stark vernetzt, globale Ereignisse haben eine grosse Auswirkung. Einen wesentlichen Einfluss hat die Entwicklung des Weltmarkts. Im dritten Quartal werden wir über klarere Informationen verfügen. Der Zuger Regierungsrat plant die kommenden Monate mit verschiedenen Szenarien; er verfolgt mit einem Monitoring ausgewählter Indikatoren die Erholung der Wirtschaft genau.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Die Vertreterinnen und Vertreter des Kantons stehen im stetigen Austausch mit den ansässigen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Organisationen. Dieses Netzwerk hat in den letzten Monaten seine Tragfähigkeit bewiesen. Die Nähe zur Zuger Wirtschaft und daraus folgend die Kenntnisse der Situation, auch die der Kleinst- und Kleinfirmen, hat geholfen, die Stützungsmassnahmen des Kantons, die die Massnahmen des Bundes ergänzen, so zu gestalten, dass zumindest die grundlegendsten Bedürfnisse gedeckt werden können.

  • So stellen sich die Standortförderer der Kantone auf

    So stellen sich die Standortförderer der Kantone auf

    Kanton Solothurn, Sarah Koch

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Sarah Koch: Weil wir Fachkräfte, Know-how, Innovationspartner und die notwendige Infrastruktur vor Ort haben, um zukunftsträchtige Entwicklungsprojekte voranzutreiben. Und weil der Kanton Solothurn als Wohn- und Lebensstandort besondere Qualitäten aufweist. Attraktive Jobs und Freizeitmöglichkeiten gehen bei uns Hand in Hand.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Der Kanton Solothurn ist etabliert als Produktions- und Innovationsstandort, insbesondere im Bereich der Medizinaltechnik bzw. Life Sciences. Aus diesem Grund ist das Interesse der Unternehmen aus diesen Technologien besonders gross. Wir verfügen aber auch über ein spannendes Ökosystem im Bereich der erneuerbaren Energien – innovative Start-ups und Spin-offs zieht es in unsere Zentren.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Unser Standort ist steuerlich attraktiver geworden. Die Steuerbelastung ist im Zuge der Steuerreform und AHV-Finanzierung per 2020 auf 16,8 Prozent gesunken und wird bis 2022 bis auf 15,3 Prozent gesenkt. Zudem hat der Kanton seine E-Government-Strategie stetig vorangetrieben. In diesem Jahr geht das Behördenportal online – eine administrative Erleichterung für Unternehmen und Privatpersonen.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Die Digitalisierung hat durch die Coronakrise enormen Rückenwind erhalten. Wir gehen davon aus, dass sowohl die Unternehmen wie auch die öffentliche Hand diese Entwicklung in den nächsten Jahren weiterverfolgen. Dateninfrastruktur und Download-Geschwindigkeit spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle – der Kanton Solothurn ist diesbezüglich sehr gut aufgestellt. Auch im Bereich der Arbeitszonenbewirtschaftung hat der Kanton wesentliche Schritte initiiert, um die künftige Entwicklung der Wirtschaft zu stärken.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Der Kanton Solothurn befindet sich bezüglich der Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeitsentschädigungen im Schweizer Durchschnitt. Noch sind die Folgen der Coronakrise nur sehr schwer abzuschätzen. Wir bleiben zuversichtlich und erhoffen uns, dass der Trend zur Renationalisierung von Wertschöpfungsketten und damit auch die Standortverbundenheit unserer KMU zunehmen wird. Das ist eine Chance für unseren Kanton.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Wir stehen im engen Austausch mit den Unternehmen und unterstützen beispielsweise in der Vermittlung von Innovations- oder Finanzierungspartnern. Zudem werden wir unsere Standortstrategie 2030 für den Kanton Solothurn an die aktuellen Herausforderungen anpassen – dabei wollen wir natürlich auf die Bedürfnisse der Unternehmen eingehen.■

    Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn
    Sarah Koch
    Leiterin Wirtschaftsförderung
    Telefon: +41 32 627 95 27
    www.standortsolothurn.ch
    wifoe@awa.so.ch

    Kanton Graubünden, Eugen Arpagaus

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Eugen Arpagaus: Nebst der ausgezeichneten Verkehrslage an der Nord-Süd-Achse und der Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich sowie der guten Anbindung an den Flughafen Zürich bieten wir eine attraktive Steuerbelas-
    tung, die Möglichkeit der Steuererleichterungen, eine sehr unternehmensfreundliche Abschreibungspraxis, die Fördermöglichkeit von innovativen Vorhaben sowie günstigere Kostenstrukturen gegenüber der Agglomeration. Immer mehr an Bedeutung gewinnen eine hohe Lebensqualität und eine gute Work-
    Life-Balance. Die Erfahrungen einzelner exportorientierter Unternehmen zeigt, dass neue Mitarbeitende wegen der hohen Lebensqualität sehr wohl gewillt sind, nach Graubünden umzuziehen.

    Für welche Unternehmen ist der Kanton Graubünden interessant?
    Wir sind überzeugt, dass der Kanton für produzierende High-Tech-Unternehmen in den Branchen Life Science, Medtech, MEM, Sensorik und Chemie/Kunststoffe sowie für Informations- und Kommunikationstech-
    nologie-Unternehmen von besonderem Interesse ist. Dies lässt sich durch das verfügbare Know-how im Sinne des Mitarbeiterpotenzials in der Region belegen. Auch zeigen die Daten der bestehenden Unternehmen, dass sie hier auf die Stückkosten bezogen ein attraktives Umfeld finden.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    In den letzten Jahren haben wir uns intensiv mit der Möglichkeit zur Erhöhung der Verfügbarkeit von attraktiven Industrieflächen beschäftigt. So konnten wir im Industriepark Vial in Domat/Ems eine Fläche von ca. 22 Hektaren umstrukturieren und den export- und technologieorientierten Unternehmen zur Verfügung stellen. Die ersten zwei Unternehmen mit einem Potenzial von rund 1000 Mitarbeitenden konnten wir bereits ansiedeln. Die sofortige Verfügbarkeit von Bauland ist gegeben, und dies zu einem attraktiven Bodenpreis. Des Weiteren hat Graubünden stark im Bereich Forschung investiert. So konnte dieses Jahr mit der ETH Zürich das Forschungszentrum «Climate Change and Extremes Research Center CERC» gegründet werden.

    Welche Entwicklungen stehen für Sie in den nächsten fünf Jahren an?
    Im Fokus steht die Umsetzung der Innovationsstrategie des Kantons Graubünden mit dem Schwerpunkt, die Voraussetzungen für Innovationskraft in Unternehmen zu steigern. Insbesondere die Verknüpfung der Exzellenz der Forschungsinstitutionen in Davos, den Universitäten sowie der Fachhochschule Graubünden in Chur zur Optimierung des Wissen- und Technologietransfers kann die Innovationskraft von Unternehmen erheblich steigern. Der Promotion des Wirtschafs-, Wohn- und Lebensraums Graubünden kommt im Regierungsprogramm 2021–2024 eine zentrale Rolle zu.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Derzeit ist es sehr schwierig abzuschätzen, was auf die Wirtschaft des Kantons Graubünden zukommt. Grundsätzlich teilen wir die Haltung, was das SECO bezüglich der BIP-Entwicklung und der Arbeitslosenzahlen prognostiziert. Wir stehen im engen Austausch mit den Wirtschaftsverbänden.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    In Zusammenarbeit mit der Dachorganisation der Bündner Wirtschaft und der Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden (ITG) diskutieren wir, inwieweit mit Impulsprogrammen der Coronakrise entgegengewirkt werden kann. Wie diese ausgestaltet werden, wird noch diskutiert. ■

    AWT (Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden)
    Eugen Arpagaus, Amtsleiter
    Telefon +41 81 257 23 77
    www.awt.gr.ch
    eugen.arpagaus@awt.gr.ch

    Kanton Glarus, Stefan Elmer

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Stefan Elmer: Nach wie vor ist Glarus der am stärksten industrialisierte Kanton der Schweiz. Hier kommen heute verschiedenste Spitzentechnologien zum Einsatz. Die industrielle Tradition wirkt nach: Hohe Einsatzbereitschaft, Arbeitsmoral und Produktivität sind typische Eigenschaften der Glarnerinnen und Glarner. Dazu bietet der Kanton Glarus einen sehr attraktiven Wohnstandort in einer intakten Landschaft mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten und in nächster Nähe zu Zürich.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Vielfach suchen KMU und Familienunternehmen einen Standort, wo sie sich zu noch bezahlbaren Kosten entwickeln können, motivierte und loyale Mitarbeiter finden sowie kurze Wege zu den Behörden. Unser Standort bietet vergleichsweise tiefe Preise für Land und Immobilien. Tiefe Strom-, Lohn- und Lebenshaltungskosten, eine gute Verkehrserschliessung, ein günstiges Steuerklima sowie ein innovationfreundliches Umfeld sprechen eigentlich alle Branchen an, sowohl aus der traditionellen Industrie, dem Gewerbe wie auch dem wissensbasierten Sektor.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert, welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Das Glarnerland ist ein selbstbewusster Teil des Grossraums Zürich, brachliegende Industrieareale werden umgenutzt und von der Kreativwirtschaft, von Firmen aus der Information- und Kommuniukations-Technologie wie auch durch neuartige Wohn- und Lebensformen genutzt. Ein Beispiel ist die autarke Energieversorgung aus Wasserkraft. Ausserdem treiben innovative Jungunternehmer den Strukturwandel hin zur Wissensgesellschaft voran. Und zu guter Letzt: Das entschleunigte Bergtal ist eine attraktive Wohnalternative zur hektischen Metropole Zürich.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Wie überall sind die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich betroffen. Währendem vor allem die im Kanton traditionell starke Bauwirtschaft fast ohne Einschränkungen weiterproduzieren konnte, leidet die Exportindustrie aus dem Maschinen-, Metall- und Kunststoffbereich noch massiv unter der eingebrochenen Nachfrage. Die Tourismusbranche scheint mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, da die Wintersaison im Kanton Glarus jeweils Ende März beendet wird. Die Ferienregionen ziehen traditionell Schweizer Gäste an. So ist in den Sommermonaten mit einer guten Aus-
    lastung zu rechnen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Als Soforthilfe kamen auch im Kanton Glarus die klassischen Instrumente wie Kurzarbeit, Covid-19-Kredite und finanzielle Härtefallnetze zum Einsatz, die der Kanton mit eigenen Instrumenten zusätzlich zu den Bundesmassnahmen verstärkt hat. Die sehr solide finanzielle Lage des Kantons erlaubte es, die Wirtschaft in dieser Krise schnell und unbürokratisch zu unterstützen und eigene Investitions-
    projekte vorzuziehen. Mittelfristig unterstützt der Kanton unabhängig davon den Wandel zur Digitalisierung. Er hat dazu ein ambitiöses Massnahmenpaket verabschiedet, das der gesamten Wirtschaft und den Arbeitnehmern helfen soll, sich den zukünftigen Herausforderungen der digitalisierten Welt stellen zu können. ■

    Glarus
    Stefan Elmer,
    Leiter Standortentwicklung
    Telefon +41 55 646 66 13
    www.gl.c
    stefan.elmer@gl.ch

    Kanton Schaffhausen, Christoph Schärrer

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Christoph Schärrer: Weil Schaffhausen vor allem die Grundlage für eine tolle Zukunft bietet. Dafür gibt es mehrere Gründe: Über 600 internationale Unternehmen haben Schaffhausen als Headquarter- und Produktionsstandort gewählt. Innovative und kreative Ideen und Vorhaben werden offen aufgenommen und aktiv unterstützt. Der Zugang zu Top-Fachkräften umfasst Süddeutschland und den Grossraum Zürich. Dank attraktivem Kosten- und Steuerniveau bleibt mehr zum (Re-)Investieren. Wir bieten beste Verbindungen zum Flughafen Zürich sowie lokal kurze Wege und unbürokra-
    tischen Entscheiden. Ausserdem profitieren Mitarbeitende von viel Lebensqualität.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Firmen und Unternehmer/Innen, welche die Zukunft an der Schnittstelle Industrie und Digitalisierung mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen aktiv gestalten. Dazu gehören internationale Grosskonzerne mit Headquarter-Funktionen und agile Produktions- und Entwicklungsunternehmen. Wenig bekannt ist, dass die Schaffhauser Pharma- und Medizinaltechnik-Branche sehr bedeutend ist. Unternehmen aus diesen Bereichen finden bei uns optimale Rahmenbedingungen.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Dem Kanton Schaffhausen ist die Transformation vom Industrie- zum Hightech-Standort gelungen. Zahlreiche internationale Unternehmen wählen Schaffhausen heute für Hauptsitz-Funktionen. Die Geschwindigkeit der Veränderungen nimmt weiter zu. Als Antwort wurde der Strategiefokus auf Innovation und Technologie erweitert. Der Kanton Schaffhausen will sich zur führenden Region in der Anwendung zukunftsweisender Technologien entwickeln. Der Fokus unserer Ausrichtung liegt deshalb in den Bereichen Smart Mobility und Drohnen, Future Farming und Advanced Materials.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Die industrielle Tradition und Pionierrolle liegen in unserer DNA. Dazu gehört, die Zukunft zu gestalten, anzupacken – ohne das Engagement für die Umwelt und Gesellschaft zu vernachlässigen. Diese Charaktereigenschaften teilen innovative Firmen und unternehmerische Personen. Sie suchen ein Umfeld, wo Politik und Behörden aktiv Hand bieten, um ihre Vorhaben und ihre zukunftsweisenden Entwicklungen umzusetzen. Dies ist bei uns der Fall. Schaffhausen ist Vorreiter bei der digitalen Identität, hat weltweit als erster Standort einen selbstfahrenden Bus im Leitsystem des öffentlichen Verkehrs integriert oder spannt mit Drohnen- und Agrarunternehmen bei Feldversuchen zusammen.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Schaffhausen führt gemäss einer UBS-Studie beim Indikator «Wirtschaftsstruktur» die Rangliste aller Kantone an. Dies unterstreichen die hohe Wachstumsdynamik und die gute Wettbewerbspositionierung der kantonalen Unternehmenslandschaft. Es zeigt, dass sich die Schaffhauser Wirtschaft in den letzten Jahren gut aufgestellt hat, um diese schwierige Phase bewältigen zu können.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Seit jeher ist die persönliche Bestandespflege ansässiger Unternehmen ein Hauptbestandteil der Schaffhauser Wirtschaftsförderungstätigkeit. Die Rolle der Wirtschaftsförderung als direkte Ansprechstelle für Unternehmen und Selbständige bewährt sich nun. Der Kanton Schaffhausen hat innert Tagen gezielt und konsequent mit einem umfassenden Sofortmassnahmenpaket reagiert. Dank kurzer Wege werden Lösungen für individuelle Bedürfnisse und Problemsituationen mit den einzelnen Firmen entwickelt. ■

