Kategorie: Bauwirtschaft

Bauwirtschaft – Immobiliennews zu Baukosten, Projekten, Materialien & Entwicklungen in der Schweizer Bau- und Immobilienwirtschaft.

  • Forschung entwickelt klimafreundliche Alternative zu Zement

    Forschung entwickelt klimafreundliche Alternative zu Zement

    Die Herstellung von Zement als Bindemittel für Beton verantwortet 8 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstosses. Forschende verschiedener europäischer Universitäten und Institute arbeiten unter Führung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) aus Deutschland an der Entwicklung von Zementalternativen. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, ist der Zuger Baustoffproduzent Holcim in diesen Forschungsarbeiten des europäischen Projekts C-SINK engagiert.

    Im Fokus der Forschungen stehen magnesiumhaltige Silikate, die in einem gezielten, beschleunigten Mineralisierungsprozess mit CO₂ zu Magnesiumcarbonat reagieren. Dieser Zusatzstoff könnte als Ersatz für Portlandzementklinker das neue Bindemittel für Beton sein. Derzeit wird das Material unter Mitwirkung aller Beteiligten in den Laboren des KIT getestet. Dabei kommt eine enge Verzahnung von Simulation, experimenteller Forschung und grossmassstäblichen realitätsnahen Prüfungen an der Materialprüfungsanstalt in Karlsruhe zum Tragen. „Wir können mit Simulationen und Maschinellem Lernen vorhersagen, welche Betonrezepturen funktionieren“, wird Frank Dehn, Leiter des Instituts für Massivbau und Baustofftechnologie sowie der Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Karlsruhe am KIT, in der Mitteilung zitiert. „Experimente setzen wir dann gezielt ein, um diese Prognosen zu überprüfen. So wollen wir belastbare Kennwerte erarbeiten, die zeigen, dass Beton mit dem neuen Bindemittel klimafreundlich ist und die Anforderungen an Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit erfüllt.“

    Das Projekt wird vom Europäischen Innovationsrat (EIC) innerhalb des Pathfinder-Programms „Towards cement and concrete as a carbon sink“ gefördert. Beteiligt sind neben dem KIT und dem koordinierenden PAEBBL AB (Schweden) die Technische Universiteit Delft (Niederlande), die Katholieke Universiteit Leuven (Belgien), die Agencia Estatal Consejo Superior de Investigaciones Científicas und PREFABRICADOS TECNYCONTA S.L. (beide Spanien) sowie unterstützend Holcim Technology. Das Projekt wird mit 4 Millionen Euro über eine Laufzeit von vier Jahren gefördert.

  • Neue Technik verlängert Lebensdauer alter Brücken

    Neue Technik verlängert Lebensdauer alter Brücken

    Die in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbauten Brücken zeigen zunehmend Ermüdungserscheinungen und müssen repariert werden. Forschende und Techniker der Abteilung Structural Engineering an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf arbeiten an neuen Methoden, wie diese Brücken saniert werden können. Für ihre Experimente nutzen sie einen Brückenbelag aus ultrahochfestem faserbewehrtem Beton (UHPFRC), armiert mit Formgedächtnisstahl, heisst es in einer Mitteilung. Bei diesem Stahl handelt es sich um einen eisenbasierten Stahl aus einer Legierung, die unter anderem Mangan, Silizium und Chrom enthält. Mit diesem Stahl wird der Faserbeton verbunden. Nach einem Erhitzen zieht sich der Stahl zusammen und verschliesst aufgetretene Risse im Beton.

    Die Forschenden um Angela Sequeira Lemos und Christoph Czaderski haben entsprechende Experimente in der Bauhalle der Empa durchgeführt. Fünf Betonplatten mit jeweils fünf Metern Länge simulieren Brückenelemente. Von diesen blieb eine unverstärkt, während die anderen mit herkömmlichen Armierungsstahl beziehungsweise mit Formgedächtnisstahl armiert wurden. Für den Test wurden den Platten Risse zugefügt, um die realen Verschleissbedingungen zu simulieren. Im Ergebnis zeigte sich die Kombination aus faserbewehrtem Beton und Formgedächtnisstahl als funktionsfähiger. Mit ihr konnten Risse verschlossen und durchhängende Brückenteile gehoben werden. „Wir konnten zeigen, dass unser System nicht nur funktioniert, sondern bestehende Brücken tatsächlich wiederbeleben kann“, wird Angela Sequeira Lemos in der Mitteilung zitiert.

    Das Forschungsprojekt wurde von Innosuisse gefördert und von der OST – Ostschweizer Fachhochschule sowie von re-fer, einer Ausgliederung der Empa aus Seewen, und dem Verband der Schweizer Zementindustrie cemsuisse unterstützt. Ein Praxistest an einer echten Brücke könnte das Interesse der Industrie wecken. „Und mit zunehmender Nachfrage dürften auch die Materialkosten sinken – dann könnte diese Technologie die Brückensanierungen nachhaltig verändern“, zeigt sich Sequeira Lemos überzeugt.

  • Neue Kooperation verbessert Präzision bei Vermessung und Bau

    Neue Kooperation verbessert Präzision bei Vermessung und Bau

    Fixposition hat an der Messe Geo Week 2026 eine Zusammenarbeit mit Topcon Positioning Systems bekanntgegeben. Sie findet noch bis 18. Februar 2026 in Denver im US-Bundesstaat Colorado statt. Laut einer Mitteilung wird der Schlieremer Spezialist für visuelle Echtzeitkinematik (Real Time Kinematic, RTK) und visuell unterstützte Positionierung dem kalifornischen Unternehmen seine Lösungen bereitstellen. Die Technologien der 2017 gegründeten Ausgliederung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sollen in die hochpräzisen satellitengestützten Positionierungssysteme des kalifornischen Unternehmens Topcon integriert werden.

    Topcon bietet weltweit hochpräzise GNSS (Gloval Navigation Satellite System)-Positionierungstechnologien für Geomatik-, Bau- und Landwirtschaftsanwendungen, so Ron Oberlander, Leiter der Geomatics-Plattform von Topcon. Die Integration von Fixpositions visuellen Positionierungstechnologien helfe seinem Unternehmen, einen Mehrwert für seine Kunden zu schaffen.

    „Fixposition hat eine Technologie entwickelt, die die Satellitenortung verbessert und für Anwender selbst bei Arbeiten innerhalb von Gebäuden und beim Übergang zwischen Innen- und Aussenbereichen von Vorteil ist, ohne den Arbeitsablauf zu stören, indem RTK-GNSS mit Künstlicher Intelligenz kombiniert wird, um die Positionsgenauigkeit zu gewährleisten. Wir sehen diese KI-gestützte Technologie als innovative Integration in unsere GNSS-Lösungen der nächsten Generation.“

    Zhenzhong Su, CEO und Mitgründer von Fixposition, äussert sich „stolz darauf, die xFusion-, Vision- und multimodale Fusionspositionierungstechnologie von Fixposition zur Unterstützung der GNSS-Lösungen der nächsten Generation von Topcon liefern zu können. Wir freuen uns darauf, diese neue Lösung auf den Markt zu bringen und Vermessungsfachleuten in Geomatik, Bauwesen und Landwirtschaft dabei zu helfen, schnellere Ergebnisse zu erzielen und mehr zu erreichen, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen, selbst in Umgebungen, in denen GNSS-Verbindungen schwierig sind.“

  • Energieabsatz entwickelt sich regional unterschiedlich

    Energieabsatz entwickelt sich regional unterschiedlich

    Die Industrielle Betriebe Interlaken AG (IBI) setzte im Jahr 2025 rund 96 Millionen Kilowattstunden Strom in ihrem Verteilnetz ab. Das entspricht einem leichten Rückgang von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Eigenproduktion lag mit 13,2 Millionen Kilowattstunden 12 Prozent unter dem Vorjahreswert. Grund dafür waren laut Mitteilung der Energie- und Wasserversorgerin im Raum Interlaken Garantiearbeiten am Wasserkraftwerk am Schifffahrtskanal.

    Beim Gas fiel der Rückgang deutlicher aus. Der Absatz sank auf 35,9 Millionen Kilowattstunden, was einem Minus von 19,7 Prozent entspricht. Gemäss IBI hätten insbesondere Grosskunden ihre Anlagen optimiert oder seien auf alternative Heizsysteme umgestiegen.

    Der Wasserabsatz lag 2025 hingegen mit rund 1,8 Millionen Kubikmetern 1,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Anteil an Quellwasser betrug 97 Prozent, im Vorjahr waren es noch 99,4 Prozent. Grund für den Rückgang waren Reinigungs- und Revisionsarbeiten an den Infrastrukturanlagen im Saxettal.

    IBI senkte die Strompreise im Berichtsjahr um rund 24 Prozent. Dies, weil das Unternehmen die Energie für 2025 nach den Preissteigerungen ab Mitte 2022 wieder günstiger einkaufen konnte. Zudem senkte auch die nationale Netzgesellschaft Swissgrid die Kosten für Systemdienstleistungen und die Stromreserve.

    IBI ist auf Anfang 2026 vom Doppel- zum Einheitstarif gewechselt. Der seit den 60er Jahren geltende Doppeltarif verlagerte einen Teil des Stromverbrauchs in die Nacht der starke Ausbau der Photovoltaik hat die Logik von Stromproduktion und -verbrauch inzwischen verändert, Solarstrom wird tagsüber ins Netz eingespeist.

  • Biogasanlage wird auf Biomethanproduktion umgestellt

    Biogasanlage wird auf Biomethanproduktion umgestellt

    Die Axpo Biomasse AG betreibt in Aarberg neu eine Biogasaufbereitungsanlage anstelle des bisherigen Blockheizkraftwerks. In der Vergärungsanlage in Aarberg werden pro Jahr rund 20’000 Tonnen regionale Biomasse zu Strom und Naturdünger verarbeitet. Das dabei entstehende Biogas wird neu zu Biomethan aufbereitet und direkt in das bestehende Gasnetz eingespeist.

    Bisher wurde das Biogas zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Mit der Umstellung soll der Energieinhalt der eingesetzten Biomasse effizienter genutzt werden. „So leisten wir einen weiteren wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Energieversorgung und zur regionalen Wertschöpfung“, sagt Daniel Gobbo, Leiter der Geschäftseinheit Biomasse der Axpo.

    Abnehmerin des produzierten Biomethans ist Energie Wasser Bern (ewb), die Energieversorgerin der Stadt Bern. Laut Mitteilung hat ewb einen Vertrag über die vollständige Abnahme der Produktion abgeschlossen. Der Transport erfolgt über das Netz der Seelandgas AG. Für mögliche Überschussmengen baut der Gasverbund Mittelland (GVM) zudem eine Druckerhöhungsstation, damit das Gas ins Hochdrucknetz des Gasverbunds Mittelland eingespeist werden kann.

    Energie Wasser Bern leistet durch die Abnahme einen Beitrag zur Förderung der Produktion von Biogas in der Schweiz. „Mit dem Bezug aus der Anlage Aarberg verfolgt ewb konsequent ihre Strategie für eine CO2-neutrale Energiezukunft und stärkt die nachhaltige Versorgungssicherheit“, so Marcel Ottenkamp, Leiter Bereich Energiewirtschaft bei ewb.

  • Schweizer Spezialchemie treibt Expansion im Dichtstoffmarkt voran

    Schweizer Spezialchemie treibt Expansion im Dichtstoffmarkt voran

    Sika hat die Übernahme von Akkim, ein in Kleb- und Dichtstoffen tätiges Unternehmen aus der Türkei, angekündigt. Die Zuger Gruppe für Spezialitätenchemie will ihre Kundenreichweite vergrössern und ihre Marktposition in der globalen Kleb- und Dichtstoffindustrie stärken. Laut einer Mitteilung soll die Akquisition im dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein.

