Kategorie: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit – Immobiliennews zu ESG, Energie, Klimazielen & nachhaltigen Strategien in der Schweizer Immobilienbranche.

  • Holzbau setzt neuen Standard für kantonale Gebäude

    Holzbau setzt neuen Standard für kantonale Gebäude

    Architekt Markus Schietsch hat für seinen Neubau des kantonalen AVS-Gebäudes in Unterentfelden von „Hochparterre“ einen Hase-Architekturpreis in Silber erhalten. Der Preis wurde am 2. Dezember im Zürcher Museum für Gestaltung verliehen. Er würdigt die architektonische Qualität des Gebäudes sowie die konsequente Umsetzung einer nachhaltigen Bauweise.

    Das neue Gebäude mit seinen Labor- und Büroarbeitsplätzen für derzeit 80 Mitarbeitende war am 25. Oktober 2024 nach zweieinhalbjähriger Bauzeit feierlich eröffnet worden. Die Bauarbeiten hatte die Immobilien Aargau geplant und durchgeführt.

    „Die Auszeichnung bestätigt unseren Weg“, wird Regierungsrat Dr. Markus Dieth in einer Mitteilung zitiert. „Der Kanton Aargau investiert in nachhaltige, wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Gebäude, die auch dem kosteneffizienten Bauen Rechnung tragen. Ich gratuliere Markus Schietsch und der Abteilung Immobilien Aargau herzlich zu diesem Erfolg.“

    Laut Schietsch zeigt diese Auszeichnung, „dass sorgfältige Planung, klare architektonische Haltung und der Mut zu nachhaltigen Materialien wie Holz heute mehr denn je gefragt sind“. Amtsleiterin und Kantonschemikerin Dr. Alda Breitenmoser betont, dass das neue Gebäude „optimale Arbeitsbedingungen“ für den Verbraucherschutz biete: „Die Architektur unterstützt unsere Arbeitsabläufe, schafft ein angenehmes Raumklima und zeigt, dass moderne Verwaltung ökologisch und funktional zugleich sein kann.“

    Anfang November 2025 ist der neue Sitz des AVS bereits vom Holznetzwerk Pro Holz Aargau für seine Holzbauweise ausgezeichnet worden.

  • Ausbau des Recyclings von Baumaterialien in Europa

    Ausbau des Recyclings von Baumaterialien in Europa

    Die Holcim AG mit Sitz in Zug will ihr Portfolio im Bereich des Rezyklierens von Baumaterialien in Europa deutlich ausweiten. Wie es in einer Mitteilungheisst, akquirierte das international agierende Baustoffunternehmen dazu zwei Abbruchunternehmen in England und Deutschland und bereitet die Übernahme eines dritten in Nordwestfrankreich vor. Diese drei Unternehmen rezyklieren bislang jährlich 1,3 Millionen Tonnen Bauschutt.

    Zu den Neuerwerbungen zählen Thames Materials aus Westlondon sowie die A&S Recycling GmbH aus Hannover. Das in Nordwestfrankreich tätige Unternehmen wurde von Holcim bislang nicht näher benannt. Mit Thames Materials agiert Holcim nun im Grossraum London. Hier hatte Holcim bereits 2023 das Logistikunternehmen Sivyer Logistics in Ostlondon übernommen. A&S Recyling bereitet mit drei Standorten im deutschen Bundesland Niedersachsen Abbruchmaterialien in Norddeutschland auf. Mit der Übernahme des französischen Unternehmens erhöht Holcim die Zahl der von ihm im Land geführten Recyler auf 28.

    „Die Übernahmen von Thames Materials, der A&S Recycling GmbH und eines Recyclingunternehmens in Nordwestfrankreich werden unsere führende Position im Bereich des zirkulären Bauens weiter ausbauen und zu unserem Ziel NextGen Growth 2030 beitragen, jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen Bauabbruchmaterialien zu rezyklieren“, wird Milan Gutovic, CEO von Holcim, in der Mitteilung zitiert.

  • Heisser Beton aus Pompeji

    Heisser Beton aus Pompeji

    Römischer Beton bildet das Rückgrat vieler Bauwerke von Hafenanlagen bis zu Aquädukten, die seit über 2000 Jahren Wind, Wetter und Erdbeben trotzen. Die Arbeitsgruppe um Admir Masic am MIT untersucht seit Jahren, warum dieser Baustoff so aussergewöhnlich dauerhaft ist und stützt sich dabei auf chemische Analysen antiker Mörtel. Bereits 2023 formulierte das Team die Hypothese, dass die Römer Kalk nicht als fertig gelöschten Brei einsetzten, sondern als Branntkalk zusammen mit Vulkanasche trocken mischten und erst danach Wasser zugaben.

    Pompeji als konservierte Baustelle
    Die jüngsten Untersuchungen basieren auf einer einzigartigen Fundstelle in Pompeji. Einer durch den Vesuvausbruch von 79 n. Chr. «eingefrorenen» Baustelle mit halbfertiger Mauer, Materialhaufen und Werkzeugen. In Proben aus den vorgemischten Trockenhaufen, aus im Bau befindlichen Wänden und aus fertigen Bauteilen fanden die Forschenden nicht nur die bekannten weißen Kalkklasten, sondern auch unversehrte Fragmente von Branntkalk in der Trockenmischung. Das spricht dafür, dass die Löschreaktion, also das Reagieren des gebrannten Kalks mit Wasser, erst beim eigentlichen Mischen und Erhärten des Betons stattfand und nicht vorgängig, wie es in klassischen Beschreibungen dargestellt wird.

    Widerspruch zu Vitruv und wie er sich auflöst
    Vitruv schilderte im 1. Jahrhundert gegen Chr. in «De architectura», dass Kalk zunächst mit Wasser gelöscht und dann mit Zuschlägen vermischt worden sei. Die nun identifizierte Heissmischtechnik weicht davon ab, indem der Kalk als Branntkalk in der Trockenphase mit Vulkanasche kombiniert wird und das Wasser erst danach hinzukommt. Isotopenanalysen der Mörtel belegen die charakteristischen Karbonatisierungsverläufe, die zu diesem Prozess passen und sich von Mörteln mit vorgängig gelöschtem Kalk unterscheiden. Anstatt Vitruv komplett zu «widerlegen», deuten Fachkreise die Befunde eher so, dass seine Beschreibung nicht das gesamte Spektrum der römischen Praxis abbildet. Regionale oder zeitliche Varianten wie das Heissmischen scheinen verbreiteter gewesen zu sein, als lange angenommen.

    Selbstheilender Beton als Vorbild für morgen
    Der Heissmischprozess erzeugt beim Kontakt von Branntkalk und Wasser erhebliche Wärme, wodurch reaktive Kalkpartikel in der Betonstruktur eingeschlossen werden. Bilden sich später Mikrorisse, können sich diese Partikel erneut lösen, mit eindringendem Wasser reagieren und die Risse wieder verfüllen. Ein Mechanismus der Selbstheilung, der die Langlebigkeit römischer Bauwerke plausibel erklärt. Die neuen Erkenntnisse fliessen in die Entwicklung moderner, nachhaltiger Beton ein. Ziel ist, CO₂-intensive Bindemittelanteile zu reduzieren, die Lebensdauer von Bauwerken massiv zu verlängern und damit den Ressourcenverbrauch des Bauwesens zu senken. Ganz im Sinne eines antiken Vorbilds, das erst jetzt chemisch vollständig verstanden wird.

  • Bahnmodernisierung im sensiblen Alpenraum

    Bahnmodernisierung im sensiblen Alpenraum

    Die STRABAG AG realisiert den noch ausstehenden Sanierungsschritt auf der Zentralbahnstrecke zwischen Meiringen und Brienzwiler im Berner Oberland. Die Schmalspurtstrecke verläuft einspurig entlang der Hasliaare, die zum Hochwassergebiet Aare gehört. Aus Rücksicht auf mehrere Naturschutzgebiete gelte laut einer Mitteilung für den Neubau „höchste Präzision für Logistik und Koordination“. Die Vorarbeiten waren im März 2025 gestartet, seit Oktober 2025 läuft die zehnwöchige Intensivphase.

    Immer wieder war es in dem Gebiet zu Starkregenereignissen gekommen, bei denen der Bahndamm inklusive Oberbau überflutet wurden, was zu Schäden an der Bahninfrastruktur und am angrenzenden Kulturland führe. Bereits 2022 und 2023 hat die STRABAG dort Gleisbauarbeiten (Los 1 und Los 3) vorgenommen. Nun folge mit einem Totalumbau des anspruchsvollen Mittelabschnitts Los 2 über eine Länge von 2600 Metern und mitten im Naturschutzgebiet Sytenwald der Abschluss des Modernisierungsvorhabens. Dabei muss der Bahndamm angehoben werden. Damit Oberflächen- und Hangwasser abfliessen kann, wird eine durchgehende Planungsentwässerung der Strecke realisiert. Der Bereich entlang der Hasliaare erhält eine neue Hochwasserschutzmauer. 

    Als bautechnische Besonderheit gelten laut Mitteilung die „engen Platzverhältnisse und lokal fehlenden redundanten Baupisten in gewissen Abschnitten zwischen Hasliaare, Bahntrassee und mehrerer Naturschutzgebiete“, was besondere Vorkehrungen für Ökologie und Landschaftsschutz erfordere. Zum einen errichtet STRABAG 30 neue Fundamente für die Fahrleitungsmasten auf der flussabgewandten Seite, zum anderen sollen 37 Übergänge die ökologische Durchgängigkeit des Geländes sichern. Das bedeute Schutz für Wild- und Kleintiere beim Queren des Streckenabschnitts.

    Ein besonders anspruchsvoller Bestandteil ergibt sich beim Neubau der Hüsenbachbrücke aus ultrahochfestem und langlebigem Faserbeton (UHFB). Beim Brückenbau werde auf die dort zur Laichzeit vorhandene Forellenpopulation besondere Rücksicht genommen.

  • Aufzugstechnik stärkt die Entwicklung der Destination Andermatt

    Aufzugstechnik stärkt die Entwicklung der Destination Andermatt

    Als Partner von Andermatt Swiss Alps hat der finnische Aufzug- und Rolltreppenhersteller KONE laut einer Mitteilung seit 2011 hundert Anlagen realisiert. Im Rahmen des Entwicklungsprojekts von Samih Sawiri für die Destination würden 1,7 Milliarden Franken investiert; dabei werde auf langfristige Partnerschaften gesetzt. Personen- und Lastenaufzüge von KONE liefen inzwischen in Luxushotels, Villen und Apartmenthäusern vor Ort. Zudem zeichne sich das Unternehmen mit Schweizer Sitz in Brüttisellen für neue Fahrtreppen und einen Fahrsteig im Bahnhof Andermatt verantwortlich.