    Wirtschaftsförderung Kanton Schaffhausen
    Christoph Schärrer, Delegierter
    für Wirtschaftsförderung
    Telefon +41 52 674 03
    info@standort.sh.ch

    Kanton Tessin, Stefano Rizzi

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Stefano Rizzi: Abgesehen von der strategischen Lage zwischen zwei der wichtigsten Wirtschaftsregionen Europas – Zürich und Mailand – bietet das Tessin ein exzellentes akademisches Umfeld mit Forschungsinstituten von Weltrang. Wir haben eine gute Verfügbarkeit von qualitativ hochstehenden Berufsprofilen auf dem Arbeitsmarkt sowie ein regionales Innovationsystem, das alle Akteure auf einfache Weise miteinander vernetzt und optimale Bedingungen für die Realisierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten bietet. Das Tessin rangiert gemäss dem «Innovation Scoreboard 2019» der europäischen Kommission hinter Zürich auf dem zweiten Rang von 234 berücksichtigten Regionen Europas.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Es handelt sich dabei vor allem um internationale Firmen, welche im Tessin eine Niederlassung zur Produktion, Forschung und Entwicklung suchen. Dazu kommen Hightech-Firmen und/oder solche, die hochqualifiziertes Personal benötigen. Die Unternehmen stammen vorwiegend aus den Sektoren Life Sciences, Lifestyletech, Mechatronik, Blockchain und generell Informations- und Kommunikationstechnologie.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    In den letzten Jahren haben wir das umfassende regionale Innovationssystem und eine Förderstrategie für innovative Start-ups ent-
    wickelt sowie positive Synergien zwischen Behörden, Instituten und Partnern auf dem ganzen Kantonsgebiet geschaffen. Zudem haben wir unsere Innovationsförderungsstiftung AGIRE stark ausgebaut. Ein weiterer Meilenstein ist unsere Mitgliedschaft in der Greater Zurich Area (GZA). Parallel dazu können wir eine stetig wachsende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten und eine sehr erfreuliche Zunahme von Forschungsprojekten verzeichnen, welche auch dank der Unterstützungsbeiträge aufgrund unseres Gesetzes über wirtschaftliche Innovation möglich gemacht werden.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir schauen zuversichtlich auf unsere Kandidatur für den Anschluss an das Netzwerk Switzerland Innovation Park sowie die Schaffung von Kompetenzzentren in den Sektoren Life Sciences, Mechatronik, Drohnen sowie Blockchain und künstlicher Intelligenz. Grosse Hoffnungen hegen wir in die bereits laufende Entwicklung des neuen Arbeits-, Bildungs- und Wohnquartiers und zukünftigen Stand-
    orts des Innovationsparks auf dem Areal des jetzigen SBB-Industriewerks beim Bahnhof Bellinzona, das ab 2026 realisiert werden soll.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Das Tessin war einer der am stärksten betroffenen Kantone zu Beginn der Coronakrise. Dank der prompten Reaktion aller Beteiligten konnte Schlimmeres abgewendet werden. Auch die Unternehmen haben gut auf die schwierigen Zeiten reagiert und ihre Aktivitäten bereits wieder aufgenommen. Dieses gelungene Zusammenspiel hat gleichzeitig zur Stärkung des Images des Kantons Tessin als solider und sicherer Kanton beigetragen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Beim Ausbruch der Coronakrise haben wir unverzüglich Runde Tische mit Vertretern aus der Wirtschaft, Politik und Forschung einberufen, um gemeinsam kurz-, mittel und langfristigwirkende Massnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu erarbeiten. Dazu kommt die vermehrte Unterstützung der Unternehmen im Bereich der wirtschaftlichen Innovation. Das vom Finanz- und Wirtschaftsdepartement initiierte Projekt «Vivi il tuo Ticino – Lebe dein Tessin» soll die Tessiner dazu anregen, den eigenen Kanton als Ferienort zu entdecken. ■

    Dipartimento delle finanze e dell’economia
    Divisione dell’economia
    Stefano Rizzi, Direktor
    www.ti.ch/economia

    Kanton Zug, Beat Bachmann

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Beat Bachmann: Der Zuger Wirtschaftsraum bietet ein Gesamtpaket an herausragenden Standortfaktoren: Die ausgeprägte Wirtschaftsfreundlichkeit, politische und finanzielle Stabilität, attraktive Steuern für Firmen und Privatpersonen, Internationalität sowie der Pool an verfügbaren Fachkräften, der wiederum eine Magnetwirkung ausübt. Dazu kommen Investitionen in Bildung, die gute Erreichbarkeit, die hervorragende Lebensqualität sowie ein effektives Geschäftsumfeld. Der Kanton Zug ist Teil der Greater Zurich Area (GZA) und des Metropolitanraums Zürich, einer der weltweit attraktivsten Wirtschaftsräume.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Unternehmen aus breit diversifizierten Branchengruppen: Life Science (Pharma / Biotech / Medtech), Grosshandel, High Tech Industrie, Finanzwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie (inkl. Fintech und Blockchain) sowie internationale Headquarters.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Mit der Umsetzung der Steuerreform per 1. Januar 2020 bleibt der Wirtschaftsstandort Zug im internationalen Wettbewerb für Unternehmen und Privatpersonen langfristig weiterhin sehr attraktiv. Die führenden Branchen haben sich positiv entwickelt und sind noch stärker geworden, insbesondere Life Science mit Pharma und Medtech, Handel/Trading sowie Blockchain, Tech und IT. In diesen Bereichen sind auch viele Start-ups entstanden. Mit der Inbetriebnahme des Departements Informatik der HSLU in Rotkreuz und dem bevorstehenden Start der Höheren Fachschule für Informatik und Elektronik am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug investiert der Kanton in Talente und künftige Fachkräfte.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir hoffen, dass sich die – vor der Krise prosperierende – Wirtschaft gut erholt und erwarten, dass sich die Branchencluster erfolgreich weiterentwickeln und dass der Kanton weiterhin zu den attraktivsten Standorten zählt.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Der Zuger Wirtschaftsraum ist international stark vernetzt, globale Ereignisse haben eine grosse Auswirkung. Einen wesentlichen Einfluss hat die Entwicklung des Weltmarkts. Im dritten Quartal werden wir über klarere Informationen verfügen. Der Zuger Regierungsrat plant die kommenden Monate mit verschiedenen Szenarien; er verfolgt mit einem Monitoring ausgewählter Indikatoren die Erholung der Wirtschaft genau.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Die Vertreterinnen und Vertreter des Kantons stehen im stetigen Austausch mit den ansässigen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Organisationen. Dieses Netzwerk hat in den letzten Monaten seine Tragfähigkeit bewiesen. Die Nähe zur Zuger Wirtschaft und daraus folgend die Kenntnisse der Situation, auch die der Kleinst- und Kleinfirmen, hat geholfen, die Stützungsmassnahmen des Kantons, die die Massnahmen des Bundes ergänzen, so zu gestalten, dass zumindest die grundlegendsten Bedürfnisse gedeckt werden können. ■

    Volkswirtschaftsdirektion Kanton Zug
    Beat Bachmann,
    Leiter Kontaktstelle Wirtschaft Zug
    Telefon +41 41 728 55 04
    www.zg.ch/economy
    economy@zg.ch

    Kanton Zürich, Matthias Inhauen

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Matthias Inauen: Das Wirtschafts- und Technologiezentrum Zürich bietet Unternehmen ein attraktives Ökosystem mit Weltruf. Dazu gehören die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften, Spitzen-Hochschulen, höchste Lebensqualität, erstklassige Verkehrsin-
    frastruktur und ein dynamisches Netzwerk aus internationalen Grosskonzernen, innovativen mittelständischen Unternehmen und hochspezialisierten Kleinbetrieben. Die gut diversifizierte Zürcher Wirtschaft und eine nachhaltige Finanzpolitik des Kantons gewährleisten stabile Aussichten.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Es sind Unternehmen, die ihre Innovationsstärke ausbauen möchten, Fachkräfte suchen, ihren internationalen Marktzugang aufbauen und dafür einen zentralen sowie langfristig stabilen Standort suchen. Wir begleiten vor allem wissens- und wertschöpfungsintensive Unternehmen aus den Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie, Life Sciences, Finance sowie Business and corporate services.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Verkehrsinfrastrukturprojekte wie die Limmattalbahn haben die Erreichbarkeit für Wirtschaft und Gesellschaft weiter verbessert. Für die Zürcher Unternehmen war es in den letzten eineinhalb Jahren zudem einfacher, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden als noch im Jahr 2018. Der Steuersatz für juristische Personen wurde massvoll gesenkt und der Spielraum bei den neuen Steuerinstrumenten für forschungsintensive Unternehmen wird voll ausgenutzt.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Die Entwicklung des Standorts Zürich steht ganz unter dem Zeichen von Innovation und neue Technologien. Eines unserer grossen Projekte ist der Innovationspark Dübendorf, der auch ein Testlabor ist, um die Wettbewerbsfähigkeit noch weiter zu steigern. Weiter steht die Mobilität im Zentrum, ob auf der Strasse, auf der Schiene, auf dem Velo oder zu Fuss. Dabei sind wir auch offen für die Digitalisierung und Nutzung neuer Technologien wie Drohnen oder Hyperloop.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Die Mehrheit der Unternehmen im Kanton Zürich leidet unter der Coronakrise. Als höchst internationaler und vom Ausland abhängiger Standort bergen die protektionistischen Entwicklungen ein erhöhtes Risiko, Exporte und Wertschöpfungsketten werden unterbrochen, der Konsum sinkt, und auch der internationale Flughafenstandort Zürich leidet. Aber wir sehen auch positive Entwicklungen: Zum Beispiel im Bereich Life Sciences und Informations- und Kommunikationstechnologie mit einem Sprung im Bereich der Digitalisierung, Home-Office und flexiblen Arbeitszeitregelungen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Mit einer enormen Geschwindigkeit hat neben dem Bund komplementär auch der Kanton Zürich ein Notstandmassnahmen-Paket im Umfang von einer halben Milliarde Franken zur Unterstützung der Wirtschaft beschlossen. Wir stehen dabei in engem Austausch mit der Wirtschaft. Ziel ist es, Arbeitsplätze und Einkommen im Kanton Zürich möglichst weitgehend zu sichern. Auch die Städte und Gemeinden unterstützen in Koordination mit dem Kanton mit bedürfnisnahen Lösungen, beispielsweise für Selbstständige und die Kreativitätsbranche. ■

    Amt für Wirtschaft und Arbeit Kt. Zürich
    Matthias Inauen,
    Leiter Firmenansiedlungen
    Telefon +41 43 259 26 78
    www.standort.zh.ch
    matthias.inauen@vd.zh.ch

    Kanton Uri, Stefan Büeler

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Stefan Büeler: Der Kanton Uri liegt direkt an der zentralen europäischen Nord-Süd-Achse und besitzt sowohl auf der Strasse als auch auf der Schiene schnelle Verbindungen Richtung Norden und Süden. Wir bieten ein optimales Kostenumfeld, wo ein Unternehmen seine Pläne preiswerter umsetzen kann und den Arbeitnehmenden dank tiefen Steuern und Abgaben am meisten Geld zum Leben übrigbleibt. Arbeitskräfte schätzen es, im Naturparadies leben und arbeiten zu können.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Es sind Unternehmen aus allen möglichen Branchen, welche hier noch gut erschlossenes Bauland oder Gewerberäumlichkeiten zu vernünftigen Preisen finden. Branchenbezogen sind es oftmals Unternehmen aus dem tourismusnahen Umfeld, aus der Metallverarbeitung, aus der Wintersporttechnologie (z. B. Seilbahnen) oder aus dem Bereich Verkehr/Mobilität. Jüngst lassen sich auch immer mehr digitale Nomaden nieder, die ortsunabhängig arbeiten.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Im Kanton Uri wurden in den letzten fünf Jahren enorm viele Infrastruktur-Investitionen getätigt. Der Gotthard-Basistunnel wurde eröffnet, und in Altdorf ist der neue Kantonsbahnhof im Bau. Gleich daneben entwickeln wir mit der Werkmatt Uri ein grosses Industrie- und Gewerbegebiet. Andermatt wurde der wohl aufstrebendste Tourismusort der Alpen mit entsprechenden zeitgemässen Inf-
    rastrukturen. Zudem hat der Kanton Uri die Unternehmenssteuern deutlich gesenkt.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Der Kantonsbahnhof Altdorf wird zu einer neuen ÖV-Drehscheibe auf der Nord-Süd-Achse. Dabei entwickelt sich ein neues urbanes Zentrum mit vielen privaten Immobilienprojekten. Dazu trägt auch das Areal Werkmatt Uri in unmittelbarer Umgebung bei, das einen eigenen Autobahnanschluss erhält. Ende 2022 wird das neue Kantonsspital eröffnet. Der Bau des zweiten Gotthard-Strassentunnels wird zusätzliche Wertschöpfung in den Kanton bringen, und die touristische Entwicklung in Andermatt wird weiterhin für positive Schlagzeilen sorgen.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Natürlich ist es für die meisten Unternehmen keine einfache Zeit. Bisher haben die Urner Betriebe die Krise jedoch mit viel Eigeninitiative im Grossen und Ganzen gut gemeistert. In verschiedenen Bereichen gibt es denn auch bereits wieder positive Signale, insbesondere auch aus dem Tourismus. Dennoch stehen die meisten Unternehmen in den nächsten Monaten weiterhin vor sehr grossen Herausforderungen, um die Folgen der Krise bewältigen zu können.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Wir stehen im regelmässigen Austausch mit unseren Unternehmen und den Wirtschaftsverbänden und suchen nach massgeschneiderten Lösungen. Für Härtefälle stellen wir Mittel aus dem Wirtschaftsförderungs-Fonds zur Verfügung. Wir unterstützen verschiedene Initiativen zur Schaffung von neuen Angeboten, insbesondere im Tourismus. Mit dem neuen Umsetzungsprogramm der Neuen Regionalpolitik steht uns hierzu ein wirksames Impulsprogramm zur Verfügung. ■

