Die Wärmeversorgung von Zürich befindet sich im Umbau. Dabei spielt Energie 360° eine zentrale Rolle. Sie bietet Kundinnen und Kunden in der ganzen Schweiz klimafreundliche Alternativen zu Erdgas.
Konsequente Transformation
An erster Stelle steht lokal verfügbare, erneuerbare. Energie 360° plant in der Stadt Zürich 130 Gemeinschaftsanschlüsse. Dort werden Gebäude gebündelt an die Fernwärme angeschlossen. Zudem sind 14 Energieverbünde in unterschiedlichen Planungsphasen oder bereits in Bau. Zum Beispiel will man in Thalwil, im Zürcher Riesbach-Quartier oder in Wohlen (BE) die Seewärme zur Energiegewinnung nutzen. Die Folge davon ist, dass das Gasnetz nach und nach stillgelegt werden soll. In der Stadt Zürich sind dies bis 2050 rund 130 Leitungskilometer. Dank diesen Massnahmen stehen immer mehr Anwohnerinnen und Anwohnern ökologische Alternativen zur Verfügung. Gas wird vorerst Teil der Energieversorgung bleiben, doch Energie 360° erhöht laufend den erneuerbaren Anteil. Seit 1. Januar 2020 beträgt der Anteil Biogas bereits 20%, bis 2040 soll die Stadt Zürich zu 100% mit grünem Gas versorgt werden.
Solide Finanzen
Energie 360° steigerte den Umsatz 2019 auf 524,8 Millionen Franken (+7,7%), wovon 54,1 Mio. Franken auf erneuerbare Energien und Energielösungen wie Wärmeverbünde entfallen. Insgesamt verzeichnete Energie 360° bei den erneuerbaren Energien eine Absatzzunahme von 12,5%. Der Gesamtenergieabsatz – der direkte Energieabsatz plus Absatz an Wiederverkäufer – stieg auf 7591 Gigawattstunden (+2,6%). Die Zunahme ist auf kältere Temperaturen im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr zurückzuführen. Der Personalbestand erhöhte sich von 239,6 auf 260,4 Vollzeitäquivalente oder von 249 auf 271 Mitarbeitende. Der Reingewinn beläuft sich auf 58,4 Millionen Franken; gegenüber 86,8 Millionen Franken im Vorjahr. Der Vorjahresgewinn war jedoch aufgrund eines steuerlich bedingten, einmaligen Sondereffekts von 41,2 Mio. Franken ausserordentlich hoch. Die Eigenkapitalquote liegt bei soliden 83,6%.
Energieversorgung ist sichergestellt
Die Versorgungssicherheit ist trotz Coronapandemie gewährleistet. Energie 360° versorgt Kundinnen und Kunden unverändert mit Energie und hält ihre Elektroladestationen am Laufen. Um die Kundinnen und Kunden zu unterstützen, wurde aber zum Beispiel die Zahlungsfrist auf 120 Tage verlängert. Zudem wird auf Mahngebühren verzichtet und die Möglichkeit in Raten zu bezahlen wird angeboten.
#Energie #Energie360° #nachhaltig #heizen #StadtZürich #Zurich
Autor: immoinvadmin
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Zürich: Immer mehr erneuerbare Energie
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Zug: Peter Spirig der neue CEO von V-ZUG
Der Präsident Heinz M. Buhofer übernahm beim Transformationsprozess von V-ZUG vorübergehend das Amt des CEO. Nun konnte Peter Spirig für diese Position gewonnen werden. Am 1. September 2020, spätestens am 1. Oktober 2020 soll er nach der kurzen Einarbeitungsphase die Position übernehmen.
Momentan leitet Peter Spirig die Abteilung Türen bei Arbonia in Arbon TG. Zuvor war er seit 2009 für den weltweit tätigen Hersteller von Küchensystemen, Franke Gruppe, tätig. Ab 2013 konnte der studierte Bauingenieur die Franke Asia als CEO leiten.
#CEO #VZUG #PeterSpirig -

EnergieSchweiz: Sieger der Smart City Innovation Challenge
Sieben Initiativen aus der Schweiz erhielten bei der zweiten Smart City Innovation Challenge (SCIC) eine Auszeichnung. Darunter findet man Lösungen für clever kombinierbare Mobilitätsangebote über lokale Stromerzeugung im Quartier oder intelligente Lösungen für blinde und sehbehinderte Menschen. Die öffentliche Preisverleihung wird wegen der Coronavirus-Krise zu einem späteren Zeitpunkt EnergieSchweiz nachgeholt.
Karegorie Ideen:
- KU:BE
Informations- und Leitsystem für alle, Stadt Bern
Hilft Blinden/Sehbehinderten, Kunst und Kultur im öffentlichen Raum selbständig zu erleben - Integrated
Corporate Mobility Platform, routeRank aus dem EPFL
Innovation Park in
Lausanne
Soll den besten, billigsten und umweltfreundlichsten Reiseweg finden - #Smarta – klare Ansagen statt heisser Luft, Region Basel
Kategorie Projekte:- Smart!mobil
– clever kombinieren und teilen, Solothurn
Effiziente Kombination von Mobilitätsangeboten in Grenchen, Olten, Solothurn, Zuchwil und der Region Thal. - Quartierstrom, Gemeinde Walenstadt
Erster lokaler Strommarkt der Schweiz, seit September 2018 in Betrieb - Smart City Lights Challenge, Wädenswil (ZH)
- Vom Labor zur Smart City, Deitikon (ZH)
- KU:BE
Informations- und Leitsystem für alle, Stadt Bern
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Holzbau: Erstes klimaneutrales Parkhaus
Im dänischen Aarhus wurde ein Holzparkhaus mit einer Fläche von 19‘300 Quadratmetern entwickelt. In dem sechsstöckigen Parkhaus sollen 700 Autos Platz haben und es soll eine wesentliche Rolle in der Entwicklung des Standortquartiers spielen. Denn es wird mit dem Parkhaus auch ein Park errichtet, welcher die Widerstandskraft der Stadt gegen Wolkenbrüche und Hitzewellen erhöhen soll.
Die CO2-Bilanz in Aarhus soll durch die Grünanlagen, einen vertikalen Garten und einen neuen urbanen Wald verbessert werden. Zudem wird ein grosser Teil des Gebäudes nicht beheizt, wodurch der Einfluss auf die Umwelt auf die Baumaterialien, die Beleuchtung und die Zufahrtssysteme begrenzt wird -

UBS: Die Nervosität an den Märkten ist hoch
Die Börsen rund um den Globus haben stark korrigiert und die Volatilität ist erheblich gestiegen. Auch die kotierten Schweizer Immobilienfonds konnten sich in den letzten Wochen dieser Entwicklung nicht entziehen, schreibt die UBS in einer Mitteilung. Die Agios bewegen sich mittlerweile im Bereich von rund 15-18%, was leicht unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Überproportionale Korrekturen hätten besonders kommerziell ausgerichtete sowie kleinere Immobilienfonds hinnehmen müssen. Hierbei gelte es die fondsspezifischen Gegebenheiten angemessen mitzuberücksichtigen.
Negative Auswirkungen auf die Mieterträge
Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind direkt, dennoch erwartet die UBS bei einer länger anhaltenden Ausnahmesituation auch negative Effekte auf dem Immobilienmarkt. Auf die Mieterträge negativ auswirken könnten sich eine niedrigere Zuwanderung, sinkende Umsätze im stationären Handel sowie die Gastronomie und mögliche Unternehmenskonkurse. Vor diesem Hintergrund dürften hingegen Wohnliegenschaften weniger stark betroffen sein als kommerziell genutzte Liegenschaften. Da die Unterstützung von betroffenen Branchen und Unternehmen zurzeit intensiv diskutiert wird, geht die UBS davon aus, dass mit signifikanten Stützungsmassnahmen seitens des Bundes zu rechnen ist.
Noch immer attraktive Risikoprämie
Nach Einschätzungen der UBS dürften die weiterhin tiefen Zinsen stützend wirken und die Nachfrage nach kotierten Immobilienfonds, im Vergleich zu anderen Anlageklassen stabil halten. Die aktuelle Dividendenrendite der kotierten Immobilienfonds von 2.8% würde im Vergleich eine noch immer attraktive Risikoprämie bieten. -

Zug: 266 m2 Bürofläche für Sber Trading Swiss AG
Sber Trading Swiss AG ist im Rohstoffhandel tätig und ist eine Tochtergesellschaft der Sberbank. SPG Intercity Zurich wurde beauftragt für sie einen neuen Standort in der Schweiz zu suchen. Fündig wurden sie an der Alpenstrasse 9. Das Gebäude befindet sich noch im Rohbau und ist direkt am Bahnhof und nahe an der Seepromenade in Zug. In der Rekordzeit von nur vier Monaten konnte nicht die Suche und Mietvertragsverhandlungen, sondern auch die Vermittlung eines Architekten, ein Projekt-Kickoff und die Schlüsselübergabe erfolgreich umgesetzt werden.
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Seedorf: Baubeschluss für Kraftwerk Palanggenbach
Am letzten Donnerstag fiel der Baubeschluss für das neue Wasserkraftwerk in Seedorf. Ab April 2020 erfolgen die Vergabe und Bestellung der Bauarbeiten und die Vorarbeiten starten im Mai. Der offizielle Spatenstich ist für den Spätsommer geplant.
Sie KW Palanggenbach AG investiert rund 21 Millionen Franken in das Projekt. Mit 85 Prozent soll der grösste Teil der Gesamtinvestition in Uri bleiben, zwischen 40 und 50 Firmen werden beteiligt sein.
Mir 11,5 Millionen Kilowattstunden wird das Kraftwerk 2600 Haushalte mit Strom versorgen können. Zudem werde es 90’000 Franken Wasserzinsen pro Jahr zugunsten der Korporation plus Steuern für die Gemeinde Seedorf und den Kanton leisten. Im Vergleich zu einem Kohlekraftwerk spare es rund 14’000 Tonnen CO2 jährlich ein. -

Altdorf: Wasserkraftwerk trotz Unwetter erfolgreich
Das Kraftwerk Gurtnellen blickt auf ein positives Geschäftsjahr zurück. Es hat im vergangenen Jahr 36.8 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft produziert, womit im vergleich zu einem Kohlekraftwerk 46’000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden wurden.
Somit habe das Kraftwerk Gurtnellen 2019 trotz des Unterbruchs eine hohe Anlagenverfügbarkeit von 99,7 Prozent erreicht. Mitte Juni 2019 hatten schwere den Bachrandbereich im Bereich der Kraftwerkszentrale beschädigt und Teile des Vorplatzes und des Schutzdamms unterspült. Das Kraftwerk konnte die Schäden rasch beheben, der Betrieb musste nur für einen Tag ausgesetzt werden. -

Kernkraftwerk erzeugte weniger Strom
Trotz der 86.2 Millionen investierten Franken in Brennelemente, anlagentechnische Verbesserungen und Substanzerhaltung, wurden im Vergangenen Jahr das nur netto 7.82 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Somit betragen die normalisierten Jahreskosten vom Jahr 2019 331.1 Millionen Franken. Das Kernkraftwerk Gösgen (KKG) hatte im Vorjahr noch 8.25 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt, was 322.5 Millionen Franken bezifferte.
Bei den normalisierten Jahreskosten werden keine kurzfristigen Entwicklungen an der Börse berücksichtigt, sondern eine langfristige Bruttorendite von 3,5 Prozent für Stilllegungs- und Entsorgungsfonds. Deshalb stiegen die normalisierten Produktionskosten von 3.91 auf 4.23 Rappen pro Kilowattstunde.
Da die Fondsperformance 2019 jedoch weit über 12 Prozent lag, betragen die tatsächlichen Jahreskosten 152,5 Millionen Franken. mit 1,95 um 3,86 Rappen pro Kilowattstunde lagen tatsächlichen Produktionskosten unter dem Vorjahreswert. -