    Bei den installierten Personenaufzügen handelt es sich laut der Mitteilung zu einem grossen Teil um die Modelle KONE MonoSpace 500 DX und KONE MonoSpace 700 DX, bei den Lastenaufzügen um TranSys DX. Zudem seien etwa für das Fünf-Sterne-Hotel Chedi Andermatt kundenspezifisch Aufzüge angefertigt worden.

    Nachhaltigkeit habe im Sinne von Energieeffizienz, -rückgewinnung und Lebensdauer bei allen Projekten eine wichtige Rolle gespielt, heisst es. Das entspreche nicht nur der Andermatt-Responsible-Initiative, sondern auch den Prinzipien von KONE. Angeführt wird, dass KONE vom Fachmagazin „Corporate Knights“ 2025 unter die 20 nachhaltigsten Unternehmen Europas gewählt wurde.

    Ein Projekt dieser Grösse und Dauer kann laut Jan-Eric Mahnkopf von Andermatt Swiss Alps nur mit starken, langfristigen Partnerschaften erfolgreich umgesetzt werden. „Mit KONE haben wir einen technologisch führenden und zugleich flexiblen Partner an unserer Seite, der unsere hohen Anforderungen an Qualität, Design und Effizienz seit Jahren zuverlässig erfüllt“, wird Mahnkopf als Bauprojektleiter zitiert.

    Diese Langfristigkeit hat laut KONE den Vorteil, Planung und Logistik zu optimieren, immer ausreichend Material und Personal vor Ort zu haben. „Die kollaborierenden Teams sind perfekt eingespielt, man kennt die Bedürfnisse und die Anforderungen des Partners“, heisst es von Lukas Lehmann, dem verantwortlichen KONE-Verkaufsleiter.

  • Zirkulär bauen mit Schilf

    Zirkulär bauen mit Schilf

    Das Wohnhaus von Marina Rosa und Jacobus van Hoorne, entworfen von Gilbert Berthold, Architekt und wissenschaftlicher Assistent an der BFH, sticht in einer Einfamilienhaussiedlung am Neusiedler See bewusst heraus. Es kombiniert einen konsequenten Holzbau mit einem markanten Schilfdach und setzt damit auf lokale, nachwachsende Rohstoffe mit tiefem ökologischem Fussabdruck. Die zahlreichen Auszeichnungen, vom Bauherrinnenpreis der Zentralvereinigung österreichischer Architektinnen über den Architekturpreis des Landes Burgenland bis zum Newcomerpreis «Häuser des Jahres», unterstreichen den Vorbildcharakter des Projekts.

    Schilf als Hochleistungsbaustoff
    Jacobus van Hoorne, ursprünglich Teilchenphysiker am CERN, hat den Schilfschneider- und Schilfdachdeckerbetrieb seines Vaters übernommen und zum Innovationslabor weiterentwickelt. Gemeinsam mit Berthold entwickelte er einen Dachaufbau, der strenge Brandschutzauflagen erfüllt und durch Realbrandversuche behördlich zugelassen wurde. Ein Meilenstein für Schilf im Neubau, auch im dicht besiedelten Raum. Die sanft gekrümmten Dachflächen folgen der Materiallogik. Jeder zusätzliche Neigungsgrad verlängert die Lebensdauer des Daches, die Konstruktion macht die Qualitäten des Naturmaterials sichtbar und lesbar.

    Geometrie, Material und Raum als Einheit
    Der Grundriss des Hauses folgt einem s-förmigen Verlauf, der aus der Drehung des zentralen Wohnraums entsteht. Herzstück ist ein zweigeschossiges, lichtdurchflutetes Atrium, das sich zum Garten öffnet und über Terrassen eng mit dem Aussenraum verknüpft. Kompakt organisierte Funktionsräume schaffen Spielraum für grosszügige Aufenthaltszonen. Das Zusammenspiel von Schilfdach und naturbelassener Eichenholzfassade verbindet Baukörper und Landschaft. Das Dach wird zum gestaltprägenden Element und zu einer zeitgemässen Interpretation traditioneller Handwerkskunst.

    Reallabor für biobasierte Materialien
    Für Gilbert Berthold markierte das Projekt den Start in die Selbstständigkeit und zugleich ein reales Versuchsfeld für nachhaltiges Bauen. Das Haus dient heute als Wohnort, Studienobjekt und Ausstellungsraum zugleich. Es liefert Daten zu Energieeffizienz, Raumklima und zum Langzeitverhalten biobasierter Baustoffe. Im Kontext der BFH fügt es sich in die Forschung zu pflanzenbasierten Materialien wie Stroh, Flachs, Hanf oder Myzel ein und zeigt, dass Schilf nicht nur als Dämmstoff, sondern in architektonischer Hauptrolle bestehen kann.

    Symbol für eine regenerative Baukultur
    Das Projekt macht anschaulich, wie zirkuläres Bauen mit regionalen Ressourcen bereits heute umgesetzt werden kann. Es zeigt Studierenden und Fachleuten, dass regenerative Architektur nicht Zukunftsvision, sondern gebaute Realität ist. Mit Schilf als starkem Symbol für eine Baukultur, die Natur, Technik und Gesellschaft neu zusammendenkt.

  • Schlieren bleibt Energiestadt Gold

    Schlieren bleibt Energiestadt Gold

    Schlieren ist zum zweiten Mal nach 2021 als Energiestadt Gold ausgezeichnet worden, wie aus einer Mitteilung der Stadt hervorgeht. Die Auszeichnung hat eine Gültigkeit von vier Jahren. Als Energiestadt gilt Schlieren bereits seit 2008. „Die erneute Auszeichnung mit dem Energiestadt Gold-Label ist eine grosse Ehre und zeigt uns, dass wir als Stadt auf dem richtigen Weg sind“, wird Beat Kilchenmann, Stadtrat und Vorsteher des Ressorts Werke, Versorgung und Anlagen, in der Mitteilung zitiert.

    Das Label Energiestadt Gold dient dazu, besonders ambitionierte Energie- und Klimaschutzziele zu würdigen. Die Stadt führt hierbei die konkreten Massnahmen an, die in verschiedenen Handlungsfeldern im Rahmen der 2023 beschlossenen Netto-Null-Strategie mit dem Zieljahr 2040 definiert wurden. Diese Massnahmen dienten für die Re-Zertifizierung als Energiestadt Gold als Aktivitätenprogramm. Dazu gehören der Ausbau des Fernwärmenetzes, der Gebrauch erneuerbarer Energie in städtischen Liegenschaften und eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft.

  • Walensee: Steilwand-Solarprojekt wird eingestellt

    Walensee: Steilwand-Solarprojekt wird eingestellt

    Die Felswand auf der Nordseite des Walensees wird in absehbarer Zeit keine Solaranlage erhalten. Wie die Projektpartner EKZ und SAK in einer Mitteilung schreiben, verfolgen sie das Solarprojekt Felsenstrom nicht weiter.

    Die Stromversorger der Kantone Zürich, St.Gallen und beider Appenzell begründen ihren Entscheid zum einen mit Verzögerungen im Bewilligungsverfahren. Anpassungen an das Projekt in Folge von Einsprachen würden eine neuerliche öffentliche Auflage verlangen. Zum anderen wäre die Montage freihängender Module an der Steilwand herausfordernd, aufwendig und zeitintensiv.

    Die Projektpartner rechnen daher nicht mehr damit, das Projekt bis Ende 2030 fertigstellen zu können. Das wäre aber Voraussetzung dafür, dass es in den Genuss der Erleichterungen und Förderungen im Rahmen des Solarexpresses käme.

    Die Anlage sollte am ehemaligen Steinbruch Schnür errichtet werden. Die Solarmodule mit einer Fläche von 44’000 Quadratmetern sollten laut der öffentlichen Bauanzeige von September 2024 rund 12 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen.

  • Neue Wärmezentrale stärkt Energieversorgung in Villmergen

    Neue Wärmezentrale stärkt Energieversorgung in Villmergen

    Der AEW Wärmeverbund Villmergen liefert nach rund zweijähriger Bauzeit und 15 Millionen investierten Franken nachhaltige Wärme für lokale Unternehmen, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Der Wärmeverbund, der erneuerbare Wärme aus regionalem Altholz und Holz aus Kaskadennutzung mit moderner Speicher- und Regeltechnik kombiniert, stärkt die regionale Versorgungssicherheit im Rahmen der Energiestrategie 2050, so die Mitteilung.

    Im Mittelpunkt der Wärmezentrale steht ein effizienter Altholz-Heizkessel mit einer Leistung von 2000 Kilowatt. Geplant sind ausserdem ein weiterer Altholzkessel, Wärmepumpen und ein Spitzenlastkessel, die eine Gesamtleistung von bis zu 10’000 Kilowatt erbringen werden.

    Ein moderner Wärmespeicher mit einem Volumen von 160’000 Litern sichert dabei die Betriebseffizienz, eine Photovoltaikanlage mit einer Jahresproduktion von 220 Megawattstunden (MWh) produziert nachhaltigen Strom. 145 MWh des produzierten Stroms werden für den Eigenverbrauch der Anlage genutzt. Mittels der Power-to-Heat-Technologie wandelt die Anlage überschüssigen Strom in Wärme um und passt sich so Schwankungen im Energiesystem an. Dies führe zu einer besonders effizienten Energienutzung, während man gleichzeitig die Stabilität des Stromversorgungsnetzes unterstütze, erklärt die AEW.

    Nach Endausbau liefert die Wärmezentrale jährlich bis zu 14’500 MWh Wärme und deckt den Bedarf von rund 700 Einfamilienhäusern. Dadurch spare man jährlich rund 710’000 Kubikmeter Erdgas sowie 1500 Tonnen CO2, erklärt Daniel Wernli, Leiter der Wärmeproduktion der AEW.

    Von der Planung über die Bauausführung bis zum Betrieb hat die AEW bewusst Unternehmen aus der Region beauftragt. Auch die lokale Bevölkerung wird mit einbezogen: am Frühjahr 2026 richtet die AEW einen Tag der Offenen Tür im Wärmeverbund aus und erklärt, wie aus regionalem Holz nachhaltige Wärme entsteht.

  • Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Herr Gobbi, Sie sind seit kurzem für das Bauwesen im Kanton Tessin zuständig. Was sind Ihre ersten Prioritäten in diesem Bereich?
    „In meiner neuen Funktion als Leiter der Bauabteilung, die ich seit dem 1. September innehabe, besteht die Priorität darin, Kontakte mit allen wichtigen Akteuren des Tessiner Bausektors zu knüpfen, um deren Sicht auf die aktuelle Situation und die Aussichten – kurz-, mittel- und langfristig – zu verstehen.“

    Wie wollen Sie die Raumplanung im Tessin nachhaltiger gestalten, insbesondere im Hinblick auf das empfindliche Gleichgewicht zwischen Verdichtung und Landschaftsschutz?
    „Der Kanton Tessin hat eine ganz andere geografische Beschaffenheit als die Kantone des Mittellandes. Alles konzentriert sich auf die wenigen Quadratmeter der Talsohlen, die bereits im 20. Jahrhundert stark anthropisiert wurden: Das macht es sehr schwierig, alle Funktionen, die das Gebiet erfüllen muss, unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit und Lebensqualität zu gewährleisten. Der Schlüssel liegt in einer vorausschauenden Planung und in der Geduld, die Fehler der Vergangenheit Schritt für Schritt zu korrigieren.“

    Welche Rolle spielt der Klimawandel in Ihrer Baupolitik? Gibt es konkrete Pläne für klimaresilientes Bauen im Kanton?
    „Das Tessin erstreckt sich von 200 bis über 3.000 Meter über dem Meeresspiegel und ist daher den Auswirkungen des Klimawandels besonders ausgesetzt. Der Staatsrat ist sich dessen bewusst und hat die Abschwächung dieser Phänomene in die Ziele seines langfristigen Programms aufgenommen.“

    Wie stehen Sie zur Förderung des Einsatzes von Holz und modularer Bauweise in öffentlichen Gebäuden?
    „Mehr als 50 Prozent der Fläche unseres Kantons sind von Wäldern bedeckt. Es ist daher klar, dass wir ein Interesse daran haben, die Nutzung dieser reichlich vorhandenen und hochwertigen Ressource zu fördern. Der Staat ist da und wird seinen Teil dazu beitragen: Ich erwarte auch kreative Impulse von unserer Akademie für Architektur und natürlich eine wachsende Sensibilität seitens des Privatsektors.“

    Der Wohnraum im Tessin wird immer knapper und teurer. Welche Strategien wollen Sie anwenden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
    „Unsere Verfassung überträgt die Verwaltung dieser Fragen in erster Linie den Gemeinden: Ich halte dies für eine kluge Entscheidung, denn die lokalen Behörden kennen das Geschehen vor Ort sehr genau und können daher rasch auf Veränderungen im Wohnungswesen reagieren. Abgesehen davon verfolgt der Kanton das Thema sehr genau und ist bereit, auf regulatorischer Ebene zu intervenieren, wenn es angebracht ist.“

    Wie gedenkt der Kanton mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten, um eine kohärente und einheitliche Raumplanung zu gewährleisten?
    „Das neue Bundesgesetz hat einen völligen Paradigmenwechsel bewirkt, den das Tessin in seinen Masterplan aufgenommen hat: Es ist klar, dass das Thema der Verdichtung – aus Gründen, die mit der von mir erwähnten Beschaffenheit des Gebiets zusammenhängen – für unseren Kanton besonders heikel ist. Die Umsetzung dieser Strategie wird eine breite Debatte sowohl unter den Institutionen als auch in der Gesellschaft insgesamt erfordern.“

    In der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ist die Wirtschaftsförderung sehr aktiv. Wie viel Energie investieren der Kanton bzw. die einzelnen Wirtschaftsbezirke in die Positionierung, und was tun sie konkret?
    „Das Tessin arbeitet ständig daran, sich als dynamische Region zu positionieren, die offen für Innovationen ist. Wir sind nur knapp zwei Stunden von den wirtschaftlichen Zentren Zürich und Mailand entfernt, und wir können in Zukunft danach streben, Realitäten zu beherbergen, die mit der Dynamik dieser Metropolen verbunden bleiben wollen, ohne notwendigerweise Nachteile in Bezug auf die Lebensqualität in Kauf nehmen zu müssen.“

    Welche Lehren ziehen Sie aus Ihrer Zeit als Sicherheitsdirektor für Ihre neue Rolle in der Bauindustrie?
    „Die Aufmerksamkeit für Sicherheit ist eine ‚Denkweise‘, und sie hilft in allen Lebenssituationen – besonders in Berufen, in denen Menschen dem Risiko schwerer oder sogar tödlicher Unfälle ausgesetzt sind. Daher wird es für mich eine Priorität sein, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und eine Bauindustrie anzustreben, in der Menschen arbeiten können, ohne jemals um ihre Sicherheit fürchten zu müssen.“

    Wie schaffen Sie den Übergang von einem stark auf Sicherheit ausgerichteten Bereich zu einem eher technischen?
    „Unser Milizsystem ermutigt uns, ‚aufgeklärte Amateure‘ zu sein, eine Überspezialisierung zu vermeiden und das Bewusstsein zu bewahren, dass die Arbeit des Staates nicht aus wasserdichten Abteilungen besteht, sondern aus miteinander verbundenen Organen, die in ständigem Dialog arbeiten müssen.“

    Sehen Sie Ihre neue Rolle als eine langfristige Aufgabe oder eher als eine Übergangslösung bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2027?
    „Wie ich schon oft gesagt habe, ist die Landverwaltung meine große Leidenschaft nach den Institutionen.“

  • Strom aus dem Parkett

    Strom aus dem Parkett

    Statt auf knapper werdende Eiche setzt das Projekt auf Pappelholz, das als schnell wachsender, klimatoleranter Laubbaum bisher kaum im Parkettmarkt genutzt wird. Mit «grüner Chemie» und der Einlagerung von Lignin aus der Papierindustrie wird das weiche Pappelholz verdichtet und gehärtet, sodass mechanische Eigenschaften und Oberflächenqualität mit Eichenparkett vergleichbar werden.​

    Damit geht die Entwicklung gleich zwei Herausforderungen an. Die Sicherung der Holzversorgung unter Klimawandelbedingungen und die Substitution von erdölbasierten Bodenbelägen durch biobasierte, kreislauffähige Produkte. Für Hersteller eröffnet dies zudem die Möglichkeit, regionale, bislang «zweitrangige» Holzarten in hochwertige Designböden zu überführen.​

    Parkett Sensor und Energiequelle
    Der zweite Innovationsschritt liegt in der Integration von piezoelektrischer Funktionalität. Wird das Holz beim Gehen elastisch verformt, entsteht elektrische Spannung, die im Naturzustand zu gering ist, um praktisch nutzbar zu sein. Durch das Einbetten von Rochelle-Salz, einem Nebenprodukt der Weinproduktion mit starker piezoelektrischer Wirkung, in eine speziell strukturierte Holzmatrix entsteht eine hybride Struktur, die deutlich höhere Spannungen liefert und dennoch recycelbar bleibt.​

    Diese «Salt-in-Wood»-Technologie ermöglicht Parkettlamellen, die selbst als Sensor wirken. Sie erkennen Trittfolgen, Präsenz oder Bewegungsmuster und können perspektivisch genügend Energie erzeugen, um drahtlose Sensorik oder Signale lokal zu versorgen.​

    Anwendungen von Smart Home bis Flughafen
    Kurzfristig zielen die Forschenden auf Sensoranwendungen im Smart Home, etwa zur Zutrittsüberwachung an Türen und Fenstern oder zur präsenzabhängigen Licht- und Klimasteuerung. Mittelfristig rücken hochfrequentierte Flächen wie Flughäfen, Bahnhöfe, Einkaufszentren oder auch kulturelle Orte wie das Tanzhaus Zürich in den Fokus, wo Millionen von Schritten pro Jahr ein erhebliches Energiewandlungspotenzial bieten.​

    Die grosse Herausforderung liegt nun in der Skalierung. Materialprozesse, Sensorintegration, Dauerhaftigkeit und Kosten müssen so industrialisiert werden, dass «Piezo-Parkett» vom Demonstrator zur marktreifen Produktfamilie wird. Ein Ziel, das durch Industriepartnerschaften und Auszeichnungen wie die Nominierung für den «Evergreen Prize for Innovation» Rückenwind erhält.

  • Dezentrale Abwasserlösungen gewinnen an Bedeutung

    Dezentrale Abwasserlösungen gewinnen an Bedeutung

    In der Schweiz werden wie in anderen europäischen Staaten Abwässer aus Haushalten zentral entsorgt und aufbereitet. Abwässer aus Toilette, Küche, Wasch- oder Spülmaschinen mischen sich dabei. Ein Rezyklieren wird dadurch deutlich erschwert. Um diese Erschwernis einzudämmen, arbeiten Forschende des Wasserforschungsinstituts Eawag aus Dübendorf an möglichen dezentralen Lösungen, heisst es in einer Mitteilung.

    Bei diesen Lösungen sollen die verschiedenen Abwasserströme bereits am Ort ihres Entstehens getrennt werden. Anschliessend könnten sie vor Ort oder in der Nähe aufbereitet und Ressourcen wie sauberes Wasser, Nährstoffe und Energie zurückgewonnen werden. Um Architektinnen und Architekten sowie Bauplanern die Möglichkeit zu geben, sich einen Überblick über Technologien und praktische Anwendungen zu verschaffen, hat das Wasserforschungsinstitut jetzt eine Toolbox lanciert. Unter anderem werden darin verschiedene Umsetzungsbeispiele vorgestellt. Diese reichen von Lösungen für Einzelhaushalte bis zur Abwasserbehandlung ganzer Quartiere. Die Toolbox enthält dabei drei Gruppen von Faktenblättern von der Definition der Ziele, der Auswahl der Strategie bis hin zu möglichen Anwendungstechnologien.

  • Erneuerbares Gas stärkt lokale Versorgung

    Erneuerbares Gas stärkt lokale Versorgung

    Das Klärgas aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) des Abwasserverbandes Aargau und Umgebung (AVAU) in der Telli in Aarau wird seit Oktober zu einem Teil auch für die lokale Wärmeversorgung genutzt. Dabei bereitet laut einer Mitteilung die Green Power Aarau AG das Gas auf, das dann in das Erdgasnetz der Eniwa AG eingespeist wird.

    Damit wird fossiles Erdgas durch erneuerbares Gas ersetzt. Die Mengen seien derzeit noch überschaubar, heisst es in der Mitteilung. Sie sollten aber mit dem ARA-Ausbau erheblich ausgeweitet werden.