    Volkswirtschaftsdirektion
    Stefan Büeler, Leiter Abt. Wirtschaft
    und Tourismus
    Telefon +41 41 875 24 08
    www.standort-uri.ch
    stefan.bueeler@ur.ch

    Kanton Schwyz, Roman Morger

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Roman Morger: Der Kanton Schwyz bietet eine ideale Lage im dynamischen Wirtschaftsraum Zürich, ein grosses Angebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften und dazu eine der tiefsten Steuerbelastungen für Unternehmen und Privatpersonen in der Schweiz. Ausserdem finden sich hier zahlreiche europäische und weltweite
    Headquarters sowie internationale Schulen.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Nationale und internationale Headquarters sowie Unternehmen der Finanzindustrie aus den Bereichen Vermögensverwaltung, Private Equity, Hedge Funds und Family Offices. Dazu kommen Unternehmen des Gesundheitswesens wie Medizintechnik, Pharma, Biotechnologie, Diagnostik und Dienstleistungsfirmen allgemeiner Art sowie Hersteller von hochwertigen Produkten.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Der Baustart des Bauprojekts «Hertipark» in Brunnen ist erfolgt. Der Baustart der Etappe 1 des Bauprojekts «Nova Brunnen» in Brunnen ist auf anfangs 2021 geplant. Abgeschlossen ist der Studien-
    auftrag für die Umnutzung Zeughausareal Seewen-Schwyz und die Schnellzugsverbindung Mailand –Zürich mit Halt in Arth-Gold-
    au wurde eröffnet. Die Neugestaltung des Bahnhofplatzes Arth-Goldau sowie die Umnutzung des Areals Bahnhof Süd für Arbeiten und Wohnen ist im Gange.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir erwarten eine Zunahme von Home-Office und Co-Working Arbeitsplätzen sowie eine internationale Steuerharmonisierung in Bereichen wie Umsatzbesteuerung und Mindestbesteuerung (BEPS). Firmenansiedlungen erfolgen dort, wo entsprechend hoch qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden sind. Unternehmen evaluieren ihre Wertschöpfungsketten – das internationale Interesse, um wertschöpfungsstarke Arbeitsplätze in der Schweiz aufzubauen, wird zunehmen.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Zahlreiche Unternehmen haben Kurzarbeit eingeführt. Stand 17. Juli 2020 haben rund 3000 Unternehmen Kurzarbeitsentschädi-
    gung erhalten, insgesamt wurden 85 Millionen Franken ausbezahlt.

    Viele Firmen werden 2020 wirtschaftlich ein schlechtes Jahr verzeichnen – der Kanton Schwyz erwartet deshalb einen Rückgang der Steuereinnahmen bei Unternehmen und Privatpersonen. Die Arbeitslosenzahlen dürften sich in den kommenden Monaten erhöhen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Wie bezahlen Kurzarbeitsentschädigungen aus sowie Erwerbsersatz-Entschädigungen durch die Ausgleichskasse Schwyz. Unternehmen erhalten Überbrückungskredite durch den Bund und den Start-Ups wird ebenfalls mit Überbrückungskrediten durch den Bund und den Kanton Schwyz unter die Arme gegriffen. Ausserdem haben wir das Impulsprogramm «Hopp Schwyz» lanciert. ■

    Amt für Wirtschaft Kanton Schwyz
    Roman Morger, Projektleiter
    Wirtschaftsförderung
    Telefon +41 41 819 16 48
    www.schwyz-wirtschaft.ch
    roman.morger@sz.ch

  • Alle Branchenteilnehmer müssen für Veränderung bereit sein

    Alle Branchenteilnehmer müssen für Veränderung bereit sein

    Was genau ist Building Information Modeling?
    Wörtlich übersetzt heisst BIM Gebäudeinformationsmodellierung – das trifft es schon relativ gut. Mittels BIM ist man in der Lage, neben der digitalen Planung und Ausführung von Projekten die notwendigen Daten für den Betrieb zu bestimmen und weiterzuverwenden. Dabei arbeitet man mit dreidimensionalen Modellen, die nichts anderes sind als visuell dargestellte Datenbanken. Das tönt jetzt kompliziert, ist es aber gar nicht, es ist nur eine neue Art des Arbeitens. Hatten wir früher zweidimensionale Pläne, sind es nun dreidimensionale digitale Gebäudemodelle. Wichtig ist, dass jeder Beteiligte auf die gleichen Daten zugreifen kann, neudeutsch: Single Source of Truth. Man kann sich also darauf verlassen, dass die in Datenbanken gespeicherten Daten nicht nur aktuell sind, sondern auch korrekt und natürlich relevant für die Weiterbearbeitung. Darin liegt auch der grösste Nutzen.

    Weshalb haben sich die SBB dazu entschieden, bei Bauprojekten BIM zu nutzen?
    Wir sehen hier deutliches Potenzial in der Datenweiterverarbeitung und im gesamten Wertschöpfungsprozess. Die SBB rechnen nachhaltig mit einer Reduktion der kapitalgebundenen Ausgaben für Planung, Realisierung sowie Bewirtschaftung von Immobilien. Dies gilt natürlich auch für die gesamte Bahninfrastruktur im Besitz der SBB.

    Weiter können wir sehr stark auf die CO2-Reduktion hinwirken, da wir z.B. aufgrund der Daten simulieren können, wie der Betrieb sich über die nächsten 20, 25 und mehr Jahre entwickelt. Weiter kann man Projekte untereinander vergleichen und somit auch von anderen Projekten lernen. So schaffen wir Transparenz über den gesamten Lebenszyklus.

    Wie wird BIM konkret beim Bau des Letziturm-Projekts eingesetzt?
    Der Letziturm war eines der ersten Hochbauprojekte von SBB Immobilien, das mit BIM gestützten Methoden und Arbeitsweisen umgesetzt wird. Es ist auch ein Lernprojekt für die Bewirtschaftungsphase. Die Planung und die Realisierung eines solchen Projekts sind in zehn Jahren abgeschlossen, wir bewirtschaften das Gebäude aber mindestens viermal länger. So werden wir aus den Erkenntnissen beim Letziturm zum Beispiel Materialbemusterungen durchführen. Wir sind dabei, Planfreigaben über die Kollaborationsplattformen umzusetzen. Wir haben viel gelernt, was wir in der Optimierung von Planung und Realisierung einsetzen können – und das sehen wir als einen ersten wichtigen Schritt.


    «Es geht nicht mehr allein als Bauherr.»

    Welches Resümee ziehen Sie Stand heute vom Einsatz von BIM?
    Wir haben das Potenzial von BIM für die SBB früh erkannt und mit dem dafür ins Leben gerufenen Konzernprogramm BIM@SBB die Entwicklung aktiv gestossen. So haben wir bereits wichtige Fortschritte erzielt. Das Programm BIM@SBB beruht auf vier Pfeilern, die einander bedingen: Entwicklung, Erprobung, Normierung und auf der konkreten Mitnahme der Branche. Wir teilen all unser Wissen und unsere Erfahrung mit unseren Partnern an Veranstaltungen und nehmen Inputs vom Markt auf, die wir konkret in die Entwicklung einfliessen lassen. Wir binden unsere Community ein. Es geht nicht mehr allein als Bauherr, es braucht ein starkes, gemeinsames Miteinander. Das zeigt sich auch in der Befähigung der Mitarbeitenden. Wir spüren ein sehr grosses Interesse der Mitarbeitenden, sie wollen gemeinsam voneinander lernen. Das ist wahnsinnig spannend und lehrreich für alle Beteiligten

    Wo liegen die Vorteile?
    Natürlich verändert eine nun datengestützte Umsetzung die Art und Weise, wie wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten und die Projekte in enger Zusammenarbeit entwickeln. Projekte werden in der Tat schneller und sicherer abgewickelt, wenn alle Beteiligten sich auch darauf einlassen. Die bereits erwähnte «Single Source of Truth» ist ein weiterer Vorteil. Die Anlagendaten sind strukturiert abgelegt, rasch auffindbar und stets aktuell. Ein langwieriges Suchen und Verifizieren der Daten werden weitgehend entfallen. Die Kommunikation verläuft zielgerichteter als bisher und ist nutzenorientiert. Projektteams finden damit deutlich schneller Lösungen, können Probleme und Pendenzen direkt am dreidimensionalen Modell betrachten und gleich Varianten und Alternativen gemeinsam erarbeiten. Das hilft für das gegenseitige Verständnis.

    Gibt es auch Nachteile?
    BIM wird oft nur mit dem Technologieaspekt verbunden. Natürlich ist es schön, mit einer Hololens über die Baustelle zu schweben. Wenn aber die dahinter liegenden Daten nicht stimmen, nützt die modernste Technologie nichts. Daten müssen korrekt sein, es braucht eine neue Art der Genauigkeit des Arbeitens. Bei Daten gibt es nur zwei Zustände: Korrekt oder eben nicht. Nicht jeder in der Wertschöpfungskette ist bereit für den Einsatz von neuen Technologien und Methoden. Jeder in der Branche muss bereit sein, sich zu verändern und seinen Teil zum Gelingen beizutragen.

    Was könnten die Gründe sein, dass sich BIM in der Schweiz noch nicht durchgesetzt hat?
    Viele verbinden BIM mit dem Einsatz der neuesten Software oder der neuesten Datenbanktechnologie. Oft ist dies zwar notwendig, doch noch nicht ausreichend. Für den erfolgreichen Einsatz werden sich unsere Denkweise und Arbeitsmethode weiter verändern müssen. Im Umfeld von BIM wird dabei oft von kollaborativ zusammenarbeitenden Projektteams gesprochen, welche gemeinsam Lösungen entwickeln. Dieser Prozess beansprucht seine Zeit, doch der Trend stimmt mich positiv. Es liegt auch an uns öffentlichen Auftraggebern, diese Entwicklung weiter zu fördern und bei Projektvergaben den Einsatz von BIM zu verlangen, so wie wir dies am Projekt Letziturms getan haben.

    Wie sehen die Ziele der SBB aus für den Einsatz von BIM?
    Derzeit haben wir knapp zwei Dutzend Pilotprojekte, die wir mit Grundlagen versorgen und verschiedenste Methoden, Technologien und Techniken zu erproben. Dieses daraus gewonnene Wissen fliesst in die Entwicklung ein. Mittels Normierung und Standardisierung werden auch internationale Grundlagen berücksichtigt. So können wir sicherstellen, dass wir am Puls der Zeit sind. Dieses Wissen wird gezielt an die Branche zurückgegeben. Ab 2021 ist im Hochbau der Einsatz von BIM für bundesnahe Betriebe verpflichtend, so die digitale Strategie des Bundes, und ab 2025 für die Infrastruktur, da hier noch viel mehr erarbeitet werden muss. Das ist unser erklärtes Ziel.

    SBB BIM-Projekt Letziturm:
    Zwischen den Bahnhöfen Zürich Altstetten und Hardbrücke entwickelt sich entlang des Gleisfeldes aufgrund der Umstrukturierung bestehender Gewerbe- und Industrieflächen ein neues Stadtgebiet. Der Letziturm als sechsgeschossiger Gebäudesockel nimmt im Osten die Kante der denkmalgeschützten Lagerhalle auf. Er definiert damit einen ersten Stadthorizont. Die zwei Wohntürme orientierten sich an der Gebäudehöhe des Letzibach D. Aus dem geplanten Einzelturm entsteht somit ein Ensemble von drei hohen Häusern.

    Der Baubeginn ist dieses Jahr erfolgt. Die 178 Wohneinheiten, bestehend aus 1,5 Zimmer- bis zu 7,5 Zimmer-Wohnungen, sollen ab Herbst 2022 bezugsbereit sein. Das Erdgeschoss ist geprägt durch die beiden Haupteingänge und die beiden Gewerberäume, die sich jeweils zum zukünftigen Platz und Richtung SBB Werkstätten ausrichten. Dazwischen eingespannt sind die Erdgeschosse von vier grösseren, doppelgeschossigen Wohnateliereinheiten, die Arbeiten und Wohnen vereinen und falls gewünscht direkt an den öffentlichen Raum anknüpfen.

