Kategorie: Bauwirtschaft

Bauwirtschaft – Immobiliennews zu Baukosten, Projekten, Materialien & Entwicklungen in der Schweizer Bau- und Immobilienwirtschaft.

  • Generationenwechsel stärkt Ausrichtung eines etablierten Elektroanbieters

    Generationenwechsel stärkt Ausrichtung eines etablierten Elektroanbieters

    Die Elektro Meier AG hat einen Wechsel in der Geschäftsführung und eine Umfirmierung vollzogen. Einer Mitteilung der Eglin Holding AG aus Baden zufolge tritt das in Würenlingen ansässige Unternehmen per 1. Dezember unter neuer Leitung von Marc Wey und unter neuem Namen als Eglin Elektro AG Würenlingen auf. 

    Mit Marc Wey konnte für die Geschäftsleitung laut der Mitteilung eine „Führungspersönlichkeit aus den eigenen Reihen“ gewonnen werden. Marc Wey ist seit seiner Lehre als Elektroinstallateur (2009 bis 2013 bei der ehemaligen Ing. W. Eglin AG) im Unternehmen tätig. Nach Berufsjahren als Servicemonteur hat Wey als Junior Projektleiter 2018 die Verantwortung der Elektro Meier AG Würenlingen übernommen. Zuletzt war er seit 2020 Projektleiter im E-Service. Der Schritt bilde den Abschluss der bereits im Jahr 2002 begonnenen Integration in die Eglin Group. „Damit wird die Zugehörigkeit zur Eglin Group transparent nach aussen sichtbar und schafft eine klare, zukunftsorientierte Identität“, so die Mitteilung. 

    Das Familienunternehmen Elektro Meier AG kann auf fast 100 Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Hervorgegangen aus der 1931 gegründeten Elektrikerfirma Eglin in Ennetbaden AG, ist das Unternehmen heute bei Projektierung, Herstellung und Vertrieb elektrischer Anlagen und Einrichtungen tätig. Schwerpunkte sind Lösungen und Dienstleistungen in den Bereichen Elektroinstallation, ICT und Gebäudeautomation.

  • Neuer Standard macht Gebäude zu handelbaren CO₂-Senken

    Neuer Standard macht Gebäude zu handelbaren CO₂-Senken

    Der Global Construction C-Sink-Standard des Fricker Unternehmens Carbon Standards International ist erstmals die Grundlage für die Ausgabe von CO2-Zertifikaten für ein biogenes Gebäude gewesen. Sie wurden laut einer Mitteilung von OPENLY ausgegeben. Der in Widnau ansässige Pionier für biogenen Hochbau und CO2-Senken in Gebäuden bietet diese CO2-Zertifikate zusammen mit der Klimaschutzorganisation myclimate an.

    In der Folge wurde der erste Global Construction C-Sink im öffentlich zugänglichen Global C-Sink Registry eingetragen. Damit erzielt der Standard sofortige Wirkung, weil der Kohlenstoff vom ersten Tag als gespeichert gilt. Die Senke ist im Bauwerk exakt lokalisiert und kann global gehandelt werden. „Die Zertifizierung von Gebäuden als CO2-Senken schafft einen messbaren Klimanutzen, fördert nachhaltiges Bauen und ebnet den Weg für handelbare CO2- Zertifikate, die den Wandel in der Bauindustrie vorantreiben“, wird OPENLY-CEO Andy Keel zitiert.

    Der Global Construction C-Sink Standard verifiziert Gebäude und Tragwerke, die aus Biomasse gewonnene und Kohlenstoff speichernde Materialien enthalten. Diese Biomasse, zu der etwa Hanf, Stroh, Holz und Pflanzenkohle gehören, stellen somit Kohlenstoffsenken dar. Jedes verifizierte Bauwerk kann im Global C-Sink Registry registriert werden. Es ist von der Internationalen Allianz für CO2-Reduzierung und -Kompensation (International Carbon Reduction and Offset Alliance, ICROA) mit Sitz in Genf anerkannt.

    Zu den ersten Unternehmen, die C-Sink-Gutschriften auf Basis der Carbon Standards von Carbon Standards International nutzen, gehören Angaben von Carbon Standards International zufolge Swiss Re, Shopify, Atlassian, Banque Pictet, Woolgate Exchange Unit Trust, Celonis, Arup Group, Storebrand und Zooplus. Darüber hinaus führe der Betreiber des CO2-Senken-Registers derzeit interne Gespräche über mögliche Partnerschaften und Kooperationen.

  • Ausbau des Recyclings von Baumaterialien in Europa

    Ausbau des Recyclings von Baumaterialien in Europa

    Die Holcim AG mit Sitz in Zug will ihr Portfolio im Bereich des Rezyklierens von Baumaterialien in Europa deutlich ausweiten. Wie es in einer Mitteilungheisst, akquirierte das international agierende Baustoffunternehmen dazu zwei Abbruchunternehmen in England und Deutschland und bereitet die Übernahme eines dritten in Nordwestfrankreich vor. Diese drei Unternehmen rezyklieren bislang jährlich 1,3 Millionen Tonnen Bauschutt.

    Zu den Neuerwerbungen zählen Thames Materials aus Westlondon sowie die A&S Recycling GmbH aus Hannover. Das in Nordwestfrankreich tätige Unternehmen wurde von Holcim bislang nicht näher benannt. Mit Thames Materials agiert Holcim nun im Grossraum London. Hier hatte Holcim bereits 2023 das Logistikunternehmen Sivyer Logistics in Ostlondon übernommen. A&S Recyling bereitet mit drei Standorten im deutschen Bundesland Niedersachsen Abbruchmaterialien in Norddeutschland auf. Mit der Übernahme des französischen Unternehmens erhöht Holcim die Zahl der von ihm im Land geführten Recyler auf 28.

    „Die Übernahmen von Thames Materials, der A&S Recycling GmbH und eines Recyclingunternehmens in Nordwestfrankreich werden unsere führende Position im Bereich des zirkulären Bauens weiter ausbauen und zu unserem Ziel NextGen Growth 2030 beitragen, jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen Bauabbruchmaterialien zu rezyklieren“, wird Milan Gutovic, CEO von Holcim, in der Mitteilung zitiert.

  • Ausbau Bahnhof Basel SBB West

    Ausbau Bahnhof Basel SBB West

    Der Bahnhof Basel SBB stösst längst an seine Grenzen. Über 140’900 Personen nutzen ihn täglich, Tendenz steigend. Mit dem Projekt Basel SBB West bereiten die Partner den Bahnhof auf diese Entwicklung vor. Geplant ist eine umfassende Erweiterung im Westen des Areals, wo künftig die Zughaltestelle weiter nach Westen verlegt und zusätzliche Zugänge zum städtischen Verkehr geschaffen werden. Zwei eng miteinander verbundene Teilprojekte bilden den Kern, der Perronzugang Margarethen und der Neubau der Margarethenbrücke. 

    Die neue Personenbrücke des Perronzugangs Margarethen soll parallel zur bestehenden Margarethenbrücke verlaufen. Sie wird rund 16,5 Meter breit, verfügt über Treppen, Rolltreppen und Lifte und erschliesst sämtliche Perrons. Um dies zu ermöglichen, verlängert die SBB mehrere Perrons nach Westen und passt die Gleisführung an. Damit reagiert das Projekt auf das erwartete Wachstum des Bahnverkehrs und entlastet zugleich die bestehende Passerelle im Hauptbahnhof. 

    Verknüpfung von Bahn und Stadt 
    Neben der Bahnplanung spielt die urbane Einbindung eine zentrale Rolle. Der Kanton Basel-Stadt plant westlich des Bahnhofs, beim Areal Markthalle, einen neuen multimodalen Verkehrsknotenpunkt. Hier soll der Umstieg zwischen Bahn, Tram, Bus und Velo künftig noch effizienter werden. Diese Neuordnung entlastet den überfüllten Centralbahnplatz und ermöglicht ein ausgewogeneres Verkehrsregime im Stadtzentrum. 

    Der Perronzugang Margarethen ist dabei mehr als nur eine Brücke. Er wird zum Bindeglied zwischen den neuen städtischen Verkehrsachsen und dem Bahnnetz. Er bietet Raum, Licht und Orientierung. Eigenschaften, die gerade in hochfrequentierten Verkehrszonen entscheidend sind. 

    Eine neue Margarethenbrücke mit Signalwirkung 
    Das zweite Teilprojekt widmet sich der Erneuerung der Margarethenbrücke. Die bestehende Brücke gehört der SBB und erfüllt die heutigen Sicherheitsanforderungen nur unter Einschränkungen für den Schwerverkehr. Zudem entspricht sie sowohl bahn- wie strassenseitig nicht den künftigen Anforderungen von SBB und Kanton. Der Neubau soll daher nicht nur statisch leistungsfähiger, sondern auch deutlich breiter werden, 27 Meter im Vergleich zu 16,3 Metern heute. Damit entsteht Platz für eine barrierefreie Tramhaltestelle in der Brückenmitte sowie breitere Geh- und Velowege. 

    Während der Bauzeit ist eine temporäre Hilfsbrücke vorgesehen. Eine spätere Integration dieses Provisoriums in den Neubau wird geprüft. Diese Lösung soll Bauunterbrüche minimieren und die städtische Mobilität während der gesamten Realisierungsphase sicherstellen. 

    Das Siegerprojekt von Penzel Valier 
    Im Rahmen eines Studienauftrags beurteilten im Frühling 2025 ein Beurteilungsgremium aus unabhängigen Fachleuten und Vertretern von SBB und Kanton die Vorschläge von sechs interdisziplinären Planungsteams. Der Zuschlag ging an das Büro Penzel Valier. Dessen Entwurf überzeugt durch ein grosszügiges, flexibel erweiterbares Dach, das sowohl die neue Tramhaltestelle auf der Margarethenbrücke als auch die Perrons überspannt. So entsteht ein hallenartiger Raum, der den westlichen Bahnhofsteil prägt.  

    Das Dach erfüllt mehrere Funktionen zugleich. Es führt Tageslicht auf die Perrons, schützt vor Witterung und erlaubt die Installation von Photovoltaikanlagen sowie Begrünungselementen. Städtebaulich gelingt damit die harmonische Verbindung zwischen dem Bahnhof SBB, der denkmalgeschützten Halle des französischen Bahnhofs SNCF und den angrenzenden Quartieren Gundeldingen und St. Johann. 

    Die Halle SNCF selbst bleibt im Kontext des französischen Bahnhofteils und in ihrer Funktion als Perronüberdachung erhalten. Dies war ein zentrales Anliegen der Denkmalpflege. Die Halle wird dabei nach Westen versetzt, um Platz für die neue Gleisanordnung zu schaffen.  

    Planung, Finanzierung und Zeithorizont 
    Der Perronzugang Margarethen ist ein Teil des nationalen Bahnausbauschritts 2035. Der Bund hat die planerische Vertiefung und die Vorprojektierung bereits bewilligt. Während der Perronzugang Margarethen finanziell gesichert ist, wird für die Umsetzung der neuen Margarethenbrücke noch über die Mittel entschieden. Beide Vorhaben können technisch unabhängig voneinander gebaut werden, sollen jedoch möglichst gleichzeitig realisiert werden. 