    Akkim mit Sitz in Istanbul und zwei Fertigungsstätten in der Türkei und Rumänien vertreibt über ein weit verteiltes Kundennetzwerk Anwendungen und Technologien für Kleb- und Dichtstoffe für den Bausektor. Durch etablierte Distributionskanäle in Osteuropa, Zentralasien, dem Mittleren Osten und Nordafrika könne ein breit diversifizierter Kundenstamm bedient werden. Der Nettoerlös im Jahr 2025 betrug laut der Mitteilung umgerechnet 220 Millionen Franken.

    Sika verspricht sich von der grösseren geografischen Reichweite bedeutende Wachstumschancen. „Die Akquisition wird es Sika ermöglichen, eine hocheffiziente Produktions- und Exportdrehscheibe für vertriebsorientierte Kleb- und Dichtstoffe aufzubauen, das das langfristige Wachstum in diesem Segment unterstützen wird“, heisst es.

    Sika will das zusätzliche Know-how und das breite Netzwerk von Akkim auch zur Erweiterung des E-Commerce-Geschäfts nutzen und über Cross-Selling ergänzende Produkte wie etwa Reparaturmörtel und Abdichtungslösungen anbieten.

  • Neues Verfahren bringt dekoratives Hochleistungsholz in Serie

    Neues Verfahren bringt dekoratives Hochleistungsholz in Serie

    Die Schreinerei Koster AG Holzwelten, ein Familienbetrieb aus Gossau, hat gemeinsam mit der Empa sogenanntes Marmorholz entwickelt. Marmorholz zeichnet sich durch eine Zeichnung feiner schwarzer Linien aus, die von einem Schlauchpilz verursacht werden. Das einzigartige Holz, einst ein seltener Zufallsfund, wird nun in einem Nebengebäude der Schreinerei mit Hilfe von Edelstahlcontainern, Laboren und Klima- und Vakuumkammern hergestellt. Das Produkt kommt laut einer Mitteilung nun unter dem Namen Myrai auf den Markt.

    Die Schreinerei und die Empa entwickelten im Rahmen eines gemeinsam gestarteten Innosuisse-Projekts ein standardisiertes, skalierbares Verfahren zur gezielten Herstellung von Marmorholz. In einer Vakuumkammer werden Bretter aus heimischen Laubholzarten wie Ahorn, Buche oder Esche auf die korrekte Feuchtigkeit gebracht, sterilisiert und mit dem Pilz inokuliert. Anschliessend verbringen sie mehrere Wochen in einer Klimakammer, um das Pilzwachstum und die resultierenden Muster zu ermöglichen. Zuletzt wird das Holz in einem technischen Prozess getrocknet und der Pilz stirbt ab.

    „Das Besondere an diesem Pilz ist, dass er nur die stark lignifizierten Bereiche der Zellwand nicht abbaut und das Holz somit eine hohe Biegesteifigkeit beibehält“, wird der für das Labor Cellulose & Wood Materials in St.Gallen tätige Empa-Forscher und Pilzexperte Francis Schwarze in der Mitteilung zitiert.

    Das resultierende Marmorholz eigne sich besonders für dekorative Anwendungen wie Möbel, Innenausbau oder Musikinstrumente. Im Rahmen des Projekts hat die Schreinerei Know-how entwickelt, um das Erscheinungsbild des Holzes zu steuern und verfeinern. Jakob Koster, ehemaliger CEO der Koster AG Holzwelten, wird sich nun dem Verkauf und der weiteren Innovation des Marmorholzes widmen. Die Nachfrage sei laut Koster bereits gross. Die Schreinerei und die Empa haben zudem bereits neue Ideen für die weitere Zusammenarbeit.

  • Positive Mitarbeitendenbewertungen bringen Top Company Ehrung

    Positive Mitarbeitendenbewertungen bringen Top Company Ehrung

    Die ERNE Gruppe wurde vom deutschen Arbeitgeberportal kununu dreifach als Top Company ausgezeichnet. Ausgezeichnet wurden laut einer Mitteilung die ERNE AG Bauunternehmung und ERNE AG Holzbau aus Laufenburg sowie die HUSNER AG Holzbau aus Frick. Das Arbeitgebersiegel erhalten Unternehmen, die von ihren Mitarbeitenden nachhaltig positiv bewertet werden. Damit bestätigt es die wertschätzende und entwicklungsorientierte Unternehmenskultur der ERNE Gruppe, so die Mitteilung.

    Kununu prüft Arbeitgeber im deutschsprachigen Raum basierend auf unabhängigen Bewertungen von Mitarbeitenden. Mit klar definierten Kriterien werden Zufriedenheit, Vertrauen und Kontinuität im Unternehmen bewertet. Insgesamt qualifizieren sich rund 5 Prozent der bewerteten Unternehmen für das kununu-Arbeitgebersiegel.

    „Diese Auszeichnung ist nur dank unserer Mitarbeitenden möglich. Ihr offenes Feedback, ihr tägliches Engagement und der gelebte Zusammenhalt machen ERNE als Arbeitgeber aus“, heisst es in der Mitteilung der ERNE Gruppe. „Ob im Arbeitsalltag oder bei gemeinsamen Anlässen, Team-​Events und dem ERNE Fäscht, unsere Kultur des Miteinanders ist ein zentraler Bestandteil unserer Identität.“

    Die Auszeichnung ist zudem Bestätigung des Anspruchs der Gruppe, Tradition und Innovation in Einklang zu bringen und Herausforderung mithilfe von kreativen Lösungen gemeinsam zu meistern.

  • Brücken sanieren mit «smartem» Stahl

    Brücken sanieren mit «smartem» Stahl

    Viele Stahlbetonbrücken wurden für Verkehrsbelastungen und Fahrzeuggewichte ausgelegt, die aus heutiger Sicht überholt sind. Gleichzeitig machen Chloride, Wasser und Frost den Bauwerken seit Jahrzehnten zu schaffen. Klassische Sanierungen stossen dort an Grenzen, wo Bauteile bereits stark gerissen oder dauerhaft verformt sind.

    Hier setzt das neue Empa-System an. Es kombiniert eine bewährte Methode, die zusätzliche Schicht aus ultrahochfestem, faserbewehrtem Beton, mit einem aktiven Verstärkungselement, das gezielt innere Vorspannkräfte aufbaut. Ziel ist nicht nur, Tragfähigkeit zu erhöhen, sondern geschädigte Brückenplatten im wahrsten Sinn des Wortes wieder aufzurichten.

    UHPFRC trifft Formgedächtnisstahl
    Schon heute werden Brücken mit einer dünnen Schicht ultrahochfestem Faserbeton nachgerüstet, die direkt auf die Fahrbahnplatte aufgebracht wird. Der Hochleistungsbeton ist sehr dicht, widersteht Wasser und Tausalzen und lässt sich gut armieren. Ein robuster «Schutzpanzer» mit strukturellem Mehrwert.

    Das Empa-Team um Angela Sequeira Lemos und Christoph Czaderski ersetzt in dieser Schicht nun die konventionelle Stahlbewehrung durch Stäbe aus Formgedächtnisstahl auf Eisenbasis. Nach dem Einbau werden die Stäbe auf rund 200 Grad Celsius erhitzt, versuchen sich zusammenzuziehen, werden aber vom Beton daran gehindert. Die Folge ist eine innere Vorspannung, die Risse schliesst, Verformungen zurückdrängt und die Platte dauerhaft in einen günstigeren Spannungszustand versetzt.

    Risse schliessen sich sichtbar
    In einem ersten Schritt untersuchte das Team die Verbundwirkung zwischen UHPFRC und Formgedächtnisstahl. Wie gut bleibt die Verbindung auch nach dem Erhitzen? Wie zuverlässig lassen sich Kräfte übertragen? Danach folgten Grossversuche mit fünf je fünf Meter langen Betonplatten, die freitragende Brückendecks simulierten.

    Eine Platte blieb unverstärkt, die übrigen erhielten eine UHPFRC-Schicht, entweder mit klassischer Bewehrung oder mit Fe‑SMA‑Stäben. Um realistische Bedingungen abzubilden, wurden die Platten zunächst gezielt bis zur Rissbildung belastet und erst anschliessend verstärkt. Nach dem Erwärmen der Fe‑SMA‑Stäbe schlossen sich bestehende Risse sichtbar, durchhängende Bereiche hoben sich wieder an. Bereits in dieser Aktivierungsphase zeigten sich deutliche Verbesserungen der Verformungen.

    Steifer, tragfähiger, länger haltbar
    Begleitet wurden die Versuche von einem dichten Messkonzept. Digitale Kameras beobachteten die Rissbilder, im Innern der Platten erfassten faseroptische Sensoren Dehnungen entlang der Stäbe. Ähnlich wie Glasfaserkabel in der Telekommunikation, nur dass hier das zurückgestreute Licht zur Verformungsmessung dient.

    Sowohl die konventionelle Verstärkung mit UHPFRC als auch das neue System mit Formgedächtnisstahl konnten die Tragfähigkeit gegenüber der unverstärkten Platte mindestens verdoppeln. Unter Alltagsbelastungen, etwa durch den normalen Strassenverkehr, zeigte sich die Fe‑SMA‑Variante jedoch deutlich im Vorteil. Die Platte wurde steifer, bleibende Verformungen traten später auf oder verschwanden ganz, vorhandene Risse konnten geschlossen werden. Das System wirkt damit wie eine «Reaktivierung» des bestehenden Tragwerks.

    Einsatzfelder und nächste Schritte
    Noch sind sowohl der ultrahochfeste Faserbeton als auch der Formgedächtnisstahl relativ teuer. Wirtschaftlich am spannendsten ist das System deshalb dort, wo andere Verstärkungsmethoden nicht mehr ausreichen. Zum Beispiel bei stark verformten, bereits geschädigten Brücken oder insbesondere sensiblen Bauwerken mit begrenztem Eingriffsraum.

    Perspektivisch ist der Einsatz nicht auf Brücken beschränkt. Denkbar sind Anwendungen im Hochbau, etwa bei auskragenden Balkonen, Flachdächern oder sensiblen Bauteilen, bei denen kompakte Verstärkungslösungen und eine sehr dichte Oberfläche gefragt sind. Das von Innosuisse geförderte Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der OST, dem Empa-Spin-off re‑fer und cemsuisse. Nach den erfolgreichen Versuchen sucht das Team nun eine geeignete Brücke für den ersten Pilot-Einsatz. Gelingt dieser Schritt, könnte sich der «smarte» Stahlbeton zu einem wichtigen Werkzeug im Umgang mit der alternden Schweizer Brückeninfrastruktur entwickeln.

  • Gaudís verborgenes Chalet in den Pyrenäen

    Gaudís verborgenes Chalet in den Pyrenäen

    Für das Chalet von Catllaràs existieren weder Originalpläne noch eine offizielle Signatur Gaudís. Die Zuschreibung beruhte jahrzehntelang vor allem auf formalen Ähnlichkeiten zu bekannten Werken. Die 2023 beauftragte Untersuchung durch den Gaudí-Lehrstuhl der Polytechnischen Universität Kataloniens setzte deshalb auf eine andere Strategie, geometrische und konstruktive Analyse statt Archivfund im letzten Moment.

    Unter der Leitung von Galdric Santana wurde das Gebäude dreidimensional vermessen, in seinem Tragwerk detailliert untersucht und mit gesicherten Gaudí-Bauten verglichen. Ergänzend wertete das Team historische Fotografien und die Baugeschichte im Umfeld der Projekte für Eusebi Güell aus. Die Studie kommt zum Schluss, dass der Entwurf von Gaudí stammt, die Ausführung jedoch von Dritten verantwortet wurde und vom ursprünglichen Konzept abwich.