    „Wir zeigen mit diesem Projekt, wie aus dem Nebenprodukt Klärgas ein wertvoller Energieträger wird“, wird Hans-Kaspar Scherrer, CEO von Eniwa und Verwaltungsratspräsident der Green Power Aarau AG, in der Mitteilung zitiert. „Die Zusammenarbeit zwischen AVAU, Green Power Aarau und Eniwa ist ein starkes Beispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft in der Region konkret funktioniert.“ Die drei Unternehmen leisteten gemeinsam einen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung und zur Reduktion der CO2-Emissionen und stärkten die lokale Wertschöpfung, so Scherrer.

  • Erste alpine Solaranlage der Zentralschweiz geht ans Netz

    Erste alpine Solaranlage der Zentralschweiz geht ans Netz

    energieUri hat laut einer Mitteilung auf der Sidenplangg in der Gemeinde Spiringen die erste alpine Solaranlage der Zentralschweiz ans Netz genommen. Die Anlage auf einer Höhe von 1800 bis 2000 Metern soll im Vollausbau bei einer Gesamtleistung von 8 Megawatt pro Jahr 12,5 Gigawattstunden Strom erzeugen. Davon soll knapp die Hälfte im Winter produziert werden.

    Derzeit liefert die Anlage 13 Prozent des anvisierten Stromes. Damit qualifiziert sie sich für die Förderung im Rahmen des Solarexpresses. Die Arbeiten sollen im Frühjahr wieder aufgenommen und bis Ende 2028 abgeschlossen sein.

    An der APV Sidenplangg AG beteiligen sich der Urner Energieversorger energieUri AG als Initiantin und die aventron AG mit Sitz in Münchenstein BL.  „Solche Kraftwerksprojekte schaffen und sichern hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region – sei es bei der Planung, Realisierung oder dem zukünftigen Betrieb sowie der Energiebewirtschaftung durch energieUri“, wird Werner Jauch. CEO von energieUri und Verwaltungsratspräsident der APV Sidenplangg AG, in der Mitteilung zitiert.

  • Auszeichnung für nachhaltigen Spitalbau

    Auszeichnung für nachhaltigen Spitalbau

    Das Kantonsspital Baden (KSB) ist auf dem World Architecture Festival in Miami im US-Bundesstaat Florida ausgezeichnet worden. Die Architektur des KSB-Neubaus erhielt in der Kategorie Health einen Siegerpreis, heisst es in einer Mitteilung. Das World Architecture Festival wurde vom 12. bis 14. November abgehalten.

    Bei der Veranstaltung im Miami Beach Convention Center stimmten 160 internationale Juroren über 460 Projekte ab. Der von Nickl & Partner Architekten Schweiz sowie weiteren Planungspartnern realisierte Spitalbau wurde für seine klare Formensprache, nachhaltige Bauweise und den konsequenten Fokus auf eine heilungsfördernde Umgebung für Patientinnen und Patienten ausgezeichnet, heisst es in der Mitteilung. „Diese Auszeichnung ist eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Vision: ein Spital zu bauen, das medizinische Exzellenz und einen effizienten Betrieb mit modernster Architektur verbindet“, wird Pascal Cotrotzo, CEO des KSB, zitiert. „Wir sind stolz darauf, dass unser Neubau in Miami internationale Anerkennung erhält. Unser Dank gilt allen, die dieses Grossprojekt möglich gemacht haben.“

    Bereits im Juni 2025 hat das KSB in London den European Healthcare Design Award erhalten. Um den gesamten Neubau voll zu Geltung zu bringen, soll auf dem Areal des alten Spitals eine stadtverbundene Grünanlage errichtet werden. Das KSB weist auf eine Beschwerde des Aargauer Heimatschutzes gegen den Rückbau des Altbaus sowie eine Petition mit 7000 Unterschriften gegen diese Beschwerde hin.

  • Neuer Tracker macht Schweizer Power-to-X-Landschaft sichtbar

    Neuer Tracker macht Schweizer Power-to-X-Landschaft sichtbar

    Erneuerbarer Strom kann in chemischen Energieträgern wie Wasserstoff, synthetischem Kraftstoff und Methan gespeichert werden (Power-to-X). Laut einer Mitteilung des Swiss Power-to-X Collaborative Innovation Network SPIN sind bereits mehr als 50 Projekte in diesem Bereich in der Schweiz im Gang.

    SPIN lanciert deshalb gemeinsam mit der Coalition for Green Energy & Storage (CGES) gemeinsam einen Tracker, der einen Überblick über die bekannten Projekte in der Schweiz ermöglicht. Die daraus resultierende Karte macht diejenigen Projekte sichtbar, die über Laborversuche hinaus bereits Demonstrationsprojekte oder gar kommerzielle Anwendungen geworden sind. SPIN sammelt die Daten, CGES visualisiert sie.

    „Der Tracker erleichtert die Zusammenarbeit, indem er eine strukturierte Datenbank bereitstellt, die Synergien zwischen den Akteuren fördert und die Entscheidungsfindung unterstützt“, werden Christoph Sutter und Antonello Nesci, die Co-Direktoren von CGES, in der Mitteilung zitiert.

    Martin Bäumle sieht in den Power-to-X-Technologien den Schlüssel zur Defossilisierung der Wirtschaft. „Mit dem Tracker schaffen wir Transparenz, stärken die Zusammenarbeit und helfen, vielversprechende Ideen in skalierbare Lösungen umzusetzen“, so der Nationalrat (Grünliberale/ZH) und Co-Präsident von SPIN. „Zuverlässige Daten können politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, Vorschriften anzupassen, und Investoren dabei unterstützen, neue Möglichkeiten zu erkennen.“

    Die Karte wird an der CGES-Jahresveranstaltung vorgestellt, die am 21. November bei Swissgrid in Aarau stattfindet. CGES ist eine Koalition von Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Sektor für grüne Energien, die vom ETH-Bereich gegründet worden ist.

  • Doppelte Flächennutzung steigert Solarstromproduktion

    Doppelte Flächennutzung steigert Solarstromproduktion

    Die ARA Thunersee hat laut einer Mitteilung das grösste bewegliche Solarfaltdach der Welt, HORIZON, eingeweiht. Realisiert wurde es vom Cleantech-Unternehmen dhp Technology aus Zizers. Mit einer installierten Leistung von 3,6 Megawatt Peak und rund 3 Gigawattstunden Strom soll die Anlage 700 Haushalte versorgen.

    Wie ARA Thunersee mitteilt, basiert die mehr als 20’000 Quadratmeter grosse Anlage auf einer Technologie der Firma dhp Technology. dhp-CEO Gian Andri Diem sieht grosses Potenzial darin, Energie auf bestehenden Flächen zu erzeugen. „So schaffen wir Fortschritt, ohne zusätzlichen Raum zu beanspruchen“, wird er zitiert.

    Um bei der Energiewende durch Photovoltaik voranzukommen, ist laut dem Projektbeschrieb von dhp eine effiziente Flächennutzung relevant. Speziell Kläranlagen, Logistikareale, Wasserwerke und Parkflächen eignen sich durch bisher ungenutzte Flächen besonders gut für die Solarstromproduktion. Nach den Worten von Ingo Schoppe, Geschäftsführer der ARA Thunersee, leiste eine „intelligente Flächennutzung“ einen aktiven Beitrag zu Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz“.

    Das Solarfaltdach überspanne mehrere Klärbecken und nutze bestehende Infrastrukturflächen doppelt – zur Abwasserreinigung am Boden und zur Solarstromerzeugung darüber. Der dort erzeugte Strom sei für die Abwasserreinigung und Nahversorgung bestimmt.

    Angelehnt an Schweizer Seilbahntechnik sei das Dach imstande, auf extreme  Wetterbedingungen zu reagieren. So falte es sich bei Sturm, Schnee oder Hagel automatisch zusammen. Damit lassen sich Betriebssicherheit und Energieproduktion erreichen, ohne dass in laufende Prozesse eingegriffen werden muss.

  • Basel plant konsequent klimafreundlich und zukunftsorientiert

    Basel plant konsequent klimafreundlich und zukunftsorientiert

    Frau Keller, wie beurteilen Sie die bisherigen Fortschritte bei der nachhaltigen Stadtentwicklung und welche Schwerpunkte setzen Sie in den kommenden Jahren?
    Wir haben schon einiges gemacht – aber es bleibt noch viel zu tun! Wir haben mit unserem Stadtklima-Masterplan und der Klimaschutzstrategie sowie dem dazugehörigen Aktionsplan wichtige Weichen gestellt. Insbesondere die Begrünung und Entsiegelung sowie die Reduktion der CO2-Emissionen gehen wir damit umfassend an. Neben der Reduktion der direkten Emissionen aus dem Betrieb kümmert sich mein Departement auch um die indirekten Emissionen aus der Erstellung von Bauten. Hier prüfen wir aktuell neue Ansätze wie eine Lenkungsabgabe auf indirekte Emissionen beim Bauen. Wir verdichten und nutzen bestehende Gebäude um und wollen künftig über eine Gesetzesänderung das Bauen im Bestand vereinfachen. Das sind die Leitlinien, wie wir in den nächsten Jahren die Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung vorantreiben wollen.

    Mit welchen Massnahmen stärken Sie die Baukultur in Basel und fördern hochwertiges, zukunftsfähiges Bauen?
    Baukultur ist für uns sehr wichtig: Die Baslerinnen und Basler sollen sich wohl fühlen in ihrer Stadt. Das ist natürlich auch für die Erreichung der Klimaziele eine zentrale Grundlage und deshalb ist eine zukunftsweisende Baukultur enorm wichtig. Eine hohe Baukultur stiftet Identifikation und Lebensqualität. Dabei leisten sowohl der Erhalt als auch das Weiterbauen im Bestand, die Pflege traditioneller Bauweisen sowie die Verwendung zukunftsfähiger Technologien und Bauten wesentliche Beiträge. Baukultur ist nachhaltig und nachhaltige Planung muss ein integraler Teil der Baukultur werden. Das zeigt sich übrigens sehr schön auch in unserem «Basler Kompass», wo die Baukultur als einer der ersten Punkte genannt und thematisiert wird.