    Im Sockelgebäude sind sowohl die kleinen als auch die grösseren Wohneinheiten untergebracht. Oberhalb des 7. Obergeschosses, das einen Gemeinschaftsraum aufweist, sind 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen geplant.■

  • «Gemeinsam kann man mehr bewirken»

    «Gemeinsam kann man mehr bewirken»

    Die Greater Zurich Area (GZA) umfasste zunächst die an Zürich angrenzenden Kantone Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn und Zug. Neu sind Uri und das Tessin dazugekommen. Weshalb hat man sich zu diesem Schritt entschieden?
    Am Anfang waren es Zürich, Schaffhausen und Graubünden, dann über die Jahre kamen weitere Kantone dazu. Zug stiess im Jahr 2007 dazu, Uri im 2015. Das Tessin ist seit 2019 Mitglied in der GZA. Um Mitglied zu werden, muss ein Gesuch gestellt werden, welches von unserem Stiftungsrat geprüft wird. Eine Zusammenarbeit soll für beide Seiten sinnvoll sein. Mit dem Beitritt des Tessins wollte der Stiftungsrat unsere Kompetenzen bezüglich Technologie im Wirtschaftsraum Zürich stärken und das Netzwerk erweitern. Interessant sind vor allem die für uns wichtigen Technologien wie Life Sciences oder Mechatronik. Da hat das Tessin sehr viel zu bieten: Zum Beispiel das Dalle-Molle-Forschungsinstitut, welches sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt.

    Ist der Name Greater Zurich Area noch passend, wenn sie so viele auch weiter von Zürich weg liegende Gebiete umfasst?
    Der Name ist längst zur Marke geworden – so wie «Switzerland» oder «Geneva». Wir haben den Namen «Greater Zurich Area» zwar erfunden, er wird aber längst nicht nur von uns gebraucht. Das Tessin ist durch den Ceneri-Basistunnel näher an Zürich gerückt. Wichtige Forschungsprojekte im Tessin funktionieren problemlos über den Gotthard hinaus. Kantonsgrenzen sind völlig irrelevant – aber ein funktionierender Wirtschaftsraum, der ist relevant für Unternehmen.

    Dann ist es also denkbar, dass noch weitere Kantone zur GZA dazustossen?
    Geplant ist es nicht. Wenn aber jemand anklopfen würde, würde man dieselben Überlegungen machen wie beim Tessin. In der Schweiz ist vieles freiwillig. In anderen Ländern ist das anders: In Finnland beispielsweise gibt es keine Regionen oder Kantone, da wird alles in Helsinki entschieden. Natürlich kann man auch mit einer zentralistischen Organisation glücklich werden. Aber wir sind föderalistisch organisiert, und deshalb können die Kantone selber entscheiden: Will man Standortmarketing in der eigenen Region betreiben? Oder will man die Kräfte bündeln und mit jemand anderem zusammenarbeiten? Unser Verwaltungsratspräsident betont stets, dass unsere Türen offenstehen.

    Die Zahl der angesiedelten Unternehmen aus dem Ausland in der GZA war 2019 mit 103 rückläufig. Was sind die Gründe dafür?
    Global gesehen gibt es Entwicklungen, die alles andere als wirtschaftsfreundlich sind. Darunter fällt der Handelsstreit zwischen China und den USA oder auch der Brexit. In den letzten Jahren ist die Unsicherheit im globalen Wirtschaftsraum gestiegen. Damit verschlechtert sich das Umfeld für Investitionen. In der Schweiz registrieren wir schon seit dem Jahr 2016 rückläufige Zahlen bei den Ansiedlungen. Im Wirtschaftsraum Zürich kam diese Entwicklung leicht verzögert an: Erst 2019 sind die Anzahl Ansiedlungen zurückgegangen. Spannenderweise ist die Anzahl Arbeitsplätze in der GZA trotzdem gestiegen: Die angesiedelten Unternehmen haben 40 Prozent mehr Arbeitsplätze generiert als im Vorjahr. Auf die nächsten fünf Jahre hochgerechnet, sind ein Viertel mehr neue Stellen geplant, als bei den Unternehmen, die sich im 2018 angesiedelt haben. Die Qualität der Projekte hat zugenommen.

    «Die Schweiz bietet Stabilität und Verlässlichkeit.»

    Dann rechnen Sie weiterhin mit rückläufigen Zahlen?
    Definitiv. Wir rechnen damit, dass die Coronapandemie diesen weltweit rückläufigen Trend weiter verstärkt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass der weltweite Markt dieses Jahr um 30 Prozent einbrechen wird. Es gibt sicherlich Branchen, die sogar noch mehr Erfolg haben als in der Vergangenheit. Beispielsweise solche, die auf digitale Tools spezialisiert sind. Für Video-Konferenz-Tools wie Teams oder Zoom ist der Aktienkurs während der Pandemie enorm gestiegen. Generell ist Corona aber natürlich ein Dämpfer für die Weltwirtschaft.

    Weshalb soll ein Unternehmen seinen Standort in der GZA oder in der Schweiz wählen?
    Die Schweiz wird gewählt, damit man das Europageschäft von hier aus betreiben kann. Dazu braucht es die richtigen Fachkräfte. Diese findet man in der Schweiz oder kann sie via Personenfreizügigkeit leicht aus dem europäischen Ausland rekrutieren. Wir sind schon heute sehr international aufgestellt: Wir sind nicht das Zentrum von Europa, aber gerade in Westeuropa sind wir doch sehr zentral. Die Schweiz verfügt darüber hinaus über gute bilaterale Verträge mit der EU sowie Innovationskraft. Zudem können wir Stabilität und Verlässlichkeit bieten. Die Unternehmenssteuer sind hierzulande günstig. Man kommt nicht in die Schweiz, damit man hohe Löhne zahlen kann. Man kommt in die Schweiz, weil hier Leute sind, die hohe Löhne verdienen.

    Geht die GZA mehr auf die Unternehmen zu oder umgekehrt?
    Wir haben eine Doppelfunktion: Wir vermarkten den Wirtschaftsraum, aber wir sind auch Ansprechpartner. Kundenanfragen machen aber nur etwa 11 Prozent aller Ansiedlungen in den Kantonen aus. Wir sind offen und prüfen alles. Aber natürlich investieren wir unsere Zeit und Ressourcen vor allem in lohnende Projekte. Bei rund 60 Prozent aller Ansiedlungen akquirieren wir aktiv und etwa 15 Prozent sind Empfehlungen aus dem strategisch gepflegten Netzwerk, welches Partnerorganisationen, Beratungsfirmen und Wirtschaftsanwälte umfasst.

    Als Arbeitgeber sind die ausländischen Unternehmen wichtig. Wie viele Arbeitsplätze generieren sie aktuell in der GZA?
    Die reine Anzahl Arbeitsplätze für die Ansiedlungen aus dem Jahr 2019 betrug 651. Diese Firmen werden in den nächsten fünf Jahren 1676 neue Arbeitsplätze schaffen. Das sind dann 24 Prozent mehr als diejenigen von Unternehmen, die sich im Jahr 2018 angesiedelt haben. Wir haben bereits zum zweiten Mal eine Beratungsfirma beauftragt, eine umfassende Analyse diesbezüglich zu erstellen: Zwischen 2009 und 2018 wurden durch das Standortmarketing mindestens 8618 Arbeitsplätze geschaffen.

    Welchen weiteren Mehrwert schafft die GZA für die zu ihr gehörenden Kantone?
    Wir tragen dazu bei, dass die Innovationskraft gestärkt wird und dass wir vor allem mit den wachsenden Märkten in Asien vernetzt bleiben. Auch innerhalb der Kantone gibt es gewisse kantonale Wertschöpfungseffekte. So arbeitet vielleicht jemand in Zug, wohnt aber in Zürich. Die neun Kantone kommen in der GZA zusammen, um gemeinsam Standortmarketing zu betreiben. Gemeinsam kann man mehr bewirken. Ein einzelner Schweizer Kanton ist zu klein, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Wir bringen wichtige Schnittstellen zusammen und sehen uns auch in der Vermittlerrolle.

    Wie hat sich in den letzten fünf Jahren die Standortqualität in der GZA konkret verändert?
    Die Unsicherheiten haben zugenommen. Gründe dafür sehen wir unter anderen im Brexit wie auch in der EU-Krise. Italienische Banken sind noch immer ein grosses Fragezeichen. Probleme bereiten zudem der Handelsstreit zwischen den USA und China wie auch das ungeklärte Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU. Die Schweiz bietet im internationalen Vergleich aber sicherlich sehr stabile Verhältnisse. Die Gesetze ändern nicht über Nacht, die Steuern werden weder plötzlich erhöht noch unvernünftig gesenkt. Die Steuerreform ist mittlerweile auch durch, und gewisse Technologiebereich haben sich extrem weiterentwickelt. Bei der Robotik und im Bereich Drohnen braucht Zürich den Vergleich mit Silicon Valley derzeit nicht zu scheuen. In der Schweiz punkten wir mit qualifizierten Fachkräften: Wir verfügen über sehr gute Abgänger von unseren Hochschulen und bieten gleichzeitig ein attraktives Umfeld für die klügsten Köpfe aus aller Welt.

    «Die Konkurrenz hat zugenommen.»

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die GZA aus?
    Sie hat auch bei uns einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Wir reisen weniger und arbeiten mehr virtuell. Das wird wahrscheinlich noch anhalten oder vielleicht sogar gängige Geschäftspraxis werden. Wir haben – wie auch bereits zuvor – Webinare durchgeführt, diese aber zum Beispiel in Korea durch eine Frage-Antwort-Stunde mit Experten ergänzt. Dieses neue Format ist sehr gut angekommen. Allgemein machen wir im Moment Videoschaltungen, anstatt selber in ein anderes Land zu reisen.

    Welche Konsequenzen erwarten Sie längerfristig?
    In nächster Zeit dürften Veranstaltungen vermehrt in hybrider Form durchgeführt werden. Im September ist eine zweitägige Konferenz in Zürich geplant. Diese wird am ersten Tag virtuell stattfinden, am zweiten Tag kann man sich persönlich treffen. Die Veranstalter wollen damit aber nicht nur für dieses Jahr etwas Spezielles kreieren, sondern sie wollen etwas schaffen, das Ihnen Flexibilität schenkt. Gerade auch im Hinblick auf künftige ähnliche Szenarien.

    Mit welchen Herausforderungen hat die GZA sonst noch zu kämpfen?
    Die Konkurrenz hat zugenommen. Als wir vor gut 20 Jahren angefangen haben, gab es noch nicht so viele effiziente Standortförderungs-Organisationen. Heute haben auch die kleinsten Länder und sogar Städte welche. Eine weitere Herausforderung: Es gibt viele ausländische Organisationen, die Benefits anbieten. Beispielsweise Zuschüsse für Anstellungen, damit der Rekrutierungsprozess das Unternehmen weniger teuer zu stehen kommt. So etwas ist in der Schweiz nicht denkbar, weil man dafür Steuergelder einsetzen müsste. Wir leisten auch viel Überzeugungsarbeit – in der Schweiz ist nicht alles teurer. Und wenn jemand 200’000 Dollar in den USA verdient, verdient er sie auch in London, Madrid oder Amsterdam. In Zürich muss man vielleicht sogar weniger Lohn bezahlen, weil bei uns die Steuern für das Individuum günstiger sind als anderswo.

    Wie wirkt die GZA den Einschränkungen und wahrscheinlich auch dem durch die Coronakrise verursachten weiteren Rückgang der Ansiedlungen entgegen?
    Wir werden die Social-Media-Kanäle in Zukunft nicht nur für die Kommunikation nutzen, sondern auch für die Akquisition. Wir versuchen über ein datenbasiertes Vorgehen neue Kunden zu gewinnen.

    Die wichtigsten Märkte der GZA sind die USA, Deutschland, China und Italien. Auf welche anderen Länder/Städte konzentriert sich die GZA noch und weshalb?
    Seit 2014 sind wir in Korea aktiv. In Israel beginnen wir gerade. Sobald die Krise vorbei ist, können wir mit Aktivitäten starten – es ist alles aufgegleist. Wir prüfen regelmässig, wo wir noch tätig sein könnten. Indien war beispielsweise von 2006 bis 2008 ein Fokusmarkt. Mangels Resultate haben wir diesen aber wieder aufgegeben. Wenn Russland oder Brasilien keine Rezession hätten, kämen diese Märkte durchaus in Frage. Innerhalb der von uns bearbeiteten Märkte wählen wir die Regionen nach den Technologie-Hotspots aus. ■

  • «Man muss seinen Kunden Alternativen anbieten»

    «Man muss seinen Kunden Alternativen anbieten»

    Was genau macht Swiss Circle?
    Swiss Circle ist das Netzwerk für die Schweizer Immobilienbranche. Wir betreuen unsere rund 250 Mitglieder, vernetzen diese untereinander und unterstützen sie mit Marketingtools. Unsere Member wollen sich untereinander besser kennenlernen, aber auch in der Branche vermehrt wahrgenommen werden. Ausserdem geben wir ihnen die Möglichkeit, ihr Knowhow in speziellen Disziplinen der Immobilienwirtschaft auszubauen.

    Wie geht das konkret?
    Wir bieten verschiedene Plattformen: So sind wir an den grossen internationalen Immobilienmessen wie der MIPIM in Cannes oder an der Expo Real in München präsent. Auf internationalen Bühnen sind wir mittlerweile seit 25 Jahren aktiv. Wir präsentieren an diesen Messen unsere Schweizer Firmen an einem Schweizer Gemeinschaftsstand. Darüber hinaus organisieren wir regelmässig Networking-Events und über das Jahr verteilt verschiedene Kongresse zu aktuellen Themen rund um Immobilien. Onlinetools wie etwa realestate-experts.ch ergänzen unser Angebot.

    Wichtige Messen fallen dieses Jahr aufgrund der Coronakrise weg. Wie wirkt sich dies auf Swiss Circle aus?
    Wir sind kreativ und haben Ersatz für ausgefallene Aktivitäten ins Leben gerufen. Darunter die Online-Serie «Real Estate Brains». Hier haben wir jeden Dienstagmorgen online eine Sendung produziert. Dieses Jahr haben wir den Kongress «Die Marketingrunde» vollumfänglich digital über Zoom umgesetzt. Den «Innovation Day» gleisen wir als Hybridanlass auf: Mittels zwei Sendungen, die wir live streamen sowie einem Printprodukt, das unseren Kunden eine weitere Plattform bietet, sich zu präsentieren. Als Ersatz für die nicht stattfindende Expo Real in München organisieren wir im Oktober am Flughafen Zürich den «Swiss Networking Circle». Mitglieder, die sonst nach München gegangen wären, erhalten so die Möglichkeit, sich zu vernetzen und zu präsentieren.