    Die Logik der Gewölbe
    Kern der Argumentation ist das Tragwerk. Das Chalet besitzt einen rechteckigen Grundriss und ein spitz zulaufendes Gewölbedach, das bis fast zum Boden reicht. Dach und Fassade sind konstruktiv eine Einheit, Fenster finden sich ausschliesslich in den Längswänden und wirken wie in das Gewölbe eingeschnittene Mansarden. Die Stirnseiten bleiben geschlossen, statisch konsequent, formal radikal.

    Entscheidend ist die zentrale Längsachse, die als tragendes Rückgrat die Geschosse mitträgt. Santana betont, dass diese konstruktive Logik typisch für Gaudí sei. Das Gewölbe dient nicht nur als Decke, es trägt die darüberliegenden Ebenen mit. Grundlage ist das Arbeiten mit Ketten- beziehungsweise Seilmodell. Die durchhängende Linie einer belasteten Kette liefert die ideale Drucklinie eines Bogens. Dreht man dieses Modell um, entsteht eine Gewölbeform, die fast vollständig in Druck beansprucht wird, ein Prinzip, das Gaudí systematisch nutzte.

    Eingriffe bei der Ausführung
    Die Untersuchung zeigt aber auch, dass die Tragstruktur während der Bauausführung verändert wurde. Statt die Lasten konsequent über das Gewölbe und die zentrale Achse abzutragen, fügten die Ausführenden zusätzliche Querwände ein. Längsbalken übernahmen Teile der Lastabtragung, wodurch die ursprünglich radikale Klarheit des Systems abgeschwächt wurde.

    Genau darin sieht Santana einen möglichen Grund, weshalb Gaudí die Urheberschaft nie offensiv beanspruchte. Die „Seilbahn“, das Arbeiten mit der idealen Kettenlinie, wurde im Chalet nicht konsequent für die Abstützung der Bodenplatten umgesetzt. Die Idee ist im Tragwerk ablesbar, ihre konsequente Anwendung aber nur teilweise realisiert.

    Gaudí und Güell
    Auftraggeber des Chalets war Eusebi Güell, Gaudís zentraler Mäzen. In der Region betrieb er eine Kohlemine und die Zementfabrik Asland. Das Gebäude diente als Unterkunft für Ingenieurinnen, Ingenieure und technische Fachkräfte mit ihren Familien. Damit steht das Haus nicht im Kontext repräsentativer Stadtpaläste, sondern im Spannungsfeld von Industrie, Infrastruktur und harter Gebirgslandschaft.

    Zeitlich fällt das Projekt in eine Phase, in der Gaudí parallel an Park Güell und der Kirche der Colònia Güell arbeitete. Dass er die Bauleitung eines abgelegenen Chalets in den Pyrenäen nicht selbst vor Ort übernahm, wirkt vor diesem Hintergrund plausibel. Nach Stilllegung von Mine und Fabrik war das Haus zeitweise Landschulheim, viele Einheimische kennen es aus ihrer Kindheit. Heute ist es restauriert und zugänglich, für die Gemeinde La Pobla ein identitätsstiftender Baustein.

    Regionaltypisch und hochgradig rational
    Im Œuvre Gaudís nimmt das Chalet eine Sonderstellung ein. Es ist deutlich kleiner als Ikonen wie die Sagrada Família, zeigt aber zentrale Motive seines Denkens. Santana spricht von einer gross angelegten Neuinterpretation der gotischen Berghütten der Pyrenäen. Gaudí greift regionale Bautraditionen auf, transformiert sie aber strukturell und geometrisch.

    Die kompakte, in sich geschlossene Form reagiert auf das raue Klima und reduziert den Bauaufwand. Materialien stammen weitgehend aus der Umgebung, das Gebäude fügt sich topografisch in den Hang. Charakteristisch sind zudem die 45-Grad-Verteiler im Grundriss, die Gaudí auch bei der Torre Bellesguard einsetzte. Sie sorgen für fliessende Raumübergänge und brechen starre orthogonale Systeme – ein weiterer Baustein der Identifikation.

    Wie Architekturwissenschaft Autorenschaft prüf
    Die Studie zum Chalet von Catllaràs ist nicht nur ein Beitrag zur Gaudí-Forschung, sondern auch ein Lehrstück zu Methoden der architektonischen Zuschreibung. Im Unterschied zur Malerei gibt es bei Gebäuden selten eine eindeutige „Signatur“. Werke werden umgebaut, erweitert oder von Mitarbeitenden umgesetzt, Pläne gehen verloren oder existieren nur in Fragmenten. Die Forschenden kombinierten daher geometrische Analysen, Materialuntersuchungen und digitale 3D-Modelle mit historischer Quellenarbeit. Proportionen, Krümmungen und Tragwerkslogik wurden mit gesicherten Gaudí-Bauten verglichen, Fotografien aus der Entstehungszeit ergänzten das Bild. Die Kulturministerin betonte anlässlich der Präsentation, wie unverzichtbar solche wissenschaftlichen Beglaubigungen sind, um Urheberschaft belastbar zu bestimmen. Das Chalet von Catllaràs wird damit vom lokalen Sonderfall zum sauber verorteten Baustein im Werk eines der wichtigsten Architekten der Moderne.

  • Tandem-Module verschieben Solargrenzen

    Tandem-Module verschieben Solargrenzen

    Im Markt etablierte Siliziummodule erreichen heute rund 20 bis 24% Wirkungsgrad und liegen damit bereits nah am materialspezifischen Limit von 29,4%. Dieses Limit ist eine Folge des sogenannten Shockley-Queisser-Limits, das für Solarzellen mit nur einer Halbleiterschicht einen maximalen Wirkungsgrad von 33,2% unter Idealbedingungen beschreibt.

    Der Grund liegt in der Bandlücke des Materials: Sie bestimmt, welche Wellenlängen des Lichts in Strom umgewandelt werden können. Ist die Bandlücke zu gross, gehen langwellige Photonen verloren; ist sie zu klein, verpufft ein Teil der Energie als Wärme. Silizium trifft dieses theoretische Optimum nicht exakt, weshalb mit klassischer Siliziumtechnologie nur begrenzte Effizienzsteigerungen möglich sind.

    Tandem-Prinzip
    Statt nur einer Halbleiterschicht werden mehrere Schichten mit unterschiedlichen Bandlücken kombiniert. Jede dieser Schichten nutzt einen anderen Teil des Sonnenspektrums, von kurz- bis langwellig. So lässt sich deutlich mehr der eingestrahlten Energie in Strom umwandeln, das klassische Einzelschicht-Limit wird faktisch überwunden.

    Theoretisch sind mit Tandemzellen Wirkungsgrade von über 60% möglich, je nach Materialkombination und Aufbau. Die technische Herausforderung liegt nicht nur in der Wahl der Materialien, sondern auch darin, diese in ein stabiles Modul zu überführen, das unter realen Bedingungen zuverlässig arbeitet.

    Im Projekt „Vorfahrt“ entstand ein Tandemmodul, das nach Angaben des Fraunhofer ISE einen Wirkungsgrad von 34,2% erreicht, aktuell das effizienteste Solarmodul der Welt. Es basiert auf einer dreifach gestapelten III-V-Halbleiterstruktur auf einer Germaniumunterlage, einer Architektur, die ursprünglich für Weltraumsolarzellen entwickelt wurde.

    Projektpartner Azur Space hat seine Raumfahrtzellen dafür an das terrestrische Sonnenspektrum angepasst und für die Modulfertigung skaliert. Das Unternehmen Temicon steuert eine Nanostruktur auf der Glasoberfläche bei, die Reflexionsverluste minimiert und damit zusätzliche Effizienzprozentpunkte erschliesst.

    Das zweite Rekordmodul stammt aus dem Projekt „Mod30plus“. Hier kombinieren die Forschenden einen III-V-Halbleiter mit dem kostengünstigeren Silizium statt Germanium und erreichen damit einen Modulwirkungsgrad von 31,3%. Grundlage sind III-V/Silizium-Tandemzellen mit 36,1% Zellwirkungsgrad, die im Institut erstmals in einer Kleinserie gefertigt und verschaltet wurden.

    Die III-V/Silizium-Technologie verlässt den reinen Laborstatus und bewegt sich in Richtung industriell skalierbarer Prozesse. Beide Module übertreffen das physikalische Limit klassischer Siliziummodule von 29,4% klar. Ein Wert, der lange als kaum erreichbar galt.

    Modulwerte für die Praxis
    In der Photovoltaik wird zwischen Zellen und Modulen unterschieden. Zellen werden unter idealisierten Laborbedingungen vermessen, Module bestehen aus vielen verschalteten Zellen, eingebettet in Glas und Rahmen. Inaktive Flächen, Leiterbahnen und Reflexionen verursachen dabei unvermeidbare Verluste.

    Entsprechend liegen Modulwirkungsgrade immer unter den Zellwirkungsgraden, auch im Fall der Freiburger Rekordtechnik. Für reale Anwendungen sind deshalb die Modulwerte entscheidend, denn auf Dächern, Fassaden oder Fahrzeugen werden immer Module installiert, nie einzelne Zellen.

    Wenn jeder Quadratzentimeter zählt
    Spannend werden die Hochleistungsmodule dort, wo Fläche knapp und teuer ist. Etwa in der gebäudeintegrierten Photovoltaik, bei der Module als Fassaden- oder Dachelemente fungieren oder auf Fahrzeugen. Zu den Projektpartnern zählt unter anderem Audi, was das Potenzial für Fahrzeuganwendungen unterstreicht.

    Effizienz für den Massenmarkt
    Parallel verfolgt das Fraunhofer ISE eine weitere Tandemroute. Perowskit-Silizium-Module, entwickelt unter anderem gemeinsam mit Oxford PV. Ein vollformatiges Modul mit 1,68 m² Fläche erreicht bereits 25% Wirkungsgrad und ist auf Fertigungslinien produziert worden, die auch für die Massenproduktion geeignet sind. Diese Technologie zielt weniger auf absolute Rekorde als auf breite Marktdurchdringung mit vergleichsweise günstigen Materialien und soll sich perspektivisch für Standarddächer eignen. Forschergruppen, unter anderem in Hong Kong, melden zudem Perowskit-basierte Zellen mit Wirkungsgraden von bis zu 40%, was die Dynamik in diesem Segment verdeutlicht.

  • KI Monitoring bringt neue Präzision in die Infrastrukturplanung

    KI Monitoring bringt neue Präzision in die Infrastrukturplanung

    Innovation Zurich hat den neuen Bericht seiner Innovation Sandbox für KI veröffentlicht. Unter dem Titel „Sensorbasierte Brückenüberwachung – Datenerfassung und Vorhersagen für den Infrastrukturunterhalt“ liess Innovation Zurich, die gemeinsame Initiative von Standortförderung Kanton Zürich, Greater Zurich Area und Switzerland Innovation Park Zurich, untersuchen, was datenbasiertes Monitoring bei Infrastrukturbauten bezüglich Risikobewertung und Modernisierungsstrategien leisten kann. Datenbasierte Monitoringansätze sind heute noch kein fester Bestandteil der etablierten normbasierten Zustandsbeurteilung, die zumeist äusserst konservativ erfolgt, heisst es dort.

    In einem Pilotprojekt untersuchten die Schweizerische Südostbahn aus St.Gallen und die irmos technologies AG mit Sitz im Technopark Zürich exemplarisch die Reidholz-Brücke an der Strecke Wädenswil-Einsiedeln. Sie wurde 1910 errichtet und 1953 umgebaut. Die Bahngesellschaft wollte klären, ob eine Nutzungsverlängerung von zehn auf 20 Jahre technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar wäre. Ausserdem prüfte sie, ob die Methodik auch auf vergleichbare Brücken im Portfolio übertragen werden kann.