    Welchen Beitrag kann das Bau- und Verkehrsdepartement im Bereich Kreislaufwirtschaft leisten, um das Ziel Netto Null bis 2037 zu erreichen?
    Basel-Stadt hat eine ehrgeizige Strategie zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Baubereich. Das bedeutet, dass wir Gebäude und Bauprodukte so gestalten wollen, dass sie möglichst lange genutzt werden können und aus wiederverwendeten oder recycelten Materialien bestehen. Ein wichtiger Schwerpunkt ist es, bestehende Gebäude weiterzubauen und zu nutzen, anstatt sie abzureissen und neu zu bauen. Dadurch werden nicht nur Abfälle reduziert, sondern auch die Treibhausgasemissionen verringert, die normalerweise bei der Herstellung neuer Baumaterialien entstehen. Neue Gebäude sollen zudem vermehrt so erstellt werden, dass sie zerlegbar sind und nach Ende ihrer Nutzung als Baumaterial für ein nächstes Bauwerk zur Verfügung stehen (Design for Disassembly). Zusätzlich fördert Basel-Stadt die Verwendung von Recycling-Materialien im Bauprozess wie zum Beispiel Recycling-Asphalt bei Strassenbelägen. Wir arbeiten daran, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um kreislaufgerechtes Bauen zu erleichtern, und wir investieren in die Infrastruktur, die für die Wiederverwendung und das Recycling von Baumaterialien benötigt wird. So hat der Kanton beispielsweise ein eigenes Bauteillager ins Leben gerufen: Kantonales Rückbaumaterial wird in einem Online-Bauteilkatalog erfasst und für die Wiederverwendung in anderen Projekten zur Verfügung gestellt. Durch diese Massnahmen wollen wir nicht nur unsere Klimabilanz verbessern, sondern auch die Innovation im Baubereich fördern.

    Was sind die nächsten Schritte beim Projekt «Grüner Asphalt» und wie bewerten Sie das Klimaschutzpotenzial dieser Innovation?
    Der Einsatz des grünen Asphalts bei Basler Strassenbaustellen entwickelt sich gut. Innerstädtisch kam und kommt grüner Asphalt bis anhin bei mindestens acht grösseren und kleineren Baustellen zum Einsatz. Zu nennen sind zum Beispiel die Burgfelderstrasse, die Freiburgerstrasse oder auch der Eselweg. Aktuell laufen weitere Projekte, bei welchen der Einsatz des grünen Asphalts vorgesehen ist. Wobei wir mit Grünem Asphalt nicht den CO2-Ausstoss direkt verringern. Der Grüne Asphalt bindet aber dank Pflanzenkohle mehr CO2 aus der Atmosphäre, als er bei der Produktion entlässt. So können wir die Klimabelastung des Strassenbaus reduzieren. Ein Selbstläufer ist es aber noch nicht. Es gibt nach wie vor kritische Hersteller und Verbände. Da müssen wir weiter den Dialog suchen und die Chancen aufzeigen.

    Was sind derzeit die grössten Herausforderungen beim Unterhalt und der Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur in Basel?
    Die Herausforderungen sind vielfältig. Ein zentraler Aspekt ist die Notwendigkeit, die bestehenden Infrastrukturen wie Strassen, Brücken und Tramgleise regelmässig zu sanieren, um eine zuverlässige Versorgung mit Wasser und Energie sicherzustellen. Gleichzeitig baut IWB im Auftrag des Kantons Basel-Stadt das Fernwärmenetz bis 2037 um insgesamt 60 Kilometer aus. Dies erfordert eine enge Koordination mit den anderen Sanierungsarbeiten, um die Belastungen für Anwohnende zu minimieren und gleichzeitig auch die Gelegenheit für Umgestaltungen zugunsten des Stadtklimas und des aktiven Verkehrs zu nutzen. Denn auch der Klimawandel ist eine Herausforderung. Wir müssen einerseits die Stadt auf Hitzewellen und extreme Wetterereignisse vorbereiten. Um Hitzeinseln zu vermeiden, gilt es, Asphaltflächen zu entsiegeln und Grün- und Wasserflächen im öffentlichen Raum zu schaffen. Andererseits hat sich der Kanton mit Netto-Null bis 2037 ein ambitioniertes Klimaschutzziel gesetzt. Wir setzen deshalb zum Beispiel vermehrt auf Gebäudesanierungen und Umnutzungen im Bestand und setzen auf Suffizienz, Reduktion der grauen Energie sowie die Minimierung des Betriebsenergieverbrauchs.

    Inwiefern ist die Digitalisierung, zum Beispiel mit neuen Apps für Fahrgäste, Teil Ihrer Strategie zur Erhöhung der Attraktivität des ÖV in Basel?
    Der Digitalisierung kommt beim ÖV ein hoher Stellenwert zu. Die Fahrgäste möchten sich via App über Fahrpläne oder allfällige Betriebsstörungen informieren und dort auch bequem ihr Ticket lösen. Zentral ist die Digitalisierung auch, wenn es ums Teilen und Kombinieren verschiedener Fahrzeuge geht. Viele von uns kombinieren die Tram- oder Busfahrt mit einem Leihfahrzeug: Je nachdem, wo wir wohnen, fahren wir mit einem geliehenen Velo, Trotti oder Auto zur Haltestelle oder von dort zum Zielort. Diese Leihfahrzeuge buchen oder bezahlen wir schon heute mehrheitlich digital. Ziel muss es sein, dass wir digitale Lösungen haben, die alle diese Angebote komfortabel miteinander verbinden. Der grosse Durchbruch ist bisher nicht gelungen, es gibt viele Player und Herausforderungen auf diesem Weg. Aber wir sind an Lösungen dran.

    Was sind aktuell die grössten Herausforderungen bei der grenzüberschreitenden Koordination mit dem Kanton Baselland und den Nachbarländern bezüglich des öffentlichen Verkehrs?
    In unserer Region sind wir es alle gewohnt, täglich Kantons- oder Landesgrenzen zu überschreiten. Entsprechend planen wir in der Region auch vieles gemeinsam über Grenzen hinweg – gerade in der Mobilität. Viele Tram- und Buslinien sind sowohl im Baselbiet als auch in Basel unterwegs. Zudem haben wir zwei grenzüberschreitende Tramlinien – eine von Basel nach St. Louis (F) und eine von Basel nach Weil am Rhein (D). Diese sind sehr erfolgreich und werden gut genutzt, herausfordernd ist jedoch die Finanzierung von Unterhalt und Betrieb der Abschnitte in den Nachbarländern. Die derzeit wohl grösste Herausforderung ist aber weniger die Koordination innerhalb der Region, sondern die Tatsache, dass wir als Region beim Bund teilweise zu wenig wahrgenommen werden. Die aktuellen Diskussionen rund um den dringend notwendigen Bahnausbau in Basel zeigen dies. Ich bin dankbar, dass wir in der Region alle an einem Strang ziehen und gemeinsam für eine trinationale S-Bahn kämpfen, die diesen Namen verdient. Ein durchgängiges S-Bahn-System hat ein grosses Potential für die Verlagerung von Fahrten von der Strasse auf die Schiene.

    Wie sieht Ihr konkreter Zeitplan für die Umstellung der gesamten Busflotte auf Elektroantrieb bis 2027 aus und welche Herausforderungen bestehen dabei noch?
    Diese Umstellung ist in vollem Gang und auf Kurs. Rund die Hälfte der BVB-Busse fahren bereits mit Elektroantrieb. Die Basler Verkehrs-Betriebe werden bis 2027 ihre gesamte Busflotte auf E-Busse umstellen. Damit leistet die BVB einen wesentlichen Beitrag, damit Basel die ambitionierten Klimaziele erreichen kann.

    Sie sind in nationalen Gremien stark vernetzt. Welche Trends oder Best Practices aus anderen Städten und Regionen inspirieren Sie besonders für Basel?
    Der Austausch mit anderen Städten ist immer wieder bereichernd. Alle kämpfen mit denselben Herausforderungen, beispielsweise mit Zielkonflikten bei knappen Platzverhältnissen. Ich beobachte die Pilotversuche mit autonomen ÖV-Angeboten in anderen Städten mit Interesse. Als Präsidentin der Städtekonferenz Mobilität ist es mir wichtig, dass wir in dieser Thematik früh die richtigen Weichen stellen und für neue Herausforderungen wie autonome Fahrzeuge gerüstet sind. Solche neuen Entwicklungen sollen ein Gewinn für alle Seiten sein. Dazu braucht es jedoch gewisse Rahmenbedingungen. 

    Gibt es etwas, das Sie sich für Basel wünschen? Etwas, aus anderen Städten auf der Welt die Sie beeindruckt oder inspiriert hat?
    Wenn man asiatische Städte anschaut, ist man zuweilen schon beeindruckt über das Realisierungstempo von Projekten, gerade im Hoch- und Tiefbau. Auf der anderen Seite bin ich sehr dankbar, dass wir in der Schweiz demokratische Prozesse haben, die zwar langwierig sind, aber dafür sorgen, dass die Menschen einbezogen werden und Einfluss nehmen können. Ich bin überzeugt, dass diese Beteiligung – sei es über das Parlament oder direkt über die Bevölkerung – ein Schlüssel zu mehr Akzeptanz und damit auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. 

  • La Rasude Lausanne

    La Rasude Lausanne

    La Rasude gehört zu den sechs städtischen Transformationspolen Lausannes und liegt direkt am Bahnhof sowie an einem der wichtigsten ÖV-Knoten der Romandie. Aus Sicht der Stadt ist dies der ideale Ort für eine Verdichtung, die kurze Wege, hohe Nutzungsdichte und bessere Lebensqualität verbindet. Der Plan d’affectation definiert hierfür die zulässigen Nutzungen, Gebäudevolumen und Anforderungen an Umwelt, Mobilität und Denkmalschutz.​

    Weiterbauen im Bestand statt Tabula rasa
    Rund 70 Prozent der bestehenden Bauten werden erhalten, darunter das markante, von Alphonse Laverrière entworfene Gebäude an der Avenue de la Gare, dessen Schutz nach Kritik von Bund und Fachleuten in einem überarbeiteten Projekt ausdrücklich gesichert wurde. Einzelne Gebäude wie «Gare 45» und «Horizon» dürfen um zwei Geschosse erhöht werden, dazu kommen zwei neue Baukörper. Einer entlang der Gleise, einer im Quartierzentrum, deren Höhen so definiert sind, dass die bestehende Skyline und Sichtbezüge respektiert bleiben und der Edipresse-Turm nicht überragt wird.​