    Wie laufen die Anmeldungen für den Swiss Networking Circle im Herbst?
    Wir haben bereits zahlreiche Buchungen erhalten. Allerdings wissen wir noch nicht, wie viele Gäste wir dann effektiv einladen dürfen – das hängt von den Bestimmungen des Bundes für Anlässe im Oktober ab. Es kann sicher nicht jeder mitmachen. Partner, die sich am Event aktiv engagieren, erhalten aber auf jeden Fall ein Einladungskontingent für ihre Kunden. Auch wir vom Swiss Circle werden ein Kontingent an Mitgliedern einladen. Das Bedürfnis unserer Kunden, sich wieder persönlich zu treffen, ist auf jeden Fall gross.

    «Die Immo21 findet in einer grösseren Halle statt.»

    Wie kommen die Online-Angebote bei den Mitgliedern an?
    «Real Estate Brains» beispielsweise kommt sehr gut an – wir verzeichnen jeweils 200 bis 300 Zuschauer. Die Referenten kommen aus Deutschland, Österreich und aus der Schweiz. Die Schweizer Referenten rekrutieren wir in der Regel aus unserem Memberkreis. Nach der Sommerpause werden wir dieses Format bis auf weiteres im Monatsrhythmus weiterführen.

    Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage auf den Immobilienmärkten?
    Die Lage ist kontrovers. Kritisch steht es um den Retailmarkt. Die Coronakrise wirkte als Brandbeschleuniger, der Detailhandel hatte es schon vor Corona schwer. Ein weiterer Verlierer sind Hotelliegenschaften. Bürogebäude dürften nur leicht nachgeben – hier muss abgewartet werden, ob und wie stark sich Home-Office durchsetzt und wie sich Digitalisierungstrends entwickeln. Der Wohnmarkt zeigt sich stabil – allenfalls gibt es noch langfristige Auswirkungen. Es gibt aber natürlich auch Gewinner: zum Beispiel Logistikimmobilien.

    Welches Feedback erhalten Sie von Ihren Mitgliedern?
    Dienstleister rund um den Liegenschaftenbetrieb wie Facility- und Property-Manager sind kaum betroffen. Bei den Transaktionen stellt man hingegen eine gewisse Zurückhaltung fest; es wird aktuell defensiver gehandelt als vor der Krise. Dies dürfte sich auf die Umsätze von Vermarktern oder Rechtsanwälten niederschlagen.

    Welche langfristigen Konsequenzen erwarten Sie aufgrund der Coronakrise?
    Ich rechne im Immobiliengeschäft nicht mit einem langfristigen negativen Effekt. Es ist aber möglich, dass die Geschäfte dieses Jahr aufgrund herrschender Unsicherheit und des fehlenden persönlichen Kontakts etwas harziger laufen. Was den Swiss Circle betrifft, bin ich jedoch zuversichtlich, dass Events und Messen nächstes Jahr wieder fast wieder wie gewohnt ablaufen werden. Welche Änderungen bleiben werden, wird sich zeigen. Das Motto der Zeit lautet: Flexibel sein und mit verschiedenen Szenarien rechnen. Das machen wir auch. Wer möglichst unbeschadet aus der Krise kommen will, muss seinen Kunden Alternativen anbieten.

    Die Immo21, die von Swiss Circle mitorganisiert wird, findet nächstes Jahr im Januar statt. Gibt es coronabedingte Änderungen?
    Wir haben bereits auf die Situation reagiert und mit der Halle 550 in Oerlikon eine grössere Lokalität als bisher gewählt. So können wir auch einer allenfalls weiterhin beschränkten Anzahl Besucher mehr Platz bieten, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Dies könnte sich auch in Zukunft durchsetzen: Dass man mehr Quadratmeter pro Teilnehmer einkalkulieren muss.

    Was raten Sie Jungunternehmern im Immobilienbereich in dieser Zeit?
    Ihnen fehlt der Kontakt mit der etablierten Branche natürlich sehr. Jungunternehmer suchen in der Regel Investoren und Plattformen, um ihre neuen Ideen zu präsentieren – und sind darauf angewiesen, schnell zu wachsen und Erfolge vorzuweisen. Für Start-ups ist der Handbremseneffekt sicher gravierender als für ein etabliertes Unternehmen. Beim Swiss Networking Circle und beim Innovation Day haben wir spezielle Angebote, Jungunternehmer einzubinden, und ermöglichen ihnen bevorzugten Zugang. Da der Austausch zwischen Jung und Etabliert in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird, treten Swiss Circle und SwissPropTech in Zukunft vermehrt gemeinsam auf. Dazu heisse ich alle zukunftsorientierten Immobilienentscheider herzlich willkommen! ■

  • «Das Limmattal ist mehr als  eine Alternative zu Zürich»

    «Das Limmattal ist mehr als eine Alternative zu Zürich»

    Vor 6 Jahren wurde die Limmatstadt AG lanciert. Wo sehen Sie Ihre Kernaufgaben als Geschäftsführerin?
    Ich versteh mich als Dienstleisterin und Botschafterin für die gesamte Region von Baden bis Zürich, innerhalb des Limmattals und darüber hinaus. In meinem Job bin ich immer unterwegs und bringe Menschen und Ideen über die Kantonsgrenze hinweg zusammen. Netzwerk ist das A und O. Ich beliefere Standortinteressenten mit Informationen, öffne Türen, bringe mich in Komitees ein oder treibe Projekte voran.

    Welche Meilensteine haben Sie Stand heute erreicht?
    Die Limmatstadt AG hat sich zu einer relevanten Partnerin und regionalen Akteurin etabliert. In den vergangenen Jahren gelang es, wichtige Mitstreiter für die Idee Limmatstadt als vernetzter und starker Lebens- und Wirtschaftsraum zu gewinnen: zunächst Firmen als Aktionäre, zahlreiche Gemeinden als Auftraggeber, dann kam der Planungsverband dazu und verschiedene Netzwerkpartner. Über Publikumsaktien kann sich auch die Bevölkerung beteiligen. Mit dem Aufbau und Betrieb von diversen Kommunikationskanälen – vom Printmagazin «36 km» über das digitale 3D-Limmatstadtmodell bis zum täglichen «punkt4»-Wirtschaftsnewsletter – erreichen wir die Region.

    Welche Ziele werden als Nächstes angegangen?
    Es ist von zentraler Bedeutung, die Kräfte weiter zu bündeln und die Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Sprich: Kooperationen einzugehen, wo es sinnvoll ist sowie den Wert unserer Plattformen und Netzwerke noch deutlicher zu machen, um weitere Gemeinden und Partner zu gewinnen. Wer sich in der Limmatstadt niederlassen will oder eine Projektidee verfolgt, muss wissen, dass er bei uns an der richtigen Adresse ist. Zudem ist Image wichtig im Standortwettbewerb. Hier gilt es, die Vorzüge der Gesamtregion in Szene zu setzen.

    Die Limmatstadt AG hat Anfang 2019 die Funktion der Standortförderung Limmattal, dem damaligen Verein der Zürcher Limmattaler Gemeinden, übernommen. Wie wichtig war dieser Schritt?
    Dieser Schritt war zentral. Die Standortförderung des Vereins hörte an der Kantonsgrenze auf. Unser Wirkungsbereich ist die gesamte Region. Die komplexen Herausforderungen machen nicht an Kantonsgrenzen Halt. Der Auflösung ging ein breit abgestützter Strategieprozess voraus. Die Erkenntnis: Mit der privatwirtschaftlichen Limmatstadt AG ist eine Organisation mit Leistungsausweis vorhanden, deren Aufbau privat finanziert wurde und eine nahtlose Nachfolge sichert. Die Gemeinden haben neu Leistungsvereinbarungen mit uns, sind also unsere Kunden, und profitieren unter dem Strich von wesentlich mehr Leistung für das gleiche Geld.

    «Wer sich in der Limmatstadt niederlassen will, ist bei uns an der richtigen Adresse.»


    Wie beliebt ist das Limmattal punkto Firmenansiedlungen?
    In der Region gibt es über 80’000 Arbeitsplätze, die bis 2040 rund 30 Prozent zunehmen sollen. Aufgrund der regen Bautätigkeit können wir ideal gelegene Flächen insbesondere für Retail und Dienstleistung bieten. Die bevorzugte Lage, die Nähe zu führenden Bildungs- und Forschungseinrichtungen und die gute Erschliessung machen den Standort äusserst attraktiv. Mit der Limmattalbahn erhalten wir einen städtischen Verkehrsträger und noch bessere Verbindungen. Das wird auch Unternehmen anziehen, die bisher das Limmattal nicht auf dem Radar hatten.

    Für wie realistisch halten Sie eine Fusion der Gemeinden Schlieren, Urdorf und Dietikon in den kommenden 15 Jahren?
    Unbestritten ist, dass die Gemeinden in Zukunft die Zusammenarbeit intensivieren müssen, denn Probleme von regionaler Tragweite können von kommunaler Ebene allein kaum bewältigt werden. Aber ich glaube nicht, dass Fusionen in jedem Fall einen Gewinn bringen. Wenn wir die Kleinteiligkeit in unserer Region anschauen, könnte ein Zusammenschluss gerade kleineren Gemeinden durchaus zu mehr Kraft verhelfen. Doch eine Grossfusion halte ich nicht für realistisch. Es gibt aber fusionswillige Gemeinden im Aargauer Limmattal: Die Gemeinde Turgi strebt eine Fusion mit der Stadt Baden an.

    Viele Einwohner fürchten bei einer Fusion um ihre Identität.
    Dieses Argument ist immer schnell zur Hand. Nur weil man sich zu einer politischen Einheit zusammenschliesst, muss die lokale Verankerung nicht verloren gehen. Es kann auch eine neue Zugehörigkeit entstehen. Jede Veränderung birgt Verlust und Gewinn. Die Frage ist, was überwiegt. Mit einem frühzeitigen, offenen Dialog kann es der Politik gelingen, die Bevölkerung abzuholen, zu spüren, wo der Schuh drückt und Chancen aufzeigen. Es braucht auch Mut von einem Gemeinderat, dieses heisse Eisen anzurühren. Wie das Beispiel von Turgi zeigt, kann das durchaus erfolgsversprechend sein.

    Was sagen Sie zum Einwand, dass für eine Limmatstadt die Geschichte und Vergangenheit fehle und das Limmattal deshalb nie eine einheitliche Stadt werden könne?
    Jede Geschichte hat einen Anfang. Wieso kann der Wandel von einer Agglomeration zu einem städtischen Raum nicht im 21. Jahrhundert starten und für kommende Generationen identitätsbildend sein? Ich finde es eher absurd, dass wir uns heute noch an politischen Grenzen orientieren, die über 200 Jahre alt sind. Das Limmattal ist bereits eine räumliche Einheit – verbunden durch die Limmat und eingebettet in Hügelzüge mit Wäldern und Rebbergen. Bald verbindet das Tram die Region und die Menschen noch mehr. Beste Voraussetzungen, damit eine neue Zusammengehörigkeit entstehen kann.

    Die Limmattalbahn ist im Bau. Gerade bei Anwohnern des Limmattals war das Projekt umstritten. Hatten Sie mit dieser Reaktion gerechnet?
    Eine lokale Betroffenheit lässt immer die Emotionen hochgehen. Von der Heftigkeit war ich überrascht. Auch das ist ein Beispiel, wie wichtig es ist, bei regional bedeutsamen Projekten den Dialog eng mit der lokalen Bevölkerung zu führen. In der ersten Kampagne ist das schief gelaufen. Aber in der zweiten Abstimmung sprach sich dann das Limmattal grossmehrheitlich für den Bau aus. Die Limmattalerinnen und Limmattaler haben verstanden, dass eine halbe Limmattalbahn keinen Sinn macht.

    «Es ist ein gutes Zeichen, dass Bund und Kantone an unsere Region glauben und Millionen investieren.»

    Weshalb braucht das Limmattal die Limmattalbahn?
    Die Bahn bedeutet eine langfristige Aufwertung für die ganze Region. Es ist ein Generationenprojekt. Ein Argument lautete immer wieder: Busse tun es auch. Aber ein Bus ist kein Bekenntnis zu einer Region. Die Limmattalbahn, das sind Schienen, die man für die nächsten Jahrzehnte in den Boden verlegt. Jede Haltestelle ist eine Keimzelle, wo Neues entstehen kann. Da, wo ein Tram entlangfährt, entsteht Stadt. Es ist ein gutes Zeichen, dass Bund und Kantone an unsere Region glauben und Millionen investieren.

    Besteht da nicht die Gefahr, dass das Gebiet zu sehr mit Wohnungen, Arbeitsstätten und Strassen zugepflastert wird?
    Im Gegenteil: Die Bahn hilft, das Wachstum zu kanalisieren und bestimmte Orte zu schonen. Deshalb fährt die Limmattalbahn nicht entlang der dörflich geprägten rechten Limmatseite. Das würde Entwicklungs-
    schübe auslösen, die man dort nicht haben will. Die Bahn fährt da entlang, wo heute schon das grösste Potenzial vorhanden ist, wo die meisten Leute leben, wo der Verkehr fliesst und noch brachliegende Grundstücke wie das Dietiker Niderfeld liegen.

    Im Limmattal wird sehr viel gebaut. Schlieren beispielsweise hat sich bereits stark verändert. Auch in Dietikon sind völlig neue Quartiere entstanden. Wird das Baupotenzial bald ausgeschöpft sein?
    Die grossen Limmattaler Industriebrachen sind heute umgenutzt in Stadtquartiere. Künftig geht es mehr um die Entwicklung nach innen. Wir müssen umsichtig mit dem beschränkten Boden umgehen. Letztlich ist das höchst ökologisch. Eine pulsierende und attraktive Stadt braucht eine gewisse Dichte an Menschen, Angeboten und Nutzungen. Auch der Verkehr gehört dazu, der private wie öffentliche. Gerade ein cleveres Veloroutennetz im flachen Talboden kann verstopfte Strassen entlasten. Dieses Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft.