    Mit einfach installierbaren Sensoren von irmos technologies, die speziell auf die Anforderungen der Brückenüberwachung zugeschnitten sind, sammelten die Forschungspartner in einer mehrmonatigen Testphase Daten aus dem Realbetrieb. Ergänzend wurden Kameras eingesetzt, um Zugtypen, Geschwindigkeiten und Zugkompositionen zu dokumentieren und die modellierten Verkehrslasten zu validieren.

    Die Ergebnisse zeigen, dass selbst kurze Messperioden robuste Aussagen zu Ermüdung und Steifigkeit ermöglichen und die Abwägung zwischen Nutzungsverlängerung und Ersatzneubau erleichtern. Denn „auf Basis von Sensordaten unterstützt das System Infrastrukturbetreiber dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und Unterhaltsmassnahmen gezielt zu planen“, fasst irmos-Gründer und -CEO Dr. Panagiotis Martakis zusammen.

    Entscheidend sei, so das Fazit des Berichts, dass Datengewinnung nicht zum Selbstzweck betrieben wird und datenbasierte Methoden ein konkretes betriebsrelevantes Problem lösen, wie etwa die Frage: Wie lang hält die Brücke im Vergleich zu normbasierten Schätzungen tatsächlich? Den grössten Mehrwert entfaltet die Methode, wenn sie über Einzelfälle hinausgeht: Die Überwachung ganzer Brückenportfolios ermöglicht Vergleiche, Priorisierungen und langfristige Investitionsstrategien. Dafür müssen bei den Infrastrukturbetreibern Kompetenzen aufgebaut werden.

  • Mängelrechte und Bauhandwerkerpfandrecht wichtige Änderungen

    Mängelrechte und Bauhandwerkerpfandrecht wichtige Änderungen

    Kohler Law ist eine neue Boutique-Kanzlei mit Schwergewicht Bau- und Immobilienrecht, Staats- und Verwaltungsrecht sowie Vertragsrecht. Mit über 15 Jahre Erfahrung in Zürcher und Aargauer Anwaltskanzleien berate und vertrete ich Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Institutionen. Als Einzelanwalt garantiere ich einen direkten Ansprechpartner, hohe Verfügbarkeit und eine bedürfnisgerechte Beratung. Effiziente, praktikable und nachhaltige Lösungen stehen bei mir im Vordergrund.

    Kaufvertragsrecht
    Für bewegliche Sachen, die bestimmungsgemäss in ein unbewegliches Werk integriert werden (z. B. Baustoffe), besteht neu eine Rügefrist für offene und verdeckte Mängel von mindestens 60 Tagen. Die Verjährungsfrist für Mängelrechte beträgt wie bisher fünf Jahre, wobei eine Verkürzung der Frist weiterhin zulässig bleibt.

    Beim Grundstückskauf mit Neubauten, die noch zu errichten oder maximal zwei Jahre alt sind, erhalten Käufer erstmals ein zwingendes kostenloses Nachbesserungsrecht. Zudem können offene und verdeckte Mängel neu auch innerhalb von mindestens 60 Tagen nach Entdeckung angezeigt werden. Die Mängelrechte bei allen Arten von Grundstückkäufen verjähren fünf Jahre nach Eigentumsübergang, wobei diese Frist nicht verkürzt werden darf.

    Werkvertragsrecht
    Bei unbeweglichen Werken gilt künftig eine 60-tägige Rügefrist für offene und verdeckte Mängel. Dies umfasst auch Mängel beweglicher Werke, die in ein unbewegliches Werk integriert wurden, oder Mängel an Werken von Architekten/Ingenieuren, die Grundlage für die Erstellung eines unbeweglichen Werks bilden. Neu ist ebenfalls ein zwingendes kostenloses Nachbesserungsrecht vorgesehen; vertragliche Ausschlüsse oder Begrenzungen, etwa auf Höchstbeträge, sind unwirksam. Die fünfjährige Verjährungsfrist kann nicht zulasten des Bestellers verkürzt werden; sie beginnt mit der Abnahme des Werks.

    Bauhandwerkerpfandrecht
    Das Pfandrecht sichert Unternehmern die Zahlung offener Werklohnforderungen. Für Eigentümer kann dies die Kreditwürdigkeit einschränken oder ein Doppelzahlungsrisiko bedeuten. Neu gilt: Eine Sicherheit, die Hauptforderung und Verzugszinsen für zehn Jahre abdeckt, verhindert die Eintragung des Pfandrechts. Damit wird eine klare, praktisch umsetzbare Regelung eingeführt, die frühere Probleme unbeschränkter Zinsgarantien löst.

    Inkrafttreten und Übergangsrecht
    Die Änderungen gelten ab 1. Januar 2026. Kauf- und Werkverträge vor diesem Datum unterstehen weiterhin dem alten Recht; Nachbesserungsansprüche für vor 2026 abgeschlossene Neubauten bestehen nur, wenn vertraglich vereinbart. Zwingende Verjährungsfristen und die neue Sicherheitsregel im Bauhandwerkerpfandrecht gelten jedoch unabhängig vom Vertragsdatum.

    Empfehlungen
    Es empfiehlt sich auf jeden Fall, sämtliche Vertragsvorlagen dem neuen Recht anzupassen. Beim Verkauf noch zu bauender Liegenschaften sollten die Kauf- und Werkverträge aufeinander angepasst werden, um Widersprüche zwischen der Haftung aus Kauf- und Werkvertrag zu vermeiden. Dies gilt besonders für im Jahr 2025 abgeschlossene Werkverträge, wenn die Liegenschaft erst im Jahr 2026 veräussert wird. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die SIA-Norm 118 zu richten, da diese – anders als die gesetzlichen Bestimmungen – ein vorgehendes Nachbesserungsrecht des Unternehmers enthält.

  • Operative Erholung zeigt Wirkung im Industrieumfeld

    Operative Erholung zeigt Wirkung im Industrieumfeld

    Die Schindler-Gruppe hat laut einer Mitteilung im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 10,947 Milliarden Franken erreicht, ein Rückgang um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Lokalwährungen wurde hingegen ein Zuwachs um 1,3 Prozent verbucht. Der Auftragseingang lag bei 11,313 Milliarden Franken (- 0,9 Prozent, in Lokalwährungen + 3,1 Prozent). Das bereinigte Betriebsergebnis in Lokalwährungen stieg sogar um 12,3 Prozent. Beim Konzerngewinn hat Schindler 1,073 Milliarden Franken erwirtschaftet, ein Zuwachs von 6,2 Prozent.

    „2025 markiert das letzte Jahr unserer operativen Erholung“, wird Schindler-CEO Paolo Compagna zitiert. „Vier Jahre nachdem wir uns besonderen Herausforderungen im Jahr 2022 stellen mussten, freut es mich sagen zu können, dass wir aus dieser Phase als stärkeres und widerstandsfähigeres Unternehmen hervorgegangen sind.“

    Für das laufende Jahr erwartet Schindler „in Lokalwährungen ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich“. Als EBIT-Marge werden 13 Prozent angestrebt (2025: 12,6 Prozent, bereinigte EBIT-Marge 13,3 Prozent). „Unsere Priorität für 2026 ist es, gezielt zu wachsen und den Fokus auf die weitere Verbesserung der operativen Margen beizubehalten“, heisst es von Compagna.

  • Investor steigt bei zirkulärem Baustoffentwickler ein

    Investor steigt bei zirkulärem Baustoffentwickler ein

    Medley Ventures aus Kopenhagen beteiligt sich an einer Pre-Serie-A-Finanzierungsrunde für den Baustoffhersteller Oxara mit Sitz in Dietikon. Bei Medley Ventures handelt es sich um den Venture-Capital-Fonds der Gründer von To Good To Go, einer Initiative gegen Lebensmittelverschwendung. Der Investor zeigt sich von der Kombination aus technologischer Innovation, industrieller Skalierbarkeit und realer Anwendbarkeit überzeugt, heisst es in einer Mitteilung.

    Oxara ersetzt CO2-intensiven Zement durch zirkuläre Bindemittel, die aus wiederverwertbaren und bislang ungenutzten Bauabfällen generiert werden. Die Produkte des Unternehmens lassen sich komplikationslos in den herkömmlichen Baubetrieb einbinden, heisst es in der Mitteilung. Mit dem frischen Kapital will Oxara die Produktentwicklung, Zertifizierungspfade und industrielle Partnerschaften beschleunigen und so eine breitere Markteinführung in der Schweiz sowie in internationalen Märkten ermöglichen.

    „Was uns überzeugt hat, ist die Vision hinter Oxara: Ingenieurskunst, echte industrielle Wirkung und glaubwürdige Hoffnung für eine bessere Zukunft des Bauens. Indem Zement überflüssig wird und Abfall zu Wertstoff, zeigen sie, dass Innovation die Art und Weise verändern kann, wie wir bauen“, wird Mathias Christensen, Mitbegründer und CEO von Medley Ventures, in der Mitteilung zitiert. Gnanli Landrou, CEO und Mitgründer von Oxara, sieht in der Finanzierung eine starke Bestätigung durch ein Unternehmen, das sich wirkungsvoll für Nachhaltigkeit einsetzt.

    Im Rahmen einer Serie-A-Finanzierung will Oxara bis März 2026 frisches Kapital in Höhe von 20 Millionen Franken akquirieren.

  • Solardiesel soll Baumaschinen klimafreundlicher machen

    Solardiesel soll Baumaschinen klimafreundlicher machen

    Das Bauunternehmen Eberhard Bau aus Kloten wird künftig seinen Maschinenpark mit Solardiesel des Zürcher Cleantech-Unternehmens Synhelion betreiben. Der jetzt in einer Mitteilung bekanntgegebene langfristige Abnahmevertrag sieht den Einsatz des erneuerbaren Diesels ab 2027 vor. Wie Synhelion informiert, verringere der Einsatz die Netto-CO2-Emissionen um bis zu 100 Prozent im Vergleich zu fossilen Treibstoffen. Die nachhaltigen Treibstoffe können von sämtlichen bestehenden Verbrennungsmotoren genutzt werden.

    Eberhard Bau sei für Synhelion der erste Abnahmekunde aus der Baubranche, welche über wenig Hebel zur Defossilisierung von Baumaschinen und Baustellen verfügt habe. Bisher wurde Solardiesel von Unternehmen aus Luftfahrt, Schifffahrt und Strassenverkehr eingesetzt. Baumaschinen indes seien schwer, kämen in unerschlossenem Gelände zum Einsatz und liessen sich aufgrund eines hohen Leistungsbedarfs schwer elektrifizieren. Solardiesel schaffe dort eine nachhaltige Lösung zur CO2-Reduzierung, „wo es bisher keine praktikable Alternative gab“, wird Silvan Eberhard, Leiter Logistik der Eberhard Unternehmungen, zitiert.

    Synhelion betreibt eigenen Angaben zufolge seit 2024 mit der in Deutschland produzierenden DAWN die erste industrielle Anlage zur Produktion von Solartreibstoffen der Welt. Der Bau der ersten kommerziellen Anlage sei in Planung und soll 2027 in Betrieb gehen.

    Neben der Eberhard Bau AG haben Swiss International Air Lines, Pilatus Flugzeugwerke, Flughafen Zürich, AMAG Group und die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees Abnahmeverträge für erneuerbaren Treibstoff mit Synhelion abgeschlossen.

  • Stahlprofile erweitern digitale Planungssoftware

    Stahlprofile erweitern digitale Planungssoftware

    Die Stahlprofile der Pestalozzi AG sind ab April bei LogiKal verfügbar, wie aus einer Mitteilung des in Dietikon ansässigen Unternehmens hervorgeht. Die Software ist von der deutschen Orgadata entwickelt worden und dient der Planung des Fensterbaus. Sie wird laut der Mitteilung von Pestalozzi zudem für die Planung von Projekten rund um Türen und Fassaden genutzt.