Im Juni wird das Wasserkraftwerk Schächen eingeweiht
Am 27. Juni 2020 soll die offizielle Einweihung des neuen Kraftwerks (KW) Schächen stattfinden. Trotz der aktuellen Corona-Krise verläuft der Abschluss des Baus nach Plan. Das Kraftwerk wurde acht Jahre lang aufwendig geplant. Dafür konnte es bereits nach einem Jahr Bauarbeiten in Betrieb genommen werden. Denn es ging am 20. November 2019 ans Netz und produziert seit dem Strom für das Verteilnetz der Elektrizitätswerk Altdorf AG (EWA). Mit einer Leistung von 16,4 Gigawattstunden versorgt es 3600 Haushalte.
Die Herausforderungen beim Bau waren der Bau im dichtbesiedelten Wohn- und Wirtschaftsraum sei, auch die Verlegung der Druckleitung entlang der Klausenstrasse in Bürglen und Kirchenrütti und jetzt noch die Lieferungen mit der Corona-Krise. Doch aus heutiger Sicht kann man sagen, dass Termin- und Budgetplan eingehalten werden können. Insgesamt wurden 21.4 Millionen Franken investiert, dabei fliessen Aufträge in Höhe von 16 Millionen Franken in Unternehmen aus dem Kanton Uri. -

CUREM Online-Panel: Die Schweiz im «perfekten Sturm»
Erstmals in seiner Geschichte nimmt Curem unter seinem Managing Director Andreas Loepfe zu einer Tagesaktualität Stellung. So stehen für einmal nicht langfristige Themen wie etwa das Real Estate Management im Fokus, sondern das Corona-Virus, das sich rasend schnell verbreiten und noch schnellere Entscheidungen abverlangt. Rolf Frey, Leiter Indirekte Immobilien, Maerki Baumann und Co. AG, verdeutlichte dies anhand der Nachfrage nach Dividendentiteln: «Vor Corona war die Nachfrage gross. Man musste investieren. Dann jedoch brach der Markt zusammen. Viele Leute brauchten Geld und mussten verkaufen. Viele Immobilientitel waren überbewertet. Teilweise wurden 500’000 Titel pro Tag gehandelt. Dieser Verkaufsdruck führte zu Kurseinbrüchen.»
Dreigeteilter CH-Markt
Jan Eckert, CEO Switzerland von Jones Lang LaSalle Ltd, erzählte von einem Hongkong-Kollegen, der 16 Wochen Home-Office hinter sich hat: «Und es funktioniert recht gut.» Seine Beobachtung: «Alle grossen Vermietungsverhandlungen ab 5’000 Quadratmetern laufen weiter. Bei kleineren Deals warten man ab. Einzig direkt von Corona betroffene Unternehmen wie Airlines oder Hotels verzichten ganz auf neue Flächen. Aktuell würde «der berühmteste Makler der Nation» Jan Eckert, den Markt dreiteilen: Es läuft weiter wie bisher (I), rigoroses Repricing (II) und gestoppte Deals (III).Zurückhaltende Käuferschaft
Claude Ginesta, CEO und Inhaber von Ginesta Immobilien AG, zeigt die Wirkung der aktuellen Situation bei private Immobilienanlagen: «Viele Kunden sind bereit, ihre Zusagen aufrechtzuerhalten. Wir sehen aber auch, dass nur wenige neue Liegenschaften auf den Markt kommen. Viele Investoren hoffen auf einen günstigeren Kaufpreis in den nächsten Monaten. Verkäufer vertrauen dagegen weiter auf die noch immer starke Immobilien-Währungen. Die Käufer halten sich aber ganz klar zurück. Entwicklungsprognosen sind daher im Moment schwierig.»Bitte kein Ausgangsverbot!
Für Béatrice Schaeppi, CEO von Schaeppi Grundstücke Verwaltungen AG, hat sich die Lage massiv verändert: «Wir haben einen gewaltigen Mehraufwand, da vieles neu geregelt werden muss. Die anstehenden Wohnungswechsel Ende dieses Monats können jedoch weitgehend durchgeführt werden. Die Mieter sind durch immer wieder neue Weisungen des BAG etwas verunsichert. Es läuft aber im Allgemeinen sehr gut. Bei der Wohnungsübergabe wird Abstand gehalten, wir tragen Handschuhe, sicher gibt es einige Mieter die nicht anwesend sein wollen, was den administrativen Aufwand massiv erhöht. Ein Ausgangsverbot würde uns momentan massiv treffen. So suchen wir täglich nach neuen kreativen Lösungen.»Stabiles Zins-Niveau
Dr. Stefan A. Heitmann, Founder & CEO von MoneyPark AG, spricht puncto Hypothekargeschäft von einem sehr volatilen Kapitalmarkt, aber kaum veränderten Prognosen: «Die Hypothekarzinsen bleiben attraktiv. Sie sind zwar kürzlich gestiegen, dann gab es eine Gegenbewegung dank FED-Massnahmen. Die Swap-Sätze (Refinanzierungssatz für Banken; Anm. d. Red.) sind im Jahresvergleich auf einem tiefen Niveau. Wir verändern unsere Prognose aktuell nicht gross, da der Schweizer Hypothekarmarkt stark reguliert, gesund und tief belegt ist. Wenn keine lange Rezession stattfindet, erwarten wir eine Delle in unserem strukturell gesunden Markt.»Stabil, aber …
«Die Schweizer Volkswirtschaft ist einem «perfekten Sturm» ausgesetzt», sagt Dr. Adriel Jost, Head of Economics bei Wellershoff & Partners. Er vergleicht sie mit einem stabil gebauten Haus. «International sind dagegen viele Häuser nur notdürftig reparierte. Die internationale Unternehmens- und Staatsverschuldung ist gigantisch – siehe etwa die USA. So gesehen war die Schweiz während der letzten 10 Jahre sehr verwöhnt. Durch die kritische Weltwirtschaftslage wird sich zeigen wie gesund und sicher die Banken wirklich sind.»Blosse Symptom-Bekämpfung
Prof. Dr. Thorsten Hens, Professor für Finanzmarktökonomie an der Universität Zürich, verweist auf die Historie der Aktienmärkte, die immer wieder von Abstürzen gekennzeichnet war. «Viele Staaten haben via ihre Nationalbanken massive Hilfsprogramme gestartet. Die eingepumpte Liquidität kann jedoch nur die Symptome bekämpft, nicht das effektive Problem. Wir vermuten, dass wir nicht aus der Finanzkrise der 30iger Jahre lernen können, da sich die Märkte insgesamt nicht schnell genug erholen. Es ist zu erwarten, dass wir in eine Rezession gleiten. Oder anders gesagt: Nicht ganz freie Gesellschaften kommen mit einer Corona-Krise besser zurecht, weil man die Leute zwingen kann. Die Leute wollen aus der Finanzkrise lernen, aber die Corona-Krise wiegt stärker und langfristiger.»Frosch- statt Vogelperspektive
Dr. Dr. Urs Hausmann, Inhaber von Dr. Urs Hausmann Strategieberatung, fasst abschliessend einige Gedanken seiner Vorredner zusammen und sagt: «Die Schweiz hat eine gute Ausgangslage. Aber es herrscht ein Mangel an Marktinformationen. Wir argumentieren alle aus der Frosch-Perspektive und es ist höchst schwierig, eine Vogelperspektive einzunehmen. Momentan ist eine akkurate Marktanalyse sehr schwierig. Der Immobilienmarkt ist spät-zyklisch und sehr träge. Jetzt ist ein professionelles Risikomanagement bedeutend, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten».Es bleibt spannend
Zusammenfassend lässt sich sagen, das Alte ist aus den Fugen geraten und das Neue noch nicht da. Die Asset-Märkte werden noch von der alten Welt dominiert. Wir wissen heute nicht wie die Banken global reagieren. So gesehen sind Prognosen schwierig und die Meinungen gehen weit auseinander. Es bleibt spannend und wir bleiben dran. (MnM) -

Zug Estates Gruppe: Patrik Stillhart der neue CEO
Patrik Stillhart hat den Master of Science ETH als Bauingenieur und schloss ein Nachdiplomstudium als Immobilienökonom (EBS) ab. Später absolvierte er ein Executive Programm von HEC Paris und JLL mit Fokus auf Innovationsmanagement, Geschäftsstrategien und Leadership. Er war Senior Vice President der Sal. Oppenheim jr. & Cie. Corporate Finance (Schweiz) AG und Projektleiter bei der Ernst Basler & Partner AG mit Bauherrenberatungsmandaten. Seit 2011 ist er Managing Director und stellvertretender CEO der Jones Lang LaSalle AG (JLL Schweiz), die er mitgegründet hatte.
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Beny Ruhstaller: «Auch die SVSM ist jetzt gefordert»
Im Moment befindet sich die Schweiz, ja die ganze Welt in einer Situation, wie wir sie noch nie erlebt haben. Die Corona-Krise wird auch die Standorte und die Immobilien-Wirtschaft hart treffen. Bereits jetzt sind neue Lösungen für bisher scheinbar in Stein gemeisselte Aufgaben und Prozesse nötig. So findet auch die Generalversammlung der Schweizerischen Vereinigung für Standortmanagement SVSM virtuell statt – und unseren Hauptanlass, den Tag des Standortmanagements, mussten wir mit grossem Bedauern absagen.
Die Standortförderer in der Schweiz müssen auch in „normalen“ Zeiten mit bescheidenen Mitteln möglichst viel für ihre Standorte leisten. In der aktuellen Krise sind sie noch stärker auf sich alleine gestellt; Rückhalt und Wertschätzung fehlen vielerorts. Doch gerade jetzt, wo praktisch alle Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen schliessen mussten, werden von den Standort- und Wirtschaftsförderungen Wunder erwartet. Nun gilt es, zusammenzustehen: Der Fokus liegt im Moment auf dem Regionalen, dem Lokalen – was auch eine Chance sein kann, wenn die Beschränkungen für das Gewerbe wieder gelockert werden.
Die Rückkehr zur «Normalität» nach der Corona-Pandemie wird auf jeden Fall keine Rückkehr in die gleiche Realität sein, wie wir sie bis anhin kannten. Weiterhin – und dann erst recht – werden innovative Lösungen, «Querdenken» und kreative Ideen gefragt sein; auch im Standortmarketing und in der Wirtschaftsförderung. Ohne in Zweckoptimismus verfallen zu wollen: In diesem Sinne kann die aktuelle Situation durchaus als Chance für hoffentlich positive Veränderungen gesehen werden.
Wir als Verband werden versuchen, unsere Mitglieder bestmöglich bei den aktuellen und noch kommenden Herausforderungen zu unterstützen – sei es mit Informationen, mit Lobbying oder mit der Bereitstellung eines gut funktionierenden Netzwerkes. -