    Die Planungsanforderungen sind hoch. Sie berücksichtigen den laufenden Bahnbetrieb, den Schutz historischer Bausubstanz sowie die Integration in den dichten Stadtverkehr. Der Baustart ist derzeit für frühenstens 2034 angesetzt. Das Projektvolumen liegt für beide Projektelemente (Perronzugang und Brücke) laut Schätzungen jeweils im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. 

    Mehr als Infrastruktur – ein neues Entrée für Basel 
    Mit Basel SBB West erhält die Stadt nicht nur eine strategisch wichtige Verkehrsdrehscheibe, sondern auch ein neues stadträumliches Eingangstor. Die Verlagerung des Zugverkehrs nach Westen schafft Flächen für eine klarere Verkehrsführung, bessere Aufenthaltsqualität und mehr Sicherheit für Velo- und Fussverkehr. Reisende sollen künftig kürzere Wege, grosszügige Räume und intuitive Orientierung erfahren. 

    Das Zusammenspiel von Bahn, Tram, Bus und Velo wird effizienter, nachhaltiger und angenehmer. Zugleich bildet das Projekt den strukturellen Grundstein für zukünftige Erweiterungen wie den möglichen Tiefbahnhof Basel SBB. In seiner Gesamtheit steht Basel SBB West damit für eine neue Generation von Bahnhöfen, offen, vernetzt und zukunftsfähig.

  • Die fünfte Generation des Basler Agglomerationsprogramms

    Die fünfte Generation des Basler Agglomerationsprogramms

    Neue Impulse für Raum und Verkehr 
    Das Programm markiert einen entscheidenden Schritt in der gemeinsamen Planung von Landschaft, Siedlung und Verkehr über nationale Grenzen hinweg. Deutschland, Frankreich und die Schweiz ziehen an einem Strang, um die Mobilität im trinationalen Raum effizienter, sicherer und klimafreundlicher zu gestalten. In den kommenden Jahren entstehen entlang der trinationalen S-Bahn elf neue Verkehrsdrehscheiben und Basel-Stadt investiert in eine vollständig elektrifizierte Busflotte. Rund 200 Millionen Franken sind für die Aufwertung kommunaler Strassenräume und die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs vorgesehen. 

    Mobilität mit Zukunft 
    Im Kern geht es um mehr als nur Infrastruktur. Das Agglomerationsprogramm ist eine koordinierte Antwort auf die komplexen Mobilitätsbedürfnisse einer Region, die täglich stark frequentierte internationale Verkehrsachsen nutzt. Die integrierte Planung von öffentlichem Verkehr, Individualverkehr sowie Fuss- und Radwegen soll Verkehrsbelastung und CO²-Ausstoss senken. Priorität hat die Entwicklung eines nachhaltigen Verkehrssystems, das Lebensqualität und Standortattraktivität erhöht. 

    Breite politische Unterstützung 
    Esther Keller, Regierungsrätin und Präsidentin von Agglo Basel, unterstreicht den Erfolg der grenzüberschreitenden Kooperation, die seit über 15 Jahren besteht. Isaac Reber, Baselbieter Baudirektor, sieht in der Vielzahl kleiner und mittlerer Projekte das Rückgrat des Fortschritts. Auch Jean-Marc Deichtmann aus Saint-Louis und Marion Dammann aus Lörrach heben den strategischen Horizont hervor. Dies von multimodalen Plattformen bis zu Bürgerbeteiligungen, die Klimaschutz und Raumqualität stärken. 

    Blick auf die sechste Generation 
    Die Arbeiten für das Agglomerationsprogramm 6. Generation haben bereits begonnen. Die Einreichung beim Bund ist für 2029 geplant, die Bauphase startet ab 2032. Der Verein Agglo Basel führt die Koordination weiter und sorgt dafür, dass Raum, Verkehr und Landschaft im Dreiländereck nicht getrennt, sondern als ein zusammenhängendes Zukunftsprojekt gedacht werden. 

  • Baumeister und Gewerkschaften einigen sich auf neuen Landesmantelvertrag

    Baumeister und Gewerkschaften einigen sich auf neuen Landesmantelvertrag

    In der zehnten Verhandlungsrunde erzielten die Delegationen von SBV, Unia und Syna am 12. Dezember 2025 ein Verhandlungsergebnis für einen neuen Landesmantelvertrag, der ab 2026 gelten soll. Der bisherige Gesamtarbeitsvertrag für rund 80’000 Bauarbeiter läuft Ende Jahr aus und musste deshalb neu geregelt werden. Beide Seiten betonen, dass sie in zentralen Punkten aufeinander zugegangen sind, um Planungssicherheit und wettbewerbsfähige Arbeitsbedingungen zu sichern.

    Sechs Jahre Laufzeit und neue Arbeitszeitmodelle
    Der neue LMV ist auf sechs Jahre ausgelegt und gilt von Anfang 2026 bis Ende 2031. Ein ungewöhnlich langer Horizont, der Stabilität in eine von Fachkräftemangel und Konjunkturunsicherheiten geprägte Branche bringen soll. Ab dem 1. Januar 2027 wird eine neue Arbeitszeitplanung eingeführt. Firmen können neu ein Modell mit konstanter täglicher Arbeitszeit wählen und dafür mehr Über- und Minderstunden in Kauf nehmen. Ergänzend dazu wird die Überstundenregelung vereinfacht und die Möglichkeit geschaffen, ein Langzeitferienkonto aufzubauen, auf dem Mitarbeitende Überstunden ansparen und später als längere Auszeit beziehen können.

    Reisezeit, Zuschläge und Teuerung
    Ein Kernpunkt der Einigung betrifft die Reisezeiten, die auf Baustellen im ganzen Land eine grosse Rolle spielen. Künftig sollen die Regelungen so ausgestaltet werden, dass sie allgemeinverbindlich erklärt werden können. Ab einem bestimmten Umfang wird Reisezeit als Überstunden angerechnet. Dazu kommt ein Lohnpaket mit substanziellen Erhöhungen der Zuschläge und Zulagen im Untertagebau, wo die Belastungen besonders hoch sind. Zudem ist eine Absicherung der Teuerung vorgesehen, damit die Reallöhne der Baubeschäftigten in einem Umfeld steigender Lebenshaltungskosten nicht erodieren.

    Attraktivität der Baubranche im Fokus
    Mit dem neuen Vertrag verfolgen Sozialpartner das gemeinsame Ziel, die Baubranche als Arbeitgeberin zu stärken. Für die heutigen Mitarbeitenden wie auch für künftige Fachkräfte. Modernere Arbeitszeitmodelle, klarere Regeln zur Reisezeit und verbesserte Zuschläge sollen die Bedingungen in einem körperlich anspruchsvollen Berufsfeld verbessern. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen einen verlässlichen Rahmen, um Projekte zu planen, Personal zu binden und langfristig zu investieren.

    Entscheid steht noch aus
    Das Verhandlungsergebnis ist ein wichtiger Durchbruch, aber noch nicht der Schlusspunkt. Auf Seite des Baumeisterverbands soll eine ausserordentliche Delegiertenversammlung am 17. Dezember 2025 über die definitive Annahme entscheiden. Bei den Gewerkschaften Unia und Syna fällen die Berufskonferenzen im Januar 2026 den Entscheid. Erst wenn beide Seiten zustimmen, tritt der neue Landesmantelvertrag in Kraf und setzt die Leitplanken für die Arbeitswelt auf dem Bau bis 2031.

  • Heisser Beton aus Pompeji

    Heisser Beton aus Pompeji

    Römischer Beton bildet das Rückgrat vieler Bauwerke von Hafenanlagen bis zu Aquädukten, die seit über 2000 Jahren Wind, Wetter und Erdbeben trotzen. Die Arbeitsgruppe um Admir Masic am MIT untersucht seit Jahren, warum dieser Baustoff so aussergewöhnlich dauerhaft ist und stützt sich dabei auf chemische Analysen antiker Mörtel. Bereits 2023 formulierte das Team die Hypothese, dass die Römer Kalk nicht als fertig gelöschten Brei einsetzten, sondern als Branntkalk zusammen mit Vulkanasche trocken mischten und erst danach Wasser zugaben.

    Pompeji als konservierte Baustelle
    Die jüngsten Untersuchungen basieren auf einer einzigartigen Fundstelle in Pompeji. Einer durch den Vesuvausbruch von 79 n. Chr. «eingefrorenen» Baustelle mit halbfertiger Mauer, Materialhaufen und Werkzeugen. In Proben aus den vorgemischten Trockenhaufen, aus im Bau befindlichen Wänden und aus fertigen Bauteilen fanden die Forschenden nicht nur die bekannten weißen Kalkklasten, sondern auch unversehrte Fragmente von Branntkalk in der Trockenmischung. Das spricht dafür, dass die Löschreaktion, also das Reagieren des gebrannten Kalks mit Wasser, erst beim eigentlichen Mischen und Erhärten des Betons stattfand und nicht vorgängig, wie es in klassischen Beschreibungen dargestellt wird.

    Widerspruch zu Vitruv und wie er sich auflöst
    Vitruv schilderte im 1. Jahrhundert gegen Chr. in «De architectura», dass Kalk zunächst mit Wasser gelöscht und dann mit Zuschlägen vermischt worden sei. Die nun identifizierte Heissmischtechnik weicht davon ab, indem der Kalk als Branntkalk in der Trockenphase mit Vulkanasche kombiniert wird und das Wasser erst danach hinzukommt. Isotopenanalysen der Mörtel belegen die charakteristischen Karbonatisierungsverläufe, die zu diesem Prozess passen und sich von Mörteln mit vorgängig gelöschtem Kalk unterscheiden. Anstatt Vitruv komplett zu «widerlegen», deuten Fachkreise die Befunde eher so, dass seine Beschreibung nicht das gesamte Spektrum der römischen Praxis abbildet. Regionale oder zeitliche Varianten wie das Heissmischen scheinen verbreiteter gewesen zu sein, als lange angenommen.

    Selbstheilender Beton als Vorbild für morgen
    Der Heissmischprozess erzeugt beim Kontakt von Branntkalk und Wasser erhebliche Wärme, wodurch reaktive Kalkpartikel in der Betonstruktur eingeschlossen werden. Bilden sich später Mikrorisse, können sich diese Partikel erneut lösen, mit eindringendem Wasser reagieren und die Risse wieder verfüllen. Ein Mechanismus der Selbstheilung, der die Langlebigkeit römischer Bauwerke plausibel erklärt. Die neuen Erkenntnisse fliessen in die Entwicklung moderner, nachhaltiger Beton ein. Ziel ist, CO₂-intensive Bindemittelanteile zu reduzieren, die Lebensdauer von Bauwerken massiv zu verlängern und damit den Ressourcenverbrauch des Bauwesens zu senken. Ganz im Sinne eines antiken Vorbilds, das erst jetzt chemisch vollständig verstanden wird.