    Insgesamt haben mehr als 400 Anbieter ihre Bauteile in der Software hinterlegt. Durch offene Schnittstellen kann LogiKal mit Systemen für die Maschinensteuerung, Enterprise Resource Planing (ERP)- und Computer-Aided Design (CAD)-Software verbunden werden. Durch eine integrierte automatische Fehlerprüfung werden zudem teure Kalkulationsfehler reduziert, informiert Pestalozzi.

    Das Dietiker Unternehmen bezeichnet die Integration der Stahlprofile in LogiKal als „digitalen Meilenstein“.

  • Ohne Materialforschung gäbe es keinen Fortschritt

    Ohne Materialforschung gäbe es keinen Fortschritt

    Materialforschung ist für Tanja Zimmermann das Rückgrat des technischen Fortschritts. Rund zwei Drittel aller Innovationen basieren direkt auf neuen oder verbesserten Materialien, von Batterien über medizinische Sensoren bis zu Baustoffen. Entsprechend breit ist der Ansatz der Empa, die als nationales Kompetenzzentrum Materialien für Bau, Energie und Gesundheit entwickelt. Dies von Grundlagenprojekten im Labor bis zu Machbarkeitsstudien mit Industriepartnern. Dazu gehören effizientere Energiespeicher, neue Photovoltaik-Technologien und zweidimensionale Nanomaterialien wie MXene, die künftig Elektronik und Sensorik kompakter und leistungsfähiger machen könnten.

    ​Anwendungen für Energie, Gesundheit und Bau
    Im Gesundheitsbereich arbeitet die Empa an textilen Sensoren, die Langzeit-EKGs ohne klassische Gel-Elektroden ermöglichen und so Hautreizungen vermeiden. Weitere Projekte zielen auf intelligente Materialien im Operationssaal, etwa Kleber, die undichte Stellen im Bauchraum verschliessen und dank integrierter Sensorik frühzeitig vor Lecks warnen.

    Beim Bauen stehen Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz im Zentrum. Neue Betone und Verbundwerkstoffe sollen mit deutlich weniger Zement und Stahl dieselbe Tragfähigkeit erreichen und so den CO₂-Fussabdruck der Bauwerke spürbar senken. Parallel dazu entwickelt die Empa hoch temperaturbeständige Materialien für Drohnen, die direkt in Brandherde fliegen können, sowie kohlefaserverstärkte Kunststoffe, die heute zunehmend Brücken und grosse Tragwerke leichter und langlebiger machen.

    CO₂ als Rohstoff
    Mit der Initiative «Mining the Atmosphere» geht die Empa noch einen Schritt weiter. Ziel ist es, CO₂ nicht nur einzusparen, sondern gezielt aus der Atmosphäre zu holen und als Rohstoff zu nutzen. Forschende untersuchen, wie Kohlenstoff aus CO₂ in keramische Werkstoffe wie Siliziumkarbid oder in Baustoffe wie Beton eingebaut werden kann, sodass Gebäude selbst zu Kohlenstoffsenken werden. Langfristig sollen solche Ansätze helfen, einen Teil der historischen Emissionen zu kompensieren und den Übergang von einer CO₂-emittierenden zu einer CO₂-bindenden Gesellschaft zu schaffen. Ein «Jahrhundertprojekt», das enorme Mengen an erneuerbarer Energie und eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie voraussetzt.

    Hightech aus der Natur
    Auch in der Holzforschung setzt Zimmermann auf Kombination aus Naturprinzipien und Hightech. Holz sieht sie als einzige grosse, heimische, nachwachsende Ressource der Schweiz, leicht, stabil und vielseitig modifizierbar. Das Spektrum reicht von feuerhemmend mineralisiertem Holz über antimikrobielle Oberflächen bis zur Nutzung fibrillierter Zellulose, deren Nanofasern transparente Gele, hochporöse Schwämme oder Barrierefilme für Lebensmittelverpackungen bilden können. Solche Zellulose-Schwämme können Öl selektiv aus Wasser aufnehmen oder CO₂ aus der Luft binden. Als Sprühbeschichtung verlängern sie die Haltbarkeit von Früchten und Gemüse, ohne Plastikfolien zu benötigen. In neueren Projekten entstehen «lebende Materialien», etwa gedruckte Strukturen aus Nanozellulose und Kieselalgen, die als biologische Sensoren Wasserqualität überwachen sollen.

    Langfristige Projekte wie «CarboQuant»
    Mit «CarboQuant» unterstützt die Werner Siemens-Stiftung ein weiteres Langfristprojekt an der Empa. Ein Labor, das Kohlenstoff-Nanostrukturen für Quantentechnologien untersucht. Ziel ist es, Graphen-Nanobänder und Nano-Graphene so präzise zu gestalten, dass sich ihre Quanteneffekte für elektronische Bauteile bei Raumtemperatur nutzen lassen. Etwa für Sensorik, Kommunikation oder künftige Quantencomputer. Solche Vorhaben zeigen, warum Stiftungen und öffentliche Förderer für die Empa zentral sind. Viele Materialinnovationen brauchen Jahre bis Jahrzehnte, bevor sie skaliert und wirtschaftlich nutzbar sind. Für Zimmermann bleibt dennoch klar, ohne diesen langen Atem und ohne Materialforschung gäbe es weder die Technologien, die die Energiewende möglich machen, noch viele der Lösungen, die unseren Alltag heute bereits selbstverständlicher erscheinen lassen, als sie es sind.

  • Neue Rolle für H₂-Wärme

    Neue Rolle für H₂-Wärme

    In einer Produktionshalle schreibt ein unscheinbares Gerät Heiztechnik-Geschichte. Der erste katalytisches Wasserstoff-Luftheizsystem wurde bei einem Kunden in Betrieb genommen. Die 10-kW-Anlage liefert Spitzenlastwärme für einen rund 1’000 Kubikmeter grossen Produktionsbereich des Pumpenherstellers Flusys und nutzt dafür Wasserstoff aus regionaler Versorgung. Für das junge Unternehmen aus Wiesbaden ist das mehr als ein Feldtest. Es ist die praktische Bewährungsprobe für eine Technik, die fossile Brennstoffe im Wärmesektor perspektivisch ersetzen soll.

    Gewerbe- und Industriegebäude
    Das Unternehmen zielt bewusst auf Gewerbe- und Industriegebäude statt auf das Einfamilienhaus. Dort treffen hoher Wärmebedarf, begrenzte elektrische Anschlussleistung und steigender Dekarbonisierungsdruck unmittelbar aufeinander. Eine rein elektrische Lösung über gross dimensionierte Wärmepumpen scheitert oft an teuren Netzanschlüssen oder schlicht an fehlender Kapazität. Die Wasserstoff-Heizung deckt die Spitzenlast ab, während eine Wärmepumpe oder eine andere Wärmequelle die Grundlast übernimmt.

    In Offenbach arbeitet die 10-kW-Einheit im Hybridverbund mit einer Wärmepumpe. Die Wärmepumpe versorgt den Produktionsbereich im Normalbetrieb, die H₂-Heizung springt an besonders kalten Tagen oder bei hoher Auslastung ein. Diese Aufgabenteilung erlaubt eine kleinere Dimensionierung der Wärmepumpe und reduziert die erforderliche elektrische Anschlussleistung, ein spürbarer Hebel für Investitions- und Leistungspreise. Für Standorte mit bestehender oder geplanter Wasserstoff-Infrastruktur wird das System so zu einem wirtschaftlichen Baustein der Energieversorgung.

    Die flammenlose Wasserstoff-Heizung
    Technologisch unterscheidet sich die Firma deutlich von klassischen Brennwertkesseln oder H₂-Brennern. Die Anlage arbeitet mit einem flammenlosen, katalytischen Prozess. Wasserstoff wird mit Umgebungsluft gemischt, bleibt dabei unterhalb der unteren Explosionsgrenze und reagiert erst im Katalysator mit dem Sauerstoff. Es entsteht Wärme, aber keine sichtbare Flamme , da das Verfahren auf kontrollierter Oxidation statt auf Verbrennung basiert.

    Durch die niedrigeren Prozesstemperaturen fallen weder CO₂, NOx noch Feinstaub an, als Nebenprodukt bleibt lediglich Wasser in Form von Luftfeuchtigkeit. Gleichzeitig werden zu keinem Zeitpunkt brennbare Wasserstoffkonzentrationen im Gerät verwendet, was die Technologie inhärent sicher macht. HYTING sieht darin eine Art „Plug-and-Play-Heizen“ mit Wasserstoff, das bestehende Luftkanäle oder Lüftungssysteme nutzen und in modularem Aufbau skaliert werden kann.

    Praxistest, Dauerlauf und Zulassung
    Die Anlage ist nicht der erste Härtetest für die junge Technologie. Bereits zuvor hat ein führender Engineering-Dienstleister einen 2’500-Stunden-Dauerlauftest begleitet, der rund zehn Jahre Realbetrieb simulierte. Während des Tests traten weder Ausfälle noch messbarer Verschleiss an sicherheitskritischen Komponenten auf. Kontinuierliche Emissionsmessungen bestätigten die Abwesenheit von CO₂-, NOx- und Feinstaubemissionen.

    Die erste Kundenanlage markiert nun den Übergang vom Labor in die industrielle Realität. Weitere Systeme sollen im Verlauf des ersten Quartals 2026 folgen, ebenfalls in gewerblichen Anwendungen mit bestehender Wasserstoffkompetenz.

    Wo ist die Technologie sinnvoll
    Trotz der Aufmerksamkeit ist die katalytische Wasserstoff-Heizung kein Ersatz für Gasheizung oder Wärmepumpe im breiten Markt. Wasserstoff ist derzeit teuer, die Infrastruktur begrenzt, und ein flächendeckendes H₂-Netz für Wohnquartiere ist nicht in Sicht. Im Einfamilienhaus fehlt damit auf absehbare Zeit die Grundlage für einen wirtschaftlichen Einsatz.

    Anders sieht es in industriellen Clustern, Hafenregionen oder Chemieparks aus, wo Wasserstoff bereits anfällt oder das Wasserstoffkernnetz aufgebaut wird. Dort kann diese seine Stärken ausspielen. Als Spitzenlast-Heizung in Kombination mit Wärmepumpen, als Ergänzung zu industrieller Abwärme oder als flexible Option in Logistikimmobilien mit eigener Wasserstoffproduktion aus PV-Überschüssen. Die Rolle ist damit klar umrissen, keine Konkurrenz zur Wärmepumpe, sondern ein Baustein in hybriden Systemen für Betriebe, die H₂ ohne grossen Zusatzaufwand nutzen können.

    Ob aus der Nische mehr wird, entscheidet sich letztlich ausserhalb des Technikraums. Wasserstoffpreis, Tempo beim Netzausbau und politische Weichenstellungen werden darüber bestimmen, ob flammenlose H₂-Heizungen künftig häufiger in Gewerbehallen hängen oder ein spezialisiertes Werkzeug bleiben, das vor allem dort eingesetzt wird, wo Wasserstoff ohnehin schon Teil des Energiemixes ist.

  • Innovative Materialien im Bau

    Innovative Materialien im Bau

    Leichtbeton in einem Guss
    Fertigteile aus selbst entwickeltem Leichtbeton auf Blähglasbasis, die deutlich leichter sind als Normalbeton präsentierte ICSC Beton AG. Gleichzeitig zeigen diese gute Dämmwerte, Frostbeständigkeit und Brandschutz. Aus diesem Material entstehen vorfabrizierte Elemente die Bauabläufe beschleunigen und die Qualität auf der Baustelle erhöhen. Ein Schwerpunkt liegt auf  Leichtbeton-Elemente, die statische Funktion, integrierte Ballastierung und einfache Montage von Solarmodulen kombinieren und so Dachsanierung und Solaraufbau in einem Schritt ermöglichen. Für Fachleute im Publikum wurde deutlich, wie sich Vorfertigung, Leichtbeton und Photovoltaik zu durchdachten Systemlösungen verbinden lassen. Mit weniger Gewicht, weniger Eingriffen ins Dach und mehr Energieertrag pro Quadratmeter.