Baubewilligung für HIAG
Der Bau des neuen Möbelfachmarkts XXXLutz beginnt im Herbst 2020. Dafür hat HIAG die rechtskräftige Genehmigung erhalten. Mit dem Bau von rund 18’000 Quadratmetern Nutz- und Verkaufsfläche wird das Einkaufsgebiet Silbern nachhaltig und sichtbar aufgewertet. Der Einkaufsstandort bietet bereits jetzt durch die grosse Anzahl von Branchenübergreifenden Fachmärkten und Outlets über 5000 Arbeitsplätze.
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Credit Suisse: Erste Stimmen eines Crash im Immobilienmarkt
Durch die Verbreitung des Coronavirus liegen verschiedene Sektoren der Wirtschaft im In- und Ausland still. An eine Rezession 2020 führt kein Weg vorbei, da sind sich die CS-Ökonomen einig. Die Frage ist nur, wie gravierend der wirtschaftliche Rückschlag ausfallen wird. Entscheiden für das Ausmass des Konjunkturschocks dürfte die Dauer des Lockdowns sein. Dieser ist wiederum davon abhängig, wie lange es dauert, bis sich die epidemiologische Lage stabilisiert.
Verkauf von neuen Wohneinheiten gerät ins stocken
Welche Auswirkungen die Coronavirus-Krise nach sich zieht lässt sich noch nicht schlüssig beantworten. Trotz den wieder aufkommenden Befürchtungen über einen Crash erachtet die Credit Suisse den Wohnungsmarkt als stabilen Anker des Immobilienmarktes. Dennoch werden nach Einschätzungen der CS vor allem die Promotoren von Eigentumswohnungen leiden. Sollte die Corona-Krise länger als erwartet dauern, werde der Verkauf von neuen Wohneinheiten erheblich ins Stocken geraten und bei Promotoren zu Liquiditätsproblemen führen. Nach Abflauen der Pandemie dürfte der Markt für Wohneigentum relativ rasch wieder zum Vorkrisenzustand zurückkehren – mit Ausnahme des Luxussegments.
Verbreitete Unsicherheit, steigende Arbeitslosigkeit
Wohnungen gewinnen in Zeiten von Home-Office, Social Distancing und geschlossenen Restaurants an Bedeutung. Dennoch rechnen die CS-Experten auch im Mietwohnungssegment mit einer geringeren Nachfrage. Die verbreitete Unsicherheit und die steigende Arbeitslosigkeit werden die Mietwohnungsnachfrage zusätzlich beeinträchtigen. Prognostiziert wird, dass per Stichdatum 1. Juni dieses Jahres zusätzlich 7000 bis 8000 Mietwohnungen leer stehen werden. Ebenso rechnen die CS-Ökonomen, dass sich die Leerstandziffer auf über 2,9% ansteigen und den Druck auf die Angebotsmieten leicht erhöhen wird. Für Besitzer von Mietrenditeliegenschaften, die über grössere Immobilienportfolios verfügen, werde sich dadurch wenig ändern.
Büroflächenmarkt kommt zum Erliegen
Die CS-Ökonomen kommen zum Schluss, dass aufgrund der enormen Unsicherheit die Erholung des Büroflächenmarkts relativ rasch zum Erliegen kommt. Sie erwarten, dass die Nettonachfrage nach zusätzlichen Büroflächen in sich zusammenfällt. Unter die Räder kommen dürfte der Retailflächen- sowie der Hotelmarkt. Der Lockdown, beziehungsweise die ausbleibende Nachfrage seitens ausländischer wie inländischer Konsumenten, sorgt – je länger der Lockdown dauert – für einen weitgehenden Ertragsausfall. Der Anteil des Retailsektors und der Hotellerie am Gesamtbestand des Schweizer Immobilienmarktes beträgt nur 5 bis 6%. Mit anderen Worten: Der Rückschlag für den Immobiliensektor dürfte sich in Grenzen halten.
Warnung einer bevorstehenden Krise
Die Coronavirus-Krise stellt einen Schock dar, wie er in der Wirtschaftsgeschichte nur selten vorkommt. Sofern sei es verständlich, dass erste Stimmen von einer bevorstehenden tiefgreifenden Krise oder Crash im Immobilienmarkt warnen. Dennoch kommen die CS-Ökonomen zum Schluss, dass die Corona-Krise den Schweizer Immobilienmarkt nicht in seinen Grundfesten erschüttern wird. Vor allem aufgrund der höheren Sicherheit der Mietzinseinnahmen. Im Vergleich zu anderen Cashflows werden sich die Investoren hüten, dem Immobilienmarkt den Rücken zu kehren. Ganz im Gegenteil: Man rechnet eher mit einer verstärkten Nachfrage. Unbestritten ist, dass es Blessuren geben wird. Diese würden sich vor allem auf die gewerblichen Immobiliensegmente und dort im speziellen auf den Verkaufsflächenmarkt und den Hotelbereich konzentrieren. -

Holzbau: Neue Bauart mit Brettsperrholz
Das fünfstöckige Wohnhaus wurde von Architekten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und dem Design- und Bauunternehmen Placetailor geplant. Die Bauelemente aus dickem Holz werden vorproduziert und anschliessend auf der Baustelle montiert. Das Holz isoliert sehr gut, weshalb mit einem sehr niedrigen Bedarf für Heizung und Kühlung gerechnet werden kann. Deshalb soll das Haus so energieeffizient sein, dass die CO2-Emissionen praktisch bei null liegen.
Holz soll nun dank neusten Entwicklungen auch für Gebäude mit bis zu 18 Stockwerken verwendet werden und nicht mehr nur für Einfamilienhäuser oder kleinere Apartmenthäuser. Das Gebäude in Boston wird über 14 Wohnungen verschiedener Grössen und ein Gemeinschaftsbüro im Erdgeschoss verfügen.
Das Wohnhaus soll als Demonstrativobjekt für Passivhäuser dienen und der Beginn eines neuen Aufschwungs für Holzgebäude oder Hybridkonstruktionen sein. So würde sowohl ein Markt für nachhaltige Forstwirtschaftsprodukte als auch für die nachhaltigen Nullenergiehäuser entstehen. -

Schweizweit erstmals wieder weniger Baufirmen gegründet
Im Jahr 2019 wurden seit langem wieder mehr Löschungen als Neugründungen von Unternehmen in der Baubranche beobachtet, es wurden ein Minus von 748 Unternehmen dokumentiert. Generell ist die Lebensdauer vieler Unternehmen eher gering, viele Neugründungen verschwinden in den ersten drei Jahren wieder.
Insgesamt gab es Ende 2019 in der Schweiz 61’475 Bauunternehmen. Der Kanton Zürich hatte dabei mit 8402 Unternehmen die meisten Firmen. In den einzelnen Branchenbereichen liegt jedoch im Hochbau der Kanton Waadt mit 632 Unternehmen vorne. Bern ist in der führenden Position mit 550 Holzbaufirmen und 133 Strassenbauunternehmen.
Nach Branchen betrachtet lag im letzten Jahr der Bereich Elektroinstallation mit 6166 Unternehmen an erster Stelle. Darauf folgt der Hochbau mit 5253 Unternehmen und der Bereich Malerei mit 3765 Unternehmen. -

Marc Pointet – der neue CEO von Ina Invest
Bereits mit der Präsentation des Jahresergebnisses 2019 hatte Implenia angekündigt in die neu gegründete Immobiliengesellschaft Ina Invest AG zu investieren. Das Unternehmen entwickelt und bewirtschaftet viele attraktive Immobilienprojekte an denen höchste Nachhaltigkeitsstandards angewendet werden sollen. Für die Ina Invest Holding AG sowie der Ina Invest AG konnte bereits Stefan Mächler als Präsident des Verwaltungsrates gewonnen werden und nun auch der Experte Marc Pointet als CEO.
Marc Pointet ist ein ausgewiesener Experte und erfahrenen Manager mit ausgezeichneten Kenntnissen im gesamten Lebenszyklus von Immobilien. Zudem bringt er viel Erfahrung im arealübergreifenden Management eines Immobilienparks mit.
Er absolvierte an der ETH Zürich den Master in Architektur und später ergänzte er seine Ausbildung um einen Executive MBA HSG an der Universität St. Gallen. Er arbeitete als Architekt und Projektleiter bei namhaften Unternehmen in der Bank- und Bauindustrie. So leitete er zum Beispiel bei Mobimo als Leiter Projektmanagement grosse Entwicklungsprojekte, unter anderem der Mobimo Tower in Zürich. Später leitete er als Mitglied der Geschäftsleitung sämtliche Aktivitäten in der Westschweiz. Mit dieser Funktion konnte er die Region Westschweiz aufbauen und die Planung und Ausführung von mehreren zukunftsweisenden, grossen Entwicklungsarealen führen. -

Baustellen-Betrieb wird eingeschränkt
Die Gesundheit und die Sicherheit der Mitarbeitenden, die Massnahmen der Behörden und die Einschränkung des öffentlichen Lebens, haben Auswirkungen auf das operative Geschäft von Implenia. Deshalb kommt es in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich teilweise zu Unterbrüchen oder Schliessungen von Baustellen. In Schweden und Norwegen werden die Baustellenarbeiten bis auf weiteres normal weitergeführt.
Unter Einhaltung der notwendigen Massnahmen wird das Tagesgeschäft soweit wie möglich aufrechterhalten. Die vereinbarten Termine mit Kunden, Partnern und werden wann immer möglich eingehalten und bei Baustellenschliessungen wird mit den behördlichen Anordnungen alles getan, um die erstellte Bauleistung zu schützen und die Baustelle für die Dauer der Schliessung zu sichern.
Dort, wo es aufgrund der ausserordentlichen Lage zu kommt, werden jeweils notwendige Massnahmen geprüft. Das Ziel ist, den wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen, seine Kunden und Partner zu begrenzen sowie die Arbeitsplätze zu sichern. -

Zwei wichtige Grundstücke für Implenia
Damit konnte das Ziel der Stadt Kloten das Verhältnis zwischen Arbeitsplatz- und Wohnangebot nachhaltig auszugleichen unterstützt werden. Die Parzellen im Steinacker Gebiet sind unverbaut und sind eine wichtige Schlüsselfunktion für die Transformation des Gebiets zu einem urbanen Mischgebiet.
Um das Steinacker Quartier weiter aufzuwerten, soll die Glatttalbahn vom Flughafen Fracht ins Steinacker Gebiet und bis zur Gemeindegrenze von Bassersdorf verlängert werden. Implenia rechnet voraussichtlich im Jahr 2027 mit der Fertigstellung der ersten Etappe. -