  • Schweizer Premiere in der Gebäudeautomation

    Schweizer Premiere in der Gebäudeautomation

    Moderne Gebäude sind heute hochkomplexe Systeme. Sie verknüpfen Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung, Sicherheit, Photovoltaik und Speicherlösungen zu einem integrierten Ganzen. Gebäudeautomation sorgt dafür, dass diese Komponenten optimal zusammenspielen, mit weniger Energieverbrauch, stabilerem Betrieb und höherem Komfort. Im Kontext der Energiestrategie 2050 und der Dekarbonisierung des Gebäudeparks wächst der Bedarf an Fachkräften rasant, die sowohl Technik als auch Daten- und Systemlogik verstehen. Die staatliche Anerkennung des Lehrgangs Gebäudeautomation HF trägt diesem Bedarf Rechnung und schafft einen klar definierten, qualitätsgesicherten Berufsweg.​

    Erste staatlich anerkannte Gebäudeautomation HF in der Schweiz
    Die sfb in Dietikon hat als erste Höhere Fachschule der Schweiz das Anerkennungsverfahren des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation für ihren Lehrgang Gebäudeautomation HF erfolgreich durchlaufen. Damit wird der Abschluss  eidgenössisch anerkannt und in das formale Bildungssystem eingebettet. Laut Schulleitung garantiert dies eine Ausbildung, die sich an den aktuellen Anforderungen von Branche, Normen und Regulierung orientiert und langfristig anschlussfähig bleibt. Gleichzeitig stärkt die Anerkennung die Sichtbarkeit des Berufsbildes gegenüber Bauherren, Planungsbüros, Energieversorgern und der Immobilienwirtschaft.​

    Praxisnahes Profil von Energieeffizienz bis Gebäudeinformatik
    Inhaltlich setzt der Lehrgang auf eine klare Praxisorientierung. Vermittelt werden Fachkompetenzen in Energieeffizienz, Gebäudeinformatik, vernetzten Systemen und modernen Automationslösungen. Von der Sensorik und Steuerungstechnik bis zu Datenanalyse und Optimierung im Betrieb. Ziel ist, Fachpersonen auszubilden, die den gesamten Lebenszyklus smarter Gebäude begleiten, von der Planung und Konzeption, Projektmanagement, Inbetriebnahme, Betrieb, Wartung und laufende Optimierung. Diese breite Qualifikation schafft die Basis für nachhaltige, wirtschaftliche Gebäudelösungen und ermöglicht es Unternehmen, Betriebskosten, Emissionen und Ausfallrisiken zu reduzieren.​

    Fachkräfte für die digitale Transformation im Gebäudebereich
    Gebäudeautomatiker HF sind an der Schnittstelle von Technik, IT und Betrieb unterwegs. Sie verstehen gebäudetechnische Anlagen ebenso wie Datenräume, Schnittstellen und Sicherheitsanforderungen. Für Unternehmen im Bereich Gebäudetechnik, Energie, Facility Management und Immobilienentwicklung bedeutet dies einen handfesten Wettbewerbsvorteil. Sie erhalten Zugang zu Fachkräften, die aktuelle Technologien beherrschen und zugleich die digitale Transformation von Gebäuden aktiv vorantreiben können. Laut sfb ist genau dieses Profil gefragt, wenn es darum geht, Smart-Building- und Net-Zero-Strategien in die Praxis zu bringen.​

    Struktur des Lehrgangs und Zielgruppen
    Der anerkannte Lehrgang richtet sich an Fachpersonen mit einschlägiger beruflicher Grundbildung aus Elektro-, HLK-, Gebäude- oder Informatikberufen. In sechs Semestern führt die Ausbildung zur Abschlussarbeit und zum geschützten Titel «dipl. Gebäudeautomatiker HF».

  • Wie der alte Immobilienmarkt das neue China ausbremst

    Wie der alte Immobilienmarkt das neue China ausbremst

    Über Jahre war der Immobiliensektor Chinas wichtigster Wachstumsmotor. Bauen, verkaufen, weiterbauen. So lautete die einfache Formel, die zeitweise bis zu ein Drittel der Wirtschaftsleistung trug. Mit strengeren Vorgaben zur Begrenzung der Verschuldung hat die Führung diesem Modell die Bremse verpasst und damit eine schleichende, aber hartnäckige Krise ausgelöst.

    Evergrande war 2021 der sichtbare Wendepunkt. Der einstige Branchenstar verpasste Zinszahlungen, wurde zur globalen Warnfigur und machte schlagartig klar, wie verletzlich das Wachstumsmodell war. Seither geraten Entwickler wie Country Garden und nun auch der lange als stabil geltende Konzern Vanke unter Druck. Ein Signal, dass der Immobiliensektor die Talsohle noch nicht erreicht hat.

    Deflation, Vermögensschock und verunsicherte Haushalte
    Die Immobilienkrise frisst sich tief in die Realwirtschaft. Wohnimmobilien sind für chinesische Haushalte der zentrale Vermögensspeicher. Wenn Preise in Serie fallen, erodiert das Sicherheitsgefühl. Wer das eigene Apartment als Altersvorsorge betrachtet, wird zurückhaltend bei Konsum, Investitionen und grossen Lebensentscheidungen.

    Entsprechend schwach zeigt sich der Binnenkonsum. Der Einzelhandel wächst deutlich unter früheren Raten, die Konjunktur kämpft mit anhaltendem Deflationsdruck. Sinkende oder stagnierende Preise mögen kurzfristig attraktiv wirken, doch sie erhöhen real die Schuldenlast und verlängern den Bereinigungsprozess im Immobilien- und Finanzsystem.

    Provinzen im Schuldenschatten
    Besonders heikel ist die Lage der Lokalregierungen. Über Landverkäufe an Entwickler und ausserbilanzielle Finanzierungsgesellschaften haben sich Provinzen und Städte einen gigantischen Schuldenberg aufgeladen. Die Landverkäufe waren der wichtigste Einnahmeposten, haben aber nie gereicht, um den kreditfinanzierten Bauboom und die Infrastrukturprogramme dauerhaft zu tragen. Jetzt, da die Verkäufe einbrechen, treten die versteckten Schulden offen zutage.

    Viele Regionen geraten in eine stille Zwangsdiät. Investitionen werden verschoben, Ausgaben gekürzt, neue Infrastruktur verzögert. Dies mit direkten Folgen für Wachstum, Beschäftigung und lokale Unternehmen. Die Krise ist damit weniger ein lauter Crash als ein langsamer Druck, der das System über Jahre schwächt und Handlungsräume einengt.

    Alte immobiliengetriebene Wirtschaft trifft neue Tech-Power
    Parallel inszeniert sich China als Hightech-Supermacht. Elektroautohersteller, KI-Unternehmen und Internetkonzerne, die sich neu erfinden, stehen für das „neue China“. Die Politik setzt auf eine langfristige Technologiestrategie mit Fokus auf Elektromobilität, Halbleiter, KI, erneuerbare Energien und Robotik.

    Doch diese neue Wirtschaft steht auf einem Fundament aus der alten, immobiliengetriebenen Wirtschaftsstruktur. Ohne stabile Binnennachfrage, verlässliche Kreditkanäle und Vertrauen der Haushalte kann auch der Tech-Sektor seine Dynamik nicht voll entfalten. Der Erfolgsweg führt deshalb nicht an einem geordneten Rückbau des Immobiliensektors vorbei, sondern durch ihn hindurch.

    Wachstumsziele als Bumerang
    Peking hält an ehrgeizigen Wachstumszielen fest. Das Ziel „rund 5%“ ist erreichbar, weil Staat und Staatsunternehmen an vielen Stellen gegensteuern. Für bewusste Kader vor Ort bleibt das Signal klar, Zahlen müssen stimmen, notfalls mit weiteren Projekten, die wirtschaftlich wenig tragen.

    Das Resultat sind neue Infrastruktur- und Bauvorhaben, die zwar kurzfristig das BIP stützen, aber die strukturellen Probleme nicht lösen. Im Gegenteil, sie verlängern den Schuldenzyklus. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen offizieller Wachstumsstory und dem realen Deleveraging-Bedarf im Immobilien- und Lokalschuldenkomplex.

    Was bis 2026 auf dem Spiel steht
    Die kommenden Jahre entscheiden, ob China den Übergang von einem schuldengetriebenen, immobilienlastigen Modell zu einem innovationsbasierten Wachstumspfad schafft. Gelingt eine kontrollierte Schrumpfung des Immobiliensektors bei gleichzeitiger Stärkung von Konsum, Produktivität und Zukunftsbranchen, kann das Land trotz Dellen robust bleiben. Misslingt dieser Balanceakt, droht ein Szenario anhaltend niedrigen Wachstums mit wiederkehrenden Deflationsschüben und wachsendem Misstrauen der Investoren.

    Die Immobilienkrise ist kein Randthema, sondern die zentrale Bewährungsprobe für Chinas Fähigkeit zur wirtschaftlichen Kurskorrektur. Entscheidend wird sein, ob politische Führung und Verwaltung den Mut finden, kurzfristige Wachstumsziele zugunsten eines tragfähigeren, weniger immobiliengetriebenen Modells zu relativieren und damit das neue China nicht vom alten erdrücken zu lassen.

  • Immobilienmarkt 2026 stabiler Rückenwind aus Tiefzins, KI-Boom und knappen Flächen

    Immobilienmarkt 2026 stabiler Rückenwind aus Tiefzins, KI-Boom und knappen Flächen

    Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins gemäss Einschätzungen für 2026 bei 0 Prozent und signalisiert, dass die Hürden für eine Rückkehr in den Negativzinsbereich hoch bleiben. Die bedingten Inflationsprognosen von rund 0,3 Prozent für 2026 und 0,6 Prozent für 2027 liegen klar im Bereich der Preisstabilität und stützen ein moderates Wachstumsszenario. Für den Immobilienmarkt bedeutet dies, kurzfristige Finanzierungen, insbesondere SARON-Hypotheken bleiben attraktiv, während lange Festhypotheken nur zögerlich von der geldpolitischen Lockerung profitieren.

    Immobilien als Anlage
    Wüest Partner beobachtet, dass Renditeliegenschaften mit Mietwohnungen 2025 nochmals deutlich teurer geworden sind, was eine hohe Zahlungsbereitschaft und starkes Vertrauen in die Anlageklasse widerspiegelt. Gleichzeitig haben die Preise für Mehrfamilienhäuser ein sehr hohes Niveau erreicht, während Ertragsaussichten und Regulierungsrisiken die Fantasie dämpfen. Für 2026 wird deshalb mit einer abflachenden Preisdynamik gerechnet, sowohl bei Wohnrenditeobjekten als auch bei Geschäftsliegenschaften. Dort mit klarer Differenzierung nach Lage, Objektqualität und ESG-Profil. Indirekte Anlagen wie Aktiengesellschaften und Fonds profitieren weiterhin vom Tiefzinsumfeld, tragen aber bereits hohe Erwartungen in Form von überdurchschnittlichen Aufgeldern in sich.

    Schub im Umbau, moderater Neubau
    Die Kombination aus tiefen Zinsen und nachlassender Baupreisdynamik stabilisiert die Investitionsbereitschaft im Bau. Für 2026 werden nominale Zuwächse der Bauinvestitionen von rund +3,4 Prozent im Neubau und +8,5 Prozent im Umbau erwartet, wobei der Umbaubereich von Vorzieheffekten rund um die geplante Abschaffung des Eigenmietwerts zusätzlich Anschub erhält. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer dürften energetische Sanierungen und Erneuerungen vorziehen, solange Unterhaltskosten steuerlich noch voll absetzbar sind. Mittelfristig könnte sich die Neubautätigkeit wieder etwas abschwächen, da die Zahl der neuen Wohnungen in den Baugesuchen zuletzt rückläufig war.