    Klimaneutraler Beton auf der Baustelle
    KLARK demonstrierte, wie CO₂-speichernder Beton bereits heute im Hochbau eingesetzt wird.  Ohne Mehraufwand für die Baustelle und mit extern geprüfter Klimawirkung. Der Beton basiert auf der Zugabe von Pflanzenkohle aus Restholz, die den Kohlenstoff dauerhaft bindet und pro Kubikmeter hunderte Kilogramm CO₂ im Gefüge des Betons speichert. Technisch verhält es sich weitgehend wie konventioneller Beton. Dieser kann gepumpt oder mit dem Kran verarbeitet werden und bleibt vollständig rezyklierbar. Das gespeicherte CO₂ wird beim Rückbau nicht wieder freigesetzt. Im Speakers Corner wurde klar, für Bauherrschaften und Planende eröffnet dies  die Möglichkeit, mit vertrauten Bauweisen messbare Beiträge zu Netto-Null-Strategien zu leisten, ohne Abläufe und Rollen auf der Baustelle neu erfinden zu müssen.

    Klima-Additive für Putz und Co.
    Ein klimapositive Baustoffe stellte KohlenKraft vor, der die CO₂ dauerhaft im Gebäude binden und gleichzeitig bauphysikalische Vorteile bieten. Herzstück ist ein Klima-Additiv auf Basis von Pflanzenkohle, das in mineralische Baustoffe wie Putze und Beschichtungen eingemischt werden kann und so Bauteile zu langfristigen Kohlenstoffspeichern macht. Neben der CO₂-Speicherung zielen die Systeme auf verbessertes Raumklima und Feuchteregulierung. Ein Argument, das insbesondere bei Sanierungen und hochwertigen Innenausbauten auf grosses Interesse stiess. Die Botschaft an Hersteller, Planer und Bauunternehmen, Klimawirkung lässt sich direkt in bestehende Produkte integrieren, ohne dass sich Verarbeitung und Detailplanung grundlegend ändern müssen. ​In Beton denken, mit Holz bauen
    Im Speakers Corner machte die Technologie TS3 anhand realer Projekte sichtbar, wie vertraute Entwurfslogik und eine neue Holzbautechnik zusammenfinden. Ein wichtiger Schritt, damit grossvolumige Holzbauten vom Pionierprojekt zur etablierten Option werden. Mit einer speziellen Stirnseitenverklebung von Brettsperrholz lassen sich heute grossflächige, zweiachsig tragende Holzdecken mit Stützenrastern bis 8 mal 8 Meter realisieren. Tragstrukturen, die lange dem Stahlbeton vorbehalten waren. Die Platten werden vor Ort über einen Fugenverguss mit Giessharz biegesteif verbunden, sodass unterzugsfreie, punktgestützte Flachdecken aus Holz entstehen, die sich im Entwurf wie Betonflachdecken behandeln lassen. Für Architekten und Ingenieuren eröffnet das grosse Freiheiten bei Grundrissen und späteren Umnutzungen, weil nichttragende Wände flexibel versetzt werden können, während Gewicht, Bauzeit und CO₂-Fussabdruck gegenüber Betondecken deutlich sinken.

  • Neue Werke stärken Lieferketten in Wachstumsmärkten

    Neue Werke stärken Lieferketten in Wachstumsmärkten

    Sika stellt seine Produkte für die Baubranche neu in fünf weiteren Werken her. Das Unternehmen der Spezialitätenchemie mit Hauptsitz in Baar sieht dies laut seiner Mitteilung als wichtigen Schritt zur Erhöhung der Produktionskapazitäten und zur weiteren Stärkung der globalen Lieferkette in wichtigen Wachstumsmärkten.

    In Haines City im US-Bundesstaat Florida hat Sika ein neues Werk für Betonzusatzmittel eröffnet. Die Fabrik verfügt den Angaben zufolge über den höchsten Automatisierungsgrad aller Sika-Standorte für Zusatzmittel in den USA.

    In Puerto Tirol in der argentinischen Region Chaco hat Sika seine achte Fertigungsstätte in dem südamerikanischen Land eingeweiht. Nach „einigen herausfordernden Jahren“ sei der dortige Baumarkt wieder auf einen Wachstumspfad zurückgekehrt und eröffne Sika damit neue Chancen.

    In der kolumbianischen Stadt Cali stellt eine neue Fabrik Mörtel, Fliesenkleber, Innenwand- und Acrylbeschichtungen sowie Betonzusatzmittel her. Die dortige Produktion soll auch in den Export gehen. Auch auf dem Baumarkt in Bangladesch will Sika mit einem Standort in Narayanganj Fuss fassen und von einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von über 7 Prozent bis 2029 profitieren.

    In der tansanischen Stadt Mwanza setzt Sika darauf, dass sie in einem wichtigen und bevölkerungsreichen Bergbaugebiet liegt. Dementsprechend produziert Sika dort Spezialmörtel für den Bergbau und das Bauwesen, Mörtel, Betonzusatzmittel sowie Mahlhilfsmittel für Zementwerke. Sika bedient mit dem Werk die lokale Nachfrage und exportiert nach Burundi, Ruanda und in den Kongo.

  • Wachstumsstrategie im Markt für Gebäudetechnik fortgesetzt

    Wachstumsstrategie im Markt für Gebäudetechnik fortgesetzt

    Die Burkhalter Gruppe, Gesamtanbieterin von gewerkübergreifender Gebäudetechnik, übernimmt zum einen die Enplan AG, die auf die Planung von Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie auf effiziente Energiekonzepte spezialisiert ist. Das Unternehmen ist seit 1984 im regionalen Markt tätig, beschäftigt fünf Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von rund 0,6 Millionen Franken.

    Die Enplan AG wird mit der zur Burkhalter Gruppe gehörenden Längle & Staub GmbH in St.Gallen fusioniert und künftig als Enplan, Zweigniederlassung der Längle & Staub GmbH, am bisherigen Standort weitergeführt. Alle Mitarbeitenden werden übernommen.

    Zum anderen akquiriert die Burkhalter Gruppe die Elektro Gasser AG, die seit 1991 in den Bereichen Elektro- und Telekommunikation (ICT) tätig ist. Das Unternehmen beschäftigt sieben Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2 Millionen Franken. Die Elektro Gasser AG wird schrittweise in die zur Gruppe gehörende TZ Stromag integriert. Gleichzeitig wird am Standort Lalden unter dem Namen Gasser Elektro ICT eine Zweigniederlassung der TZ Stromag gegründet, während die Elektro Gasser AG bis auf Weiteres als eigenständiges Unternehmen weitergeführt wird.

    Mit den Übernahmen setzt die Burkhalter Gruppe ihre Wachstumsstrategie fort. Sie erbringt Dienstleistungen in der Heizungs- und Kälte-, Lüftungs- und Klima-, Sanitär- und Elektrotechnik und hat ihren Hauptsitz in Zürich.

  • Digitaler Marktplatz fördert Kreislaufwirtschaft im Bau

    Digitaler Marktplatz fördert Kreislaufwirtschaft im Bau

    Die Zirkular GmbH mit Sitz in Basel hat ihre neue Plattform rematerial lanciert. Wie es in einer Mitteilung heisst, soll der neue Online-Baumarkt hochwertige, wiederverwendbare Bauelemente anbieten. Darin werden zum Beispiel LED-Leuchten angeboten, die von Fachbetrieben aufbereitet wurden und nun mit Garantie angeboten werden. Bauteile können auch für einen Monat reserviert oder für Just-in-Time Lieferungen bis zu 24 Monate zwischengelagert werden. Die aus Rückbauten gesammelten Bauelemente sind systematisiert eingelagert.

    Die Plattform rematerial kann zusammen mit dem ebenfalls von Zirkular entwickelten Planungsinstrument Planular genutzt werden. In diesem Modul können Architekten, Planer und Bauherren aus einer Datenbank die für ihr jeweiliges Projekt erforderlichen Bauteile aussuchen. Dabei ist der Weg des Baumaterials über die Schritte Quellobjekt, Bauteil, Lager und Zielobjekt nachvollziehbar abzurufen.

    Mit beiden Modulen unterstützt die Zirkular GmbH nachhaltiges Bauen mittels Kreislaufwirtschaft, wie es sich zum Beispiel in Bauprojekten wie im Basler Kleinquartier Lysbüchel Süd dargestellt hat.

  • Schweizer Unternehmen starten optimistischer ins Jahr

    Schweizer Unternehmen starten optimistischer ins Jahr

    Der KOF Geschäftslageindikator steigt im Januar bereits den zweiten Monat in Folge und signalisiert eine deutlich günstigere Ausgangslage als vor einem Jahr. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Geschäftslage markant aufgehellt, was auf eine Belebung von Nachfrage und Auslastung hinweist.

    ​Auch Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Grosshandel, Gastgewerbe und Baugewerbe verzeichnen steigende Geschäftslageindikatoren, während der Detailhandel zumindest leicht zulegt. In den übrigen Dienstleistungen bleibt die Lage weitgehend stabil, einzig der Projektierungsbereich meldet eine leichte Abkühlung. Insgesamt zeigt sich damit eine breit abgestützte Verbesserung quer durch die Schweizer Wirtschaft.

    Gewerbe als Stimmungsanker
    Mit Blick auf die nächsten sechs Monate überwiegt in vielen Branchen der Optimismus. Besonders das Verarbeitende Gewerbe rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftstätigkeit und bestätigt damit seine Rolle als Stimmungsanker zu Jahresbeginn.

    ​Zudem haben sich die Erwartungen im Detailhandel, im Baugewerbe, in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Projektierungsbereich aufgehellt. Etwas zurückhaltender beurteilen hingegen Gastgewerbe, Grosshandel und die übrigen Dienstleistungen die kommenden Monate, bleiben aber mehrheitlich in einem moderat positiven Erwartungsrahmen.

    Mehr Rekrutierungen
    Viele Unternehmen planen, zusätzliches Personal einzustellen. Besonders sichtbar ist dies im Gastgewerbe, das seine Belegschaften ausbauen möchte, aber zunehmend Schwierigkeiten hat, geeignete Mitarbeitende zu finden.

    ​Am häufigsten berichten das Baugewerbe und der Projektierungsbereich über Fachkräftemangel, was bestehende Kapazitätsengpässe verstärkt in den Fokus rückt. Für Kader und HR-Verantwortliche bedeutet dies, dass der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte in mehreren Schlüsselbranchen weiter zunimmt.

    Moderate Dynamik ohne neue Inflationssignale
    Trotz der konjunkturellen Aufhellung bleiben die Lohnerwartungen stabil. Wie bereits in der Oktoberumfrage rechnen die Unternehmen für die nächsten zwölf Monate durchschnittlich mit einem Anstieg der Bruttolöhne um 1.3%, mit überdurchschnittlichen Zuwächsen im Gastgewerbe, im Projektierungsbereich und im Baugewerbe.

    ​Auch bei den Konsumentenpreisen erwarten die Firmen keine Trendwende. Die erwartete Inflationsrate liegt nun bei 0.9% und damit praktisch auf dem Niveau der Oktoberumfrage (1.0%). Für die Geld- und Lohnpolitik ergibt sich damit ein Bild moderater, gut verankerter Preis- und Lohnentwicklung.

    Breite Basis in der Realwirtschaft
    Die Umfrage stützt sich auf rund 4’500 Unternehmen aus Verarbeitendem Gewerbe, Bau und zentralen Dienstleistungssektoren, was einer Rücklaufquote von etwa 56% entspricht.