    Wohnen, Arbeiten und soziale Mischung
    Etwa 30 Prozent der Geschossflächen sind für Wohnen vorgesehen, mindestens 20 Prozent davon als logements d’utilité publique, also gemeinnützige Wohnungen. Insgesamt sollen so knapp 500 Personen in einem heute nicht bewohnten Quartier leben können. Parallel entsteht ein vielfältiger Nutzungsmix mit Büros, einem Hotel, Läden, frühkindlicher Betreuung, Kultur- und Freizeiträumen sowie quartiernahen Dienstleistungen. Rund 500 Quadratmeter werden zu kontrollierten, günstigen Mieten für Kulturschaffende und öffentliche Nutzungen reserviert.​

    Öffentlicher Raum, Begrünung und Mobilität
    Der heute geschlossene, stark versiegelte Komplex wird in ein offenes, fussgängerorientiertes Quartier überführt. Etwa die Hälfte des Areals soll künftig als öffentlicher Raum zur Verfügung stehen, ein grosser Teil davon mit Bäumen und Grünflächen, ergänzt durch begrünte Dächer, Photovoltaikanlagen und den Anschluss an erneuerbare Wärmequellen, um die CO₂-Bilanz deutlich zu verbessern. Die Erschliessung an der Oberfläche erfolgt primär zu Fuss und mit dem Velo, während eine Tiefgarage mit rund 275 Autoparkplätzen und rund 1200 Velostellplätzen die notwendigen Mobilitätsangebote unterirdisch bündelt.​

    Politischer Prozess und Ausblick
    Der Plan liegt bis zum 18. Dezember zur öffentlichen Einsicht auf. Einwendungen und Einsprachen fliessen in die weitere Überarbeitung ein, bevor der Beschlussweg über den Gemeinderat zum Kanton führt. Parallel sind Wettbewerbe für Architektur und öffentliche Räume mit partizipativen Formaten vorgesehen, um die Qualität der Umsetzung zu sichern. Der Baubeginn wird derzeit ab etwa 2029 anvisiert, mit einer gestaffelten Inbetriebnahme des neuen Quartiers zwischen 2031 und 2033. Vorausgesetzt, allfällige politische Referenden ändern den Zeitplan nicht.

  • Vom Werkhof zum klimaresilienten Stadtquartier

    Vom Werkhof zum klimaresilienten Stadtquartier

    Ausgangspunkt der Entwicklung ist der Rückzug des CKW-Werkhofs im Kontext der grossräumigen Transformation rund um den Seetalplatz. Auf Basis eines zweistufigen Studienauftrags der CKW und der Stadt Luzern setzte sich 2022 das Projekt «Habitat – Quartier im Hain» durch. Entscheidend waren der sorgfältige Umgang mit Bestandesbauten. Insbesondere der Shedhalle sowie die konsequente Integration von Freiräumen und Regenwasserbewirtschaftung.

    Die Ideen des Siegerprojekts wurden anschliessend auf den gesamten Perimeter des Bebauungsplans übertragen und planungsrechtlich verankert. Damit entsteht eine koordinierte Gesamtfigur, die private Grundstücke und das ehemalige Werkhofareal zu einem städtebaulichen Ganzen verbindet.

    Städtebau, Nutzungsmischung und Schwammstadt
    Der nordöstliche Teil des Gebiets wird aus lärm- und stadträumlichen Gründen von grösseren, gemischt genutzten Baukörpern in geschlossener Bauweise geprägt. Hier bündeln sich Wohnen, Arbeiten, Dienstleistungen und Erdgeschossnutzungen entlang von Strassen und Plätzen. Der westliche Teil setzt auf offene Wohnbauten, zusammenhängende Grünräume und Wege, welche die angrenzenden Quartiere anbinden.

    Zentrales Element ist eine topographische Mulde im Westen, eine frühere Aue. Sie dient als Retentionsraum für Regenwasser und bildet die Grundlage des «Stadthains», der mit Baumbestand, Versickerungsflächen und kühlendem Mikroklima das Quartier prägt. Regenwassermanagement, klimaangepasste Freiraumgestaltung und das Schwammstadt-Prinzip werden so zu tragenden Bausteinen der Quartiersidentität.

    Soziale Durchmischung und Vielfalt
    Im Endausbau sind in Reussbühl West rund 700 bis 800 zusätzliche Wohnungen vorgesehen, mindestens 20 Prozent davon gemeinnützig. Ergänzt werden sie durch Mehrzweckräume und rund 15’000 bis 18’000 Quadratmeter Arbeitsflächen für Gewerbe und Dienstleistungen. Kurzzeitvermietungen bleiben auf die bereits heute vorhandenen Flächen beschränkt und sind nur im Baufeld C9 zugelassen. Ein bewusstes Signal zugunsten langfristiger Wohn- und Quartiersstrukturen.

    Die Bestandes-Shedhalle wird für publikumsorientierte Nutzungen geöffnet und fungiert als Adresse für Kultur, Freizeit oder kleinteiliges Gewerbe. Zusammen mit den Erdgeschossnutzungen der Neubauten entsteht ein nutzungsgemischtes, ganztägig belebtes Umfeld, das Wohnen, Arbeiten und öffentliche Angebote eng verzahnt.

    Planungsrechtliche Grundlage und zeitliche Perspektive
    Der Bebauungsplan «Reussbühl West» legt die wesentlichen Hauptelemente der städtebaulichen Figur und der Nutzungsverteilung grundeigentümerverbindlich fest und ermöglicht eine etappierte Umsetzung. Vom 24. November bis 23. Dezember 2025 liegt er öffentlich auf. Einsprachen und Verhandlungen fliessen in die weitere Bearbeitung ein, bevor der Plan dem Grossen Stadtrat vorgelegt wird.

    Gemeinsam mit dem bereits rechtskräftigen Bebauungsplan «Reussbühl Ost» entsteht damit ein planungsrechtlicher Rahmen für ein aufgewertetes, gemischt genutztes Quartier mit insgesamt rund 1’000 zusätzlichen Wohnungen und 15 bis 20 Prozent Gewerbeflächen. Die Verdichtung erfolgt schrittweise. Bereits heute sind in Reussbühl Ost erste gemeinnützige Wohnungen und neue Gewerbeflächen im Bau und markieren den Übergang vom industriell geprägten Areal zum urbanen Stadtbaustein der nächsten Generation.

  • Erdarchitektur als Vorbild für das Bauen von morgen

    Erdarchitektur als Vorbild für das Bauen von morgen

    Die Gruben- und Höhlenwohnungen im chinesischen Löss-Plateau gehen auf Siedlungsformen der Jungsteinzeit zurück und gelten als lebendes Fossil der Wohnbaugeschichte. Trotz begrenzter Lebensdauer einzelner Bauten bleibt das Prinzip des eingegrabenen Hofhauses über Jahrtausende erhalten und prägte das Leben von Millionen Menschen.

    Historisch dienten die unterirdischen Hofanlagen vor allem der Landbevölkerung, später wohnten auch politische Akteure wie Mao Zedong oder Xi Jinping zeitweise in solchen Höhlenhäusern. Die Siedlungsstrukturen reichen von einzelnen Höfen bis zu nahezu unsichtbaren, zusammenhängenden Dorfnetzen im Untergrund.

    Löss als Baumaterial und Bauphysikträger
    Tragfähiger, zugleich leicht bearbeitbarer Lössboden bildet die Grundlage dieser Architektur. Wohn- und Nebenräume werden direkt in den gewachsenen Boden geschnitten, meist ohne aufwendige Stützkonstruktionen oder industriell hergestellte Baustoffe. Die Baukosten liegen deutlich unter denen konventioneller Häuser.

    Der zentrale, bis zu zehn Meter tiefe Grubenhof mit acht bis zwölf Metern Seitenlänge ist Erschliessung, Lichtquelle und Lüftungsraum zugleich. Über Rampen oder Treppen wird die Hofebene erreicht, während Sickergruben das Regenwasser aufnehmen und Überschwemmungen verhindern.

    Thermische Trägheit als Klimamaschine
    Die Stärke der Dikengyuan liegt in der konsequent genutzten thermischen Trägheit der Erdmasse. Im Sommer hält die Erdüberdeckung Hitze fern und stabilisiert die Innentemperatur bei rund 14 Grad Celsius, im Winter wirkt die gespeicherte Erdwärme als Puffer gegen tiefe Aussentemperaturen.

    So funktionieren die Häuser als weitgehend passive Klimasysteme, die ohne Heizung und Klimaanlage auskommen. Die Bauweise ist damit kein folkloristisches Relikt, sondern ein frühes, hochwirksames Modell für energieeffizientes, an das Lokalklima angepasstes Bauen.

    Impulse für energieeffiziente Architektur heute
    Für Kader und Fachleute in Planung und Immobilienwirtschaft eröffnen die Dikengyuan wichtige Denkansätze. Lokale Materialien, reduzierte Technik, robuste Bauphysik und die Integration von Gebäuden in den Boden als Klimahülle. Angesichts von Netto-null-Zielen und Ressourcenknappheit zeigen sie, wie resiliente, kostengünstige Wohnformen jenseits hochkomplexer Haustechnik aussehen können.

    Die Herausforderung besteht darin, diese Prinzipien in zeitgemässe Typologien, Normen und Bauprozesse zu übersetzen, Von teilweise eingegrabenen Gebäuden bis zu hybriden Lösungen im verdichteten urbanen Kontext. So wird aus jahrtausendealter Erdarchitektur ein Labor für zukunftsorientiertes, klimaresilientes Bauen.

  • Modernisierung der Trinkwasserversorgung im Kopfholz

    Modernisierung der Trinkwasserversorgung im Kopfholz

    Das in Schlieren ansässige Bauunternehmen STRABAG hat im Auftrag der Gemeinden Horgen, Thalwil, Rüschlikon und Kilchberg mit dem Rückbau und Neubau des Reservoirs Kopfholz begonnen. Das Modernisierungsprojekt soll laut einer Mitteilung von STRABAG die dortige Trinkwasserversorgung bis ins Jahr 2050 sichern. Um die Versorgung mit Wasser durchgängig sicherzustellen, seien für den geplanten Ersatzneubau drei Bauetappen vorgesehen. Die erste Bauetappe soll bis Februar 2026 realisiert werden, als Projektabschluss wird März 2027 angegeben.

    Die Gemeinden betreiben laut der Mitteilung seit 1905 eine gemeinsame Wasserversorgung. Die Verbindung wird mit dem Projekt fortgesetzt, das aus Sicht der Gemeinden „ein starkes Zeichen für eine nachhaltige, sichere und zukunftsorientierte Wasserversorgung“ setzt. Für Rüschlikon wird mit einem Zuwachs an Speicherkapazität von 1000 auf 1600 Kubikmeter gerechnet, in Kilchberg von 1500 auf 2800 Kubikmeter.