    Miet- und Eigentumsmarkt
    Nach den starken Mietanstiegen der Jahre 2023 und 2024 hat sich das Wachstum der Angebotsmieten deutlich verlangsamt. Für 2026 wird ein moderater Zuwachs im Landesmittel erwartet. Gleichzeitig bringen die Senkungen des hypothekarischen Referenzzinssatzes Entlastung bei den Bestandesmieten. Dies könnte zu leicht rückläufigen Durchschnittsmieten im Bestand führen. Im Wohneigentum bleibt die Nachfrage trotz höherer Preisniveaus intakt. Für 2026 werden Preiszuwächse im Bereich von rund 3 Prozent bei Einfamilienhäusern und knapp darunter bei Eigentumswohnungen erwartet, jedoch mit weniger Tempo als in den Vorjahren.

    Anlageausblick 2026
    Die Zürcher Kantonalbank erwartet für 2026 ein moderates globales Wirtschaftswachstum, getragen von sinkendem Inflationsdruck und verbesserten Finanzierungsbedingungen. Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz treiben Investitionen und verleihen insbesondere US-Aktien zusätzlichen Rückenwind, gleichzeitig bleiben die Unsicherheiten an den Finanzmärkten hoch. In diesem Umfeld empfiehlt sich eine breite Diversifikation über Anlageklassen und Währungen, mit ausgewählten Schwerpunkten. Unternehmensanleihen, Schweizer Immobilien und Small Caps gelten als attraktiv, ergänzt um globale Unternehmensanleihen und Gold als stabilisierende Beimischungen. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger bleiben direkte und indirekte Immobilienanlagen damit ein wichtiger Baustein. Eingebettet in ein Portfolio, das vom KI-getriebenen Wachstum und vom anhaltenden Tiefzinsumfeld gleichermassen profitiert.

  • Wie viel Vergangenheit verträgt die Verdichtung?

    Wie viel Vergangenheit verträgt die Verdichtung?

    Die Siedlung Brunnergut entstand in zwei Etappen Mitte der 1950er- und frühen 1960er-Jahre und markiert den Übergang zur funktionalistischen, automobilen Stadt. Als eines der ersten Winterthurer Wohnensembles mit Tiefgarage ersetzte sie die Villa Malabar und prägte ein ganzes Blockinnere zwischen Lind-, Kreuz-, Sulzberg- und St.-Georgenstrasse neu. Schon das Baugesuch von 1954 löste eine heftige Kontroverse aus. Frühe Debatten über Dichte, Verkehr und Stadtbild, wie sie heute die ganze Agglomeration beschäftigen.​

    2016 nahm die Stadt Winterthur Brunnergut in das Inventar der schutzwürdigen Bauten auf, 2018 folgte der Eintrag ins kantonale Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Damit war klar, die Siedlung gilt nicht nur als Alltagsarchitektur, sondern als Ensemble mit baukulturellem und sozialgeschichtlichem Gewicht, das bei jeder weiteren Planung mitzudenken ist.​

    Juristisches Pingpong um den Schutz
    Mit der kantonalen Entlassung 2024 wollte die Baudirektion den Schutzstatus wieder lockern. Gestützt auf ein Gutachten der Kantonalen Denkmalpflegekommission und späteren Ergänzungen. Der Zürcher Heimatschutz focht das an, das Baurekursgericht forderte bereits in diesem Verfahren ein Ergänzungs- oder Obergutachten und kritisierte Lücken in der fachlichen Beurteilung.​

    Parallel plante der Winterthurer Stadtrat, Brunnergut auch aus dem kommunalen Inventar zu streichen. Dagegen reichte der Zürcher Heimatschutz erneut Rekurs ein. Im Entscheid vom 6. November 2025 hält das Baurekursgericht nun fest, die Stadt stützte sich unzulässig einseitig auf das KDK-Gutachten, der Sachverhalt sei für eine Inventarentlassung nicht genügend abgeklärt. Die Richter verlangen ein Gutachten einer unabhängigen, bisher nicht involvierten Fachperson. Ein deutliches Signal für höhere Anforderungen an die Begründung von Entschutz-Entscheiden.​

    Mehr als eine Fachfrage der Denkmalpflege
    Im Zentrum der Kritik stehen nicht nur formale Mängel, sondern auch inhaltliche Lücken. Unpräzise Pläne, ungenügende Auseinandersetzung mit den im Inventarblatt ausgewiesenen Qualitäten und eine zu knappe Würdigung der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung. Konkret bemängelt das Gericht, dass die Rolle der Siedlung als frühes Beispiel dichter, autoorientierter Nachkriegsmoderne und als Teil der Winterthurer Siedlungsgeschichte nicht seriös in den Vergleich mit anderen Anlagen einbezogen wurde.​

    Für Stadtplanung und Immobilienwirtschaft ist Brunnergut damit weit mehr als ein Einzelfall. Das Verfahren zeigt, wie stark Inventarentscheide heute juristisch und fachlich unterlegt sein müssen, wenn sie in einem Umfeld von Wohnraummangel, Verdichtungsdruck und politisch aufgeheizten Debatten um Einsprachen und Heimatschutz bestehen sollen.​

    Was der Fall für zukünftige Projekte bedeutet
    Der Zürcher Heimatschutz wertet den Entscheid als Stärkung des Inventargedankens. Inventare sind nicht blosse Listen, sondern Planungsinstrumente, deren Abbau hohe Anforderungen erfüllt haben muss. Für Städte wie Winterthur bedeutet das, wer nachträglich Schutz aufheben will, muss transparent darlegen, weshalb baukulturelle, städtebauliche und sozialgeschichtliche Argumente weniger stark wiegen als die Interessen von Verdichtung, Erneuerung oder Rendite.​

    Für Investoren, Eigentümer und Planer steigt damit die Bedeutung sauber dokumentierter Bestandesaufnahmen und frühzeitiger Einbindung der Denkmalpflege. Gerade bei Siedlungen der Nachkriegszeit, die lange als „gewöhnlicher“ Bestand galten. Brunnergut macht sichtbar, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend als Teil des baukulturellen Erbes verstanden wird und dass der Weg zu Umnutzung oder Ersatzneubau künftig öfter über unabhängige Fachgutachten und sorgfältig austarierte Schutzkonzepte führen wird.​

  • Ausbildungsoffensive für vernetzte Gebäudetechnik

    Ausbildungsoffensive für vernetzte Gebäudetechnik

    Die sfb ist die erste Höhere Fachschule der Schweiz, deren Lehrgang Gebäudeautomation HF das Anerkennungsverfahren des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erfolgreich abgeschlossen hat. „Das garantiert höchste Qualität, staatlich anerkannte Abschlüsse und eine Ausbildung, die den aktuellen Anforderungen der Branche entspricht“, wird dazu sfb-Direktorin Dorothea Tiefenauer in einer Mitteilung zitiert. Die Anforderungen an moderne Gebäude steigen stetig, heisst es weiter. Die sfb – Höhere Fachschule für Technologie und Management könne durch die Anerkennung des Lehrgangs nun noch besser auf den grossen Bedarf an qualifizierten Fachkräften antworten.

    Die Lehrinhalte richten sich gemäss der Beschreibung konsequent an der Praxis aus. Vermittelt werden Wissen in Energieeffizienz, Gebäudeinformatik, vernetzten Systemen und modernen Automationslösungen. Ziel sei eine Qualifikation für die Planung und Realisierung, aber auch den Betrieb und die Wartung komplexer, smart vernetzter Gebäude. Diese Bandbreite schafft laut sfb die Basis für nachhaltige und langfristig wirtschaftliche Gebäudelösungen. Für Unternehmen bedeute dieser Kompetenzaufbau einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, heisst es. Absolvierende stellten Fachkräften dar, die nicht nur aktuelle Technologien beherrschten, sondern auch die digitale Transformation aktiv mitgestalten könnten. 

    Der Lehrgang führt Studierende unter der Voraussetzung einer einschlägigen Berufsausbildung in sechs Semestern zur Abschlussarbeit. Absolvierende tragen letztlich den Titel einer diplomierten Gebäudeautomatikerin HF oder eines diplomierten Gebäudeautomatikers HF. Die sfb gibt auf Informationsveranstaltungen Einblick in Inhalte und Struktur der Ausbildung. Hierzu sind sowohl Einzelpersonen als auch Firmen eingeladen.

  • Bahnmodernisierung im sensiblen Alpenraum

    Bahnmodernisierung im sensiblen Alpenraum

    Die STRABAG AG realisiert den noch ausstehenden Sanierungsschritt auf der Zentralbahnstrecke zwischen Meiringen und Brienzwiler im Berner Oberland. Die Schmalspurtstrecke verläuft einspurig entlang der Hasliaare, die zum Hochwassergebiet Aare gehört. Aus Rücksicht auf mehrere Naturschutzgebiete gelte laut einer Mitteilung für den Neubau „höchste Präzision für Logistik und Koordination“. Die Vorarbeiten waren im März 2025 gestartet, seit Oktober 2025 läuft die zehnwöchige Intensivphase.

    Immer wieder war es in dem Gebiet zu Starkregenereignissen gekommen, bei denen der Bahndamm inklusive Oberbau überflutet wurden, was zu Schäden an der Bahninfrastruktur und am angrenzenden Kulturland führe. Bereits 2022 und 2023 hat die STRABAG dort Gleisbauarbeiten (Los 1 und Los 3) vorgenommen. Nun folge mit einem Totalumbau des anspruchsvollen Mittelabschnitts Los 2 über eine Länge von 2600 Metern und mitten im Naturschutzgebiet Sytenwald der Abschluss des Modernisierungsvorhabens. Dabei muss der Bahndamm angehoben werden. Damit Oberflächen- und Hangwasser abfliessen kann, wird eine durchgehende Planungsentwässerung der Strecke realisiert. Der Bereich entlang der Hasliaare erhält eine neue Hochwasserschutzmauer. 

    Als bautechnische Besonderheit gelten laut Mitteilung die „engen Platzverhältnisse und lokal fehlenden redundanten Baupisten in gewissen Abschnitten zwischen Hasliaare, Bahntrassee und mehrerer Naturschutzgebiete“, was besondere Vorkehrungen für Ökologie und Landschaftsschutz erfordere. Zum einen errichtet STRABAG 30 neue Fundamente für die Fahrleitungsmasten auf der flussabgewandten Seite, zum anderen sollen 37 Übergänge die ökologische Durchgängigkeit des Geländes sichern. Das bedeute Schutz für Wild- und Kleintiere beim Queren des Streckenabschnitts.

    Ein besonders anspruchsvoller Bestandteil ergibt sich beim Neubau der Hüsenbachbrücke aus ultrahochfestem und langlebigem Faserbeton (UHFB). Beim Brückenbau werde auf die dort zur Laichzeit vorhandene Forellenpopulation besondere Rücksicht genommen.

  • Millionenfinanzierung beschleunigt autonome Baustellentechnologie

    Millionenfinanzierung beschleunigt autonome Baustellentechnologie

    Risikokapitalgesellschaften aus drei Kontinenten haben sich an Gravis Robotics beteiligt: Die 2022 gegründete Ausgliederung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat laut ihren Informationen in einer Frühfinanzierungsrunde 23 Millionen Dollar aufgebracht.

    Angeführt wurde die Runde von den Risikokapitalgesellschaften IQ Capital aus London und Zacua Ventures aus San Francisco. Beteiligt haben sich ausserdem Pear VC aus dem kalifornischen Palo Alto, Imad Ventures aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, Sunna Ventures aus Miami und die Zürcher Firma Armada Investment sowie der weltweit tätige Zementhersteller Holcim aus Zug.