    ​Für Führungskräfte liefert der KOF Geschäftslageindikator damit ein robustes Stimmungsbild. Die Schweizer Privatwirtschaft startet breit abgestützt, vorsichtig zuversichtlich und ohne erkennbare Inflationsdynamik ins Jahr 2026. Bei gleichzeitig zunehmendem Druck auf den Arbeitsmarkt in wichtigen Bau- und Dienstleistungsbereichen.

  • Group of 15: Gemeinsames Plädoyer für eine geeinte Immobilienwirtschaft

    Group of 15: Gemeinsames Plädoyer für eine geeinte Immobilienwirtschaft

    Die Schweizer Immobilienbranche wird mancherorts mit Argusaugen betrachtet – vor allem bei der Frage, wie es um den Wohnungsmarkt bestellt ist. Gibt es genügend Wohnraum an den zentralen Standorten? Warum steigen die Mietzinse in den Metropolregionen stark und ständig? Welchen Einfluss haben Gemeinden, Kantone und Bundesbern auf die Aktivitäten der institutionellen Immobilienwirtschaft? Und mit welcher Stimme spricht überhaupt die Branche im ganzen Land?

    Die professionelle, institutionelle wie kommerzielle Immobilienwirtschaft steht zweifelsohne unter Beobachtung. Sie befindet sich unbestritten in einem grossen Spannungsfeld: zwischen wachsender Regulierung, gesellschaftlichem Wandel zugleich und vielerorts dem Ruf nach Innovation, Erneuerung und Gerechtigkeit. Die Köpfe und Planer des 25. Symposiums der 2001 gegründeten Group of 15, der Denkfabrik der Schweizer Immobilienwirtschaft, stellten im Vorfeld des Anlasses die zu beantwortenden Fragen: Was bedeutet Zukunftsfähigkeit in einem Markt, der zunehmend kontrovers diskutiert wird? Wie lassen sich wirtschaftliche Anreize mit sozialer Verantwortung und nachhaltiger Stadtentwicklung vereinen? Und: Wie viel staatlicher Eingriff ist nötig – oder zu viel?

    «Verordnungswahn eindämmen»
    Für den in Basel geborenen Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger ist klar: der staatliche Einfluss auf die Bau- und Immobilienbranche ist riesengross – und gehört eingedämmt. Der Professor für politische Ökonomie sowie Direktor und Gründer des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern und ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied von economiesuisse kritisierte Bern und seine Behörden. Dort grassiere Subventionitis und Klientelpolitik in Reinform. «Der Bund ist doppelt so gross wie die Staatsquote impliziert», sagte er vor den rund 300 Gästen des Symposiums im Zürcher Kunsthaus.

    Der Schweizer Staat wachse mehr als doppelt so schnell wie die Produktivität der Wirtschaft und häufe mittlerweile «implizite Schulden von über 300 Prozent der Wirtschaftsleistung» auf, so Schaltegger weiter. Seine Forderung: der «Sturzenegger-Ansatz», eine Grundreinigung der Staatsfinanzen à la Argentinien. Zugleich plädierte er dafür, die Regulierungstätigkeit des Bundes stark zurückzuschrauben. Er verwies dabei auf seit den 1970er Jahren stark zugenommene Zahl an Verordnungen und Dekrete. Von diesen Bundesentscheidungen beträfen viele natürlich auch auch den hiesigen Bau- und Immobiliensektor.

    Heilmittel Künstliche Intelligenz?
    Prof. Dr. Christian Kraft, Leiter des Kompetenzzentrums Immobilien an der Hochschule Luzern, widmete sich danach dem Thema der baulichen (Un-)Ordnung und zugleich der Frage, ob eventuell Künstliche Intelligenz die Investitions­sicherheit im „Chaos der Deutschschweizer Baugesetze“ fördern könne. Seine Antwort: ein klares Jein. Die aktuelle, teils standortgebundene Unsicherheit habe vor allem auch mit längeren Bewilligungsdauern für Immobilienprojekte auf Stufe BZO zu tun. So habe sich zwischen 2011 und 2024 etwa die mittlere Bewilligungsdauer von einst unter 100 Tagen auf nun fast 200 Tage im Mittel erhöht. Hinzu komme, dass in letzter Zeit (seit 2020) ein starker Anstieg von 20 bis 30 Prozent bei den Planungs- und Baukosten von Mehrfamilienhäusern festzustellen sei, so Kraft.

    Gelungener Quartiersmix und fatale Einsprachen
    Im Anschluss zeigte Dr. Sibylle Wälty, Dozentin an der ETH Zürich und Gründerin von Resilientsy, auf, welche Mehrwerte das Konzept der „10-Minuten-Nachbarschaften“ in der Nutzungsplanung schaffen können. Ihr Forschungs- und Beratungsfokus richtet sich dabei auf einen austarierten Mix aus Wohn- und Arbeitsbevölkerung sowie weitere wichtige Faktoren für lebenswerte Stadtquartiere. Danach beleuchtete Dr. Wolfgang Müller, Partner & Head Real Estate bei der Firma MLL Legal Ltd., den „Raum für Widerspruch“. Er erläuterte, wo die aktuelle Rechtsprechung Einsprechenden und „Projektverhinderen“ Hand bietet und welche Schlüsse daraus Politik wie auch die Immobilienbranche ziehen könnten und sollten.

    Anstand und Rücksicht im Wohnungsbau
    Nach der Kaffeepause ging der Symposiumsvortrag von Paolo Di Stefano mit dem Titel „Mehr Freiheit und Selbstverantwortung“ nach- wie eindrücklich darauf ein, wie Immobilieninvestoren „vom Problem zur Perspektive“ kommen und Wohnimmobilien „zukunftsfähig“ machen können. Der erfahrene Leiter Immobilien Schweiz bei Swiss Life Asset Managers (mit rund 37’000 Wohneinheiten schweizweit im Bestand) zeigte dabei u.a. ein gelungenes Beispiel für Bestandssanierung ohne Leerkündigungen an der Schmiede in Zürich-Wiedikon. Zudem präsentierte er mit dem Au-Park in Wädenswil ein fast fertiges grosses Neubauprojekt, in dem neben rund 200 Mietwohnungen auch viele Einheiten im Stockwerkeigentum von Swiss Life Asset Managers realisiert werden.

    Er plädierte und appellierte zugleich eindringlich an die Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft am Symposium mit einer Stimme mit der Politik wie mit der Bevölkerung zu sprechen. Dabei wies er auch durchaus selbstkritisch darauf hin, dass beispielsweise die gegenwärtige Vertretung des Bauernstandes im Schweizer Nationalrat und Ständerat weitaus gewichtiger und einflussreicher sei als die der Bau- und Immobilienbranche. Di Stefano warnte davor, dass im „politischen Powerplay“ spekulative Gebäudeinvestoren und langfristig orientierte institutionelle Investoren zuweilen in einen Topf geworfen würden. Dem gelte es gemeinsam argumentativ entgegenzuwirken und aufzuzeigen, dass „anständiges Bauen auch Rücksichtnahme“ bedeute.

    «Einfach gute und überzeugende Projekte machen»
    Den Abschluss des Group-of-15-Grossanlasses im Zürcher Kunsthaus bildete ein leicht gepfefferter Zukunftstalk von Tagungsmoderator Rainer Maria Salzgeber mit Nationalrat Beat Walti (FDP) und der grünliberalen Regierungsrätin Esther Keller (Kanton Basel-Stadt). Sie stimmten überein, dass Regulierungen im Bausektor nicht weiter wild wachsen dürften und man vor allem Ermessensspielräume bei Immobilienprojekten möglich machen müsse. Beide warnten vor einer „unheiligen politischen Allianz zwischen Links und Rechts“, welche durchaus kontraproduktive Folgen auf die Immobilienwirtschaft haben könne.

    Beat Walti, der seit 2023 Präsident des VIS Verband Immobilien Schweiz ist, welcher die Interessen von institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherern sowie privaten Immobilienunternehmen in Bundesbern vertritt, forderte von der Immobilienbranche, der er eingangs warnend eine „gelbe Karte“ vorhielt: „Zeigen Sie, was Sie bauen und machen, um damit auch Vertrauen zu schaffen – bei der Politik und bei der breiten Bevölkerung“. Esther Keller, Vorsteherin im städtischen Basler Bau- und Verkehrsdepartement, stimmte dem zu und fasste in ihrem Schluss-Statement kurz und knapp ihre Forderung zusammen: „Machen Sie einfach gute und überzeugende Projekte“.

  • Hausbau aus Plastikmüll

    Hausbau aus Plastikmüll

    Die PET-Flasche von heute könnte morgen Teil eines Bodenbalkens sein, als tragendes Element. Am Massachusetts Institute of Technology untersucht ein Forschungsteam, wie sich recycelter Kunststoff im großformatigen 3D-Druck zu tragfähigen Bauteilen formen lässt. Im Fokus steht dabei ein Balkensystem, das speziell für den Einsatz im Wohnungsbau entwickelt und getestet wurde.

    Fachwerk aus Kunststoff statt Holz
    Die neuen Balken wirken auf den ersten Blick vertraut, denn sie orientieren sich an der Geometrie klassischer Holzfachwerke. Ein Rahmen mit diagonalen Streben nimmt Kräfte auf und verteilt sie, eine seit Jahrzehnten bewährte Bauweise. Neu sind Material und Fertigung. Gedruckt wird mit einem Verbund aus recyceltem PET und Glasfasern, der für Steifigkeit sorgt und das Druckverhalten stabilisiert. Jeder Balken misst rund 2,4 m Länge, etwa 30 cm Höhe und gut 2,5 cm Breit, bei nur etwa 6 kg Gewicht und damit deutlich weniger Masse als ein vergleichbarer Holzbalken. Die Fertigungszeit ist kurz, unter 13 Minuten pro Bauteil reichen für den Druck.

    Belastungstest unter Praxisbedingungen
    Um die Alltagstauglichkeit zu prüfen, montierte das Team vier Balken parallel und verschraubte sie mit einer Holzwerkstoffplatte zu einem Bodenrahmen von etwa 1,2 mal 2,4 m, ein in den USA gängiges Rastermass. Anschliessend wurde die Fläche mit Sandsäcken und Betongewichten schrittweise belastet, während die Durchbiegung kontinuierlich gemessen wurde. Bis rund 140 kg Last blieb die Verformung deutlich unter den in den US-Bauvorschriften zulässigen Grenzwerten. Erst bei über 1’800 kg Gesamtlast versagte die Konstruktion, die Balken knickten ein und brachen. Ein Hinweis darauf, dass die Steifigkeit grundsätzlich ausreicht, um einschlägige Anforderungen im Wohnungsbau zu erfüllen.

    Leicht, modular, schnell montiert
    Neben der Tragfähigkeit ist das geringe Gewicht ein entscheidender Vorteil des Systems. Die Kunststoffbalken lassen sich mit einem Pickup transportieren, was Logistik und Handling auf der Baustelle vereinfacht. Die Montage folgt dem Prinzip klassischer Holzrahmen. Die Elemente werden vor Ort verschraubt und zu einem tragenden Skelett gefügt. Perspektivisch zielt das Konzept auf modulare Hausrahmen, bei denen Boden, Wände und Dach aus standardisierten, gedruckten Bauteilen bestehen. Besonders interessant ist dieser Ansatz für Regionen, in denen Holz knapp oder teuer ist.

    Plastikabfall als Rohstoff für eine Milliarde Häuser
    Auslöser des Projekts ist die enorme weltweite Wohnraumnachfrage. AJ Perez von der MIT School of Engineering verweist darauf, dass bis 2050 rund eine Milliarde neue Häuser benötigt werden. Ein Bedarf, der sich mit Holz allein kaum decken lässt, ohne gigantische Waldflächen zu roden. Stattdessen sollen bestehende Abfallströme genutzt werden. Einwegkunststoffe wie Flaschen oder Lebensmittelverpackungen erhalten ein zweites Leben als Bauprodukt. Ziel sind Bauteile, die leichter, langlebiger und nachhaltiger sind als konventionelle Alternativen.