IMMO’20: Ein Konzept das sich bewährt

Raphael Schuler, Senior Sales,
MV Invest AG und Organisator IMMO’
Unter Regie der MV Invest und Swiss Circle, avancierte die Event & Convention Hall – StageOne auf dem ehemaligen ABB-Industrieareal während zweier Messetagen wieder zum Hotspot der nationalen und zunehmend auch internationalen Immobilienwirtschaft. Die Veranstalter blicken bereits auf die 8. Edition dieses in der Schweiz einmaligen B2B-Formats zurück.
Neue Höchstmarken und Teilnehmer
Seit nunmehr 3 Jahren richtet sich die Messe ausschliesslich an ein professionelles Zielpublikum. Das Augenmerk liegt erklärtermassen klar auf der Investorenseite. Mit 79 Ausstellern und über 1600 Besuchern wurden erneute Höchstmarken realisiert. Dabei setzen die Organisatoren weiterhin auf die langjährige, erfolgreiche Partnerschaft mit der Schweizer Finanzmesse. Die Parteien profitieren hierbei von gegenseitigen Synergie- und Skaleneffekten, im Speziellen scheint die Nähe zum Kapitalmarkt für die verschiedenen Immobilienakteure von grossem Interesse zu sein.Das Aussteller- und Teilnehmerprofil umfasst von Asset Managern, Investmentgesellschaften, Immobilien-Aktiengesellschaften, Immobilienfonds, Banken, Family-Offices, Infrastrukturanbietern, Energieversorgern, Projektentwicklern, General- und Totalunternehmungen, Immobilienbewertern bis hin zu den Architekten, Zertifizierungsgesellschaften, Anwaltskanzleien und Bildungseinrichtungen einen Grossteil der Wertschöpfungskette. An der diesjährigen Auflage neu mit dabei waren unter anderem die ABB Schweiz, Alpiq E-Mobility, Avobis Group, CRONOS FINANCE, FREO Switzerland, Ernst & Young, Eiffage Suisse, IAZI, Mobimo Holding, MoneyPark und die pom+Consulting. Aus der Nachbarschaft die US Treuhand, Drooms und BuildingMinds aus Deutschland, als auch die Terra Nova Real Estate Brokers aus Dubai. Für frischen Wind sorgen vermehrt auch ausgewählte Serviceprovider und die «jungen Wilden» der PropTech- und ConTech-Szene.
Mit dem verstärkten Einbezug von Bildungsinstitutionen, wie beispielsweise der Universität Zürich – Center for Urban & Real Estate Management (CUREM) als auch der Schweizerischen Kammer der Pensionskassenexperten (SKPE), mausert sich der Anlass zunehmend auch zu einer ganzheitlichen Plattform mit Weiterbildungscharakter.
Begleitkongress mit Anziehungskraft
Der von der SKPE als Weiterbildungsveranstaltung anerkannte Begleitkongress, das IMMO’Forum, gilt seit jeher als Herzstück der Messe. Dabei fühlt es den Puls der Industrie und nimmt sich den aktuellsten, vorherrschenden Themen der Branche an. 83 Referenten präsentierten und diskutierten die brennendsten Fragestellungen und zogen das Publikum in ihren Bann.Die Messetage wurden jeweils frühmorgens mit den integrierten Sonderanlässen Immobilien-Breakfast beziehungsweise dem Swiss Circle Briefing eröffnet. Mit mehr als zwei Dutzend individuellen Podiumsbeiträgen lieferte das Forum den Teilnehmern wiederum ein repräsentatives und abwechslungsreiches Themenspektrum. Im Fokus der Aufmerksamkeit standen insbesondere diverse Themen zur Nachhaltigkeit, zum Portfolio- und Datenmanagement als auch zu den anhaltenden Digitalisierungstendenzen. Zuschauermagnet war auch dieses Jahr der fast schon obligate Immobilienmarktausblick der Herren Eckert und Ammann von JLL Schweiz respektive Wüest Partner. Unterstützt wurden die Referenten vom äusserst versierten Moderationsteam, bestehend aus Alice Hollenstein, Urban Psychologist und Stv. Managing Director CUREM und Dr. Christian Kraft, Dozent und Co-Leiter MScRE HSLU Wirtschaft / IFZ Zug.
Konzeptionell auf dem richtigen Weg
Mit einem ausgereiften Veranstaltungskonzept, bestehend aus Messe, Forum und Magazin, hat sich der Branchenanlass als Business-to-Business Veranstaltung im Markt positioniert und etabliert. Ziel ist es, die jeweiligen Kernkompetenzen der Anbieter hervorzuheben, die Visibilität der einzelnen Akteure zu maximieren, Berührungspunkte und Begegnungsorte zu schaffen und Netzwerke effizient auszubauen und zu pflegen. Das stimmige Gesamtkonzept scheint die Teilnehmer zu überzeugen, ein Grossteil der Aussteller engagiert sich mittlerweile in mehreren, wenn nicht allen konzeptionellen Teilbereichen. Nichtsdestotrotz strebt man nach der nächsten Evolutionsstufe, denn die Veranstalter arbeiten kontinuierlich an neuen zeitgemässen Konzeptbestandteilen. So wurden der Digitalisierungstrend und das damit verbundene Potenzial längst erkannt, digitale Medien und geeignete Social Media Kanäle werden gezielt berücksichtigt.An der IMMO’20 feierte folglich der DigitalCorner seine Premiere. Dieser bot den Ausstellern unter freier Contentwahl die Möglichkeit, vor Ort einen professionellen, qualitativ hochstehenden Short Movie produzieren zu lassen und ihren Messeauftritt somit auf der jeweiligen Firmenwebsite oder auf Social Media zu bewerben, innovativ. Die Chancen stehen gut, dass dieser Service zukünftig, als viertes konzeptionelles Kernelement, in die Angebotspalette für Aussteller aufgenommen wird. ■
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Luzern Nord: Bauliches Energiewunder trotzt Hitze und Kälte
Das visuelle Gesicht Emmens ist geprägt durch eine industrielle Baukultur, die sich seit einigen Jahren transformiert, wie in der Viscosistadt beim Seetalplatz im neuen Stadtteil Luzern Nord oder in der westlich angrenzenden Vorderen Emmenweid. Aktuelle Bauprojekte beweisen einen respektvollen und zukunftsweisenden Umgang mit Emmens reicher «Industrie-DNA». So auch der Bau 2226 in ebendieser Vorderen Emmenweid, der als energetisches Pilotprojekt Geschichte schreibt. Weltweit wurde ein solcher Bau erst einmal realisiert, und schweizweit stellt das Gebäude, das ohne Heizung, mechanische Lüftung und Kühlung auskommt, eine Premiere dar. Über das Spannungsfeld zwischen Zukunft und Vergangenheit, Innovation und historischem Erbe sowie ökologischen und ökonomischen Ansprüchen.
Von der Masse abheben
Die Sanierungsbedürftigkeit des Crinolbaus an der Emmenweidstrasse war hoch. Zu hoch. Das teilweise mit Spannvorrichtungen zusammengehaltene Bauwerk konnte deshalb nicht effektiv genutzt werden. Dieser Umstand veranlasste den Eigentümer, die BRUN Real Estate AG, im Jahr 2014 eine Studie in Auftrag zu geben für die künftige Entwicklung des Gebäudes. Eine Herausforderung für einen solch geschichtsträchtigen Bau. Um den grossen Ansprüchen an den Neubau gerecht zu werden, wurde der Wettbewerb deshalb eng durch die Gemeinde Emmen und die Kantonale Denkmalpflege begleitet. Dies mit dem Ziel, eine zeitgemässe und wirtschaftliche Lösung zu finden. Mit Erfolg: «Das Siegerprojekt hat am meisten überzeugt, weil es innovativ und energetisch sinnvoll ist. Ausserdem hebt es sich von der Masse ab und entspricht dem Zeitgeist und dem nachhaltig ökologischen Wandel. Als Immobilien-Entwickler müssen Sie heute innovativ sein», begründet Adrian Brun, Inhaber der BRUN Real Estate AG, die Wahl des Projektes vom Architekturbüro Baumschlager Eberle.Siegerprojekt ohne Heizung, Lüftung und Kühlung
«Ein selbstbewusstes […] Gebäude gesellt sich als Ersatzneubau und Nachfolger des Crinolbaus zu den bestehenden Bauten und verhilft dem Ensemble zu einer neuen, starken Identität», hält der Bericht der Jury fest. Das Beachtliche an dem viergeschossigen Neubau ist, dass er ohne Heizung, mechanische Lüftung und Kühlung auskommt. Dennoch wird stets eine angenehme Innentemperatur geboten: Für die Temperaturstabilität sorgt die thermische Masse. Die Aussenwände sind fast 80 cm dick und verfügen über einen zweischaligen Wandaufbau, der einerseits eine hohe Druckfestigkeit aufweist und andererseits effizient isoliert. Dadurch weisen die Aussenwände eine sehr gute Wärmedämmung auf. Geheizt wird das Gebäude mit der Abwärme der Menschen, der Computer, des Lichts und weiterer Maschinen. Bei sommerlicher Hitze wird nachts mit Zugluft gekühlt. Eine ausgeklügelte Regelungstechnik betätigt Klappenlüftungen und sorgt stets für eine angenehme Raumtemperatur und die richtige Luftqualität.Ein vergleichbares Projekt wurde weltweit erst einmal verwirklicht: In Lustenau (Österreich) realisierten die Baumschlager Eberle Architekten im Jahr 2013 bereits ein ähnliches Bürogebäude. Dieser Bau diente energetisch auch als Prototyp und trägt den pragmatischen Namen 2226, weil die Innentemperatur stets im Bereich zwischen 22 und 26 Grad Celsius gehalten wird.
Verbindung zwischen alt und neu
Der alte Crinolbau war ein wesentlicher Bestandteil der südlichen Backsteinfront in der Emmenweid sowie ein bedeutender Zeitzeuge der Emmer Industriegeschichte. Es handelte sich um eine Mischkonstruktion mit Sichtbacksteinmauern sowie einer inneren Tragkonstruktion aus Eisen und Holz. Das mächtige Walmdach, bestehend aus vier Dachflächen, war charakteristisch für das Gebäude. Diesen historischen Merkmalen sollte der Neubau gerecht werden. Die Wuchtigkeit der Aussenwände des neuen Gebäudes erinnert deshalb stark an den Späthistorismus im 19. Jahrhundert, insbesondere an die Jugendstilzeit.Geschichtsträchtiger Ort
Die Vordere Emmenweid hat die Geschichte Emmens stark geprägt. Als 1906 die französische Société de la Viscose ihre Kunstseidenfabrik in der Vorderen Emmenweid öffnete, nahm die Entwicklung richtig Fahrt auf und katapultierte Emmen innerhalb weniger Jahre an die Spitze der Industriegemeinden rund um Luzern. Entsprechend entstanden von 1906 bis 1945 in der Vorderen Emmenweid zahlreiche Fabrikanlagen. Mit den tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen und der Stagnation in den 1970er- bis 1990er-Jahren verlor das Industriequartier in der Vorderen Emmenweid zunehmend an Bedeutung. Die traditionsreichen Crinolhallen wurden nach wie vor genutzt und boten anderen industriellen Betrieben und Unternehmen ein zuhause.Zeit stand still
Während die Vordere Emmenweid, wie es schien, baulich still stand, entwickelten sich die umliegenden Gebiete in den letzten Jahren rasant. Die Viscosistadt hat sich zu einem städtischen Zentrum mit über 100 Mietern aus 15 Branchen weiterentwickelt, unter ihnen die Hochschule Luzern-Design & Kunst. Sie bezog im November 2019 bereits ihren Erweiterungsbau. Die Vordere Emmenweid reiht sich mit dem Bau 2226 also nahtlos in diese Transformation ein. «Emmen ist im Aufschwung und wird seine Position als wichtiger regionaler Wirtschaftsstandort ausbauen», erklärt Brun. Durch den Neubau hat die Vordere Emmenweid ein schweizweites Leuchtturmprojekt erhalten, das sowohl ökologisch funktioniert als auch eine moderne Mieterschaft anspricht – tiefere Nebenkosten inklusive. ■ -