    Gravis Robotics bietet autonome Erdbewegungsmaschinen, die durch die Kombination von Künstlicher Intelligenz, maschinellem Sehen und menschlichen Schnittstellen den Durchsatz steigern, Abfall reduzieren und die Sicherheit auf Baustelle­n verbessern sollen, egal, ob sich die Ausführenden in der Kabine befinden oder die Arbeiten aus der Ferne koordinieren.

    Mit der jüngsten Finanzierung verfüge Gravis nun über die Technologie, die Partnerschaften und die globalen Vertriebskanäle in der gesamten Branche, um die Einführung echter Autonomie in grossem Massstab voranzutreiben, so das Unternehmen. Zusätzlich gibt es auch „eine Welle“ neuer Industriepartnerschaften bekannt. So hat Gravis Robotics etwa mit Taylor Woodrow in Grossbritannien bei einem grossen Infrastrukturprojekt am Flughafen Manchester die ersten autonomen Aushubarbeiten auf einer aktiven Grossbaustelle in dem Land vorgenommen. Auch mit Holcim und der südkoreanischen HD Hyundai gebe es Vereinbarungen.

    Der schnellste Weg zur Autonomie führe über die Steigerung der Produktivität, wird CEO Dr. Ryan Luke Johns zitiert. „Indem wir den Betreibenden Echtzeit-3D-Intelligenz und die Möglichkeit bieten, nahtlos zwischen Autonomie und erweiterter Steuerung zu wechseln, decken wir einen grösseren Teil der Arbeit ab, beschleunigen die Anwendung und schaffen die Datenpipeline, die erforderlich ist, um aus den schwierigsten Aufgaben der Branche neue Fähigkeiten zu lernen. Als Vorteil betrachtet es die Firma, ihren Zürcher Sitz „im Herzen des renommierten Ökosystems für Robotik und Automatisierung“ zu haben.

  • Modernes Arealprojekt im Sittertobel setzt auf erneuerbare Energien

    Modernes Arealprojekt im Sittertobel setzt auf erneuerbare Energien

    Die Sitter Projekt AG und die Mettler Entwickler AG realisieren im St.Galler Sittertobel das Sitter Valley. Die beiden St.Galler Unternehmen wollen hier auf 50‘000 Quadratmetern ein Areal für Büro, Gewerbe und Industrie mit bis zu 600 Arbeitsplätzen entwickeln.

    Die St.Galler Stadtwerke werden das Areal mit Energie für Wärme und Kühlung versorgen. Sie setzen dabei laut einer Mitteilung auf eine kombinierte Energieversorgung mit Holzpelletkessel und einer reversiblen Luft/Wasser-Wärmepumpe. Die Pelletheizung soll vornehmlich in den Wintermonaten eingesetzt werden. Die erste Wärmelieferung soll im Winter 2026/2027 erfolgen.

    Das Sitter Valley soll auch mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Diese werden einen Beitrag an die Stromversorgung des Areals leisten.

  • Baubranche zeigt Vorbildfunktion bei Qualität, Innovation und Tradition

    Baubranche zeigt Vorbildfunktion bei Qualität, Innovation und Tradition

    Die Maulini SA ist laut einer Mitteilung am 27. November mit dem Prix SVC Genève 2025 ausgezeichnet worden. Das 1910 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 270 Mitarbeitende. Es ist im Neubau von Wohn-, Industrie- und Verwaltungsgebäuden sowie in der Renovation, Transformation und Dämmung von denkmalgeschützten und zeitgenössischen Gebäuden in Genf und in der Region tätig. Seit zehn Jahren bietet das Unternehmen zudem Leistungen als Generalunternehmer an.

    Die Jury des Prix SVC war beeindruckt von der Geschichte des Familienunternehmens mit seinen vier Generationen sowie vom Engagement der Teams und der Geschäftsleitung. „In einem Bereich, in dem es nicht einfach ist, Innovation im Alltag zu verankern, konnten wir die Entwicklung eines Familienunternehmens beobachten, das sich konsequent um seine Auswirkungen und seine Nachhaltigkeit bemüht.“, wird die Jurypräsidentin Sophie Dubuis in der Mitteilung zitiert. „Dieser Preis würdigt seine starke lokale Verankerung, seinen Innovationsgeist und seine Exzellenz.“

    Der Swiss Venture Club (SVC) verlieh den Prix SVC Genève bereits zum dritten Mal. An der Preisverleihung im Bâtiment des Forces Motrices in Genf nahmen mehr als 700 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Medien teil. Ziel der Veranstaltung sei es, „die unternehmerische Vielfalt der Region ins Licht zu rücken“, heisst es in der Mitteilung.

    Zu den weiteren Finalisten gehörten der Uhrenzulieferer Fiedler SA in Carouge GE, der Landschaftsbauer Jacquet SA und die Physiotherapie La Colline Gruppe in Genf sowie die Pneus Claude SA in Satigny GE.

  • Vorteile von intelligenten Gebäudesystemen

    Vorteile von intelligenten Gebäudesystemen

    Pförtner, Telefonistin und Aufzugführer – drei Beispiele für Berufe, die früher für den Betrieb von Gebäuden unerlässlich waren, heute aber weitgehend ausgestorben sind. Zugangskontrolle, Telekommunikation, Lift und viele weitere Bereiche funktionieren längst automatisiert. Mit der Digitalisierung entwickeln sich Immobilien immer mehr in Richtung von «Smart Buildings». Welche Vorteile sich daraus ergeben können und inwiefern damit auch Herausforderungen verbunden sind, zeigt der Blick auf die Gebäudeautomation.

    Gewerke vernetzen
    Durch die Digitalisierung kann die Gebäudeautomation zuvor weitgehend autark agierende Gewerke zu einem vernetzten System zusammenführen. Ein kontinuierlicher Datenaustausch und optimierte Prozesse steigern den Komfort für die Nutzenden ebenso wie die Energieeffizienz. In der Praxis sei dieser integrale Ansatz allerdings noch mit gewissen Herausforderungen verbunden, sagt Turan Babuscu, Head of Automation bei Siemens Schweiz. «Die Abstimmung zwischen den Gewerken erfolgt oft zu spät in einem Bauprojekt.» Dies betrifft beispielsweise die Definition der Schnittstellen und das Klären von Verantwortlichkeiten – Themen, die möglichst früh in der Planungsphase diskutiert werden sollten. «Nur wenn die integrale Zusammenarbeit von Anfang an klar festgelegt ist, kann die Digitalisierung ihr volles Potenzial entfalten», bekräftigt Babuscu.

    Höhere Effizienz, mehr Komfort
    Die Vorteile einer gelungenen integrierten Gebäudeautomation zeigen sich beispielsweise bei der Betriebseffizienz. Werden Daten systematisch erfasst und ausgewertet, lassen sich Energieverbräuche reduzieren, Störungen frühzeitig erkennen und bedarfsgerechte Wartungszyklen entwickeln. Die gebäudetechnischen Systeme benötigen so weniger Energie und haben eine längere Lebensdauer – zwei Aspekte, die für Eigentümerschaften und Betreibende sowohl aus ökologischen wie auch aus ökonomischen Gründen interessant sind.

    Damit in einem Gebäudeautomationssystem alle Gewerke vernetzt und aufeinander abgestimmt werden können, muss das Thema schon in einer frühen Planungsphase einbezogen werden. (Foto: Siemens Schweiz)

    Für Nutzerinnen und Nutzer steht demgegenüber vor allem der höhere Komfort im Fokus, den eine durchgängige Gebäudeautomation erlaubt. Ein Beispiel dafür ist die Anpassung von Raumtemperatur, Beleuchtung und Luftqualität an die Nutzung, die Tageszeit und die Belegung, sodass sich ein gesünderes und produktiveres Innenraumklima ergibt.

    KI wirkt unterstützend
    In den kommenden Jahren werde die Vernetzung verschiedener Systeme innerhalb eines Gebäudes weiter zunehmen, prognostiziert Babuscu. «Dafür braucht es offene, sichere Protokolle wie BACnet/SC oder KNX Secure, die eine hindernisfreie verschlüsselte Kommunikation zwischen den Gewerken und den Cloud-Diensten ermöglichen.» Und wie steht es mit der künstlichen Intelligenz (KI)? «Sie hat bereits heute einen festen Platz in der Gebäudeautomation», sagt Babuscu. «Viele Systeme nutzen lernende Algorithmen, um das Verhalten des Gebäudes zu verstehen und automatisch zu optimieren.» Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. KI dürfte in Zukunft vermehrt selbst Entscheidungen treffen, etwa indem sie die beste Betriebsstrategie oder den optimalen Zeitpunkt für die Wartung festlegt. Wichtig ist, dass der Einsatz der KI transparent, nachvollziehbar und sicher gestaltet wird, um die Akzeptanz der Beteiligten zu erlangen.

    Weitere Informationen:
    https://www.swissbau.ch/de/c/vorteile-von-intelligenten-gebaeudesystemen.74100

  • Baueinsprachen Bundesrat will härter durchgreifen

    Baueinsprachen Bundesrat will härter durchgreifen

    Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen und des Bundesamts für Raumentwicklung zeigt, Einsprachen und Rekurse sind der häufigste Grund, weshalb Wohnbauprojekte verzögert oder gar verhindert werden. Das treibt Kosten in die Höhe, bremst die Bautätigkeit und trägt zur Verschärfung der Wohnungsknappheit bei. Problematisch sind insbesondere Fälle, in denen Einsprachen nicht dem Schutz öffentlicher Interessen dienen, sondern primär private Vorteile sichern oder als Druckmittel eingesetzt werden. Wie etwa wenn für den Rückzug einer Beschwerde Geld verlangt wird.​

    Neue Regeln gegen Rechtsmissbrauch
    Mit der Motion «Missbräuchliche Baueinsprachen sanktionieren» soll der Bundesrat beauftragt werden, eine Grundlage zu schaffen, um Einsprecherinnen und Einsprecher ohne schutzwürdiges Interesse oder mit klar rechtsmissbräuchlicher Absicht zu Kosten- und gegebenenfalls Schadenersatzzahlungen zu verpflichten. Der Bundesrat ist bereit, die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten zu prüfen und auszuloten, wie weit er gestützt auf Artikel 75 BV im Raumplanungsgesetz Leitplanken zur Einsprachelegitimation und zu den Folgen missbräuchlicher Einsprachen vorgeben kann. Die konkrete Ausgestaltung der Verfahren soll weiterhin bei den Kantonen liegen, aber innerhalb eines bundesrechtlichen Rahmens erfolgen.​

    Heikle Abgrenzung und offene Risiken
    Juristen weisen darauf hin, wie schwierig es in der Praxis ist, eine Einsprache klar als missbräuchlich zu qualifizieren. Finanzielle Abgeltungen für den Rückzug eines Rechtsmittels können etwa legitim sein, wenn Nachbarn auf Aussicht, Ruhe oder andere Positionen verzichten. Zudem warnen Akteure wie der Schweizer Heimatschutz davor, dass strengere Hürden und Sanktionsdrohungen den Schutz von Ortsbild und Denkmälern schwächen könnten. Insbesondere in Kantonen ohne Verbandsbeschwerderecht, wo Nachbarn oft als letzte Schutzinstanz auftreten. Das Parlament wird deshalb einen Balanceakt vollziehen müssen. Die Verfahren beschleunigen und Missbrauch eindämmen, ohne berechtigte Einsprachen und demokratische Mitsprache zu entwerten.