    Kann sich das Limmattal mit dem Glatttal messen?
    Keine Frage, wir sind die beiden attraktivsten Boom-Regionen. Ich beneide die Flughafenregion und ihren Geschäftsführer Christoph Lang um einige Firmen, die wir auch gerne als Steuerzahler hätten. Gleichzeitig bin ich froh, beschäftigt uns die Flughafen-Thematik nicht so intensiv. Als Standort-Organisationen sind wir allerdings unterschiedlich aufgestellt. Die Flughafenregion ist ein sehr erfolgreiches Wirtschaftsnetzwerk mit unzähligen Events rund ums Jahr. Unser Fokus hingegen liegt auch auf der Gesellschaft und Stadtentwicklung.

    Wie tief ist der Gedanke einer «Limmatstadt» in den Köpfen der Limmattaler Bevölkerung verankert?
    Wenn Sie jetzt eine Strassenumfrage machen würden, wäre das Ergebnis wahrscheinlich ernüchternd. Die einen würden sagen, das ist Zürich, die anderen Baden. Und genau darauf bauen wir ja auf: Wir deuten den Begriff Limmatstadt neu und laden ihn positiv auf. Er dient perfekt als Klammer für die Region zwischen zwei starken Polen. Dabei stellen wir das Limmattal nicht an die Ränder von zwei Kantonsgebieten, sondern in deren Zentrum.

    Mit welchen Massnahmen soll diese Wahrnehmung weiter unterstützt werden?
    Indem wir konsequent daran arbeiten, die Region mit all ihren Vorzügen bei der Wohnbevölkerung ebenso wie bei Firmen und Ansiedlungsinteressenten noch besser bekannt zu machen. Dafür brauchen wir alle Gemeinden hinter uns und eine laufend wachsende Trägerschaft. Wir spüren, dass sich unsere Idee immer mehr verankert. In Spreitenbach hat zum Beispiel kürzlich der grösste Coworking Space der Schweiz unter dem Namen «Office LAB Limmatstadt» eröffnet. Der Begriff Limmatstadt soll genau dieses zukunftsgerichtete neue Selbstverständnis nach aussen tragen.

    Wie soll das Limmattal in fünf Jahren von der Bevölkerung wahrgenommen werden?
    Als ein Ort, wo man hingehen will, eine Destination. Das Limmattal ist mehr als eine Alternative zu Zürich. Es soll wahrgenommen werden als selbstbewusste Region, die es geschafft hat, ihr ödes Aggloimage abzustreifen und sich zu einem attraktiven städtischen Raum zu wandeln, der mit seinen Gegensätzen und Eigenheiten immer wieder überrascht. Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts ist beneidenswert – auch die Erneuerung. Es könnte auch anders sein: Stillstand oder Abwanderung – das wären Probleme. Wir können uns mit der Dynamik wahnsinnig glücklich schätzen und definitiv positiv in die Zukunft blicken. ■

  • «Grosse Projekte sind immer  schwieriger realisierbar»

    «Grosse Projekte sind immer schwieriger realisierbar»

    Sie sind Politiker und Unternehmer. Ende 2019 haben Sie sich aus der aktiven Politik zurückgezogen, weshalb?
    Nachdem ich 15 Jahre im Kantonsrat aktiv war und insgesamt 13 Jahre im Gemeinderat, war es an der Zeit, dieses Kapitel zu schliessen. Ich wollte frischen, neuen Kräften Platz machen und wieder mehr Zeit für meine Familie, meine Mitarbeitenden und für neue Projekte haben.

    Als Politiker machen Sie sich beispielsweise für eine S-Bahn-Station Silbern stark oder auch für eine Hochbahn zwischen dem Entwicklungszentrum Niderfeld und dem Gebiet Silbern. Wie bedeutend ist eine solche Verkehrsanbindung für diese Gebiete?
    Eine Verkehrsinfrastruktur ist immer wichtig für eine Region. Das Limmattal hat gute Infrastrukturen, dennoch haben wir noch einige Nadelöhre. Die S-Bahn-Station Silbern könnte eine grosse Entlastung bieten für das Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt und später auch für das Niderfeld. Die geplante Hochbahn zwischen diesen Gebieten wäre natürlich das Nonplusultra – vor allem, wenn die Limmattalbahn danach direkt mit dem neuen Bahnhof verbunden wäre.

    Gibt es bereits Fortschritte zu verzeichnen?
    Leider mahlen in der Politik die Mühlen sehr langsam. Es braucht Geduld und Hartnäckigkeit. Das Anliegen einer Hochbahn ist deponiert. Sie fliesst derzeit auch aktiv in die Planung für das Gebiet Niderfeld ein. Die S-Bahn-Station Silbern ist im kantonalen Richtplan mit einer hohen Dringlichkeit verankert, doch beissen wir auf Bundesebene noch etwas auf Granit. Man ist der Auffassung, dass zuerst das Verkehrsproblem des Nadelöhrs der Bahnverbindung zwischen Zürich und Aarau gelöst werden muss. Aber wir bleiben am Ball.

    Sie führen in vierter Generation das Familienunternehmen, die J. Wiederkehr AG. Wie stark ist Ihr politisches Engagement mit der Vertretung eigener Interessen verbunden?
    Ich habe eine exekutive Tätigkeit immer bewusst ausgeschlossen, um nicht mit den Vorwürfen konfrontiert zu werden, dass ich Politik um meinetwillen mache. Natürlich hilft mir meine politische Erfahrung auch beruflich. Ich weiss, wie gewisse Mechanismen funktionieren. Insofern kommt mir mein politisches Wirken durchaus zugute. Aber dieses Wissen möchte ich im Interesse des Allgemeinwohls einsetzen und nicht, um für mich und meine Firma Profit daraus zu schlagen. Ich setze mich insbesondere auch weiterhin für die Anliegen des Gewerbes und der Hauseigentümer ein.

    Sie sind einer der drei grössten Grundeigentümer des Niderfelds. Wie kam es dazu?
    Der grösste Teil des Landes in unserem Besitz geht auf mindestens drei Generationen zurück. Zusätzlich hatten wir vorüber 30 Jahren die Idee, dort einen Lagerplatz für unser Gerüstbauunternehmen zu erstellen. So kamen weitere Grundstücke hinzu – die Idee liess sich dann aber leider nicht umsetzen, das Land haben wir aber behalten.

    Lässt eine solch riesige Baulandreserve wie das Niderfeld ihr «Bau-Blut» in Wallung geraten?
    Nicht nur. Ich mache mir Sorgen, weil ich feststelle, dass gerade in der Schweiz und im Kanton Zürich grosse Projekte immer schwieriger realisierbar sind. Denken wir nur an das Fussballstadion in der Stadt Zürich oder das Kongresszentrum. Gerade grosse Projekte haben viele Hürden zu überwinden. Die Regelungsdichte ist inzwischen sehr hoch. Solche Regeln sind oft in der Vergangenheit entstanden und nicht sehr hilfreich für die Entwicklung eines neuen Gebietes. Auch hier braucht es Geduld und Hartnäckigkeit, damit am Ende doch einmal etwas Schönes auf dem Niderfeld entsteht.

    Würde man Ihnen freie Hand lassen, welche Vision haben Sie für das Niderfeld?
    Ich hätte es nicht so gemacht, wie es jetzt geplant ist. Dietikon hat bereits sehr viele schöne Naherholungsgebiete. Das Geld hätte ich eher investiert, um die bestehenden Naherholungsgebiete aufzuwerten und besser zu nutzen. Die sehr grosse Parkanlage im Niderfeld später sinnvoll mit Leben zu füllen, wird eine grosse Herausforderung.

    Wie ist der aktuelle Stand des geplanten Projekts?
    Die Planungsarbeiten sind noch immer voll im Gange. Der Quartierplan wurde inzwischen beim Kanton zur Prüfung eingereicht. Wir warten gespannt auf die Rückmeldung. Aber es wird weiterhin ein langer und beschwerlicher Weg bleiben.

    Sind Sie zuversichtlich, dass im Jahr 2028 mit dem Bau begonnen werden kann?
    Ich wage es nicht, eine Jahreszahl zu nennen. Vor einigen Jahren war man noch der Meinung, dass zuerst im Niderfeld gebaut wird und dann die Limmattalbahn kommt. Heute ist es offensichtlich, dass die Limmattalbahn schon lange vor dem Baustart durch das Gebiet fahren wird.

    Wie erlebten Sie den Wandel Dietikons in den letzten zehn Jahren?
    Ich gehe sogar einen Schritt weiter zurück: Als ich in der Schule war, war Dietikon die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich mit rund 25’000 Einwohnern. Dietikon hat sich dann über viele Jahrzehnte nicht gross entwickelt. Demgegenüber ist Uster geradezu explodiert. Erst in den letzten Jahren ist Dietikon mit beispielsweise der Entwicklung des Limmatfeldes wieder etwas gewachsen. Aber nach wie vor hat es viele ältere Bausubstanz, die erneuert werden sollte.

    Wie wird Dietikon in fünf Jahren aussehen?
    Innert fünf Jahren wird sich noch nicht allzu viel ändern. Die Limmattalbahn wird sicher fahren. Hoffentlich haben wir bis dann den Verkehr einigermassen im Griff und die flankierenden Massnahmen für den Autoverkehr umgesetzt. Ich persönlich finde es gut, wenn ein Wandel stetig passiert und nicht auf einen Schlag. Was heute gebaut wird, ist in 30 Jahren auch bereits wieder älter. Von daher ist eine regelmässige Konstanz in meinen Augen besser für die Entwicklung einer Gemeinde oder Stadt.

    Weshalb lohnt es sich, in Dietikon zu leben?
    Mir gefallen ganz besonders die Naherholungsgebiete. Selbst wenn man im Zentrum von Dietikon wohnt, ist man in wenigen Minuten an der Limmat, die kilometerlange Spazierwege bietet. Wir haben zudem den wunderschönen Guggenbühl-Wald. Die Naherholungsgebiete sind im Gegensatz zu anderen Regionen auch nicht völlig überlaufen.

    Sie sind Aktionär der Limmatstadt AG. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
    Mich fasziniert, dass die Limmatstadt probiert, den Fokus zu öffnen, das Limmattal breiter zu sehen – über die Kantonsgrenze hinaus. Sie wagt es, einen visionären Blick auf die Region zu werfen. Niemand weiss, wie das Limmattal in 40, 50 Jahren aussehen wird. Trotzdem ist es wichtig, dass wir uns auch mit solchen Ideen beschäftigen. Ich denke, dass die Limmatstadt eine gute Plattform dafür ist.

    Das Limmattal wird vom Kanton Zürich als Wachstumsregion gesehen. Besteht da nicht die Gefahr, dass das Gebiet zu sehr mit Wohnungen, Arbeitsstätten und Strassen zugepflastert wird?
    Ich glaube, dieses Risiko ist nicht sehr gross. Das Siedlungsgebiet ist im kantonalen Richtplan ausgeschieden. Das kann sich in den nächsten 15 Jahren nicht vergrössern. Die Naherholungsflächen wie auch Grünflächen und Wälder sind ebenfalls ausgeschieden. Ich denke, wir tun gut daran, wenn wir unsere Naturräume entsprechend pflegen und da und dort Aufwertungsmassnahmen durchführen.

    Das Limmattal ist auch stark mit Verkehrsinfrastrukturen belastet. Wie gross ist dieses Problem heute?
    Das ist vielleicht das Schicksal der Täler, dass sie auch häufig eine Verbindungsachse sind. Der Vorteil ist die gute Infrastruktur, die das Limmattal als Wohnort attraktiv macht. Für die Wirtschaft ist diese ebenfalls ein riesiger Vorteil, die aber dennoch Belastungen birgt. Ein gewisser Bedarf an Infrastruktur hat sich aufgestaut. In den letzten Jahren wurde hier zu wenig investiert. Es ist wichtig, dass der Verkehr auf der Autobahn fliesst. Nur so können wir einen Ausweichverkehr durch die Städte und Gemeinden verhindern.

    Wie könnte die Lösung aussehen?
    Die Limmattalbahn wird über eine gewisse Kapazität verfügen und ist sicher ein guter Lösungsansatz. Aber auch der Autobahnausbau Zürich-Bern mit einer zusätzlichen Spur, die Erweiterung des Limmattaler Kreuzes und der Ausbau des Gubrists dürften helfen, den Verkehr auf der Autobahn wieder zum Fliessen zu bringen und den Schleichverkehr durch Gemeinden zu stoppen. Nach wie vor müssen wir dafür kämpfen, dass Dietikon endlich eine brauchbare Umfahrungsmöglichkeit erhält – sei das eine oberirdische Strasse oder ein Tunnel, wie es schon vor Jahrzehnten die Idee gewesen ist. Im kantonalen Richtplan ist eine Umfahrungsstrasse vorgesehen. Nur ist diese schwer realisierbar, weil sie grösstenteils durch bewohntes Gebiet führen würde.

    Für wie realistisch halten Sie es, dass die Öffentlichkeit das Limmattal in den kommenden Jahren als «Limmatstadt» wahrnimmt?
    De Facto ist Dietikon schon seit Jahrzehnten eine Stadt, trotzdem bezeichnen sie viele Bewohner als Dorf. Letztlich ist es eine Wahrnehmungsfrage, ob wir von einer Stadt oder von einem Dorf reden. Für mich ist wichtig, dass sich die Menschen in unserer Region wohlfühlen, sich aktiv einbringen und mithelfen – in den Vereinen wie auch in der Politik. Das ist für mich entscheidender als die Frage, ob das Limmattal ein Dorf oder eine Stadt ist.