UBS: Stärkster Preisanstieg auf dem Schweizer Immobilienmarkt seit 2014
Der Schweizer Eigenheimmarkt verzeichnete im vergangenen Jahr den stärksten Preisanstieg seit 2014, schreibt die UBS in einer Mitteilung. Wohnungen und Häuser würden sich gleichermassen um rund zwei Prozent verteuern. Haupttreiber dieser Entwicklung sind die im letzten Jahr auf ein neues Allzeittief gesunkenen Hypothekarzinsen. Besonders an teuren Zentrumslagen fielen sinkende Kapitalkosten mehr ins Gewicht als in der Peripherie. So stiegen die Preise für Wohneigentum am stärksten in den urbanen und wirtschaftsstarken Regionen wie rund um den Genfersee sowie in den Grossregionen Zürich und Basel. Im Luxussegment war die Preisentwicklung dreimal so stark wie im Schweizer Durchschnitt.
Anstieg der Eigenheimpreise
Claudio Saputelli, Head Swiss & Global Real Estate von UBS Global Wealth Management, rechnet auch für das laufende Jahr mit einem leichten Anstieg der Eigenheimpreise. «Begünstigt wird dies durch ein tiefes Neuangebot von Eigenheimen im Vergleich zu Mietwohnungen.» Aktuell dürften Eigenheime nur rund 40 Prozent aller Baugesuche ausmachen, verglichen mit noch 50 Prozent im Jahr 2012. Zurzeit werden mehr als 15 Prozent der ursprünglich als Eigenheim verkauften Wohnungen vermietet und weitere 20 Prozent der Eigenheime als Zweitwohnsitz erworben.Rund 44 000 Wohnungen weniger bewilligt
Knapp 70 000 Mietwohnungen beziehungsweise 2,8 Prozent des Bestandes dürften per Ende 2019 leer gestanden haben, rechnet die UBS vor. Das entspreche etwa einer Verdoppelung in den letzten fünf Jahren. Allerdings habe das Überangebot das Interesse der Investoren bisher erst geringfügig reduziert. Vergangenes Jahr wurden mit rund 44 000 Wohnungen hingegen 14 Prozent weniger bewilligt als im Vorjahr. Bei den Baugesuchen sei jedoch nur eine zögerliche Abnahme feststellbar.Schmerzensgrenze bei Leerständen erreicht
Der Wohnungsbau verlagert sich hin zu Regionen ohne Leerstand. So wurden im Jahr 2019 die meisten Baugesuche, anteilsmässig mehr als 1,5 Prozent des jeweiligen Wohnungsbestands, in den Agglomerationen der Wirtschaftszentren Zürich, Genf und Luzern gestellt. «Der Leerstand schmälert in den am stärksten betroffenen Regionen wie Solothurn und dem Tessin zusehends die Mietzinserträge», sagt UBS-Immobilienexperte Claudio Saputelli. «Dort liefert im Durchschnitt jede Wohnung bereits einen Monat pro Jahr keine Einnahmen», sagt der Immobilienfachmann. Bei jeder sechsten Wohnung ist dieser Wert doppelt so hoch. «Für institutionelle Investoren dürfte die Schmerzensgrenze bei den Leerständen wohl erreicht sein.» Die Preise von Mehrfamilienhäusern würden sich seit 2016, trotz sinkender Diskontierungssätze, nicht verändern. Preisanstiege verzeichneten fast ausschliesslich Spitzenlagen. Die Angebotsmieten dürften auch 2020 nochmals um rund ein Prozent sinken, was das Potenzial für höhere Kaufpreise einschränkt.«Büroflächen an Zentrumslagen waren im vergangenen Jahr die bessere Investition als Liegenschaften in der Peripherie», so Saputelli. Die Zentren würden stark von einem durch Kleinunternehmen und Neugründungen und einer entsprechenden Nachfrage nach flexiblen Büroflächen profitieren. Noch liegt der Marktanteil flexibel vermieteter Flächen gemessen am Total der Büroflächen unter einem Prozent – Tendenz steigend.
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5 Prozent weniger Autos auf Luzerns Strassen
Experten schätzen, dass die Mobilität in Luzern bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zunimmt. Um diese Zunahme zu bewältigen, wird ab Frühling 2020
das «Gesamtverkehrskonzept Agglomerationszentrum Luzern» umgesetzt. Das Gesamtverkehrskonzept wurde gemeinsam von der Stadt Luzern, dem Kanton Luzern, dem Verkehrsverbund Luzern und dem Gemeindeverband LuzernPlus entwickelt. Dabei soll die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden erhöht, der Bus-, Velo- und Fussverkehr ausgebaut und die Aufenthalts- und Lebensqualität im Agglomerationszentrum erhöht werden.Staus bilden sich in der Luzerner Innenstadt vor allem zu den Hauptverkehrszeiten. Autolenker weichen dann gerne auf Quartierstrassen aus, was die Lebensqualität und Verkehrssicherheit der Anwohner beeinträchtigt. Das Problem: Aufgrund der Topografie können in Luzern keine neuen und auch keine breiteren Strassen gebaut werden. Wie Verkehrsmodelle zeigen, würde der Verkehr auch zu den Stosszeiten fliessen, wenn 5 Prozent weniger Autos auf den Hauptstrassen unterwegs wären.
Damit dieser Prozentsatz erreicht wird, richtet die Stadt neben den bereits vierzehn bestehenden neun weitere Dosierstellen auf Quartiersstrassen ein. So müssen sich Autolenker bei den Einfahrten auf die Hauptstrassen einige Minuten gedulden, bis die Ampeln auf grün schalten. Zudem werden neu fünf zusätzliche Parkhausausfahrten zwischen 17 und 19 Uhr mit Ampeln gesteuert, wie dies bereits seit längerem erfolgreich beim Bahnhof-Parking gehandhabt wird.
Separate Busspuren, neue Busschleusen und Fahrbahnhaltestellen
Sensoren erfassen zu jeder Zeit das Verkehrsaufkommen der Stadt Luzern. Zeichnet sich eine Stautendenz ab, greifen automatisch die Dosierprogramme, und zwar von innen nach aussen: Zunächst wird der Verkehr in unmittelbarer Nähe des Staus dosiert. Löst sich der Stau dadurch nicht auf, werden weiter entfernte Dosieranlagen dazugeschaltet. Ausserdem wird der öffentliche Verkehr konsequent gefördert: Der Busverkehr wird ausgebaut und beschleunigt. Im Vergleich zu heute soll der öffentliche Verkehr bis zum Jahr 2030 einen Kapazitätsausbau von 60 bis 70 Prozent erfahren.Dies beispielsweise mit Hilfe einer separaten Busspur auf der Alpenstrasse, zusätzlichen vier Busschleusen, wie es unter anderem an der Luzernerstrasse (Grenzhof) geplant ist, oder auch neuen Fahrbahnhaltestellen – so zum Beispiel an der Zürichstrasse. In der zu den Stosszeiten stark frequentierten Dreilindenstrasse ist hingegen kein Platz für eine Busspur: Hier soll der Autoverkehr während der Hauptverkehrszeit auf die Adligenswilerstrasse umgeleitet werden. Geplant sind zudem der Einsatz grösserer Busse, ein erhöhter Fahrplantakt sowie neue Buslinien. Ein weiteres Projekt sieht eine verkehrsfreie Bahnhofstrasse vor.
Die Massnahmen wurden in zwei Prioritäten unterteilt. Die 27 Massnahmen erster Priorität werden ab 2020 umgesetzt. Frühestens ein halbes Jahr nach der Umsetzung wird deren Erfolg kontrolliert. Wenn nötig, werden dann die Massnahmen zweiter Priorität wie zum Beispiel die «Dosieranlage Bundesplatz», «Einfahrtssperre Hirschmattstrasse», «neue Verkehrsführung Pilatusplatz mit Dosierung Parkhaus Kesselturm» oder «Vereinfachung Knoten Hirschengraben» realisiert.
Die Gesamtkosten der Massnahmen in erster Priorität werden auf 3,3 Millionen Franken geschätzt, wie Thomas Karrer von Tiefbauamt Stadt Luzern sagt. Die Stadt Luzern steuert dazu 1,46 Millionen Franken bei. ■
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Andreas Zettel: «Das neue Raumplanungsgesetz erfordert ein aktives Management der Entwicklungsschwerpunkte»
Herr Zettel, der Kanton Luzern, alle Luzerner Gemeinden sowie Netzwerkpartner aus Wirtschaft und Industrie engagieren sich finanziell und ideell für einen wachsenden Wirtschafts- und Wohnstandort Luzern. Wie beurteilen Sie deren Erfolg?
Wenn wir auf die letzten Jahre zurückblicken, beobachten wir eine dynamische Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Luzern. In den Jahren 2012 bis 2017 ist die Anzahl Unternehmen und Arbeitsplätze im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich gewachsen. Im erwähnten Zeitraum sind kantonsweit über 2 000 Unternehmen und über 15 000 Arbeitsplätze entstanden. Das ist ein nationaler Spitzenwert. Die gemeinsamen Anstrengungen haben sich also gelohnt. Auch letztes Jahr hat der Firmenbestand wiederum um über drei Prozent zugenommen.Was macht den Kanton Luzern denn besonders attraktiv?
Ich würde die attraktive Kombination verschiedener Standortfaktoren in den Vordergrund rücken. Sie macht letztlich die Standortqualität aus. Nebst den stimmigen harten Faktoren wie tiefe Steuern, Verfügbarkeit von Arbeitskräften oder die gute Erreichbarkeit, ist der Kanton Luzern auch landschaftlich reizvoll und kulturell spannend. Jährlich besuchen viele Touristen die Region Luzern. Von den touristi-
schen Angeboten profitiert direkt auch die lokale Bevölkerung.Zurück zu den harten Fakten. Gibt es noch Flächen, welche für Firmenansiedlungen und Unternehmensentwicklungen zur Verfügung stehen?
In der Tat hat sich der Markt in den letzten Jahren stark verändert. Die Verfügbarkeit von Baulandgrundstücken und entwickelten Arbeitsflächen ist eine zentrale Herausforderung der Zukunft. Das neue Raumplanungsgesetz gibt enge Grenzen vor. So sind Einzonungen nur noch unter bestimmten Bedingungen möglich. Folglich liegt der Fokus zukünftig klar in der Entwicklung nach Innen und auf die bessere Ausnützung von Flächen. Das betrifft in hohem Ausmass auch die Unternehmen, insbesondere das lokale KMU-Gewerbe. Namentlich die Immobilienwirtschaft ist gefordert, neue, attraktive und bezahlbare Angebote zu schaffen für diese Betriebe.Wo sehen Sie örtlich die Möglichkeiten für Neuansiedlungen?
In den neuen Stadtzentren LuzernSüd und LuzernNord sind attraktive neue Flächen am entstehen. Im Zentrum der Stadt Luzern ist die Entwicklung räumlich limitiert, das heisst, hier erfolgt die Entwicklung im Rahmen von Arealentwicklungen, welche die letzten Baulücken füllen und sich in die bestehende Stadt eingliedern müssen. Aus regionaler Optik bedeutet dies, dass sich die Stadt Luzern als funktionaler Raum ausdehnt und neue, attraktive Stadtzentren in den umliegenden Gemeinden entstehen, welche hervorragend erschlossen sind und eine neue urbane Qualität bieten können. Persönlich sorge ich mich etwas um die reinen Arbeitszonen, diese wurden im Zuge der Innenentwicklung häufig einer anderen Nutzung zugeführt, ohne dass Ersatz entstanden ist. Diese Flächen fehlen dann dem Gewerbe.Also sind diese Flächen ein knappes Gut?
Nun, dieser Eindruck kann tatsächlich entstehen. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass es im Kanton Luzern noch eine beträchtliche Anzahl von Grundstücken gibt, welche eingezont, aber noch nicht entwickelt sind. Hier ist die Frage, ob die Grundeigentümer überhaupt entwickeln möchten. Wir stellen eine gewisse Tendenz zur Baulandhortung fest, was klar nicht in unserem Sinne ist. Manchmal fehlt es aber nicht nur am Willen, sondern auch einfach am Wissen, wie man diese Flächen entwickeln könnte. Vor allem die Filetstücke müssen sehr clever und nachhaltig entwickelt werden, damit auch die nächste Generation maximal davon profitieren kann.Wie sieht die Entwicklungsstrategie im Kanton Luzern aus?
Im aktuellen Richtplan wurden zwölf sogenannte kantonale Entwicklungsschwerpunkte (kurz ESP) definiert. Dabei handelt es sich um grossflächige Arbeitsplatzgebiete an gut erschlossenen Standorten. Dabei wird eine eine qualitative Entwicklung angestrebt, wobei insbesondere auch die Abstimmung von Siedlung und Verkehr eine wichtige Rolle spielt. Die ESP sind ein zentrales Element der Luzerner Standortpolitik und ein wichtiges Instrument der gemeinsamen Wirtschaftsförderung von Kanton und Gemeinden.Wo befinden sich diese Entwicklungsschwerpunkte?
Sie orientieren sich aufgrund der wirtschaftlichen Potenziale an den Hauptverkehrsachsen des Kantons Luzern. Hauptsächlich befinden sie sich an gut erschlossenen Lagen, welche verkehrstechnisch gut liegen, mit dem Auto, aber auch mit dem ÖV.Wie ist der Stand dieser Entwicklungsschwerpunkte?
Sehr unterschiedlich. Während etwa in der Stadtregion Luzern die bereits erwähnten Gebiete LuzernSüd und LuzernNord relativ weit fortgeschritten und bereits in der Umsetzung sind, besteht beispielsweise in den beiden Regionalzentren Hochdorf oder Willisau ein erhebliches Nachholpotenzial. Diese Gebiete sind es, welche in den nächsten Jahren vermehrt in den Fokus von Investoren und Entwicklern rücken werden.Wo kann man sich über die einzelnen Entwicklungsschwerpunkte informieren?
Investoren und interessierte Unternehmen können sich bei uns melden, denn wir haben eine gute Übersicht über den Stand dieser Gebiete und kennen sämtliche Ansprechpartner. Zentral für die Entwicklung dieser ESP sind nebst den Standortgemeinden auch die vier regionalen Entwicklungsträger im Kanton Luzern. Das heisst LuzernPlus, Sursee-Mittelland, Region Luzern West und Idee Seetal. Das positive Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft ist ein Kernelement unserer gemeinsamen Wirtschaftspolitik. Dieses wollen wir weiter verbessern. ■ -