    Als besondere Herausforderung für die ausführenden Teams der vier Bauherrschaften wird in der Mitteilung auf das Bauen im laufenden Betrieb hingewiesen. „Das Reservoir versorgt mehr als 6000 Haushalte mit Trinkwasser, die Versorgung muss zu jeder Zeit sichergestellt sein“, wird Beat Spörndli Bauführer, Tiefbau und Strassenbau Nord-Ost, zitiert. Betont werden auch „hohe Anforderungen an Koordination und Hygiene auf der Baustelle“. Voraussetzung sei neben der Einhaltung von SIA-Normen (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) die Verwendung eines speziellen Trinkwasserbetons. Weil der Bau dem Lebensmittelgesetz unterliege, müsse eine keimfreie Wasserlagerung sichergestellt sein. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ermögliche koordinierte Planung, halte Eingriffe ins Waldgebiet gering und stosse Synergien bei Ausschreibungen und Bauabläufen an.

  • Nachhaltigkeit verankert, Dialog stagniert

    Nachhaltigkeit verankert, Dialog stagniert

    Im 2025 stieg der Anteil von Nachhaltigkeitskriterien bei öffentlichen Vergaben auf 47,6 Prozent. Ein Plus von 136 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit rückt der Fokus deutlich weg von rein preisorientierten Bewertungen hin zu qualitativen, lebenszyklusbezogenen Ansätzen.

    Gleichzeitig stagnieren andere qualitative Kriterien bei 53,1 Prozent. Der Anteil von Dialogverfahren (1,1 Prozent) und zugelassenen Varianten (12,2 Prozent) hat sich gegenüber 2024 nahezu halbiert. Diese Entwicklung deutet auf eine Tendenz zur Vereinfachung im Verfahren hin, aber auch auf eine wachsende Unsicherheit vieler Beschaffungsstellen im Umgang mit offenen, kreativen Formaten.

    Neue Perspektive auf den Kulturwandel
    Erstmals beleuchtet der Bericht die „Treiber des Kulturwandels“. Die neue Auswertung misst, welche Indikatoren seit der Revision des Beschaffungsrechts auf Bundes- und Kantonsebene am stärksten zugenommen haben, gewichtet nach Modellqualität und Beobachtungszahl. Ein Fokus auf verlässliche Daten soll zeigen, wo nachhaltige Veränderung tatsächlich messbar ist.

    Bund und Basel-Stadt als Vorreiter
    Besonders dynamisch zeigt sich der Bund. Ende des zweiten Quartals 2025 erreichte er 46 Modellqualitätspunkte, mit Spitzenwerten bei Qualität, Nachhaltigkeit und Angebotsplausibilität. Hinter dem Bund folgt Basel-Stadt (34 Punkte), das trotz späterer Reformumsetzung überdurchschnittlich hohe Fortschritte verzeichnet. Bemerkenswert ist dort die Zunahme von Varianten entgegen dem nationalen Abwärtstrend.

    Weniger Indikatoren, mehr Fokus
    Der aktuelle Bericht wurde zudem methodisch verschlankt. Statt zehn umfasst er neu sieben Indikatoren. Innovation und Preisverlässlichkeit entfallen mangels belastbarer Daten, Projekt- und Ideenwettbewerbe werden gemeinsam bewertet. Damit liegt der Schwerpunkt klar auf jenen Faktoren, die den Kulturwandel tatsächlich stützen. Nachhaltigkeit, Qualität und Transparenz.

    Trend zur Konsolidierung statt Öffnung
    Die jüngsten Ergebnisse deuten auf eine Phase der Konsolidierung. Nachhaltigkeit hat sich etabliert, doch das dialogische Moment des neuen Beschaffungsrechts wird nur zögerlich genutzt. Während einzelne Gebietskörperschaften wie Basel-Stadt gezielt experimentieren, zeigt sich national ein Zurückfallen in traditionelle Muster.

    Damit steht die Branche an einem Punkt, an dem die Reform nun vertieft gelebt wird. Eine echte Kulturveränderung wird sich erst dann voll entfalten, wenn Dialog, Variantenvielfalt und qualitative Bewertung als integrale Bestandteile strategischer Beschaffung verstanden werden.

  • Tessin zeigt Weg zur modernen Stromversorgung

    Tessin zeigt Weg zur modernen Stromversorgung

    Das europäische Energiesystem steht vor der grössten Transformation seiner Geschichte. Verkehr, Industrie und Gebäude werden elektrifiziert, der Strombedarf steigt massiv und die Produktion wird dezentraler und volatiler. Für die Schweiz bedeutet das, ihre Netze grundlegend anzupassen. Im Tessin hat man früh die Weichen gestellt. Bereits 2013 holte der Kanton die grossen Akteure, Swissgrid, die Azienda Elettrica Ticinese (AET) und die SBB an einen Tisch, um Stromnetze und Raumplanung gemeinsam zu denken.

    Die Analyse zeigte klar, dass die in den 1950er-Jahren entstandene Infrastruktur ineffizient war.  Jede Institution hatte für sich Leitungen gebaut, ohne auf Gesamtsicht oder Landschaftsräume Rücksicht zu nehmen. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich an Trassen durch sensible Gebiete. Heute ermöglichen gemeinsame Planungen die Bündelung mehrerer Leitungen auf einer Strecke mit dem Resultat, dass ganze 140 Kilometer überflüssig werden.

    Projekte mit nationaler Strahlkraft
    Kernstück der Umsetzung sind drei Grossprojekte, Airolo – Lavorgo in der Leventina, All’Acqua – Vallemaggia – Magadino und Lavorgo – Magadino in der Riviera und im Piano di Magadino. Sie bilden das Rückgrat für eine sichere Versorgung der nächsten Generationen. Gleichzeitig schaffen sie die Voraussetzung für den Rückbau alter Leitungen, was das Landschaftsbild deutlich entlastet.

    Langwierige Verfahren als Bremse
    Der Bau neuer Hochspannungsleitungen dauert in der Schweiz oft mehr als 15 Jahre. Durch die enge Abstimmung im Tessin konnten jedoch Vertrauen, Koordination und gemeinsame Vorschläge entwickelt werden, die föderale Verfahren beschleunigen sollen. Dabei werden Gemeinden und Bevölkerung aktiv einbezogen, um breit abgestützte Lösungen zu erreichen.

    Landschaftsschutz und Versorgungssicherheit im Gleichklang
    Das Tessin vereint sensible Lebensräume, historische Dörfer und touristisch bedeutende Landschaften mit Seen und Bergen. Der Balanceakt zwischen Versorgungssicherheit und Landschaftsschutz wird hier in beispielhafter Weise gemeistert. Statt einseitig Stromtrassen zu planen, wird das Territorium als Gesamtsystem betrachtet. Ein Ansatz, der die Akzeptanz erhöht und Konflikte reduziert.

    Bundesrat will Modell ausweiten
    Der innovative Prozess blieb nicht unbemerkt. Der Bundesrat hat die Vorteile erkannt und in einer Vorlage vorgeschlagen, das Tessiner Modell auf weitere Kantone auszuweiten. Damit könnte aus einer regionalen Pionierleistung ein nationales Erfolgsmodell werden, mit Signalwirkung für die gesamte Energiewende.

    Das Tessin zeigt, wie die Modernisierung kritischer Infrastrukturen gelingen kann mit technisch effizient, landschaftsverträglich und politisch mehrheitsfähig. Der Rückbau von 140 Kilometern Leitungen ist dabei nur der sichtbarste Erfolg. Entscheidend ist das neue Denken, das Versorgungssicherheit und Lebensqualität gleichermassen stärkt.

  • Start für nachhaltigen Energieverbund in Urdorf

    Start für nachhaltigen Energieverbund in Urdorf

    In der Gemeinde Urdorf ist mit dem offiziellen Spatenstich der Bau des Energieverbunds Urdorf gestartet. In Zusammenarbeit mit Energie360° soll er nach Angaben des Energieversorgers ab Herbst 2026 bis zu 150 Liegenschaften von Privatpersonen und Gemeindeeinrichtungen mit regionaler Wärmeenergie zum Heizen und für Warmwasser versorgen.

    Dafür wird eine Energielösung umgesetzt, die Heizenergie aus Holzschnitzeln und Abwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Dietikon nutzt. Die klimafreundliche Wärmestrategie mindere die Abhängigkeit von fossiler Energie und Preisschwankungen, teilt Energie360° mit. In Urdorf lassen sich jährlich rund 4000 Tonnen CO2 einsparen.

    Mehr als 1500 Haushalte könnten von dem Anschluss profitieren, heisst es. Mit dem Schritt zur nachhaltigen Energieversorgung erfülle die Gemeinde eine „Vorbildfunktion im Bereich Energie und Umwelt“, wird Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner zitiert.

    Der Verbund ist ein relevanter Baustein der regionalen Energieplanung auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gemeinde. Urdorf will bis 2050 das Ziel der Klimaneutralität erreichen. Wärme aus Holzschnitzeln und KVA gilt dabei als eine klimafreundliche, regionale Alternative zu Wärme aus fossilen Energien.

    Für Bürger bietet Energie360° eine Informationsveranstaltung an. Am Montag, 10. November 2025 ab 18 Uhr können Interessierte den aktuellen Stand des  Energieverbunds Urdorf erfahren und sich informieren, wie sie sich der Liegenschaft anschliessen können. Dieser Informationsabend findet im Embrisaal (Im Embi 8) in Urdorf statt.

  • Weiterbildung für moderne Brandschutzkompetenzen

    Weiterbildung für moderne Brandschutzkompetenzen

    Die im Technopark Zürich ansässige AFC Akademie, nach Eigenangaben führend in der Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Brandschutz, Sicherheit und Gebäudetechnik, hat das Umschulungskonzept BSV 2026 entwickelt, das Fachleute laut einer Mitteilung auf die neuen Brandschutzvorschriften BSV 2026 vorbereitet.

    Im Modul A der Weiterbildung vermittelt die Akademie einen Überblick über zentrale Neuerungen der BSV 2026 auf der Stufe Brandschutzfachperson und übt das Erstellen von vorschriftsmässigen Plänen und Konzepten. Dagegen wird im Modul B, auf der Stufe Brandschutzexperte, die praxisnahe Anwendung der neuen Anforderungen und Dokumentationsmethoden gelehrt.