    Kosten, Normen, Langzeitverhalten
    Trotz der vielversprechenden Ergebnisse steht die Technologie noch am Anfang. Unklar sind bislang die tatsächlichen Kosten im industriellen Massstab, die Anpassung von Normen und Zulassungsprozessen sowie das Langzeitverhalten der Bauteile unter Witterung, UV-Strahlung und wechselnden Lasten. Für die Planung, Entwicklung und Bauindustrie eröffnet das Projekt dennoch spannende Perspektiven. 3D-gedruckte Tragwerke aus Recyclingkunststoff könnten den Materialmix im Hochbau verändern. Vorausgesetzt, Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit lassen sich überzeugend nachweisen.

  • Langjährige Industriepartnerschaft wird weitergeführt

    Langjährige Industriepartnerschaft wird weitergeführt

    Der in der St. Gallen Bodensee Area ansässige Stahlsystemanbieter Jansen hat mit der Schüco International KG aus dem deutschen Bielefeld eine Verlängerung ihrer seit 1978 bestehenden Partnerschaft vereinbart. Wie es in einer Mitteilung heisst, wird Jansen den Vertrieb der Schüco-Aluminiumsysteme weiterhin exklusiv in der Schweiz und in Liechtenstein übernehmen. Das deutsche Unternehmen vertreibt die Jansen-Stahlsysteme weiterhin exklusiv in Deutschland, Luxemburg, Grossbritannien, Irland, Skandinavien, Finnland, Griechenland und dem Baltikum.

    Seit dem 1. Januar 2026 vertreibt die Schüco International S.C.S mit Sitz in Le Perray-en-Yvelines die Stahlsysteme der von Jansen übernommenen RP Technik Profilsysteme GmbH in Frankreich und den französischen Überseegebieten. Die Stahlsysteme dienen für Fenster, Türen, Brandschutz- und Fassadenkonstruktionen, heisst es in der Mitteilung.

    „Mit Jansen, einem Familienunternehmen wie Schüco, verbinden uns diese gemeinsamen Werte seit über 45 Jahren. Ich freue mich sehr, dass wir unsere vertrauensvolle Partnerschaft auch in Zukunft fortführen und weiter ausbauen“, wird Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG, in der Mitteilung zitiert. Christoph Jansen, Geschäftsleitung und Verwaltungsrat der Jansen AG, sieht die langjährige stabile Partnerschaft gerade in „Zeiten mit grossen Veränderungen und Unsicherheiten“ als äusserst wichtig an: „Unsere Partnerschaft ist getragen von gemeinsamen Zielsetzungen und Werten, stets mit unseren gemeinsamen Kunden im Fokus.“

  • Roboter bringen neue Effizienz in den unterirdischen Leitungsbau

    Roboter bringen neue Effizienz in den unterirdischen Leitungsbau

    Der Schlieremer Start-up-Förderer Venture Kick unterstützt die DeepTech-Jungfirma Under Industries aus Dübendorf mit 150‘000 Franken. Mit der Finanzierung wird die Entwicklung der Micro Tunnel Boring Robots (MTBRs) von Under Industries unterstützt, heisst es in einer Mitteilung. Die MTBRs sollen eine schnellere und sauberere Verlegung von unterirdischen Versorgungsleitungen ermöglichen und gleichzeitig Strassensperrungen, Lärmemissionen sowie Oberflächenbeeinträchtigungen reduzieren.

    Under Industries wurde als Spin-off von Swissloop Tunneling, einer Ingenieur-Studierendeninitiative der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), gegründet. Die MTBRs von Under Industries sind für den Einsatz unter unterschiedlichsten Bodenbedingungen ausgelegt. Gegenüber herkömmlichen Rohrvortriebsverfahren minimieren sie Oberflächenstörungen, verkürzen Bauzeiten und verbessern die Anpassungsfähigkeit. Damit könne eine nachhaltigere und flexiblere Entwicklung urbaner Infrastrukturen vorangetrieben werden.

    Die Finanzierung von Venture Kick unterstützt die Fertigstellung des Minimum Viable Product (MVP) von Under Industries. Es handelt sich dabei um einen „industrietauglichen MTBR, der für den ersten Demonstrator und kommerzielle Pilotprojekte eingesetzt werden soll und das Vertrauen der Branche in die Technologie stärkt“, heisst es in der Mitteilung.

    Das Start-up konzentriert sich zunächst auf den Schweizer Stromverteilungsmarkt. Dabei wird mit Verteilnetzbetreibern zusammengearbeitet, die den Ausbau der Stromnetze und den Übergang von Freileitungen zu unterirdischen Kabeln realisieren sollen. Die Expansion in Europa und die Erschliessung weiterer Versorgungsleitungen soll folgen. Der für Under Industries realistisch erreichbare Markt in der Schweiz und Europa beläuft sich laut Venture Kick allein für Stromnetze auf rund 150 Millionen Franken pro Jahr

  • Digitaler Produktpass bringt Transparenz in die Kreislaufwirtschaft

    Digitaler Produktpass bringt Transparenz in die Kreislaufwirtschaft

    Die Sky-Frame AG mit Sitz in Frauenfeld bietet ihren Kunden rahmenlose Schiebefenster aus Schweizer Produktion an. Dabei spielt die Kreislauffähigkeit der Produkte eine grosse Rolle. Das Unternehmen hat nun einen digitalen Produktpass mit Cradle to Cradle-Kompass lanciert, um darüber zu informieren, inwieweit die verwendeten Produkte dem strengen Kreislaufwirtschaftsprinzip Cradle to Cradle entsprechen.

    Der Digital Product Passport Compass Cradle to Cradle (DPPCCC) ist von epeaswitzerland aus Widnau entwickelt worden. Er basiert auf den digitalen Produktpässen, die laut einer EU-Verordnung für alle Produkte, die im EU-Raum verkauft werden, sukzessive eingeführt werden sollen. Er bewertet die Produkte von Sky-Frame nach einer Reihe von Kriterien, etwa nach ihrer Leistungsfähigkeit, der der Kreislauffähigkeit und dem Energieverbrauch. Er macht die Lieferketten des Unternehmens transparent und belegt die Rücknahmefähigkeit der Produkte des Unternehmens.

    „Die in der Schweiz hergestellten rahmenlosen Fenster und Schiebetüren schaffen ein aussergewöhnliches architektonisches, grenzenloses Raumerlebnis mit spektakulären Ausblicken. Zusammen mit dem Tool ‚Digital Product Passport Compass Cradle to Cradle‘ von epeaswitzerland setzen wir uns für ein neues Mass an Transparenz, Identität, Orientierung und die Einhaltung künftiger EU-Rechtsvorschriften ein“, heisst es von Michael Fuchsberger, Leiter QM & Nachhaltigkeit bei der Sky-Frame AG zu weiteren Aspekten des DPPCCC. So gibt dieser zum Beispiel Auskunft über die Lieferkette oder auch Möglichkeiten zur Rückgabe von Sky-Frame-Produkten. Zudem können die Informationen nach Aspekten wie Materialgesundheit oder auch verschiedenen Bereichen der Eignung für die Kreislaufwirtschaft gegliedert und detailliert angezeigt werden.

    „Als weltweit tätiges Unternehmen hat Sky-Frame mit der Einführung des Digital Product Passport Compass Cradle to Cradle von epeaswitzerland erneut seine Vorreiterrolle unter Beweis gestellt“, heisst es von Albin Kälin, dem Gründer und Geschäftsführer von epeaswitzerland.

  • Digitale Intelligenz auf dem Bau

    Digitale Intelligenz auf dem Bau

    „Die Planung ist bereits stark digitalisiert, der Bau weniger, der Betrieb wieder stärker“, erklärte Alex Walzer von der FHNW. Noch immer zerfallen viele Informationen zwischen den Projektphasen. Ein Problem besonders mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft. Walzer sieht grosses Potenzial in der konsequenten Datennutzung. Aus Projekten lernen, Bauwerke datenbasiert entwerfen, Prozesse standardisieren. Doch ohne saubere Datengrundlagen und präzise Fragestellungen bleibt auch künstliche Intelligenz wirkungslos.

    Durchgängige Daten mit Lakeup
    Michal Rzinski von Bond BIM präsentierte die Plattform Lakeup, ein System für Life-Cycle-Data-Management. Sie soll Bauherren und Immobilienorganisationen befähigen, Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes strukturiert zu nutzen. Von der Bedürfnisdefinition über die Bestellung bis zur Auswertung schafft Lakeup Datendurchgängigkeit und Transparenz.

    Im Fokus steht laut Rzinski der Mensch. „Wir wollen Fachplanende, Ingenieure und Entscheidungsträger gleichermassen abholen.“ Ein Beispiel liefert das Universitätsspital Basel, wo KI-Agenten 25’000 Datensätze automatisch klassifizierten, die Grundlage für spätere Anwendungen. Die Plattform ist modular aufgebaut, von Fachplaner-Tools bis zur Unternehmenslösung.

    Virtuelle Bäder und reale Entscheidungen
    Praktisch wurde es mit Patrick Marti von Hegias Vision. Seine Plattform verbindet 3D-Visualisierung mit Echtzeitdaten im Badumbau. Mit dem iPhone lassen sich Räume scannen, Objekte automatisch erkennen und in digitaler Umgebung gestalten. Kundinnen und Kunden sehen unmittelbar, wie ihr Bad aussehen könnte, inklusive Materialien, Lichtstimmung und echten Produktdaten.

    Gemeinsam mit BMS ermöglicht Hegias einen neuen, interaktiven Beratungsprozess. „Früher verliessen die Leute die Ausstellung mit einem Block voller Produktnamen, heute mit einem Link zu ihrem Traum-Bad“, so Ilona Lupart von BMS. Der Roomscanner vereinfache den Einstieg, beschleunige Entscheidungen und steigere die Zufriedenheit.

    Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung
    In der abschliessenden Runde waren sich alle einig, Automatisierung ersetzt den Menschen nicht. „KI soll Beraterinnen und Berater entlasten, nicht verdrängen“, betonte Marti. Walzer hob hervor, dass KI besonders dort stark sei, wo grosse Datenmengen analysiert oder Lieferketten optimiert werden. Dennoch brauche es weiterhin Fachwissen, Reflexion und Weiterbildung.

    Rzinski ergänzte, Lakeup sei bewusst so gestaltet, dass es unterschiedliche Kompetenzniveaus abdeckt, vom Datenspezialisten bis zur Geschäftsleitung. Lupart fügte an, dass Schulung, Einbindung und Kommunikation entscheidend seien, um Skepsis abzubauen. Offenheit sei wichtiger als Alter: Auch 90-Jährige hätten VR-Brillen begeistert genutzt.

    Neue Kompetenzen und Ausblick
    Walzer sieht an der FHNW einen Wandel. „Studierende arbeiten heute kollaborativer und kritischer mit Technologie.“ Neben technischen Fähigkeiten seien zunehmend Soft Skills gefragt, Kommunikation, Verständnis für Schnittstellen und Teamarbeit.

    Für die Zukunft kündigten Marti und Rzinski an, ihre Plattformen weiter auszubauen. Mehr Automatisierung, bessere Benutzerführung und tiefere Integration von KI in bestehende Prozesse. Walzer wagt den Blick nach vorn „In zehn Jahren wird KI so selbstverständlich im Hintergrund arbeiten wie Strom aus der Steckdose. Das Ziel ist erreicht, wenn Bauen dank Technologie wieder Spass macht.“