Walter Ineichen: «Integrale Energielösungen steigern die Attraktivität von Immobilien»

Integrale Energielösung «Stockacker» in Reinach (BL)
1. Energiezentrale mit Wärmepumpen, 2. Leitungen zu den Gebäuden (Wärme/Kälte), 3. Erdsondenfeld, 4. Photovoltaikmodule, 5. Batterieraum, 6. Ladestationen für Elektroautos
Wofür steht Energie 360°?
Die Energie 360° AG gehört zu rund 96 Prozent der Stadt Zürich und bringt Wärme, Kälte, Strom sowie Mobilität zu integralen Energielösungen zusammen und macht nachhaltige Energie in der gesamten Schweiz nutzbar. Die Kunden wollten zunehmend Wärme statt Gas kaufen, weshalb wir uns nach und nach neu ausrichteten. Ein Meilenstein war sicherlich das Ja der Stadt Zürich zur 2000-Watt-Gesellschaft im Jahr 2008. Seit 2014 sind wir unter dem neuen Namen Energie 360° aktiv. Heute versorgen wir die Stadt Zürich sowie rund 40 Gemeinden mit immer mehr erneuerbarem Biogas und erneuerbaren Energieverbünden. Zudem entwickeln wir für Neubau-Areale zusammen mit den Bauherren individuelle und integrale Energielösungen.Welches sind Ihre Hauptkunden?
Wir arbeiten vor allem mit Gemeinden, Investoren, Bauherren sowie Architekten und Arealentwicklern zusammen. Bei Wohnbauprojekten kommen wir in der Regel ab 50 geplanten Wohnungen ins Spiel.Aus welchen Quellen stammt die Energie, die Sie anbieten?
In der Stadt Zürich liefern in erster Priorität die Kehrichtheizkraftwerke Hagenholz und Josefstrasse Abwärme, welche in Form von 90 bis 120 Grad heissem Wasser über ein Leitungsnetz direkt in die Gebäude gelangt. Wo diese Energie nicht genutzt werden kann, greifen wir auf Umweltenergie wie Grund- oder Seewasser zurück. Weitere Quellen für Energieverbünde sind Holzschnitzel und Holzpellets. Für dezentrale Lösungen setzen wir oft Erdsonden- und Luftwärmepumpen ein.«Ölheizungen wird man eines Tages nicht mehr ersetzen dürfen»
Warum sollen sich Kunden für eine nachhaltige Energielösung entscheiden und nicht auf eine vielleicht günstigere, «herkömmliche» Energieversorgung setzen?
Wenn man es hart auf hart vergleicht, ist die fossile Energielösung kurzfristig gesehen aktuell oft noch günstiger. Eine Ölheizung zu ersetzen, kostet fast nichts, die CO2-Abgabe ist mit 95 Franken pro Tonne noch niedrig. Aber die CO2-Abgabe soll auf 210 Franken pro Tonne erhöht werden, und weitere verstärkte Anforderungen werden mit der Umsetzung der «Mustervorschriften» der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) erfolgen. Ölheizungen wird man eines Tages nicht mehr ersetzen dürfen, und der Preis für Öl und Gas schwankt stark.Wie unterscheidet sich Energie 360° von den Schwesterfirmen wie dem EWZ, ERZ und EKZ?
Jedes Unternehmen ist ein Marktplayer, der ähnliche Segmente bedient, aber dennoch eine spezifische Ausrichtung hat. Wir fokussieren uns bei Energie 360° auf innovative, integrale und langfristige Energie- und Mobilitätslösungen, die individuell für die Bedürfnisse des Kunden entwickelt werden.Was verstehen Sie unter einer integralen Energielösung?
Hier geht es darum, Synergien optimal zu nutzen. Idealerweise werden wir bei Bauprojekten schon in einer sehr frühen Phase hinzugezogen. Dann klären wir mit dem Bauherrn bzw. dem Investor die langfristigen Nutzungsabsichten und die Anforderungen an Wärme-, Kälte-, Strom- und Mobilitätsinfrastruktur ab. Diese Sektoren können bei einer integralen Energielösung optimal gekoppelt werden. Ebenfalls wichtig ist, ob eine spätere Umnutzung des Areals vorgesehen ist. Dazu bringen wir die Anforderungen des Bauherrn an Wirtschaftlichkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit in Erfahrung. Neubauten sollen für 50 oder sogar 100 Jahre genutzt werden können, weshalb sich bereits heute ein Bau gemäss den Leitlinien der Energiestrategie 2050 lohnt.«Von einer integralen Energielösung profitiert der Bauherr wie auch der Mieter»
Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür, wie eine solche integrale Energielösung aussehen kann?
Wir haben zum Beispiel für das Areal Stockacker in Reinach (BL), welches vier Mehrfamilienhäuser und insgesamt 77 Wohnungen umfasst, eine integrale Energielösung entwickelt. Sie beinhaltet Wärme, Kälte, Strom, Elektromobilität sowie Smart Solutions. Mit der Photovoltaikanlage werden die Wärmepumpen für die Erdsonden betrieben. Das Erdreich liefert damit die Energie zum Heizen. Über die Bodenheizung entziehen wir den Räumen im Sommer wiederum Wärme, welche wir den Erdsonden zuführen – das sogenannte Free Cooling. Die Erdsonden können sich dadurch regenerieren und die Bewohner profitieren gleichzeitig von einer leichten Abkühlung der Wohnräume. In der Garage werden wir bei 16 der 80 Parkplätze Ladestationen für Elektroautos installieren, welche über Solarstrom geladen werden. Nach Bedarf können später weitere Ladestationen hinzukommen.Wie profitieren die Bewohner und der Bauherr konkret von dieser Lösung?
Die Bewohner bezahlen weniger für den Strom als bei einer konventionellen Energielösung, während der Bauherr von einer hohen Versorgungssicherheit und tieferen Investitionskosten profitiert. Ausserdem ist unsere Lösung sehr preisstabil und ökologisch: Wir konnten beispielsweise Erdsonden einsparen. Eine Erdsonde ist immer mit Bohrungen und Ölverbrauch verbunden – sogenannte graue Energie. Zudem ist ein Batterieraum geplant, für welchen wir Second-Life-Batterien, also solche, die nicht mehr hinreichend geladen werden können und somit für Elektroautos nicht mehr taugen, verwenden werden. Diese Batterien werden tagsüber per Solarstrom geladen und stehen dann abends, wenn viel Strom verbraucht wird, zur Verfügung.Elektroautos sind stark im Kommen. Wie sehen Sie die Durchsetzungskraft dieser Mobilitätsform?
Elektroautos sind sicherlich eine Lösung unter anderen. Aber sie ist extrem spannend, da wir dezentral Solarstrom für die Elektromobilität nutzen können. Wenn man mit Methanol, Wasserstoff oder Gas tanken würde, wäre eine Versorgung auf dem eigenen Areal nicht so einfach möglich.
«Wir müssen schon heute für die nächsten 30 Jahre vorausdenken»
Wie lauten Ihre Empfehlungen für Neubauprojekte: Wie viele Ladesta-
tionen sollten prozentual in einer Einstellhalle bereitgestellt werden?
Wir orientieren uns an der Empfehlung der SIA 2060, welche eine erste vollständige Ausrüstung von 20 Prozent empfiehlt. Unsere Lösung sieht jedoch vor, dass mittel- bis langfristig ein Grossteil der Parkplätze ohne grosse Mehrkosten elektrisch erschlossen werden kann.Welche Herausforderungen bringt die Elektromobilität in diesem Zusammenhang mit sich?
Wir müssen bei Neubauprojekten bereits heute die Installationen so berücksichtigen, dass der Bedarf der nächsten 30 Jahre gedeckt werden kann. Über Stromschienen definieren wir die Grundversorgung einer Einstellhalle und rüsten danach Ladestationen nach Bedarf auf. Wir müssen uns aber immer überlegen, wie viele Reserven wir einplanen müssen und wie viel Mobilität tatsächlich dezentral geladen werden kann, bis die Kapazität des Netzanschlusses erreicht ist. Auch der Netzbetreiber wird mit immer mehr Herausforderungen bezüglich Lastenmanagement konfrontiert.Wie sieht Ihre Lösung hierfür aus?
Wir versuchen mit dezentraler Solarstromproduktion und aktivem Lastenmanagement der grossen Stromverbraucher wie den Wärmepumpen oder den Elektrofahrzeugen, die Stromspitzen zu reduzieren. Mittelfristig könnten die Elektrofahrzeuge mittels bidirektionalem Laden zu Zeiten, in denen die Bewohner besonders viel Strom verbrauchen, ebenfalls für die Stromversorgung zur Verfügung stehen. Dadurch muss das Areal nicht auf das Stromnetz zurückgreifen, sondern kann sich einen gewissen Prozentsatz Energie aus den einzelnen Elektroautos ziehen, welche tagsüber wieder mit Solarstrom geladen werden.Dann entlädt sich ja aber das Auto?
Wir sprechen hier lediglich von 10 bis 20 Prozent, die einem Auto im Falle einer Energieknappheit entzogen würden. Der Autobesitzer würde natürlich auch davon profitieren und eine Entschädigung erhalten. Ausserdem kommen hier intelligente Interaktionen zum Zuge: Ein Autolenker wird mit Hilfe einer App definieren können, welcher Ladestand sein Auto jeweils am nächsten Morgen aufweisen muss. Man muss auch bedenken, dass das Auto nicht nur zu Hause geladen wird, sondern auch beim Arbeitgeber. Zudem gibt es bereits viele öffentliche Ladestationen. Unsere Tochterfirma «GOFAST» stellt beispielsweise Schnell-Ladestationen an Raststätten zur Verfügung, welche bei längeren Fahrten ebenfalls genutzt werden können.
«Die Energiewende ist ein europäisches Gesamtprojekt»
Das heisst, dass die Digitalisierung auch bei integralen Energielösungen immer wichtiger wird?
Genau. Um nochmals auf das Areal Stockacker zurückzukommen: Mit Hilfe der Lösung unserer Tochterfirma Smart Energy Link (SEL) können wir Bewohnern beispielsweise per App einen günstigen Solartarif anbieten, welchen sie für das Heizen des Backofens oder für das Trocknen der Wäsche verwenden können. Wenn tagsüber viel Strom zur Verfügung steht, kann dieser günstiger genutzt werden. Zudem rüsten wir heute immer mehr Anlagen mit Sensoren aus. So sehen wir, wenn die Energieversorgung irgendwo ins Stocken gerät und können reagieren, bevor es zu einem Ausfall kommt.Und noch ein Blick in die Zukunft: Schaffen wir die Energiewende?
Irgendwann werden wir sicher zu 100 Prozent erneuerbare Energie verwenden, weil es auch ökonomisch sinnvoll ist. Grundsätzlich gilt: Je schneller, desto besser. Wir können natürlich versuchen, die Kunden von einer nachhaltigen Energielösung zu überzeugen, aber um die Wende zu schaffen, müssen alle an einem Strang ziehen. So müssen auf Gesetzesebene alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, es braucht langfristig denkende Investoren und innovative Lösungsanbieter. Hilfreich ist sicher auch, dass fossile Energielösungen entsprechend den Kosten verteuert werden. Die Energiewende wird am Ende ein europäisches und globales Zusammenspiel sein. Sie ist ein Gesamtprojekt. ■ -