    Die neuen Brandschutzvorschriften BSV 2026 markieren laut AFC Akademie einen grundlegenden Wandel im Schweizer Brandschutz und steigern die Anforderungen deutlich. Risikobasierte Nachweise ersetzen dabei Standardlösungen und machen fundiertes Wissen über bauliche, technische und organisatorische Zusammenhänge unerlässlich. Da Brandschutz integraler Bestandteil von Architektur, Nutzung, Betrieb und Technik wird, müsse auf all diesen Ebenen zusammengespannt werden – interdisziplinäres Denken wird also entscheidend, so die Akademie. Künftig müsse ausserdem klar kommuniziert werden: konkrete Anforderungen an Dokumentation, Qualitätssicherung und Vollzug müssen Bauherrschaften, Behörden und Projektpartnern klar vermittelt werden.

    Die AFC Akademie bietet seit 2016 Ausbildungsprogramme für Brandschutz, nachhaltiges Bauen, Sicherheit und Gebäudetechnik an.

  • Basel-Landschaft vergibt Konzessionen für Wasserkraft

    Basel-Landschaft vergibt Konzessionen für Wasserkraft

    Der Kanton Basel-Landschaft hat sechs Standorte für neue Kleinwasserkraftwerke an der Birs und der Ergolz in den kantonalen Richtplan aufgenommen, informiert die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion in einer Mitteilung. Die Festlegung erfolgte gemäss einer entsprechenden Vorgabe des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Als Kleinwasserkraftwerke gelten in der Schweiz Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 Megawatt, welche die Energie kleinerer Flussläufe zur dezentralen Stromerzeugung nutzen.

    Für die Vergabe der Konzessionen ist das kantonale Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) verantwortlich. Die genauen Standorte der geplanten Wasserkraftwerke können der Mitteilung entnommen werden. Interessierte Unternehmen werden aufgefordert, online eine Request for Information einzureichen. Im Anschluss wird das AUE die Vergabeverfahren für die einzelnen Standorte festlegen.

    Der Kanton Basel-Landschaft hat sich das Ziel gesetzt, seinen Energieverbrauch exklusive Mobilität bis 2030 zu 70 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Die geplanten sechs Kleinwasserkraftwerke sollen zur Umsetzung dieses Ziels beitragen.

  • Neues Wohnensemble praegt Winterthurer Stadtraum

    Neues Wohnensemble praegt Winterthurer Stadtraum

    Die Cham Swiss Properties plant mit dem Bau des Hochhauses Rocket und den drei Tigerli-Wohngebäuden in der Winterthurer Lokstadt ein städtebauliches Ensemble. Rocket & Tigerli, wie die Immobiliengesellschaft das Bauprojekt nennt, bieten laut einer Mitteilung künftig Platz für 300 Mietwohnungen, davon 30 Prozent im preisgünstigen Segment. Somit prägt das Ensemble mit dem 100-Meter Hochhaus nicht nur die Winterthurer Skyline, sondern lindert auch die städtische Wohnungsknappheit.

    Eine Baubewilligung wurde von der Stadt Winterthur bereits im April 2025 erteilt, allerdings mit mehreren Auflagen. So forderte die Stadt den Verzicht auf die geplante Hotelnutzung in der „Rocket“ zugunsten der Errichtung von Mietwohnungen. Infolge der Revision plant die Baugesellschaft nun mit 5000 Quadratmetern Extrawohnraum und widmet das Erdgeschoss, anstelle eines Hotel-Check-Ins, öffentlich zugänglichen Verkaufs- und Gastronomieflächen. Auch das Dachgeschoss wird mit einem Aussichtsraum sowie einer Fläche für Veranstaltungen und Gastronomie umgenutzt.

    , ist trotz Herausforderungen bei der Umnutzung zuversichtlich:

    „Eine öffentliche Zone in einem Wohngebäude bringt Herausforderungen in Bezug auf Privatsphäre und Sicherheit mit sich. Aber wir sind zuversichtlich, eine gute Lösung umsetzen zu können, sodass die gesamte Bevölkerung die Aussicht aus 100 Metern Höhe geniessen kann“, wird Thomas Aebischer in der Mitteilung zitiert, CEO der Cham Swiss Properties.

    Auch das Nachhaltigkeitskonzept des Hochhauses wurde verbessert : anstelle eines Holz-Hybridbaus wird Rocket jetzt mit CO2-äquivalenten Alternativen, die Vorteile in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Planbarkeit und Materialverfügbarkeit bieten, realisiert. Die Zertifizierung nach dem SNBS Gold-Standard bleibt vorgesehen.

    Die Rechtskraft der Baubewilligung wird für 2026 erwartet, ab Mitte 2027 soll gebaut werden. Mit der Fertigstellung wird 2030 gerechnet.

  • Lehm feiert sein Comeback

    Lehm feiert sein Comeback

    Lehm ist seit Jahrtausenden bewährt, besteht aus lokalem Ton, Schluff und Sand, ist ohne energieintensive Brennprozesse verwendbar und fast unbegrenzt verfügbar. Im Gegensatz zu Beton, dessen Herstellung mit dem Brennen von Kalkstein erhebliche CO₂-Emissionen verursacht, punktet Lehm mit minimalem Energieaufwand bei Gewinnung und Verarbeitung. Nach Abschätzung verschiedener Quellen fallen bei der Betonherstellung pro Tonne im Durchschnitt 800–900 kg CO₂ an, bei Lehm oft nur ein Zehntel davon und meist gar keine, sofern natürlich getrocknet wird.​

    Der Lehmpavillon in Horw
    Im Rahmen von «Think Earth» kooperieren die ETH Zürich, die HSLU und Industrieunternehmen, Lehm und Holz als Materialbasis in innovative Anwendung zu bringen. Ein Meilenstein ist der Lehmpavillon in Horw. Lehm- und Holzelemente werden mit recyceltem Oulesse, einem von Oxara entwickelten Mischabbruchstoff, in Hybridform kombiniert. Die Prototypen entstehen im engen Austausch mit Bauindustrie und Studierenden. Das Ziel ist modulare, vorfabrizierte Lehmbauteile mit zuverlässiger Festigkeit, vielseitig einsetzbar und rückbaubar, für mehrgeschossigen Wohnungsbau und flexible Architektur.​

    Vorteile, Herausforderungen und Kreislaufpotenzial
    Lehm ist nicht nur energiesparend, sondern auch speicherfähig für CO₂, insbesondere wenn organische Zuschläge beigegeben werden– so kann er sogar klimapositiv wirken.​ Lehmbaustoffe lassen sich bei Gebäude-Rückbau leicht trennen und wiederverwenden. Der Recyclingprozess ist nicht aufwendig und ermöglicht echte Kreislaufwirtschaft.

    Als Aushublehm oder als Nebenprodukt („Filterkuchen“) aus der Kies- und Aushubwäsche ist Lehm bereits heute regional im Überfluss vorhanden. Bislang scheitert eine breite Anwendung vor allem an fehlender Normierung und Marktreife. Daran arbeiten die Projektpartner von «Think Earth» nun intensiv.​

    Noch sind Lehmbau-Hybridlösungen kostenintensiver als konventioneller Betonbau, aber Fortschritte in der industriellen Fertigung, Materialmischung und Qualitätssicherung bringen sie zunehmend in Reichweite für die Masse.​

    Von der Nische zum Standard?
    Die Forscherinnen und Forscher um HSLU und ETH Zürich arbeiten an der Standardisierung und Normierung der neuen Lehm-Hybridbauelemente, sodass ein Markteintritt in den nächsten zehn Jahren realistisch wird. Die Industrie zeigt grosses Interesse. Insbesondere, weil «Abfall» beim Aushub zum zentralen Rohstoff wird. Mit Lehm, Holz und intelligenten Hybridtechnologien steht ein Bauprinzip bereit, das natürliche Ressourcen schont, Klimavorteile bietet und dennoch architektonische Vielfalt ermöglicht.​ Lehm erlebt ein Innovations- und Image-Revival. «Think Earth» und der Lehmpavillon zeigen, wie Forschung und Bauwirtschaft gemeinsam Lösungen für die Bauwende liefern. Kleiner ökologischer Fussabdruck, Kreislaufpotenzial und Wohngesundheit sind mehr als ein Trend – sie markieren den Weg zu urbaner Baukultur im 21. Jahrhundert.

  • Impulse für nachhaltige Arealentwicklung

    Impulse für nachhaltige Arealentwicklung

    Mit der Harmonisierung der Labels ist die Schweiz einen Schritt weiter. Minergie-Areal fokussieren auf Energieeffizienz, Komfort und klimafreundliche Mobilität und ist mit straffem Zertifizierungsprozess ideal für kleinere, überschaubare Areale. Sie setzt klare Vorgaben, etwa für Gebäudequalität und Monitoring. SNBS-Areal überzeugt bei grossen, komplexen Arealen ab 10’000 m² und deckt gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Aspekte gleichwertig ab. Mit 30 geprüften Kriterien und breiter Nachhaltigkeitsbetrachtung, gilt diese auch als Basis für ESG-Reporting und Sondernutzungsplanungen.​

    Das Beispiel Kraftwerk1 in Zürich
    Kraftwerk1 zeigt den Wert von Selbstorganisation, Vielfalt und Solidarität im urbanen Raum. Demokratie, autoarmes Wohnen, soziale Mietmodelle und flexible Räume sorgen für gelebte Nachhaltigkeit. Die genossenschaftliche Struktur verbindet individuelle Aneignung mit Quartierzusammenhalt und starker Umweltverantwortung.​

    Lebenszyklus, Kosten und Suffizienz als Hebel
    Langfristig sinken Kosten dort, wo Produktlebenszyklen verlängert, Recycling gefördert und Ressourcen optimal genutzt werden. Beat Salzmann verdeutlicht, wie Lebenszyklusmanagement und Kreislaufwirtschaft die finanzielle Planung beeinflussen. Nachhaltige Gebäude sind Investitionen in die Zukunft. Suffizienz, wie Boris Szélpal darlegt, bedeutet gezielte Reduktion und bewussten Umgang mit Material und Energie. Sie erweitert das Nachhaltigkeitsverständnis um den Aspekt des freiwilligen Verzichts, die Entwicklung resilienter Lebensräume und sozialer Strukturen.​

    Nachhaltige Arealentwicklung ist ein koordinierter Prozess. Standards schaffen Klarheit, Genossenschaften leben Werte und Suffizienz eröffnet den Weg zu resilienten Quartieren mit hoher Lebensqualität und geringer Umweltlast. Die Zukunft liegt in der Balance von Komfort und Nachsicht und in der Offenheit, neue Modelle konsequent weiterzuentwickeln.​