  • Bassersdorf plant den nächsten Wachstumsschritt

    Bassersdorf plant den nächsten Wachstumsschritt

    Heute arbeiten auf dem Areal Pöschen, Gmeindwisen rund 90 Personen auf über 90’000 Quadratmetern. In den nächsten 20 Jahren sollen dort 600 bis 800 neue Arbeitsplätze entstehen und Wohnraum für rund 1’200 Menschen geschaffen werden.
     Mit der weitergehenden Umnutzung aller Parzellen ist zusätzlich Platz für 100 bis 200 weitere Arbeitsplätze und rund 300 zusätzliche Einwohnende vorgesehen. Die Grundlage dafür bildet die Umzonung in eine fünfgeschossige Wohn- und Gewerbezone mit Gestaltungsplanpflicht, die seit Februar 2024 rechtskräftig ist. Die Entwicklung erfolgt etappenweise und über mehrere Jahrzehnte, bestehende Gewerbebetriebe behalten ihren Platz.

    Verkehr, ÖV und «autoarmes» Konzept
    Im Dialog mit der Bevölkerung stand der Verkehr im Zentrum. Gefragt wurde nach Parkierung, Erschliessung und der Zukunft des Busbahnhofs. Das Planungsteam betonte die klare Ausrichtung auf den öffentlichen Verkehr. Das Quartier soll keinen Durchgangsverkehr aufnehmen, Autos der Bewohnenden werden in Tiefgaragen parkiert, neue Park-and-Ride-Flächen sind nicht vorgesehen. Trotz Gebietsentwicklung bleibt die geplante Umfahrungsstrasse möglich. Die Verantwortlichen rechnen damit, eher eine jüngere, stärker ÖV-orientierte Bewohnerschaft anzuziehen.

    Grünräume, Quartierleben und Etappierung
    Die rund 50 Anwesenden nahmen insbesondere die grosszügigen Grün- und Freiräume, Plätze und Verbindungswege positiv auf. Das Siegerprojekt strukturiert das Gebiet in klar erkennbare Nachbarschaften, mit einem lärmabschirmenden Riegel entlang der Zürichstrasse, Arbeitsplatzorientierten Nutzungen zu den Gleisen hin und dazwischen vielfältigen Wohnlagen. Diese Gliederung erleichtert die Umsetzung in Etappen. Mit einer vollständigen Realisierung wird in zehn bis fünfzehn Jahren gerechnet.

    Politischer Rückhalt und Mitwirkung
    Gemeindepräsident Christian Pfaller und die Grundeigentümer bekräftigten ihre Unterstützung für das Siegerprojekt und den langfristigen Aufbau eines vielseitigen, nachhaltigen Quartiers. Da die Gemeinde selbst kein Land besitzt, ist sie auf kooperatives Vorgehen mit den Eigentümerschaften angewiesen. Ein Schulhaus wird nicht benötigt. Vorgesehen sind Kindergarten- und Tagesstrukturen, in die sich die Gemeinde einkaufen will. Mit der Bau- und Zonenordnung 2022 hat die Stimmbevölkerung der Transformation zur Mischzone grundsätzlich zugestimmt, gleichzeitig aber eine Gestaltungsplanpflicht verankert. Der aktuelle Mitwirkungsanlass ist Teil dieses Verständigungsprozesses. Die Rückmeldungen fliessen nun in das Richtprojekt ein, das die Basis für den öffentlichen Gestaltungsplan bildet, die voraussichtlich im nächsten Jahr erneut diskutieren wird.

  • Ausbau der Wachstumsmärkte durch regionale Produktion

    Ausbau der Wachstumsmärkte durch regionale Produktion

    Sika hat die Absicht, in Nahen Osten weiter zu wachsen. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen der Spezialitätenchemie für die Baubranche und die Industrie die saudi-arabische Firma Gulf Seal übernommen. Sie fertigt in der Hauptstadt Riad Bitumen-Abdichtungsmembrane. Dieses Angebot ergänze die in der Region bereits verfügbaren Abdichtungstechnologien von Sika optimal, heisst es in einer Mitteilung.

    Nach Angaben der vor 20 Jahren gegründeten saudischen Firma Gulf Seal arbeitet sie mit der „modernsten französischen Technologie“, die vom Schwesterunternehmen Axter France bezogen werde. Damit sei Gulf Seal im Nahen Osten der einzige zertifizierte Hersteller von wasserdichten Bitumen-Membranen mit europäischer CE-Zertifizierung.

    Sika verspricht sich von Gulf Seals Produktionswerk und den etablierten Exportkanälen in die Länder des Golf-Kooperationsrats (GKR) eine deutliche Stärkung der eigenen Marktposition in diesen Wachstumsmärkten. In Saudi-Arabien selbst stärke diese Übernahme Sikas Fähigkeiten, bedeutende Bauprojekte im Zusammenhang mit Saudi-Arabiens Vision 2030, der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2034 und der fortschreitenden Urbanisierung zu realisieren.

    „Die etablierte Marktposition und die lokalen Produktionskapazitäten von Gulf Seal in Kombination mit Sikas breitem Sortiment und globaler Expertise bieten spannende Chancen für weiteres Wachstum in der GKR-Region“, wird Christoph Ganz, Sikas Regional Manager EMEA, zitiert. „Wir freuen uns darauf, das Gulf-Seal-Team in der Sika-Familie willkommen zu heissen.“

  • Restaurierung bringt Eaumorte-Brücke zurück ins Ortsbild

    Restaurierung bringt Eaumorte-Brücke zurück ins Ortsbild

    Das Bauunternehmen MAULINI SA mit Sitz in Satigny informiert in einem LinkedIn-Beitrag über den Abschluss der Restaurierung der Eaumorte-Brücke. Die Brücke zwischen Avully und Cartigny wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und gilt als eine der ältesten des Kantons Genf. Die Arbeiten begannen am 2. Juni 2025 und wurden Ende Oktober abgeschlossen. Die Gemeinde Avully beschreibt die Brücke vor Beginn der Restaurierung als in einem „fortgeschrittenen Zustand der Zerstörung“.

    MAULINI führte sämtliche Arbeiten aus, darunter die Instandsetzung, die Entfernung der Vegetation, den Nachbau der Steine gemäss dem Original und die Gestaltung des Zugangs zur Brücke. Laut dem Unternehmen bestanden „die Arbeiten darin, die Steine mit historischem Mörtel neu zu verfugen, einen neuen Überbau zu erstellen und eine Brüstung aus einheimischem Holz anzubringen, um der Brücke ihre ursprüngliche Stabilität und ihren Charme zurückzugeben“. Ziel der Restaurierung war es, die Brücke für Fussgänger, Velos und Pferde wieder zugänglich zu machen. MAULINI arbeitete für dieses Projekt mit dem Ingenieurbüro EDMS aus Petit-Lancy GE zusammen.

    Die 1910 gegründete MAULINI SA ist auf Hochbau und Tiefbau spezialisiert. Dazu gehören insbesondere Projekte zum Bau von Mehrfamilienhäusern, Industrie- und Verwaltungsgebäuden sowie Restaurierungsprojekte wie das des Conservatoire de Musique de Genève. Das Unternehmen ist einer der fünf Finalisten des Prix SVC Genève 2025, der am 27. November 2025 im Bâtiment des Forces Motrices in Genf verliehen wird.

  • Zwischen Stabilität, Wohnraumschutz und Wachstumsdruck

    Zwischen Stabilität, Wohnraumschutz und Wachstumsdruck

    Aktuelle Stimmung der Basler Immobilienwirtschaft
    Die Ausgangslage präsentiert sich ambivalent. Einerseits herrschen in Basel eine grosse wirtschaftliche Stabilität und eine starke realwirtschaftliche Basis, wie aktuelle Marktanalysen bestätigen. Andererseits drückt der Schuh bei der eigentlichen Produktion von Wohnraum. Im internationalen Vergleich, etwa mit Paris, San Francisco oder London, ist die Kostenbelastung für Wohnen im Verhältnis zu den Löhnen in Basel zwar noch moderat. Doch die Stimmung ist getrübt. Der Wohnungsproduktion geht es nicht gut. Das liegt weniger an fehlenden Investoren, sondern vielmehr an komplexen Planungsprozessen und hausgemachten Hürden.

    Herausforderung Wohnraumschutz
    Ein zentrales Thema der Debatte ist der Basler «Wohnraumschutz». Das Gesetz, ursprünglich gedacht, um die Sozialverträglichkeit von Sanierungen zu sichern und Mieter zu schützen, erweist sich in der Praxis als Investitionshemmnis.

    Kritisiert wird, dass der Wohnschutz zwar gut gemeint ist, aber faktisch das Angebot verknappt. Wenn Sanierungen durch überbordende Vorgaben unwirtschaftlich werden, finden sie schlicht nicht statt. Zwar wurden bereits Anpassungen an der Verordnung vorgenommen, um beispielsweise energetische Erneuerungen zu erleichtern, doch die Unsicherheit bleibt. Es kommen weniger neue Wohnungen auf den Markt, während die Zuwanderung anhält. Dies verschärft genau jene Knappheit, die man eigentlich bekämpfen wollte. Wer heute eine Wohnung sucht, sei es wegen Familiären belangen, Jobwechsel oder Zuzug, der trifft auf einen ausgetrockneten Markt und hohe Preise. Die Regulierung schützt somit den Bestand, benachteiligt aber jene, die neu in den Markt eintreten wollen.

    Learnings für andere Kantone
    Der Blick über die Kantensgrenzen zeigt, Basel dient derzeit eher als Warnung denn als Vorbild in Sachen Regulierung. Die Einführung strenger Schutzbestimmungen erinnert an Fehler der Vergangenheit (Zins- und Regulierungspolitik vor 40 Jahren). Die Lehre für andere Kantone lautet deshalb, man darf das Angebot nicht künstlich verknappen, wenn die steigt.

    Ein weiteres Phänomen ist die Umnutzung von Büroflächen. Was vor vier Jahren aufgrund der Renditeerwartungen noch kaum denkbar war, wird durch gestiegene Zinsen und veränderte Büromärkte plötzlich attraktiv. Doch diese Transformationen schaffen meist keinen günstigen Wohnraum, sondern eher hochpreisige Angebote.

    Basel in der 10-Millionen-Schweiz
    Die Schweiz wächst und Basel wächst mit. Die Stadt verfügt über enorme Potenziale durch ehemalige Industrieareale (z. B. Klybeck Plus) und Transformationsgebiete. Investoren wären bereit, diese Flächen zu entwickeln und zu verdichten. Doch die Problematik ist die Zeitdauer. Planungsprozesse, wie jene für das Klybeck-Areal, ziehen sich über 5 bis 6 Jahre hin, bevor überhaupt gebaut werden kann.

    Für eine Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern ist die Innenverdichtung alternativlos. Dabei müssen Kompromisse gefunden werden, wie etwa bei der «Klimakardinals»-Initiative. Areale über 30’000 m² sollen dichter bebaut werden dürfen, müssen dafür aber strenge ökologische und soziale Kriterien erfüllen. Wichtig ist hier das Verständnis für die Investorenseite, insbesondere Pensionskassen. Diese verwalten Treuhandgelder für die Altersvorsorge und können Wohnraum nicht einfach quersubventionieren. Planungssicherheit ist hier die härteste Währung.