Michèle Graber: «Es ist ein Gebot der Stunde, die weitere Zersiedelung zu verhindern»
Frau Graber, herzliche Gratulation zur Wahl zur Präsidentin von LuzernPlus. Was hat Sie bewogen, sich für das Amt zur Wahl zu stellen?
Vielen Dank. Warum ich mich zur Wahl gestellt habe? Es waren die spannenden Herausforderungen, die mich gereizt haben. Ich möchte mich gerne vermehrt direkt für die prosperierende Weiterentwicklung unserer wunderschönen Region Luzern einsetzen.Wurden Sie für dieses Amt angefragt oder haben Sie sich hierfür «beworben»?
Die interne Findungskommission für die Nachfolge von Pius Zängerle hat mich für das Amt angefragt. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Nach verschiedenen Gesprächsrunden bei der Findungskommission und dem Vorstand wurde ich schliesslich als Kandidatin der Delegiertenversammlung vorgeschlagen und einstimmig gewählt.Was sind Ihre Hauptaufgaben als Präsidentin?
Das Präsidium von LuzernPlus ist für die strategische Führung des Gemeindeverbandes zuständig. Dazu werde ich vom Vorstand unterstützt. Auf operativer Ebene kann ich mich auf ein eingespieltes Team in der Geschäftsstelle verlassen.Seit dem 1. Januar 2020 präsidieren Sie den Gemeindeverband LuzernPlus. Wo setzen Sie Ihre Prioritäten und Schwerpunkte?
Die ersten Wochen möchte ich dazu nutzen, um mir einen guten Überblick zu verschaffen. Grundsätzlich ist es mir sehr wichtig, den regelmässigen Austausch mit unseren Gemeinden und Partnern zu pflegen und so für alle ein offenes Ohr zu haben. Als zentralen Punkt für unsere Region erachte ich die Weiterentwicklung des Durchgangsbahnhofs. Das ist aus meiner Sicht das wichtigste Infrastrukturprojekt der Region LuzernPlus für diese Generation.Es ist zu lesen, dass Sie als Kantonsrätin und Geschäftsführerin der GLP über grosse politische und strategische Erfahrung verfügen und gewohnt sind, im politischen Prozess geeignete Lösungen zu finden. Was heisst geeignete Lösungen?
Ich vertrete seit mehreren Jahren die GLP im Luzerner Kantonsrat. Als Fraktionsvorsitzende einer kleinen Partei bin ich gefordert, Lösungen über die eigene Partei hinaus zu fördern. Für mich steht immer die Sache im Zentrum.Als Präsidentin möchten Sie die Siedlungs-, Landschafts- und Verkehrsentwicklung in der Region gemeinsam mit den 24 Gemeinden anpacken und damit zur Attraktivität der Region LuzernPlus beitragen. Wo setzen Sie hier die Prioritäten?
Die Abstimmung von Siedlung und Verkehr ist ein zentraler Baustein unserer Entwicklung. Dazu gehört die Förderung von flächeneffizienten Verkehrsmitteln im urbanen Raum. Es ist ein Gebot der Stunde, die weitere Zersiedelung zu verhindern und beispielsweise die Zentren mit der Versorgung zu stärken. Das ist gelebter Klimaschutz. Als einen sehr wichtigen Teil in der Gestaltung von verdichteten Siedlungsgebieten erachte ich die Erhaltung und Erstellung von hochwertigen Angeboten an multifunktionalen Flächen, grosszügigen Begegnungszonen und attraktiven Grünanlagen.Sie sprechen auch von gemeindeübergreifenden Themen. Will heissen?
Besonders die Fragen der Mobilität und der Energieversorgung enden nicht an den Gemeindegrenzen. LuzernPlus möchte diese Synergien noch stärker in den Vordergrund rücken. Hier sind wir alle gemeinsam gefordert.Ihr Vorgänger, Pius Zängerle sagte, dass das enorme Potenzial der Region LuzernPlus nur durch eine zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen den 24 Gemeinden möglich ist. Ist das nicht eine Herkulesaufgabe?
Das ist wahrlich eine grosse Herausforderung. Ich glaube aber, dass LuzernPlus bisher verschiedene wichtige Meilensteine setzen konnte. So sind zum Beispiel die Gebietsmanagements, welche die Nahtstelle zwischen den Gemeinden, dem Kanton, der Wirtschaftsförderung und den Investoren bilden, schweizweit einzigartig. Wir werden die Gemeinden weiterhin unterstützen, Projekte gemeinsam zu entwickeln. Auf diesem Weg möchte ich gerne weiterfahren.Wie stark können Sie die Strategie respektive den Kurs von LuzernPlus prägen, beziehungsweise umsetzen?
Ich möchte gerne meine Funktion dazu nutzen, die Gemeinsamkeiten herauszuschälen und diese Stärken zu stärken. Nur gemeinsam können wir den grossen zukünftigen Herausforderungen entgegentreten und gute Lösungen erarbeiten.Welches sind die Gemeinsamkeiten und was bedeutet es, diese herauszuschälen und zu stärken?
Die Region LuzernPlus steht gemeinsam für die Realisierung des Durchgangsbahnhofs Luzern ein. Dieser bringt für die kommende Generation einen Meilenstein in der schienengebundenen Mobilität: einerseits für den Fernverkehr, andererseits aber auch für die S-Bahn Luzern. So wird die dringend notwendige Taktverdichtung im Regionalverkehr erst mit dem Durchgangsbahnhof Luzern möglich sein.
Auch wollen Sie in Ihrem Amt zur Attraktivität der Region beitragen. Das ist ein allgemeiner Begriff. Können Sie etwas konkreter werden?
Unsere Region bietet nicht nur das «Touristen-Luzern », wie es den meisten bekannt ist. Zu einer attraktiven Region gehören ausserdem eine nachhaltige Energieversorgung, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und ein attraktives Kultur- und Sportangebot. Gerade was die Naherholung auch für uns Einheimische betrifft, sind wir sicherlich gut unterwegs – aber wir dürfen hier nicht stehen bleiben.Für Armin Camenzind, Geschäftsführer von LuzernPlus, zählt die Mobilität zu einem bedeutenden Standortfaktor, denn die Standortattraktivität hängt massgeblich von der Erreichbarkeit ab. Wie ist diese zu bewerkstelligen respektive was heisst optimale Erreichbarkeit?
Die Erreichbarkeit unserer Region muss mit allen Verkehrsträgern möglich bleiben. Dazu gehört der Durchgangsbahnhof, aber auch das Gesamtsystem Bypass, welcher für das Strassennetz eine merkliche Entlastung geben dürfte. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Grossteil des öffentlichen Verkehrs auf der Strasse stattfindet. Hier hat für mich die konsequente Bevorzugung des Busverkehrs eine hohe Priorität. Als passionierte Velofahrerin ist aber ebenso die Nutzung des Velos wichtig. Das Miteinander von ÖV, dem motorisierten Individual- und Langsamverkehr macht es aus.Als Kantonsrätin der GLP machen Sie sich stark für eine gesunde Umwelt und florierende Wirtschaft und möchten diese in Einklang bringen. Sie bezeichnen diese als Lebensgrundlagen von morgen. Wie wollen Sie diese Bereiche unter einen Hut bringen?
Die beiden Begriffe sind keineswegs Gegensätze: Energiestrategie, Klimaschutz und CO2-Gesetze bieten grosse Chancen für unsere Wirtschaft. Diese können durch wirksame und sozialverträgliche Lenkungsmassnahmen rasch und effizient genutzt werden. Damit werden viele Subventionen und Regulierungen überflüssig. Umweltbewusstes Handeln muss und kann sich für Unternehmen lohnen.
Was heisst umweltbewusstes Handeln muss und kann sich für Unternehmen lohnen?
Immer noch verschwenden wir sehr viel Energie, weil sie zu wenig kostet. Dabei ist die wertvollste Kilowattstunde diejenige, welche nicht verbraucht wird, denn diese muss nicht produziert, transportiert und gespeichert werden. Mit einem verursachergerechten Energiepreis würden Energieeffizienzmassnahmen endlich rentabel und längst vorhandene Cleantech-Lösungen würden umgesetzt. Investitionen in erneuerbare Energie sind bei einer Vollkostenrechnung der fossilen und atomaren Energie schon heute wirtschaftlich überlegen und lohnen sich. Auch der dringend nötige Umstieg auf eine umweltfreundliche Mobilität wird mit den richtigen Anreizen rasch folgen. Der Mensch und die Wirtschaft funktionieren nun mal so, dass er nur etwas ändert, wenn es sich für ihn lohnt.
«Wir verschwenden sehr viel Energie, weil sie zu wenig kostet.»
Sie führen unter anderem eine eigene Firma für Managementberatung. Wie gross wird Ihr Arbeitspensum als Präsidentin von LuzernPlus sein?
Das Pensum als Präsidentin liegt bei knapp zwanzig Prozent, wobei sicherlich die erste Phase ein deutliches Mehr an Arbeit bringen wird. Ich freue mich auf mein neues Engagement.Worauf freuen Sie sich am meisten?
Es sind die vielen neuen Themen, in welche ich mich am Einlesen bin. Sie sind sehr spannend. Dass LuzernPlus vernetzt, spüre ich bei der Lektüre der verschiedenen Dossiers immer wieder.Apropos Engagement: Sie sind seit 1997 Vorstandsmitglied der Fallschirmgruppe Titlis und seit 2013 deren Präsidentin. Wie sind Sie zum Fallschirmspringen gekommen und was bedeutet Ihnen dieser Sport?
Zur Erstkommunion habe ich von meinem Götti – er war Flugbegleiter bei der damaligen Swissair – einen Flug von Zürich nach Genf geschenkt bekommen. Schon damals wäre ich am liebsten aus dem Fenster gesprungen, um auf den Wolken spazieren zu können. Als Zwanzigjährige habe ich meinen ersten Fallschirmsprung verwirklicht. Fasst dreissig Jahre lang habe ich meine Passion für das Fallschirmspringen gelebt. Dies zum Teil sehr intensiv als Wettkämpferin und Fallschirmsprunglehrerin. Nur «auf den Wolken spazieren zu können» hat nicht geklappt (lacht).Zählt Fallschirmspringen – nebst Biken und Langlaufen – noch heute zu Ihren Hobbys?
Nein, das aktive Springen habe ich aufgegeben. Mein letzter Sprung war vor eineinhalb Jahren.Oft hört man von Fallschirmspringern, dass es das Gefühl der absoluten Freiheit, der Adrenalinkick und Nervenkitzel ist, was die Faszination ausmacht. Ist dem so?
Die grosse Faszination waren für mich die freien, aber auch sehr kontrollierten Bewegungen im dreidimensionalen Raum. Als Fallschirmsprunginstruktorin ist es sehr bereichernd, den Lernenden ihre Angst vor dem Neuen zu nehmen und ihnen das Vertrauen zu geben, dass sie die Extremsituationen sicher meistern können. Der Nervenkitzel und Adrenalinkick wechseln bald in pure Lebensfreude und münden in einem gesunden Respekt gegenüber den Naturkräften.Vertrauen zu haben und Extremsituationen zu meistern, gilt sicherlich auch am «Boden». Welche Situationen kommen Ihnen dabei spontan in den Sinn?
Die politische Arbeit ist oftmals vergleichbar. Harte Verhandlungen und das Ringen um Kompromisse können mitunter durchaus schwierig sein. Aber das reizt mich. ■ -