    Ihre Heimatstadt ist Dietikon. Eine Stadt, die – so sagen manche – immer ein wenig dazwischen fällt. Dietikon sei zu weit von Zürich und zu weit von Baden entfernt und stehe somit eher für sich allein. Wie sehen Sie das, schafft Dietikon die Integration in die Limmatstadt und wie?
    Grenzregionen sind immer vor besonders schwierige Herausforderungen gestellt. Insofern begrüsse ich die Initiative der Limmatstadt, dass sie die Region grenzübergreifend betrachtet und die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinaus fördert. Das Limmattal liegt in zwei verschiedenen Kantonen. Das bringt auch gewisse Chancen, dass man eventuell von den Vorzügen beider Kantone profitieren kann. Was das Einkaufsangebot anbelangt, hat Dietikon seit Jahrzenten einen schweren Stand. Das wird sich wahrscheinlich auch die nächsten Jahrzehnte nicht ändern.

    Wird es nach der Überbauung der letzten grossen Flächen in Dietikon überhaupt noch Raum für grosse neue Projekte geben?
    Ich denke, die nächsten 30 Jahre wird es keinen zusätzlichen Siedlungsraum geben. Im Fokus wird die Verdichtung des bestehenden Siedlungsgebietes stehen. Das sollte für die Bevölkerung so verträglich wie möglich geschehen. Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Leute genügend Platz in ihrer Wohnung oder auch eigene Grünflächen und Privatsphäre schätzen. Hier sehe ich auch eine Chance, dass wir einiges besser und lebenswerter machen können als so manche grosse anonyme Stadt. ■

  • Zu viel gebaut? Dass der Immobilienmarkt nicht mehr alles absorbiert, ist eine Chance.

    Zu viel gebaut? Dass der Immobilienmarkt nicht mehr alles absorbiert, ist eine Chance.

    Wurde in der Schweiz zu viel gebaut? Vielleicht zu viel am falschen Ort? Zwar könne man nicht von DEM Schweizer Immobilienmarkt sprechen, da sich dieser in verschiedene Teilmärkte gliedere, trotzdem habe sich die Absorptionszeit allgemein verlängert, sagen die sieben Immobilienentwickler, die sich im Juni zum HIG-Expertengespräch trafen. Sie gehen davon aus, dass es immer einen Grundstock an Wohnungen braucht – nur eben wo und welche, das ist die Frage. Eine Frage, die dazu führt, neu über Qualität nachzudenken.

    «Qualität vor Quantität» – diesen Satz gab es schon vor fünfzig Jahren. Aber während Qualität damals mit Luxus assoziiert wurde, denkt man heute an bedürfnisgerechtes, nachhaltiges Bauen. Das mag teurer in der Erstellung sein, zahlt sich aber längerfristig aus. Dass der Markt nicht mehr alles absorbiert, ist also auch ein Gewinn. Denn von einer besseren Qualität profitieren letztlich alle – die Bewohner und Nutzer wie die Ersteller und Investoren.

    «Vielleicht wurde zu viel gebaut und dabei sind austauschbare Wohnblöcke entstanden. Deshalb setzen wir uns jetzt intensiver mit dem Thema Qualität auseinander. Das ist der positive Aspekt an dieser Entwicklung»

    Roland Thoma

    Das A B C der Lage – Qualität vor Quantität
    Rund 75’400 Wohnungen standen 2019 in der Schweiz leer*, Tendenz steigend. Während noch vor zwei, drei Jahren die Verkaufs- bzw. Vermietungsquote bei Fertigstellung einer Immobilie durchschnittlich 95 Prozent betrug, sind es heute nur noch 80 bis 85 Prozent. Je peripherer die Lage, desto länger die Absorptionszeit. In den urbanen Zentren kommen bis zu 1000 Anfragen auf eine Wohnung, und weil die Kapazitäten begrenzt sind, muss sich der Bedarf verlagern. So besteht auch jenseits der Zentren und A-Lagen eine solide Nachfrage, zum Beispiel nach Stockwerkeigentum im mittleren und tiefen Preissegment. Hingegen zählen die einst begehrten Luxuswohnungen auch in den Zentren zu den Ladenhütern, während Mietwohnungen im tiefen Preissegment fast überall sofort absorbiert werden.

    Es geht also um die richtige Lage mit einem Produkt für das richtige Segment. Trotzdem: «In strukturschwächeren Regionen brauchen wir auch im mittleren Segment länger als noch vor zwei bis drei Jahren», sagt zum Beispiel René Frauenknecht von der Steiner AG. «Wir lassen heute die Finger von Orten, die bereits hohe Leerstände aufweisen und sind zurückhaltend, an B- und C-Lagen zu entwickeln». Die Gefahr, es doch zu tun, sei dem relativ hohen Akquisitionsdruck geschuldet: «Nach wie vor gibt es grosse Pensionskassen, die sehr aggressiv am Markt auftreten und Landsicherungen tätigen. Ganz entscheidend ist, dass Lagequalität vor Quantität kommt. Das ist neu. Bis vor einigen Jahren konnte man nicht sehr viel falsch machen, wenn man mal ein Grundstück an einer schlechten Lage akquiriert hatte», so Frauenknecht. «Auch die niedrigen Zinsen können zu Fehlentscheiden führen, da Risiken allenfalls nicht richtig bewertet werden. Das falsche Produkt an der richtigen Lage funktioniert heute nicht mehr», ergänzt Tobias Rotermund von der Odinga Picenoni Hagen AG.

    Die Ratings von Analysten wie Fahrländer oder Wüest Partner seien zwar eine wichtige Grundlage, sagen die Entwickler, aber man müsse diese Standortanalysen vor Ort verifizieren sowie interpretieren, um nicht einfach das zu wiederholen, was in der Vergangenheit funktioniert hat. «Standortanalysen erfolgen mehrheitlich datenbasiert und digital», sagt Marc Lyon von der Implenia Schweiz AG. «Würden wir die Vorschläge der Software für unsere Entwicklungsstrategien und Produktdefinition strikt verfolgen, hätten wir immer das Gleiche ohne Innovationen. Wir würden einfach nur eine Kopie von der bebauten Substanz der letzten Jahre machen. Diese datenbasierten Grundlagen sind unbestritten wichtig, aber die menschliche Interpretation ist wirklich notwendig. Wir nehmen ein Grundstück eben ganz anders wahr und haben einen ganz anderen Bezug, wenn wir uns ein Bild vor Ort machen und uns das Grundstück nicht nur über Google-Maps und Street-View anschauen».

    «Würden wir die Vorschläge der Software für unsere Entwicklungsstrategien und Produktdefinition strikt verfolgen, gäbe es keine Innovation»

    Marc Lyon

    So schlicht wie überzeugend – neue Konzepte
    Hat man das Potenzial eines Ortes eruiert, geht es darum, ein zukunftsgerechtes Konzept zu entwickeln. Wir kann das aussehen?

    Da eine automatische Preissteigerung von den Nutzern heute nicht mehr ohne weiteres akzeptiert wird, steht die Flächeneffizienz im Fokus der Entwickler. Erreicht wird sie zum Beispiel durch Flächenreduktion, kompakte Grundrisse, Vorfabrikate, standardisierte Bauprozesse und den Verzicht auf Gadgets. Was dabei herauskommt, muss nicht Null-acht-fünfzehn sein. «Man kann auch an schwierigen Lagen mit schlichter, aber überzeugender Architektur und einer günstigen Produktion mit lokalen Unternehmen eine gute Qualität erreichen», ist die Erfahrung von Tobias Rotermund. So seien grosse Balkone beliebt und nicht zwangsläufig teuer, eine gute Möblierbarkeit mache die fehlenden Quadratmeter wett und Architektur könne so schlicht wie überzeugend sein.

    Man kann auch an schwierigen Lagen mit schlichter, aber überzeugender Architektur und günstiger Produktion eine gute Qualität erreichen»

    Tobias Rotermund

    Was die Vielfalt der Wohnungstypologien betrifft – die ist zwar teurer in der Erstellung, nützt aber langfristig der Vermietung. Weitere Komponenten, die sich auf die Wohnqualität auswirken, sind Erreichbarkeit, Aussenraumgestaltung, Nachhaltigkeit, Mobilität oder Nachbarschaft. «Es gibt einen ganzen Strauss von Möglichkeiten, um das Mietwohnen zu diversifizieren und sich am Markt positiv hervorzuheben», sagt Valentin Müller von der UTO Real Estate Management AG. «Hierzu zählen Wohntypologien, die auf eine spezifische Zielgruppe fokussieren sowie integrierte Mobilitätskonzepte, die die Wohnungen mit dem Umfeld optimal vernetzen. Und nicht zu vergessen: die Siedlungsqualität. Wir sprechen hier von ‹Lebensraum›, von Räumen mit hoher Aufenthaltsqualität. Dafür braucht es Konzepte. Mit einer guten Überbauung kann man eine gute Mikrolage schaffen, die den menschlichen Bedürfnissen entspricht».

    Aber welche Bedürfnisse hat die konkrete Zielgruppe am konkreten Ort? Wollen die Leute repräsentative Architektur oder sich mit dem Ort, an dem sie leben, identifizieren? Legen sie Wert auf nachbarschaftlichen Austausch oder bevorzugen sie Privatheit? Nehmen sie als Kompensation für die B- oder C-Lage den üppig begrünten Aussenraum in Kauf? … Wer bestimmt, was Qualität ist? Die Architekturelite? Die Nutzer?

    Dass der Einbezug der Betroffenen die Akzeptanz und die Qualität eines Projektes fördert, ist eine zentrale Erkenntnis in der Immobilienkommunikation. Damit wird neben der Qualität des Produktes auch die Qualität des Entwicklungsprozesses wichtiger.

    «Ob ein Projekt akzeptiert wird, liegt nicht zuletzt am Einbezug der Bevölkerung»

    Claudia Siegle

    «Der frühe Einbezug der Bevölkerung in das Projekt Mattenhof in Luzern Süd hat sich gelohnt», sagt Claudia Siegle von der Mobimo Management AG. «Wichtig ist, dass sich die Leute mit dem Ort, an dem sie leben, identifizieren können. Dazu gehört in diesem Fall das Entstehen von Nachbarschaften. So lebt man im Mattenhof nicht einfach in einem Wohngebäude, sondern in einem gemischt genutzten Quartier, wo man sich beispielsweise durch Apps miteinander vernetzen kann». Auch für Tobias Achermann, ehem. CEO der Zug Estates AG, hat sich der Dialog mit den Betroffenen bewährt: «Bei der Weiterentwicklung des Stadtteils ‹Metalli› haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, die Zuger Bevölkerung einzubeziehen. Über eintausend Menschen brachten sich mit ihren Gedanken und Vorschlägen ein. Dieses Vorgehen sehe ich als Grundstein für den weiteren Verlauf eines Projektes an».

    Die Bevölkerung einzubeziehen nützt nicht nur dem Produkt und seinen zukünftigen Nutzern, sondern auch der politischen Akzeptanz. Zum Beispiel taucht die Behauptung, dass zu viel gebaut wird, regelmässig in den Medien auf und ist in Abstimmungskämpfen ein schweres Argument: «Oft wird die Bauwirtschaft als Treiber eines Wachstums wahrgenommen, das man nicht überall begrüsst ̶ insbesondere in den peripheren und ländlichen Gebieten haben die Menschen den Eindruck, dass vorrangig gebaut wird, weil Investoren Geld anlegen müssen und nicht, weil es einem Bedürfnis entspricht. Die Betroffenen an einem Projekt mitwirken zu lassen und echte Bedürfnisgerechtigkeit herzustellen, erhöht nicht nur die Qualität, sondern auch die gesellschaftliche und politische Akzeptanz eines Projektes», ist die Erfahrung von Werner Schaeppi, Experte für Bau- und Immobilienkommunikation.

    Innovation gegen Bürokratie – Sorgenkind Erdgeschoss
    Die Entwicklung der Branche hat dazu geführt, dass sich nicht nur die Immobilienprojekte, sondern auch deren Ersteller positionieren müssen. Zum Beispiel durch Innovationen, wie einem CO2-freien Energiesystem und dem Bauen mit Holz in der «Suurstoffi» in Rotkreuz, die Tobias Achermann als Beispiel nennt. Oder durch innovative Mobilitätskonzepte, die von der UTO Real Estate Management AG entwickelt und umgesetzt werden. Überhaupt habe sich das Unternehmen Innovation auf die Fahnen geschrieben, sagt Valentin Müller. Diese sei ein Mind-Set, das in der Unternehmenskultur fusse und in die Entwicklungsprojekte einfliesse. Allerdings bräuchten neue Konzepte auch einen langen Atem, zum Beispiel beim Spiessrutenlauf durch die Reglementendichte.

    Sorgenkind Nummer eins der Entwickler sind die Erdgeschossnutzungen. Erdgeschosse durch gewerbliche Nutzungen zu beleben, ist schwierig, das wird sich mit dem zunehmenden Online-Handel und Wandel des Detailhandels noch verschärfen. Auch sind die Hygienemassnahmen im Kontext von neuen Viren wie Covid-19 schwer abschätzbar, so würden zum Beispiel langfristige Richtlinien wie Abstandsregeln den Flächenbedarf im Gewerbe erhöhen. Gerade für die Erdgeschossnutzungen braucht es also innovative Konzepte, die aber oft an den langlebigen Planungsinstrumenten scheitern. Denn wenn ein Bebauungsplan zehn bis fünfzehn Jahre alt ist, entspricht er unter Umständen nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

    «Warum soll es in Erdgeschossen zum Beispiel keine Wohnnutzung geben?», fragen die Entwickler. Dass gewerbliche Erdgeschossnutzungen per se viel Fussverkehr erzeugen, sei eine romantische Vorstellung. Erdgeschosse müssten situations- und lagegerecht sein und zur Quartierinfrastruktur passen. «Man muss sich fragen, ob die Überbauung mit einer Erdgeschossnutzung attraktiver wird», fasst Roland Thoma von der HIG Immobilien Anlage Stiftung zusammen. «Ein Buchladen ist zwar nicht attraktiv für die Rendite und muss quersubventioniert werden, aber er kann dem Quartier vielleicht einen Mehrwert bieten».