    Zukunft und Lösungsansätze
    Wie sieht die Zukunft aus? Die Branche fordert vor allem Beschleunigung und Flexibilität. Ähnlich wie in Deutschland sollten wir den Planungs-Turbo diskutieren und es bräuchte Mechanismen, um Bewilligungsverfahren drastisch zu verkürzen. Die Immobilien der Zukunft müssen flexibel sein. Was heute ein Büro ist, muss morgen eine Wohnung sein können und übermorgen vielleicht wieder ein Büro oder eine Logistikfläche. Fragmentierte Monostrukturen sind nicht mehr zeitgemäss. Die Angst vor dem Wachstum muss einer Gestaltungslust weichen. Qualität entsteht durch gute Innenverdichtung und Nutzungsmischung, nicht durch Stillstand.

    Die Mittel und das Kapital wären vorhanden, um den Basler Wohnraummangel zu lindern. Was fehlt, ist ein regulatorisches Umfeld, das Investitionen ermöglicht statt verhindert und ein Planungsprozess, der mit der Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen Schritt hält.

  • Generationenwechsel bei suissetec mit Dennis Reichardt

    Generationenwechsel bei suissetec mit Dennis Reichardt

    Dennis Reichardt ist seit fast zwei Jahrzehnten im Verband engagiert und bringt als Unternehmer mit 120 Mitarbeitenden in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klima und Sanitär ausgeprägte Praxisnähe ein. Seine «idée suisse» verbindet den Anspruch, suissetec als Treiberin von Energieeffizienz und erneuerbaren Lösungen zu positionieren, mit einem klaren Bekenntnis zur Zusammenarbeit über alle Sprachregionen hinweg.

    Mit Fokus auf Qualität, Nachwuchsförderung und Zusammenhalt will Reichardt den Verband in einer Phase führen, in der Gebäudetechnik eine Schlüsselrolle für das Erreichen der Klimaziele und die Dekarbonisierung des Gebäudebestands spielt. Für die Branche bedeutet dies eine Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses, aber mit noch stärkerem Gewicht auf Innovation, Fachkräfteentwicklung und integraler Systembetrachtung.

    Kontinuität durch Ehrenpräsidium und rollende Planung
    Mit dem Übergang von Daniel Huser ins Ehrenpräsidium bleibt suissetec eng mit einer Führungspersönlichkeit verbunden, die den Verband über elf Jahre geprägt und das gewerkeübergreifende Denken konsequent gefördert hat. Sein Führungsstil, der interdisziplinär, kooperativ und auf den Gesamtnutzen der Branche ausgerichtet ist, bildet einen Referenzrahmen für das neue Präsidium.

    Parallel sichert die schrittweise Erneuerung des Zentralvorstands die institutionelle Stabilität. Mit klar geplanten Amtsübergaben und Amtszeitbeschränkungen wird Know-how kontinuierlich weitergegeben, ohne den Erneuerungsimpuls zu bremsen. Damit positioniert sich suissetec als Verband, der langfristig denkt, personell vorausschauend plant und zugleich offen für neue Gesichter und Perspektiven bleibt.

  • Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Herr Gobbi, Sie sind seit kurzem für das Bauwesen im Kanton Tessin zuständig. Was sind Ihre ersten Prioritäten in diesem Bereich?
    „In meiner neuen Funktion als Leiter der Bauabteilung, die ich seit dem 1. September innehabe, besteht die Priorität darin, Kontakte mit allen wichtigen Akteuren des Tessiner Bausektors zu knüpfen, um deren Sicht auf die aktuelle Situation und die Aussichten – kurz-, mittel- und langfristig – zu verstehen.“

    Wie wollen Sie die Raumplanung im Tessin nachhaltiger gestalten, insbesondere im Hinblick auf das empfindliche Gleichgewicht zwischen Verdichtung und Landschaftsschutz?
    „Der Kanton Tessin hat eine ganz andere geografische Beschaffenheit als die Kantone des Mittellandes. Alles konzentriert sich auf die wenigen Quadratmeter der Talsohlen, die bereits im 20. Jahrhundert stark anthropisiert wurden: Das macht es sehr schwierig, alle Funktionen, die das Gebiet erfüllen muss, unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit und Lebensqualität zu gewährleisten. Der Schlüssel liegt in einer vorausschauenden Planung und in der Geduld, die Fehler der Vergangenheit Schritt für Schritt zu korrigieren.“

    Welche Rolle spielt der Klimawandel in Ihrer Baupolitik? Gibt es konkrete Pläne für klimaresilientes Bauen im Kanton?
    „Das Tessin erstreckt sich von 200 bis über 3.000 Meter über dem Meeresspiegel und ist daher den Auswirkungen des Klimawandels besonders ausgesetzt. Der Staatsrat ist sich dessen bewusst und hat die Abschwächung dieser Phänomene in die Ziele seines langfristigen Programms aufgenommen.“

    Wie stehen Sie zur Förderung des Einsatzes von Holz und modularer Bauweise in öffentlichen Gebäuden?
    „Mehr als 50 Prozent der Fläche unseres Kantons sind von Wäldern bedeckt. Es ist daher klar, dass wir ein Interesse daran haben, die Nutzung dieser reichlich vorhandenen und hochwertigen Ressource zu fördern. Der Staat ist da und wird seinen Teil dazu beitragen: Ich erwarte auch kreative Impulse von unserer Akademie für Architektur und natürlich eine wachsende Sensibilität seitens des Privatsektors.“

    Der Wohnraum im Tessin wird immer knapper und teurer. Welche Strategien wollen Sie anwenden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
    „Unsere Verfassung überträgt die Verwaltung dieser Fragen in erster Linie den Gemeinden: Ich halte dies für eine kluge Entscheidung, denn die lokalen Behörden kennen das Geschehen vor Ort sehr genau und können daher rasch auf Veränderungen im Wohnungswesen reagieren. Abgesehen davon verfolgt der Kanton das Thema sehr genau und ist bereit, auf regulatorischer Ebene zu intervenieren, wenn es angebracht ist.“

    Wie gedenkt der Kanton mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten, um eine kohärente und einheitliche Raumplanung zu gewährleisten?
    „Das neue Bundesgesetz hat einen völligen Paradigmenwechsel bewirkt, den das Tessin in seinen Masterplan aufgenommen hat: Es ist klar, dass das Thema der Verdichtung – aus Gründen, die mit der von mir erwähnten Beschaffenheit des Gebiets zusammenhängen – für unseren Kanton besonders heikel ist. Die Umsetzung dieser Strategie wird eine breite Debatte sowohl unter den Institutionen als auch in der Gesellschaft insgesamt erfordern.“

    In der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ist die Wirtschaftsförderung sehr aktiv. Wie viel Energie investieren der Kanton bzw. die einzelnen Wirtschaftsbezirke in die Positionierung, und was tun sie konkret?
    „Das Tessin arbeitet ständig daran, sich als dynamische Region zu positionieren, die offen für Innovationen ist. Wir sind nur knapp zwei Stunden von den wirtschaftlichen Zentren Zürich und Mailand entfernt, und wir können in Zukunft danach streben, Realitäten zu beherbergen, die mit der Dynamik dieser Metropolen verbunden bleiben wollen, ohne notwendigerweise Nachteile in Bezug auf die Lebensqualität in Kauf nehmen zu müssen.“

    Welche Lehren ziehen Sie aus Ihrer Zeit als Sicherheitsdirektor für Ihre neue Rolle in der Bauindustrie?
    „Die Aufmerksamkeit für Sicherheit ist eine ‚Denkweise‘, und sie hilft in allen Lebenssituationen – besonders in Berufen, in denen Menschen dem Risiko schwerer oder sogar tödlicher Unfälle ausgesetzt sind. Daher wird es für mich eine Priorität sein, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und eine Bauindustrie anzustreben, in der Menschen arbeiten können, ohne jemals um ihre Sicherheit fürchten zu müssen.“

    Wie schaffen Sie den Übergang von einem stark auf Sicherheit ausgerichteten Bereich zu einem eher technischen?
    „Unser Milizsystem ermutigt uns, ‚aufgeklärte Amateure‘ zu sein, eine Überspezialisierung zu vermeiden und das Bewusstsein zu bewahren, dass die Arbeit des Staates nicht aus wasserdichten Abteilungen besteht, sondern aus miteinander verbundenen Organen, die in ständigem Dialog arbeiten müssen.“

    Sehen Sie Ihre neue Rolle als eine langfristige Aufgabe oder eher als eine Übergangslösung bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2027?
    „Wie ich schon oft gesagt habe, ist die Landverwaltung meine große Leidenschaft nach den Institutionen.“

  • Strom aus dem Parkett

    Strom aus dem Parkett

    Statt auf knapper werdende Eiche setzt das Projekt auf Pappelholz, das als schnell wachsender, klimatoleranter Laubbaum bisher kaum im Parkettmarkt genutzt wird. Mit «grüner Chemie» und der Einlagerung von Lignin aus der Papierindustrie wird das weiche Pappelholz verdichtet und gehärtet, sodass mechanische Eigenschaften und Oberflächenqualität mit Eichenparkett vergleichbar werden.​

    Damit geht die Entwicklung gleich zwei Herausforderungen an. Die Sicherung der Holzversorgung unter Klimawandelbedingungen und die Substitution von erdölbasierten Bodenbelägen durch biobasierte, kreislauffähige Produkte. Für Hersteller eröffnet dies zudem die Möglichkeit, regionale, bislang «zweitrangige» Holzarten in hochwertige Designböden zu überführen.​

    Parkett Sensor und Energiequelle
    Der zweite Innovationsschritt liegt in der Integration von piezoelektrischer Funktionalität. Wird das Holz beim Gehen elastisch verformt, entsteht elektrische Spannung, die im Naturzustand zu gering ist, um praktisch nutzbar zu sein. Durch das Einbetten von Rochelle-Salz, einem Nebenprodukt der Weinproduktion mit starker piezoelektrischer Wirkung, in eine speziell strukturierte Holzmatrix entsteht eine hybride Struktur, die deutlich höhere Spannungen liefert und dennoch recycelbar bleibt.​

    Diese «Salt-in-Wood»-Technologie ermöglicht Parkettlamellen, die selbst als Sensor wirken. Sie erkennen Trittfolgen, Präsenz oder Bewegungsmuster und können perspektivisch genügend Energie erzeugen, um drahtlose Sensorik oder Signale lokal zu versorgen.​

    Anwendungen von Smart Home bis Flughafen
    Kurzfristig zielen die Forschenden auf Sensoranwendungen im Smart Home, etwa zur Zutrittsüberwachung an Türen und Fenstern oder zur präsenzabhängigen Licht- und Klimasteuerung. Mittelfristig rücken hochfrequentierte Flächen wie Flughäfen, Bahnhöfe, Einkaufszentren oder auch kulturelle Orte wie das Tanzhaus Zürich in den Fokus, wo Millionen von Schritten pro Jahr ein erhebliches Energiewandlungspotenzial bieten.​

    Die grosse Herausforderung liegt nun in der Skalierung. Materialprozesse, Sensorintegration, Dauerhaftigkeit und Kosten müssen so industrialisiert werden, dass «Piezo-Parkett» vom Demonstrator zur marktreifen Produktfamilie wird. Ein Ziel, das durch Industriepartnerschaften und Auszeichnungen wie die Nominierung für den «Evergreen Prize for Innovation» Rückenwind erhält.