Stefan Kurath: «Bei Arealentwicklungen ist diplomatisches Verhandlungsgeschick nötig»
Herr Kurath, das 2014 in Kraft getretene revidierte Raumplanungsgesetz schiebt dem Wachstum in die Fläche einen Riegel vor und fordert die Entwicklung nach innen. Das heisst?
Arealentwicklungen finden zukünftig in einem gebauten Kontext mit vielen Akteuren und noch mehr Anforderungen statt. Planungsbehörden und Grundeigentümer müssen damit umgehen können. Es braucht eine klare Strategie der Mitwirkung. Das macht das Vorgehen komplizierter und erfordert auch Diplomatie.«Es braucht eine klare Strategie der Mitwirkung.»
Wie viele Industriebachen sind aktuell in der Schweiz vorhanden?
Gemäss Bundesamt für Raumentwicklung sind zahlreiche ungenutzte Areale ab einer Grösse von 10 000 Quadratmetern mittlerweile zwischen- oder umgenutzt worden. Dass das Potenzial für die Revitalisierung von Brachen ungebrochen ist, zeigt der Entwicklungsatlas von Wüest Partner. Dieser listete 2018 über 700 Areale auf, die aufgrund von Fläche und Gestaltungsoptionen attraktiv sind. Doch die funktionale wie wirtschaftliche und ökologische Aufwertung von Arealen ist anspruchsvoll, denn jede Entwicklung ist ein Einzelfall. Alle Phasen in einem Revitalisierungsprozess können lange dauern.Warum?
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Auch wenn Makro- und Mikrolage erfolgsversprechend sind, können Altlasten, Denkmalschutzauflagen, ungünstige Bauökonomie sowie behördlicher oder privater Widerstand eine Umnutzung kompliziert machen. Dennoch besitzen Arealentwicklungen gute Erfolgschancen.Worauf beruhen diese Erfolgschancen?
Befindet sich das Areal in einem Gebiet mit einer expandierenden Wirtschaft sind die Erfolgschancen einer Transformation gross. In der Schweiz gibt es zahlreiche Projekte, die das belegen. An Standorten mit Bevölkerungswachstum sorgen innovative Projekte für den benötigten Wohnraum. Liegt eine Industriebrache standortmässig günstig, stellen diese in unterschiedlichen Formen auch eine bedeutende Nutzugsreserve dar. Hinzu kommt, dass die Umnutzung der bebauten Entwicklungsflächen Wohnraum für 288 000 Personen bieten würde und zusätzlich sich 257 000 Arbeitsplätze realisieren liessen.Immer wieder hört man, das Arealentwicklung eine sinnvolle Wertschöpfung ist. Was ist darunter zu verstehen?
Insbesondere ältere Industrie- und Gewerbeareale liegen mittlerweile zentral gelegen in den Stadt- und Siedlungsgebieten. Städtebaulich macht es Sinn, diese zu entwickeln und neuen Nutzungen zukommen zu lassen und so neue Entwicklungsimpulse für die umgebenden Stadträume zu geben. Wir können da von einer städtebaulichen Wertschöpfung sprechen. Natürlich werden auch die Eigentümer wirtschaftliche Wertschöpfung betreiben können bei entsprechender Nachfrage.Gibt es eine Art Leitfaden für eine Arealentwicklung? Wenn ja, wie sieht dieser aus?
Idealerweise versucht man, die städtebaulichen und gesellschaftlichen Alleinstellungsmerkmale eines Areals herauszuarbeiten und zu stärken, indem man sie massgeschneidert anreichert. Wichtiger als auf andere Arealentwicklungen zu schauen, ist es also, Experimente zu wagen und möglichst viele von der Transformation betroffenen Akteure mit auf den Weg zu nehmen.Warum sind urbane Lebensqualitäten mehr denn je gefragt?
Drei Viertel der Menschen in der Schweiz wohnt und arbeitet in Städten oder Gemeinden der städtischen Agglomerationen. Der Trend ist ungebrochen, und die Siedlungsfläche dehnt sich immer weiter aus. Um dem entgegen zu wirken, wird eine Siedlungsentwicklung nach innen angestrebt.Die Nachhaltigkeit spielt sicherlich auch bei Arealentwicklungen eine wichtige Rolle.
Unbedingt. Egal, welche Ziele Investoren mit einer Entwicklungsfläche anstreben möchten, eines haben alle Projekte gemeinsam: Der Erfolg hängt nicht nur von Faktoren wie Rentabilität, zentrale Lage im urbanen Umfeld, gute Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Vermarktungspotenzial ab.Sondern?
Immer mehr Menschen streben auch ökologische wie gesellschaftliche Nachhaltigkeit an. Das geschieht zum Beispiel an Orten, die vielfältige und veränderbare Lebens- und Nutzungsformen erlauben. Wenn brachliegende Areale als Wirtschaftsstandorte neu entwickelt werden sollen, dürfen die sich in den Lebensstilen widerspiegelnden Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden. Dazu gehört auch eine gute soziale und funktionale Durchmischung. Die Umsetzung dieser Attribute trägt zu einem positiven Gesamtimage bei.
Das Attisholz-Areal im solothurnischen Riedholz ist eine der grössten Industriebrachen der Schweiz. Die Transformation soll 2045 abgeschlossen sein. Ist vorhersehbar, wie die Menschen in 25 Jahren leben möchten?
Man kann alle die städtebaulichen Strukturen sukzessive stärken und aufrüsten, die bereits die letzten hundert Jahre den gesellschaftlichen Wandel überdauert haben und auch die nächsten hundert Jahre überdauern sollen. Das nenne ich das städtebauliche Grundgerüst. Inwieweit das Areal sich aber tatsächlich entwickelt oder stagniert, basiert auf Wachstums- oder Schrumpfungsprozessen. Welche Bedürfnisse die zukünftigen Bewohner haben werden, steht in den Sternen. Architektur und Städtebau bedeutet auch weniger vorauszusagen wie etwas wird, als vielmehr Strukturen zu entwerfen, die zukünftige Ereignisse ermöglichen, von denen wir heute nicht wissen, wie sie sein werden. Die Bauten mit Nutzungsangeboten können verfeinert werden, wenn sich die Entwicklungsperspektive auf zwei Jahre verkürzt hat.Welches sind gute Beispiele, bei denen die Bevölkerung mitreden konnte?
Zum Beispiel das Sulzer-Areal in Winterthur. Durch Aktivitäten während der Transformation gelang es besonders im Lagerplatz-Areal, die Beziehungen und Bindungen zum Quartier aufrecht zu erhalten. Mittels guter Angebote fürs Gewerbe und Wohnen wurde ein relativ stabiles Quartierleben erreicht, das weiter transformiert wird. Und bei der Überbauung Kalkbreite in Zürich wurden bereits vor dem Bau Kollektivgärten realisiert und dadurch die Verbundenheit zum Ort gestärkt. Die Nachbarschaft wird belebt, wenn Freiräume bereits während der Bauphase bespielt werden. Eine weitere Möglichkeit von Arealentwicklung sehe ich mit «Sihlcity», der ehemaligen «Zürcher Papierfabrik an der Sihl», welches 2007 als erstes Urban Entertainment Center, inklusive einem Hotel, eröffnet wurde.Was macht «Sihlcity» speziell?
Vom früheren Gebäudekomplex auf dem Areal blieben vier Bauten erhalten, die als Zeitzeugen an ein Stück Zürcher Geschichte erinnern. Mit dem Bikepark gibt es zudem Freizeitmöglichkeiten für alle, die nicht an Konsum gebunden sind – und das Sihlufer bietet Erholung. Das Nebeneinander dieser sehr unterschiedlichen Angebote, die gute Verkehrserschliessung und Dichte ist wohl ein Erfolgsfaktor.Gilt die Schweiz eigentlich als Vorzeigeland in Sachen Arealentwicklung? Wenn ja, warum?
Die Deindustrialisierung hat in der Schweiz früh eingesetzt, und die Kapitalflüsse haben es ermöglicht, umfassende Massnahmen zu ergreifen und die Arealentwicklungen ganzheitlich in Angriff zu nehmen. Die Schweiz hat hinsichtlich der Entwicklung von Arealen eine relativ grosse Kontinuität, und Gebiete wie Zürich West oder Neu Oerlikon haben in den 1990ern und 2000ern viel Aufmerksamkeit erweckt.Noch ein Blick über die Grenzen hinaus. Welche Arealentwicklungen im nahen Ausland dienen Ihnen als Vorbild und warum?
Grosse Arealentwicklungen haben vor allem in den ehemaligen Häfen grosser Städte stattgefunden. So haben sich in den 1990ern in Amsterdam die zentralen Hafenanlagen zu grossen Wohnquartieren und vollwertigen Stadtteilen entwickelt. In Hamburg hat die Transformation des Hafens zur «HafenCity» viel Aufmerksamkeit erweckt, insbesondere auch mit der Elbphilharmonie der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. In Antwerpen ist die Transformation des Hafens noch in vollem Gange. Auch hier geht es um die Öffnung ehemaliger Hafen-, Lager- und Arbeitsplatzgebiete für Wohnbauten, kulturelle Einrichtungen, Naherholungsgebiete und Ausbilden von neuen Wasserfronten und Stadtsilhouetten. ■