    «Innovation fusst in der Unternehmenskultur und fliesst in die Projekte ein»

    Valentin Müller

    Hochbau und Homeoffice – ein Blick in die Glaskugel
    Wie geht es weiter? Wird der Markt in zwanzig, dreissig, fünfzig Jahren gesättigt sein, und braucht es dann andere Anlagetätigkeiten? Gemäss den Teilnehmern des HIG-Expertengesprächs wird es im Bereich Hochbau eine Verlagerung vom Neubau zur Modernisierung, Sanierung, Aufstockung und Umnutzung geben. Der Bereich Infrastruktur wird mit öffentlichen Bauten wie Spitälern und Bahnunterhalt etc. wachsen, und auch das Thema Nachhaltigkeit wird sich weiter etablieren. «Heute gehören bei der Entwicklung eines Projektes gewisse Nachhaltigkeitsgrundsätze dazu», meint Tobias Achermann. Zudem sei altersgerechtes Bauen ein grosses Thema: «Bis 2030 wird die Altersgruppe 65plus um dreissig Prozent zunehmen. Als Investor und Entwickler setzt man auf die richtige Karte, wenn man sich in diesem Segment mit entsprechenden Infrastruktur- und Community-Konzepten positioniert», so Achermann.

    «Wenn man sich heute im Bereich altersgerechtes Bauen positioniert, setzt man als Investor und Entwickler auf die richtige Karte»

    Tobias Achermann

    Am Thema Homeoffice scheiden sich die Geister. Die Entwickler berichten, dass der gemeinsame kreative Prozess während des Corona-Lockdowns enorm gelitten hätte. So mussten zum Beispiel Studienaufträge verschoben werden, weil die Architekturbüros im virtuellen Austausch nicht so produktiv wie gewohnt sein konnten. Andere Bereiche funktionieren hingegen sehr gut im Homeoffice. Sie eröffnen das Potenzial für eine Zukunft, in der es eventuell neue Arbeitsformen, zumindest aber weniger Pendelverkehr gibt. Wie dieses Potenzial genutzt wird, ist im Moment nicht absehbar. Einerseits holen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück in die Unternehmensräumlichkeiten, andererseits treiben Branchen wie die New Economy den Trend Homeoffice voran. Für das Bauen der Zukunft würde Homeoffice mehr Fläche und Nutzungsflexibilität bei den Wohnräumen erfordern, was aber mit der Bestrebung, kostengünstig durch Flächenreduktion zu bauen, kollidiert.

    Noch einmal zurück zu den Erdgeschossen: Wären hier zum Beispiel Co-Working Spaces denkbar, die das Modell Homeoffice erweitern? Vielleicht im Rahmen einer Sharing-Economy, oder auch nicht-kommerziell in Erweiterung des klassischen Gemeinschaftsraumes? Hierzu gibt es bei einigen Entwicklern konzeptionelle Gedanken, die aber damit stünden und fielen, ob es gelänge, die Behörden mit ins Boot zu holen. Als Entwickler die Entwicklung abzuwarten, sei jedenfalls selten die richtige Haltung. ■

    *Bundesamt für Statistik BFS, erhoben am 1.6.2019, www.bfs.admin.ch

  • «Wegen der Corona-Krise werden wohl alle Investitionsvorhaben aufs Eis gelegt»

    «Wegen der Corona-Krise werden wohl alle Investitionsvorhaben aufs Eis gelegt»

    Herr Allemann, seit langem ist in der Schweizer Hotellerie ein Strukturwandel im Gang mit Trend zu grösseren Hotelbetrieben. Dennoch verfügen knapp 90 Prozent der Hotelbetriebe über weniger als 55 Betten. Wie begegnen diese Betriebe diesem Wandel?

    Das grösste Problem sind Betriebe mit zehn bis zwanzig Zimmern, die über 15 bis 30 Betten verfügen. Diese Häuser haben Mühe, rentabel zu sein. Viele Kleinbetriebe weisen jedoch einen sehr starken Gastronomieanteil auf, der zum Teil über achtzig Prozent des Umsatzes generiert. Dort zählt die Hotellerie nicht zum Hauptgeschäft.

    Hotelgäste werden immer anspruchsvoller. Wie können die in die Jahre gekommenen Hotels diesem Trend gerecht werden?

    Das ist tatsächlich ein Problem. Wir haben in der Schweiz viele Betriebe, welche Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut worden sind. Diese verfügen oft über weniger als dreissig Zimmer und sind sehr unterhaltsintensiv. Falls sie sich in Destinationen befinden, die heute nicht mehr so attraktiv sind, wie zum Beispiel Transitrouten, ist das ein erschwerender Umstand. Fehlende Frequenzen führen dann automatisch zu Rentabilitätsproblemen und aufgestautem Unterhalt.

    Benötigt der Betrieb eines Hotels hohe Investitionen?

    Ja, denn die Hotellerie ist sehr anlageintensiv. Ein Hotel sollte nach dreissig bis vierzig Jahren vollständig erneuert werden. Je nachdem wie trendorientiert oder traditionell zeitlos sich ein Hotel architektonisch mit seiner Ausstattung im Markt positioniert sind vor allem bei den Zimmern kürzere Erneuerungszyklen notwendig.

    Verfügen die Hotels generell über die nötigen finanziellen Mittel, um die anfallenden Renovationen und Sanierungen vorzunehmen?

    Grundsätzlich sollten die Investitionen aus dem Cash Flow finanziert werden. In den letzten Jahrzehnten wurde dies für viele Betriebe auch wegen der verschiedenen Krisen zunehmend schwierig. Momentan natürlich besonders wegen der Corona-Krise. Im Luxus-Bereich finden sich oft Mäzene, die sich entweder in das Haus oder in die Region verliebt haben und bereit sind, in Hotelimmobilien zu investieren. Die Motivation ihrer Investitionen sehen sie nicht allein betriebswirtschaftlich an, sondern als «A-fonds-perdu-Beitrag. Damit erreichen deren Hotelbetriebe ihre ausserordentliche Positionierung im Markt. Das kritische Segment sehe ich in den Mittelklasse-Hotels, die wegen mangelnder Auslastung oder ungenügender Positionierung die notwendigen Investitionen nicht tätigen oder nur über eine Fremdverschuldung generieren können.

    Unterstützt ihr Verband finanziell die Renovationen von Hotels?

    Nein, dies ist nicht die Aufgabe des Verbandes; wir hätten auch nicht die notwendigen Mittel dazu. Der Verband verfügt über die Angebotskompetenz und unterstützt seine Mitglieder, wettbewerbsfähig zu sein. Wir haben ein Netzwerk von spezialisierten Beratungsunternehmen aufgebaut, das unsere Mitglieder in verschiedensten Themenbereichen unterstützen kann. Ebenso arbeiten wir sehr eng mit der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) zusammen, welche über die spezifische Finanzierungskompetenz verfügt.

    Das heisst?

    Die SGH ist ein Instrument des Bundes zur Förderung der Beherbergungswirtschaft. Sie kann nachrangig zu den Banken und subsidiär zu privaten Geldgebern den Hotels im Fremdenverkehrsgebieten und Kurorten Darlehen für Investitionsvorhaben gewähren.

    Welche weiteren Herausforderungen gilt es anzupacken?

    Nachfolgeregelungen sind bei Betrieben mit Investitionsstau und / oder Überschuldung besonders schwierig. Innerhalb der Familie ist dies praktisch nicht möglich oder den Kindern auch nicht zumutbar. Umnutzungen von Hotelliegenschaften sind seit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative praktisch nicht mehr möglich. Gerade bei denkmalgeschützten Liegenschaften stellt auch ein Abriss keine Option dar. Gesamtsanierungen oder Teilumnutzung sind zudem aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes sehr kostspielig. Bleibt also noch die Hoffnung, einen Mäzen zu finden. Nur stehen diese leider auch nicht gerade vor der Türe. Sofern die Substanz des Hauses aber noch intakt ist und in der Destination ein Potenzial für eine Nachfrage besteht, sehe ich als Alternative aber den Zusammenschluss von mehreren Betrieben zu einer überbetrieblichen Kooperation als Chance aus diesem Dilemma. So können beispielsweise über die Bündelung des Einkaufs Kosten gespart und mit gemeinsamen Marketingaktivitäten mehr Umsatz erzielt werden.

    Was raten Sie einem Hotelier: Renovieren, abreissen oder versuchen, einen Kredit zu erhalten?

    Schauen Sie, ein Kriterium ist die vorhandene Bausubstanz, gerade bei Hotels aus der Jahrhundertwende. Ist jedoch nur noch die Hülle historisch, bietet dieses Hotel für den Gast kaum Anreize, hier abzusteigen. Um ein geschichtsträchtiges Haus am Leben zu erhalten, braucht es viel persönliches Engagement. Zuerst ist es wichtig, sich mit der Zeitepoche des Hotelbaus auseinanderzusetzen. Hierfür ist eine gewisse Affinität zu der Geschichte des Hotels nötig. Diese muss auch erzählt werden. So braucht es jemanden der bereit ist, die Einrichtung des Betriebes sanft und mit viel Fingerspitzengefühl zu renovieren und auf den Stand der heutigen Gästebedürfnisse zu bringen. ■

  • Diese Energiestrategie verfolgen Livit, Privera und die Steiner Gruppe

    Diese Energiestrategie verfolgen Livit, Privera und die Steiner Gruppe

    ImmoInvestch.ch hat bei drei CEOs grosser Immobilienunternehmen angeklopft. Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe, Dieter Sommer, CEO Privera sowie Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG, beantworten heute die Frage:

    Welche Strategie verfolgen Sie beim Thema Energie?

    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Als Gründungsmitglied des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) steht für Steiner die Energieeffizienz bei der Entwicklung und Realisierung von Immobilienprojekten stets im Mittelpunkt. Bei der Vaudoise Aréna in Lausanne wurde beispielsweise unter der Regie von Steiner ein Konzept umgesetzt, das die bei der Eisproduktion für die Eisfelder anfallende Abwärme der Kältemaschinen zur Beheizung der Schwimmbecken nutzt. Und beim neuen Spitalgebäude des Hôpital Riviera-Chablais in Rennaz liefern 3300 Sonnenkollektoren auf dem Dach an sonnigen Tagen einen Grossteil des benötigten Stroms. Alle unsere Bemühungen verfolgen ein Ziel: Die Effizienz – insbesondere auch die Energieeffizienz von Gebäuden – bei jedem Projekt zu erhöhen und einen möglichst nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu pflegen.

    Dieter Sommer, CEO Privera: Einerseits wollen wir als Unternehmung unseren Beitrag zu einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen leisten. Beispielsweise konnten wir die Möglichkeit für Homeoffice-Arbeit unserer Mitarbeitenden durch die Digitalisierung von Prozessen und Unterlagen deutlich steigern. Dadurch können wir unsere Fahrtkilometer reduzieren und sind somit ressourcensparender. Andererseits beraten wir unsere Kunden und Auftraggeber rund um das Thema Energie im Rahmen unserer Servicelines.

    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Grundsätzlich stehen wir unseren betreuten Eigentümern als Dienstleister zum Thema Energie beratend zur Seite. Die Nachhaltigkeit ist für die Investoren seit geraumer Zeit ein grosses Thema. Die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden gewinnt an Bedeutung. So werden Strategien und Baurichtlinien in Bezug auf die Nachhaltigkeit bei Neubauten sowie Renovationen erstellt. Im Zusammenhang mit dem Thema Energie setzen wir uns mit energetischen Betriebsoptimierungen, zentraler Energiebeschaffung, Aufbau von Photovoltaik-Anlagen sowie dem Aufbau von Energiemonitorings- und Controllings auseinander. Dabei spielen die Nutzerinformationen zwecks positiver Beeinflussung des Verbrauchs eine wichtige Rolle. Von uns erstellte Nutzerinformationsblätter für die Mieter sollen den Energieverbrauch ebenfalls positiv beeinflussen.

  • Diese Projekte sind bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe in der Pipeline

    Diese Projekte sind bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe in der Pipeline

    Heute beantworten Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG, Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe sowie Dieter Sommer, CEO Privera, die Frage:

    Welches grössere Projekt haben Sie in nächster Zeit geplant?

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    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Die Livit richtet sich weiter digital aus. Dabei steht elementar der Kundennutzen im Fokus. Mit dieser Zielsetzung stehen Projekte wie die Einführung eines Customer Services, die Entwicklung eines Mieter- und Eigentümerportals sowie der digitale Arbeitsplatz im Vordergrund.

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    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Das Glasi-Quartier, unser derzeit grösstes Projekt, befindet sich in Bülach direkt beim Bahnhof. Hier entsteht auf einem rund 42‘000 m² grossen Areal ein neues Stadtquartier mit mehr als 500 Wohnungen, einem Wohn- und Pflegezentrum, einem Hotel und über 20 000 m² Gewerbe- und Dienstleistungsflächen. Bereits im kommenden September werden wir die Aufrichte des Glasi-Quartiers feiern. Darüber hinaus verfolgen wir ähnliche Entwicklungsprojekte in anderen Regionen – so beispielsweise das Bell Areal in Kriens und das Feldmühle Areal in Rorschach, wo wir alte Industriebrachen in neue städtische Quartiere transformieren wollen.

    Dieter Sommer, CEO Privera: Wir verfolgen auf Unternehmensebene stets mehrere Projekte, um uns stetig weiterzuentwickeln. Aktuell planen wir die Einführung einer neuer Bewirtschaftungssoftware. Zudem beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir uns als Unternehmen und unsere Dienstleistungen noch nachhaltiger gestalten können.