  • Warum 2026 zum Bau-Streikjahr werden könnte

    Warum 2026 zum Bau-Streikjahr werden könnte

    Der Landesmantelvertrag für rund 80’000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe regelt Löhne, Arbeits- und Reisezeiten, Zuschläge sowie Kündigungsschutz und läuft Ende 2025 aus. Nach mehreren ergebnislosen Verhandlungsrunden warnen Unia und Syna, dass ohne Einigung ein vertragsloser Zustand entstehe und ein landesweiter Arbeitskampf wahrscheinlich werde.​

    Parallel dazu verschärfen die Protesttage, zuletzt im Tessin in mehreren Städten, den Druck auf die Arbeitgeberseite und signalisieren eine hohe Streikbereitschaft an der Basis. In einer grossen Befragung sprachen sich rund 90 Prozent von 20’000 Bauarbeitern für Streikmassnahmen aus, sollte kein tragfähiger Kompromiss zustande kommen.​

    Forderungen der Gewerkschaften
    Im Zentrum der Gewerkschaften stehen drei Themen, familienfreundlichere Arbeitszeiten, rechtssichere Reisezeiten und Sicherung der Kaufkraft. Gefordert werden unter anderem maximal acht Stunden pro Tag, bezahlte Znüni-Pause, volle Anrechnung der Reisezeit zur Baustelle, ein garantierter Teuerungsausgleich sowie reale Lohnerhöhungen nach Jahren sinkender Reallöhne.​

    Die bisherige Praxis, wonach Reisezeiten oft nur teilweise oder gar nicht bezahlt werden, wurde vom Seco als nicht konform mit zwingendem Arbeitsrecht kritisiert, was den Druck erhöht, diesen Punkt im neuen Vertrag verbindlich zu klären. Aus Sicht der Gewerkschaften ist die Verbesserung der Bedingungen zugleich Antwort auf den Fachkräftemangel, der das Bauhauptgewerbe seit Jahren beschäftigt.​

    Position der Baumeister
    Der Schweizerische Baumeisterverband verweist auf bereits europaweit hohe Mindestlöhne und bietet automatische Teuerungsanpassung auf die Mindestlöhne sowie zusätzliche Lohnerhöhungen über Zulagen in den kommenden Jahren an. Gleichzeitig pocht er auf mehr Flexibilität, Tages- und Jahresarbeitszeiten, mehr Gleitzeit, Arbeit an ausgewählten Samstagen ohne Zuschlag und Anpassungen bei Schlechtwetterregelungen.​

    Aus Sicht des Verbandes treiben die Forderungen der Gewerkschaften die Lohnkosten um 12 bis 15 Prozent nach oben und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Branche, insbesondere angesichts steigender Baukosten und unsicherer Auftragslage. Beim Kündigungsschutz älterer Arbeitnehmender signalisiert der Verband gewissen Entgegenkommen, knüpft dies aber an eine Einigung beim Lohnpaket.​

    Eskalation oder Kompromiss?
    Die Gewerkschaften warnen, dass das Flexibilitätsmodell der Arbeitgeber im Ergebnis längere Präsenzzeiten bis zu 50 Stunden pro Woche, mehr Überstunden ohne Zuschlag und höhere Unsicherheit bei Auftragsflauten bringe, mit besonderen Risiken für ältere Bauarbeiter. Der Baumeisterverband kritisiert umgekehrt die Protesttage als Verstoss gegen die vertragliche Friedenspflicht und wirft den Gewerkschaften vor, mit Maximalforderungen einen zukunftsfähigen LMV zu blockieren.​

    Ob 2026 tatsächlich mit einem landesweiten Bau-Streik startet, entscheidet sich in den nächsten Wochen am Verhandlungstisch. Dort, wo aus harten Positionen ein tragfähiger Kompromiss für eine Branche werden muss, die gleichzeitig unter Kosten- und Fachkräftedruck steht.

  • Neue Rohrbrücke stärkt regionales Fernwärmenetz

    Neue Rohrbrücke stärkt regionales Fernwärmenetz

    BRUGG Pipes aus Kleindöttingen, Teil der in Brugg ansässigen BRUGG Group AG, hat vorisolierte Fernwärmerohre für eine Querung der Autobahn A4 geliefert. Das Brückenelement zwischen Holzhäusern und Rotkreuz wurde Ende Oktober eingehoben, heisst es in einer Mitteilung. Bei der Montage sind zwei für Brückenbauwerke taugliche Rohrleitungen mit einer Länge von 48 Metern montiert worden. Sie wiegen ohne Wasser 4,9 Tonnen.

    Die Rohrbrücke verbindet bereits bestehende mit neuen Abschnitten des Wärmeverbundes Ennetsee. Dabei sollen weitere Quartiere und Gewerbestandorte in Rotkreuz ZG, Cham ZG und angrenzenden Gebieten an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Bauherrin des Projekts ist die WWZ. Für die Planung und Bauleitung der Brücke war das Unternehmen B+S AG verantwortlich, unterstützt von der Hodel SHLK AG als Rohrbauer. „Ich bin begeistert, wie die WWZ, B+S, Hodel SHLK und die weiteren Partner dieses Projekt partnerschaftlich und mit grösster Präzision umgesetzt haben. Eine solche Verlegung unserer Rohre mit einer eigenen Brücke ist definitiv nicht alltäglich. Umso mehr freut es mich, dass die Installation erfolgreich verlief und unsere vorisolierten Rohrsysteme nun den Ausbau des Wärmeverbunds Ennetsee sowie die Dekarbonisierung unterstützen“, wird Martin Rigaud, CEO von BRUGG Pipes, in der Mitteilung zitiert.

    Als Wärmequelle nutzt die WWZ die Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia in Perlen LU. Bis Herbst 2026 soll auch Cham mit Fernwärme aus dem Projekt versorgt werden. Insgesamt rechnet man beim Ausbau des Verbunds mit einer Einsparung von etwa 12‘000 Tonnen Kohlendioxid jährlich.

  • Videotechnologie verbessert Arbeitssicherheit auf Baustellen

    Videotechnologie verbessert Arbeitssicherheit auf Baustellen

    Zurich North America und Zurich Resilience Solutions (ZRS), der Risikomanager des Versicherers Zurich, verlangen künftig die Nutzung von Arrowsight-Technologie bei allen von Zurich versicherten Bauabschlussprojekten in New York City. Arrowsight aus Katonah im US-Bundesstaat New York fokussiert auf videobasierte Verhaltensmodifikation und Coaching-Analysen für erhöhte Sicherheit auf Baustellen und zur Reduktion von Arbeitsfällen.

    Hintergrund der in einer Mitteilung angekündigten Zusammenarbeit ist ein dreijähriges Pilotprogramm, in dessen Rahmen Arrowsight-Videoanalysen und Coaching auf acht Grossbauprojekten sowie einem komplexen Tiefbauprojekt angewendet wurden. Verglichen mit zwölf Bauprojekten, auf denen die Sicherheitstechnologien nicht zum Einsatz kamen, verzeichneten die Arrowsight-Arbeiten 50 Prozent weniger Arbeitsunfallmeldungen.

    „Die erhöhte Sicherheit für Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Verringerung von Risiken und möglichem Betrug durch unsere kostengünstigen Videogeräte ist ein Meilenstein für die Branche. Dass die Häufigkeit und die Kosten von Schadenfällen so stark zurückgegangen sind, ist ein direktes Ergebnis der Einhaltung von Arbeitssicherheitsvorschriften – von 70 Prozent vor der Einführung von Arrowsight auf 97 bis 100 Prozent nach Anwendung unserer Technologie“, wird Adam Aronson in der Mitteilung zitiert, Gründer und CEO von Arrowsight. „Seit 2024 spannen wir mit Zurich und Arrowsight bei einem Grossprojekt in New York City zusammen und sind sehr zufrieden damit, wie wenige Schadenfälle wir bisher verzeichnen“, heisst es von Deborah Broom, VP Risk Management bei Tutor Perini Corp., einer beteiligten Baufirma.

    Arrowsight operiert in den gesamten USA künftig als exklusiver Anbieter für kamerabasierte Baustellentechnologie für Zurich North America. Zurich Resilience Solutions wird exklusiver Risikomanagementdienstleister für Arrowsight.

  • Moderner Logistikbau setzt auf Effizienz und Nachhaltigkeit

    Moderner Logistikbau setzt auf Effizienz und Nachhaltigkeit

    Die zu Pestalozzi gehörende Transstahl AG soll künftig die Transporte von Lang- und Sperrgut noch effizienter und flexibler schweizweit durchführen können. Deshalb baut die Pestalozzi Gruppe in Pieterlen ein neues Logistikzentrum, für welches nun laut einer Mitteilung der feierliche Spatenstich gesetzt wurde. Daran haben neben Vertretern von Pestalozzi und Transstahl auch Beat Rüfli, Gemeindepräsident von Pieterlen, und Simon Enderli, Leiter Standortförderung Kanton Bern, sowie weitere Gäste teilgenommen.

    Das Logistikzentrum wird 100 Meter lang, 30 Meter breit und 12 Meter hoch sein. Eine energieeffiziente Heizung ist ebenso geplant wie eine Photovoltaikanlage sowie Ladestationen für Elektro-Last- und Personenwagen. Ein Grossteil der verbauten Materialien stammt aus dem Sortiment der auf Stahltechnik und Haustechnik spezialisierten Pestalozzi Gruppe.

    „Mit diesem Spatenstich investieren wir in die Entwicklung unserer Unternehmensgruppe und bekennen uns klar zum Werkplatz Schweiz und zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Gemeinden und Regionen“, wird Matthias Pestalozzi in der Mitteilung zitiert. Er ist Inhaber und Delegierter des Verwaltungsrates der Pestalozzi Gruppe.

  • Innovationsimpulse für die Bau- und Immobilienwirtschaft

    Innovationsimpulse für die Bau- und Immobilienwirtschaft

    Professor Adrian Wildenauer wird neuer Leiter des Center for Smart Building & Real Estate an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Das Zentrum wird Bereich des ebenfalls neu geschaffenen Departements Banking & Finance, Controlling und Real Estate, heisst es in einer Mitteilung. Das Departement nimmt im Januar 2026 seine Arbeit auf und wird von Nadine Rusch-Schenker geleitet.

    Mit der Übernahme des neuen Amtes will Adrian Wildenauer die Weiterentwicklung der Bau- und Immobilienwirtschaft aktiv mitgestalten. Bislang ist er als Professor für digitales Bauen an der Berner Fachhochschule (BFH) tätig. Zuvor arbeitete er unter anderem bei der SBB AG als Leiter BIM Standardisierung & Branchenaktivitäten sowie in weiteren leitenden Funktionen im Immobiliensektor. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Building-as-a-Service und digitalem Bauen.

    „Mit Adrian Wildenauer gewinnen wir einen international vernetzten Experten, der Theorie und Praxis auf einzigartige Weise verbindet. Seine Arbeit zu Smart Building, Digital Twins und datenbasierten Services stärkt die Innovationskraft der HWZ im Bereich Real Estate Management“, wird Brian Rüeger, Rektor der HWZ, in der Mitteilung zitiert.